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Der Zauberberg. Vol. 2

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DER ZAUBERBERG
Ausgang, das mit einem me-lancholischen Lächeln zu beglei­ten Hans Castorp denn freilich doch nicht umhin konnte.
Am ersten Morgen nach dem Frühstück, bei welchem der Eingesessene den Hospitanten mit der Korona der Tischge­nos-senschaft bekannt gemacht hatte, erfuhr Tienappel von Hofrat Behrens, der lang und bunt, gefolgt von dem schwarz­bleichen Assistenten, in den Saal gerudert kam, um mit seiner rhetori-schen Morgenfrage "Pein geschlafen?" flüchtig darin herum-zustreichen, – erfuhr er, sagen wir, vom Hofrate nicht nur, daß es eine glanzvolle Bieridee von ihm gewesen sei, dem verein-samten Neveu hier oben ein bißchen Gesellschaft zu leisten, sondern daß er auch im ureigensten Interesse sehr recht daran tue, da er ja offenbar total anämisch sei. – Anä­misch, er, Tienappel? – Na, und ob! sagte Behrens und zog ihm mit dem Zeige-finger ein unteres Augenlid herunter. Hochgradig! sagte er. Der Herr Onkel werde direkt schlau handeln, wenn er es sich für ein paar Wochen hier auf seinem Balkon der Länge nach be-quem mache und überhaupt in al­len Stücken dem Vorbilde seines Neffen nachstrebe. In sei­nem Zustande könne man gar nichts Aufgeweckteres tun, als mal eine Weile so zu leben, wie bei leichter tuberculosis pul­monum, die übrigens immer vorhanden sei. –"Gewiß, selbst­vers-tändlich!" sagte der Konsul rasch und blickte dem hoch­nackig Davonrudernden noch eine Weile eifrig-höflich geöffneten Mundes nach, während sein Neffe gelassen und abgebrüht neben ihm stand. Dann traten sie den Lustwandel zur Bank an der Wasserrinne an, der das Gege-bene war, und danach hielt James Tienappel seine erste Liege-stunde, ange­leitet von Hans Castorp, der ihm zum mitgebrach-ten Plaid
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die eine seiner Kameldecken lieh – er selbst hatte in Anbe­tracht des schönen Herbstwetters an einer reichlich genug – und ihn in der überlieferten Kunst des Sicheinwickeins Griff für Griff getreulich unterwies, – ja, er löste, nachdem er den Konsul schon zur Mumie gerundet und geglättet, alles noch einmal auf, um ihn auf eigene Hand und nur unter verbes­sernd-einspringender Beihilfe die feststehende Prozedur wie­derholen zu lassen, und lehrte ihn, den Leinenschirm am Stuhl zu befesti-gen und gegen die Sonne zu richten.
Der Konsul witzelte. Noch war der Geist des Flachlandes stark in ihm, und er machte sich lustig über das, was er da er-lernte, wie er sich schon über den abgemessenen Lustwan­del nach dem Frühstück lustig gemacht hatte. Aber als er das ruhig verständnislose Lächeln sah, mit dem der Neffe seinen Scherzen begegnete und worin die ganze geschlossene Selbst­gewißheit der Sittensphäre sich malte, da wurde ihm angst, er fürchtete für seine Geschäftsenergie und beschloß hastig, das entscheidende Gespräch mit dem Hofrat in Sachen seines Neffen sofort, bald-möglichst, schon diesen Nachmittag her­beizuführen, solange er noch Eigengeist, Kräfte von unten zu­zusetzen hatte; denn er fühlte, daß diese schwanden, daß der Geist des Ortes mit seiner Wohlerzogenheit einen gefährli­chen Feindesbund gegen sie bil-dete.
Ferner fühlte er, daß ganz unnötigerweise der Hofrat ihm empfohlen hatte, hier oben seiner Anämie wegen sich den Ge-bräuchen der Kranken anzuschließen: das ergab sich von selbst, es bestand, wie es schien, gar keine andere Denkbar­keit, und wie weit, vermöge Hans Castorps Ruhe und unbe­rührbarer Selbstsicherheit, dies eben nur so schien, wie weit
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in der Tat und unbedingt genommen nichts anderes möglich und denkbar war, das "war für einen wohlerzogenen Men­schen von Anfang an nicht zu unterscheiden. Nichts konnte einleuchtender sein, als daß nach der ersten Liegekur das aus­giebige zweite Frühstück erfolgte, aus welchem der Lustwan­del nach "Platz" hinunter überzeugend sich ergab, – und da­nach wickelte Hans Castorp seinen Onkel wieder ein. Er wickelte ihn ein, das war das Wort. Und in der Herbstsonne, auf einem Stuhl, dessen Bequemlich-keit völlig unbestreitbar, ja höchst rühmenswert war, ließ er ihn liegen, wie er selber lag, bis der erschütternde Gong zu einem Mittagessen im Kreise der Patientenschaft rief, das sich als erst-klassig, tip-top und dermaßen ausgiebig erwies, daß der sich an-schließende General-Liegedienst mehr als äußerer Brauch, daß er innere Notwendigkeit war und aus persönlichster Überzeu-gung ge­übt wurde. So ging es fort bis zum gewaltigen Souper und zur Abendgeselligkeit im Salon mit den optischen Scherz-instru­menten, – es gab gegen eine Tagesordnung, die sich mit so milder Selbstverständlichkeit aufdrängte, ganz einfach nichts zu erinnern, und auch dann hätte sie keine Gelegenheit zu Ein-wänden geboten, wenn nicht des Konsuls kritische Fähig­keiten durch ein Befinden herabgesetzt gewesen wären, das er nicht geradezu Übelbefinden nennen wollte, das sich aber aus Mü-digkeit und Aufregung bei gleichzeitigen Hitze – und Frostge-fühlen lästig zusammensetzte.
Zur Herbeiführung der unruhig erwünschten Unterre­dung mit Hofrat Behrens war der Dienstweg beschritten wor­den: Hans Castorp hatte beim Bademeister den Antrag ge­stellt und dieser ihn der Oberin weitergegeben, deren
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eigentümliche Be-kanntschaft Konsul Tienappel bei dieser Gelegenheit machte, dergestalt, daß sie auf seinem Balkon er­schien, wo sie ihn lie-gend fand und durch fremdartige Sitten die Wohlerzogenheit des hilflos walzenförmig Gewickelten stark in Anspruch nahm. Das geehrte Menschenskind, erfuhr er, möge sich gefälligst ein paar Tage gedulden, der Hofrat sei besetzt, Operationen, Gene-raluntersuchungen, die leidende Menschheit gehe vor, nach christlichen Grundsätzen, und da er ja angeblich gesund sei, so müsse er sich schon daran ge­wöhnen, daß er hier nicht Num-mer Eins sei, sondern zu­rückstehen und warten müsse. Etwas anderes, wenn er etwa eine Untersuchung beantragen wolle, – worüber sie, Adriati­ca, sich weiter nicht wundern würde, er sol-le sie doch mal ansehen, so, Auge in Auge, die seinen seien etwas trübe und flackernd, und wie er da so vor ihr liege, sehe es alles in allem nicht viel anders aus, als ob auch mit ihm nicht al-les so ganz in Ordnung sei, nicht so ganz sauber, er solle sie recht verste­hen, – und ob es sich nun bei seinem Antrage um eine Un­tersuchung oder um eine Privatunterhaltung handle. Um letztere, selbstvers-tändlich, um eine Privatunterhaltung! ver­sicherte der Liegende. – Dann möge er warten, bis er Be-scheid bekomme. Zu Privatunterhaltungen habe der Hof­rat sel-ten Zeit.
Kurz, alles ging anders, als James es sich gedacht hatte, und das Gespräch mit der Oberin hatte seinem Gleichgewicht einen nachhaltigen Stoß versetzt. Zu zivilisiert, um dem Nef­fen, dessen Einigkeit mit den Erscheinungen hier oben aus seiner unbe-rührbaren Ruhe deutlich hervorging, unhöfli­cherweise zu sagen, wie abschreckend ihm das Frauenzimmer
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dünkte, klopfte er nur vorsichtig mit der Erkundigung bei ihm an, die Oberin sei wohl eine recht originelle Dame, – was Hans Castorp, nachdem er flüchtig prüfend in die Luft ge­blickt, ihm halbwegs zugab, in-dem er die Frage zurückgab, ob die Mylendonk ihm ein Thermometer verkauft ha­be. –"Nein, mir? Ist das ihre Branche?" entgegnete der On­kel ... Aber das Schlimme war, wie deutlich aus seines Neffen Miene hervorging, daß er sich auch dann nicht gewundert haben würde, wenn geschehen wäre, wonach er fragte. "Uns friert nicht", stand in dieser Miene geschrieben. Den Konsul aber fror, ihn fror andauernd bei heißem Kopfe, und er über­legte, daß, wenn die Oberin ihm tatsächlich ein Thermometer angeboten hätte, er es gewiß zurückgewiesen haben würde, daß dies aber am Ende nicht richtig gewesen wäre, da man ein fremdes, zum Beispiel das des Neffen, zivilisierter-weise nicht benutzen konnte.
So vergingen einige Tage, vier oder fünf. Das Leben des Sendboten lief auf Schienen, – auf denen, die ihm gelegt wa­ren, und daß es außerhalb ihrer laufen könne, schien keine Denkbar-keit. Der Konsul hatte seine Erlebnisse, gewann sei­ne Eindrük-ke, – wir wollen ihn nicht weiter dabei belau­schen. Er hob eines Tages in Hans Castorps Zimmer ein schwarzes Glasplättchen auf, das unter anderem kleinen Pri­vatbesitz, womit der Inhaber sein reinliches Heim ge­schmückt, gestützt von einer geschnitz-ten Miniaturstaffelei, auf der Kommode stand und sich, gegen das Licht erhoben, als photographisches Negativ erwies. "Was ist denn das?" fragte der Onkel betrachtend ... Er mochte wohl fragen! Das Porträt war ohne Kopf, es war das Skelett eines menschlichen
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Oberkörpers in nebelhafter Fleischeshülle, – ein weiblicher Torso übrigens, wie sich erkennen ließ. "Das? Ein Souvenir", antwortete Hans Castorp. Worauf der Onkel "Par-don!" sagte, das Bildnis auf die Staffelei zurückstellte und sich rasch da­von entfernte. Dies nur als Beispiel für seine Erlebnisse und Eindrücke in diesen vier oder fünf Tagen. Auch an einer Con­ference des Dr. Krokowski nahm er teil, da es undenkbar war, sich davon auszuschließen. Und was die erstrebte Priva­tun-tcrhaltung mit Hofrat Behrens betraf, so bekam er am sechsten Tage seinen Willen. Er wurde bestellt und stieg nach dem Früh-stück, entschlossen, ein ernstes Wort mit dem Manne wegen seines Neffen und dessen Zeitverbrauchs zu reden, ins Souter-rain hinab.
Als er wieder heraufkam, fragte er mit verminderter Stimme:
"Hast du so etwas schon gehört?!"
Aber es war klar, daß Hans Castorp bestimmt auch so et­was schon gehört habe, daß ihn auch dabei nicht frieren wer­de, und so brach er ab und antwortete auf des Neffen wenig gespannte Gegenerkundigung nur: "Nichts, nichts", zeigte aber von Stund an eine neue Gewohnheit: nämlich mit zu­sammengezogenen Brauen und gespitzten Lippen irgendwo­hin schräg aufwärts zu spähen, dann in heftiger Wendung den Kopf herumzuwerfen und den beschriebenen Blick in die entgegengesetzte Richtung zu lenken ... War auch die Unter­redung mit Behrens anders verlaufen, als der Konsul gedacht hatte? War auf die Dauer nicht nur von Hans Castorp, son­dern auch von ihm selbst, James Tien-appel, die Rede gewe­sen, so, daß dem Gespräch der Charakter als Privatunterhal-
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tung verloren gegangen war? Sein Benehmen ließ darauf schließen. Der Konsul zeigte sich stark aufgeräumt, plauderte viel, lachte grundlos und stieß den Neffen mit der Faust in die Weiche, indem er ausrief: "Hallo, alter Bursche!" Zwischen­durch hatte er jenen Blick, dahin und dann plötzlich dorthin. Aber seine Augen gingen auch bestimmtere Wege, bei Tische wie auf den Dienstwegen und bei der Abendgeselligkeit.
Der Konsul hatte einer gewissen Frau Redisch, Gattin ei­nes polnischen Industriellen, die am Tische der zur Zeit ab­wesenden Frau Salomon und des gefräßigen Schülers mit der Rundbrille saß, anfangs keine besondere Beachtung ge­schenkt; und in der Tat war sie nur eine Liegehallendame wie eine andere, übrigens eine untersetzte und füllige Brünette, nicht mehr die Jüngste, schon etwas angegraut, aber mit zier­lichem Doppelkinn und lebhaften braunen Augen. Kein Ge­danke daran, daß sie sich im Punkte der Zivilisation mit Frau Konsul Tienappel drunten im Flachlande hätte messen kön­nen. Allein am Sonntagabend, nach dem Souper, in der Halle, hatte der Konsul, dank einem dekol-letierten schwarzen Pail­lettenkleid, das sie trug, die Entdeckung gemacht, daß Frau Redisch Brüste besaß, mattweiße, stark zu-sammengepreßte Weibesbrüste, deren Teilung ziemlich weit sichtbar gewesen war, und diese Entdeckung hatte den reifen und feinen Mann bis in den Grund seiner Seele erschüttert und begeistert, so, als habe es eine völlig neue, ungeahnte und uner-hörte Be­wandtnis damit. Er suchte und machte Frau Redischs Be­kanntschaft, unterhielt sich lange mit ihr, zuerst im Stehen, dann im Sitzen, und ging singend schlafen. Am nächsten Tag trug Frau Redisch kein schwarzes Paillettenkleid mehr, son-
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dern war verhüllt; aber der Konsul wußte, was er wußte und blieb seinen Eindrücken treu. Er suchte die Dame auf den Dienstwegen abzufangen, um sich plaudernd, auf eine beson­dere, angele-gentliche und charmante Art ihr zugewandt und zugeneigt, ne-ben ihr zu bewegen, trank ihr bei Tische zu, was sie erwiderte, indem sie lächelnd die Goldkapseln blitzen ließ, mit denen mehrere ihrer Zähne überkleidet waren, und erklärte sie im Gespräch mit seinem Neffen geradezu für ein "göttliches Weib", – worauf er wieder zu singen begann. Dies alles ließ Hans Castorp sich in ruhiger Duldsamkeit gefallen, mit einer Miene, als müsse es so sein. Aber die Autorität des älteren Verwandten konnte es wenig stärken, und mit des Konsuls Sendung stimmte es schlecht überein.
Die Mahlzeit, bei der er Frau Redisch mit erhobenem Gla­se grüßte, und zwar zweimal: beim Fischragout und später beim Sorbett, war dieselbe, die Hofrat Behrens am Tische Hans Ca-storps und seines Gastes einnahm, – er hospitierte ja immer reihum an jedem der sieben, und überall war das Gedeck an der oberen Schmalseite ihm vorbehalten. Die riesi­gen Hände vor seinem Teller gefaltet, saß er mit seinem ge­schürzten Bärtchen zwischen Herrn Wehsal und dem mexi­kanischen Buckligen, mit dem er spanisch sprach – denn er beherrschte alle Sprachen, auch Türkisch und Ungarisch, – und sah mit blau quellenden, rot un-terlaufenen Augen zu, wie Konsul Tienappel Frau Redisch drü-ben mit seinem Bor­deauxglase salutierte. Später im Laufe des Essens hielt der Hofrat einen kleinen Vortrag, angefeuert dazu durch James, der ihm über die ganze Länge des Tisches hin aus dem Steg­reif die Frage vorlegte, wie es sei, wenn der Mensch verwese.
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Der Hofrat habe doch das Körperliche studiert, der Körper sei ganz ausgesprochen seine Branche, er sei sozusagen eine Art Körperfürst, wenn man sich so ausdrücken dürfe, und nun solle er mal erzählen, wie es so zugehe, wenn der Körper sich auflöse!
"Vor allen Dingen platzt Ihnen der Bauch", versetzte der Hofrat, bei aufgelegten Ellbogen über seine gefalteten Hände gebeugt. "Sie liegen da auf Ihren Hobelspänen und Ihrem Sä­ge--ehl, und die Gase, verstehen Sie, treiben Sie auf, sie blähen Sie mächtig, so wie böse Bengels es mit Fröschen machen, de-nen sie Luft einblasen – , der reine Ballon sind Sie schließ­lich, und dann hält Ihre Bauchdecke die Hochspannung nicht mehr aus und platzt. Pardauz, Sie erleichtern sich merklich, Sie machen es wie Judas Ischarioth, als er vom Aste fiel, Sie schütten sich aus. Tja, und danach sind Sie eigentlich wieder gesell-schaftsfähig. Wenn Sie Urlaub bekämen, so könnten Sie Ihre Hinterbliebenen besuchen, ohne weiter Anstoß zu erregen. Man nennt das ausgestunken haben. Begibt man sich danach an die Luft, so wird man noch wieder ein ganz feiner Kerl, wie die Bürger von Palermo, die in den Kellergängen der Kapuziner vor Porta Nuova hängen. Trocken und elegant hängen sie da und genießen die allgemeine Achtung. Es kommt darauf an, ausgestunken zu haben."
"Selbstvers-tändlich!" sagte der Konsul. "Ich danke ver­bind-lichst!" Und am nächsten Morgen war er verschwunden.
Er war weg, verreist, mit dem allerfrühesten Züglein in die Ebene hinunter – natürlich nicht ohne seine Angelegenhei­ten geordnet zu haben: wer käme auf andere Gedanken! Er hatte seine Rechnung bereinigt, für eine stattgehabte Unter-
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suchung das Honorar erlegt, hatte in aller Stille, ohne seinem Verwand-ten ein Sterbenswörtchen zu sagen, seine beiden Handkoffer in Bereitschaft gesetzt – wahrscheinlich war das abends oder gegen Morgen zu noch nachtschlafender Zeit ge­schehen – und als Hans Castorp um die Stunde des ersten Frühstücks das Zimmer des Onkels betrat, fand er es geräumt.
Mit eingestemmten Armen stand er und sagte "So, so". Hier war es, daß ein melancholisches Lächeln sich in seinen Zügen hervorbildete. "Ach so", sagte er und nickte. Da hatte einer Fersengeld gegeben. Hals über Kopf, in stummer Eile, als müsse er die Entschlußkraft eines Augenblicks wahrneh­men und dürfe beileibe diesen Augenblick nicht verpassen, hatte er seine Sa-chen in die Koffer geworfen und war davon: allein, nicht zu zweien, nicht nach Erfüllung seiner ehrenhaf­ten Sendung, aber heilfroh, auch nur allein davonzukommen, der Biedermann und Flüchtling zur Flachlandsfahne, Onkel James. Na, glückliche Reise!
Hans Castorp ließ niemanden merken, daß er von dem be-vorstehenden Aufbruch des Verwandtenbesuches nichts gewußt hatte, besonders den Hinkenden nicht, der den Kon­sul zum Bahnhof begleitet. Er bekam eine Karte vom Boden­see, des In-haltes, James habe ein Telegramm erhalten, das ihn per sofort geschäftlich in die Ebene berufen habe. Er habe den Neffen nicht stören wollen. – Eine Formlüge. –"Ange­nehmen Aufent-halt auch weiterhin!" – War das Spott? Dann war es ein recht erkünstelter Spott, fand Hans Castorp, denn dem Onkel war be-stimmt nicht nach Spott und Spaß zu Sinn gewesen, als er sich in die Abreise gestürzt hatte, sondern er hatte wahrgenommen, innerlich und vorstellungsweise mit
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