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ivanov666
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DAS SCHLOß
lung zu bekommen, verständigten sie sich schnell, es war sehr
leicht, da K. den Hof kannte, dessen Tor in die Seitenstraße
führte, neben dem Tor war ein kleines Pförtchen, hinter dem
wollte Pepi in einer Stunde etwa stehen und es auf dreimaliges Klopfen öffnen.
Das Privatkontor lag gegenüber dem Ausschank, nur der
Flur war zu durchqueren, die Wirtin stand schon im beleuchteten Kontor und sah ungeduldig K. entgegen. Es gab aber
noch eine Störung. Gerstäcker hatte im Flur gewartet und
wollte mit K. sprechen. Es war nicht leicht, ihn abzuschütteln,
auch die Wirtin half mit und verwies Gerstäcker seine Zudringlichkeit. "Wohin denn? Wohin denn?" hörte man Gerstäcker noch rufen, als die Tür schon geschlossen war, und die
Worte vermischten sich häßlich mit Seufzern und Husten.
Es war ein kleines, überheiztes Zimmer. An den Schmalwänden standen ein Stehpult und eine eiserne Kasse, an den
Längswänden ein Kasten und eine Ottomane. Am meisten
Raum nahm der Kasten in Anspruch; nicht nur, daß er die
ganze Längswand ausfüllte, auch durch seine Tiefe engte er
das Zimmer sehr ein, drei Schiebetüren waren nötig, ihn völlig zu öffnen. Die Wirtin zeigte auf die Ottomane, daß
sich K. setzen möge, sie selbst setzte sich auf den Drehsessel
beim Pult. "Hast du nicht einmal Schneiderei gelernt?" fragte
die Wirtin. – "Nein, niemals", sagte K. – "Was bist du denn
eigentlich?" – "Landvermesser." – "Was ist denn das?" K. erklärte es, die Erklärung machte sie gähnen. "Du sagst nicht
die Wahrheit. Warum sagst du denn nicht die Wahrheit?" –
"Auch du sagst sie nicht." – "Ich? Du beginnst wohl wieder
mit deinen Keckheiten? Und wenn ich sie nicht sagte – habe
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FRANZ KAFKA
ich mich denn vor dir zu verantworten? Und worin sage ich
denn nicht die Wahrheit?" – "Du bist nicht nur Wirtin, wie
du vorgibst." – "Sieh mal! Du bist voll Entdeckungen! Was
bin ich denn noch? Deine Keckheiten nehmen nun aber
schon wahrhaftig überhand." – "Ich weiß nicht, was du sonst
bist. Ich sehe nur, daß du eine Wirtin bist und außerdem
Kleider trägst, die nicht für eine Wirtin passen und wie sie
auch sonst meines Wissens niemand hier im Dorfe trägt." –
"Nun also kommen wir zu dem Eigentlichen. Du kannst es ja
nicht verschweigen, vielleicht bist du gar nicht keck, du bist
nur wie ein Kind, das irgendeine Dummheit weiß und durch
nichts dazu gebracht werden könnte, sie zu verschweigen. Rede also! Was ist das Besondere dieser Kleider?" – "Du wirst
böse sein, wenn ich es sage." – "Nein, ich werde darüber lachen, es wird ja ein kindliches Geschwätz sein. Wie sind also
die Kleider?" – "Du willst es wissen. Nun, sie sind aus gutem
Material, recht kostbar, aber sie sind veraltet, überladen, oft
überarbeitet, abgenützt und passen weder für deine Jahre
noch deine Gestalt, noch deine Stellung. Sie sind mir aufgefallen, gleich als ich dich das erstemal sah, es war vor einer
Woche etwa, hier, im Flur." – "Da haben wir es also! Sie sind
veraltet, überladen und was denn noch? Und woher willst du
das alles wissen?" – "Das sehe ich, dazu braucht man keine
Belehrung."
"Das siehst du ohne weiteres. Du mußt nirgends nachfragen und weißt gleich, was die Mode verlangt. Da wirst du mir
ja unentbehrlich werden, denn für schöne Kleider habe ich
allerdings eine Schwäche. Und was wirst du dazu sagen, daß
dieser Schrank voll von Kleidern ist?" Sie stieß die Schiebetü-
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DAS SCHLOß
ren beiseite, man sah ein Kleid gedrängt am andern, dicht in
der ganzen Breite des Schrankes, es waren meist dunkle,
graue, braune, schwarze Kleider, alle sorgfältig aufgehängt
und ausgebreitet. "Das sind meine Kleider, alle veraltet, überladen, wie du meinst. Es sind aber nur die Kleider, für die ich
oben in meinem Zimmer keinen Platz habe, dort habe ich
noch zwei Schränke voll, zwei Schränke, jeder fast so groß wie
dieser. Staunst du?"
"Nein, ich habe Ähnliches erwartet; ich sagte ja, daß du
nicht nur Wirtin bist, du zielst auf etwas anderes ab."
"Ich ziele nur darauf ab, mich schön zu kleiden, und du
bist entweder ein Narr oder ein Kind oder ein sehr böser, gefährlicher Mensch. Geh, nun geh schon!"
K. war schon im Flur, und Gerstäcker hielt ihn wieder am
Ärmel fest, als die Wirtin ihm nachrief: "Ich bekomme morgen ein neues Kleid, vielleicht lasse ich dich holen."

Литературно-художественное издание
Franz Kafka
Das Schloß
Выпускающий редактор В. Хабибулина
Редактор П. Воронин
Корректор И. Серегина
Компьютерная верстка: А. Дятлов
Художественное оформление: Е. Аленушкина
В оформлении обложки использованы материалы
по лицензии агентства © shutterstock.com
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Проект осуществлен с помощью технологий
Знак информационной продукции согласно
Федеральному закону от 29.12.2010 г. Ɋ 436-ÔÇ.
Подписано в печать 10.10.2017
Отпечатано: АО «Т8 Издательские Технологии»
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