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ivanov666
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DAS SCHLOß
Leuten leid, was sie getan hatten; wenn im Dorf eine angesehene Familie plötzlich ganz ausgeschaltet wird, hat jeder irgendeinen Nachteil davon, sie hatten, als sie sich von uns lossagten, nur ihre Pflicht zu tun geglaubt, wir hätten es an ihrer
Stelle auch nicht anders getan. Sie hatten ja auch nicht genau
gewußt, worum es sich gehandelt hatte, nur der Bote war, die
Hand voll Papierfetzen, in den Herrenhof zurückgekommen.
Frieda hatte ihn ausgehen und dann wiederkommen gesehen,
ein paar Worte mit ihm gesprochen und das, was sie erfahren
hatte, gleich verbreitet; aber wieder gar nicht aus Feindseligkeit gegen uns, sondern einfach aus Pflicht, wie es im gleichen
Falle die Pflicht jedes anderen gewesen wäre. Und nun wäre
den Leuten, wie ich schon sagte, eine glückliche Lösung des
Ganzen am willkommensten gewesen. Wenn wir plötzlich
einmal gekommen wären mit der Nachricht, daß alles schon
in Ordnung sei, daß es zum Beispiel nur ein inzwischen völlig
aufgeklärtes Mißverständnis gewesen sei oder daß es zwar ein
Vergehen gewesen sei, aber es sei schon durch die Tat gutgemacht oder – selbst das hätte den Leuten genügt – daß es uns
durch unsere Verbindungen ins Schloß gelungen sei, die Sache niederzuschlagen; man hätte uns ganz gewiß wieder mit
offenen Armen aufgenommen, Küsse, Umarmungen, Feste
hätte es gegeben, ich habe Derartiges bei anderen einige Male
erlebt. Aber nicht einmal eine solche Nachricht wäre nötig
gewesen; wenn wir nur freigekommen wären und uns angeboten, die alten Verbindungen wieder aufgenommen hätten,
ohne auch nur ein Wort über die Briefgeschichte zu verlieren, es hätte genügt, mit Freude hätten alle auf die Besprechung der Sache verzichtet; es war ja, neben der Angst, vor
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FRANZ KAFKA
allem die Peinlichkeit der Sache gewesen, weshalb man sich
von uns getrennt hatte, einfach um nichts von der Sache zu
hören, nicht von ihr zu sprechen, nicht an sie denken, in keiner Weise von ihr berührt werden zu müssen. Wenn Frieda
die Sache verraten hatte, so hatte sie es nicht getan, um sich
an ihr zu freuen, sondern um sich und alle vor ihr zu bewahren, um die Gemeinde darauf aufmerksam zu machen, daß
hier etwas geschehen war, von dem man sich auf das sorgfältigste fernzuhalten hatte. Nicht wir kamen hier als Familie in
Betracht, sondern nur die Sache und wir nur der Sache wegen, in die wir uns verflochten hatten. Wenn wir also nur
wieder hervorgekommen wären, das Vergangene ruhen gelassen hätten, durch unser Verhalten gezeigt hätten, daß wir
die Sache überwunden hatten, gleichgültig auf welche Weise,
und die Öffentlichkeit so die Überzeugung gewonnen hätte,
daß die Sache, wie immer sie auch beschaffen gewesen sein
mag, nicht wieder zur Besprechung kommen werde, auch so
wäre alles gut gewesen; überall hätten wir die alte Hilfsbereitschaft gefunden, selbst wenn wir die Sache nur unvollständig
vergessen hätten, man hätte es verstanden und hätte uns geholfen, es völlig zu vergessen. Statt dessen aber saßen wir zu
Hause. Ich weiß nicht, worauf wir warteten, auf Amalias Entscheidung wohl, sie hatte damals an jenem Morgen die Führung der Familie an sich gerissen und hielt sie fest. Ohne besondere Veranstaltungen, ohne Befehle, ohne Bitten, fast nur
durch Schweigen. Wir anderen hatten freilich viel zu beraten,
es war ein fortwährendes Flüstern vom Morgen bis zum
Abend, und manchmal rief mich der Vater in plötzlicher Beängstigung zu sich, und ich verbrachte am Bett die halbe
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Nacht. Oder manchmal hockten wir uns zusammen, ich und
Barnabas, der ja erst sehr wenig von dem Ganzen verstand
und immerfort ganz glühend Erklärungen verlangte, immerfort die gleichen, er wußte wohl, daß die sorgenlosen Jahre,
die andere seines Alters erwarteten, für ihn nicht mehr vorhanden waren, so saßen wir zusammen – ganz ähnlich, K.,
wie wir zwei jetzt – und vergaßen, daß es Nacht wurde und
wieder Morgen. Die Mutter war die Schwächste von uns allen,
wohl weil sie nicht nur das gemeinsame Leid, sondern auch
noch jedes einzelnen Leid mitgelitten hat, und so konnten
wir mit Schrecken Veränderungen an ihr wahrnehmen, die,
wie wir ahnten, unserer ganzen Familie bevorstanden. Ihr bevorzugter Platz war der Winkel eines Kanapees– wir haben
es längst nicht mehr –, es steht in Brunswicks großer Stube,
dort saß sie und – man wußte nicht genau, was es war –
schlummerte oder hielt, wie die bewegten Lippen anzudeuten
schienen, lange Selbstgespräche. Es war ja so natürlich, daß
wir immerfort die Briefgeschichte besprachen, kreuz und
quer, in allen sicheren Einzelheiten und allen unsicheren
Möglichkeiten, und daß wir immerfort im Aussinnen von
Mitteln zur guten Lösung uns übertrafen, es war natürlich
und unvermeidlich, aber nicht gut, wir kamen ja dadurch immerfort tiefer in das, dem wir entgehen wollten. Und was halfen denn diese noch so ausgezeichneten Einfälle; keiner war
ausführbar ohne Amalia, alle waren nur Vorbereitungen,
sinnlos dadurch, daß ihre Ergebnisse gar nicht bis zu Amalia
kamen und, wenn sie hingekommen wären, nichts anderes
angetroffen hätten als Schweigen. Nun, glücklicherweise verstehe ich heute Amalia besser als damals. Sie trug mehr als wir
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alle; es ist unbegreiflich, wie sie es ertragen hat und noch heute unter uns lebt. Die Mutter trug vielleicht unser aller Leid,
sie trug es, weil es über sie hereingebrochen ist, und sie trug
es nicht lange, daß sie es heute noch irgendwie trägt, kann
man nicht sagen, und schon damals war ihr Sinn verwirrt.
Aber Amalia trug nicht nur das Leid, sondern hatte auch den
Verstand, es zu durchschauen, wir sahen nur die Folgen, sie
sah in den Grund, wir hofften auf irgendwelche kleinen Mittel, sie wußte, das alles entschieden war, wir hatten zu flüstern, sie hatte nur zu schweigen, Aug in Aug mit der Wahrheit stand sie und lebte und ertrug dieses Leben damals wie
heute. Wie viel besser ging es uns in aller unserer Not als ihr.
Wir mußten freilich unser Haus verlassen; Brunswick bezog
es, man wies uns diese Hütte zu, mit einem Handkarren
brachten wir unser Eigentum in einigen Fahrten hier herüber, Barnabas und ich zogen, der Vater und Amalia halfen
hinten nach, die Mutter, die wir gleich anfangs hergebracht
hatten, empfing uns, auf einer Kiste sitzend, immer mit leisem
Jammern. Aber ich erinnere mich, daß wir, selbst während
der mühevollen Fahrten – die auch sehr beschämend waren,
denn öfters begegneten wir Erntewagen, deren Begleitung vor
uns verstummte und die Blicke wandte –, daß wir, Barnabas
und ich, selbst während dieser Fahrten es nicht unterlassen
konnten, von unseren Sorgen und Plänen zu sprechen, daß
wir im Gespräch manchmal stehenblieben und erst das 'Hallo!' des Vaters uns an unsere Pflicht wieder erinnerte. Aber
alle Besprechungen änderten auch nach der Übersiedlung
unser Leben nicht, nur daß wir jetzt allmählich auch die Armut zu fühlen bekamen. Die Zuschüsse der Verwandten hör-
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ten auf, unsere Mittel waren fast zu Ende, und gerade in jener
Zeit begann die Verachtung für uns, wie du sie kennst, sich
zu entwickeln. Man merkte, daß wir nicht die Kraft hatten,
uns aus der Briefgeschichte herauszuarbeiten, und man nahm
uns das sehr übel, man unterschätzte nicht die Schwere unseres Schicksals, obwohl man es nicht genau kannte, man wußte, daß man selbst die Probe wahrscheinlich nicht besser bestanden hätte als wir, aber um so notwendiger war es, sich von
uns völlig zu trennen; man hätte, wenn wir es überwunden
hätten, uns entsprechend hoch geehrt, da es uns aber nicht
gelungen war, tat man das, was man bisher nur vorläufig getan hatte, endgültig: Man schloß uns aus jedem Kreise aus.
Nun sprach man von uns nicht mehr wie von Menschen, unser Familienname wurde nicht mehr genannt; wenn man von
uns sprechen mußte, nannte man uns nach Barnabas, dem
Unschuldigsten von uns, selbst unsere Hütte geriet in Verruf,
und wenn du dich prüfst, wirst du gestehen, daß auch du
beim ersten Eintritt die Berechtigung dieser Verachtung zu
merken glaubtest; später, als wieder manchmal Leute zu uns
kamen, rümpften sie die Nase über ganz belanglose Dinge, etwa darüber, daß die kleine Öllampe dort über dem Tisch hing.
Wo sollte sie denn anders hängen als über dem Tisch, ihnen
aber erschien es unerträglich. Hängten wir aber die Lampe
anderswohin, änderte sich doch nichts an ihrem Widerwillen.
Alles, was wir waren und hatten, traf die gleiche Verachtung."
Bittgänge
"Und was taten wir unterdessen? Das Schlimmste, was wir
hätten tun können, etwas, wofür wir gerechter hätten verachtet werden dürfen, als wofür es wirklich geschah: Wir verrie-
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ten Amalia, wir rissen uns los von ihrem schweigenden Befehl, wir konnten nicht mehr so weiterleben, ganz ohne
Hoffnung konnten wir nicht leben, und wir begannen, jeder
auf seine Art, das Schloß zu bitten oder zu bestürmen, es möge uns verzeihen. Wir wußten zwar, daß wir nicht imstande
waren, etwas gutzumachen, wir wußten auch, daß die einzige
hoffnungsvolle Verbindung, die wir mit dem Schloß hatten,
die Sortinis, des unserem Vater geneigten Beamten, eben
durch die Ereignisse uns unzugänglich geworden war, trotzdem machten wir uns an die Arbeit. Der Vater begann, es begannen die sinnlosen Bittwege zum Vorsteher, zu den Sekretären, den Advokaten, den Schreibern, meistens wurde er
nicht empfangen, und wenn er durch List oder Zufall doch
empfangen wurde – wie jubelten wir bei solcher Nachricht
und rieben uns die Hände –, wurde er äußerst schnell abgewiesen und nie wieder empfangen. Es war auch allzu leicht,
ihm zu antworten, das Schloß hat es immer so leicht. Was
wollte er denn? Was war ihm geschehen? Wofür wollte er eine Verzeihung? Wann und von wem war denn im Schloß
auch nur ein Finger gegen ihn gerührt worden? Gewiß, er
war verarmt, hatte die Kundschaft verloren und so fort, aber
das waren Erscheinungen des täglichen Lebens, Handwerks–
und Marktangelegenheiten, sollte sich denn das Schloß um
alles kümmern? Es kümmert sich ja in Wirklichkeit um alles,
aber es konnte doch nicht grob eingreifen in die Entwicklung,
einfach und zu keinem anderen Zweck, als dem Interesse eines einzelnen Mannes zu dienen. Sollte es etwa seine Beamten ausschicken, und sollten diese den Kunden des Vaters
nachlaufen und sie ihm mit Gewalt zurückbringen? Aber,
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wendete der Vater dann ein – wir besprachen diese Dinge alle genau zu Hause vorher und nachher in einen Winkel gedrückt, wie versteckt vor Amalia, die alles zwar merkte, aber
es geschehen ließ –, aber, wendete der Vater dann ein, er beklage sich ja nicht wegen der Verarmung, alles, was er hier
verloren habe, wolle er leicht wieder einholen, das alles sei
nebensächlich, wenn ihm nur verziehen würde. 'Aber was
solle ihm denn verziehen werden?' antwortete man ihm, eine
Anzeige sei bisher nicht eingelaufen, wenigstens stehe sie
noch nicht in den Protokollen, zumindest nicht in den der
advokatorischen Öffentlichkeit zugänglichen Protokollen; infolgedessen sei auch, soweit es sich feststellen lasse, weder etwas gegen ihn unternommen worden noch sei etwas im Zuge.
Könne er vielleicht eine amtliche Verfügung nennen, die gegen ihn erlassen worden sei? Das konnte der Vater nicht.
Oder habe ein Eingriff eines amtlichen Organs stattgefunden?
Davon wußte der Vater nichts. Nun also, wenn er nichts wisse und wenn nichts geschehen sei, was wolle er denn? Was
könnte ihm verziehen werden? Höchstens, daß er jetzt zwecklos die Ämter belästige, aber gerade dieses sei unverzeihlich.
Der Vater ließ nicht ab, er war damals noch immer sehr kräftig, und der aufgezwungene Müßiggang gab ihm reichlich
Zeit. 'Ich werde Amalia die Ehre zurückgewinnen, es wird
nicht mehr lange dauern', sagte er zu Barnabas und mir einigemal während des Tages, aber nur sehr leise, denn Amalia
durfte es nicht hören; trotzdem war es nur Amalias wegen gesagt, denn in Wirklichkeit dachte er gar nicht an das Zurückgewinnen der Ehre, sondern nur an Verzeihung. Aber um
Verzeihung zu bekommen, mußte er erst die Schuld feststel-
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len; und die wurde ihm ja in den Ämtern abgeleugnet. Er verfiel auf den Gedanken – und dies zeigte, daß er doch schon
geistig geschwächt war –, man verheimliche ihm die Schuld,
weil er nicht genug zahle, er zahlte bisher nämlich immer
nur die festgesetzten Gebühren, die, wenigstens für unsere
Verhältnisse, hoch genug waren. Er glaubte aber jetzt, er müsse mehr zahlen, was gewiß unrichtig war, denn bei unseren
Ämtern nimmt man zwar der Einfachheit halber, um unnötige Rede zu vermeiden, Bestechungen an, aber erreichen kann
man dadurch nichts. War es aber die Hoffnung des Vaters,
wollten wir ihn darin nicht stören. Wir verkauften, was wir
noch hatten – es war fast nur noch Unentbehrliches –, um
dem Vater die Mittel für seine Nachforschungen zu verschaffen, und lange Zeit hatten wir jeden Morgen die Genugtuung,
daß der Vater, wenn er sich morgens auf den Weg machte,
immer wenigstens mit einigen Münzen in der Tasche klimpern konnte. Wir freilich hungerten den Tag über, während
das einzige, was wir wirklich durch die Geldbeschaffung bewirkten, war, daß der Vater in einer gewissen Hoffnungsfreudigkeit erhalten wurde. Dieses aber war kaum ein Vorteil. Er
plagte sich bald auf seinen Gängen, und was ohne das Geld
sehr bald das verdiente Ende genommen hätte, zog sich so in
die Länge. Da man für die Überzahlungen in Wirklichkeit
nichts Außerordentliches leisten konnte, versuchte manchmal ein Schreiber wenigstens scheinbar, etwas zu leisten, versprach Nachforschungen, deutete an, daß man gewisse Spuren schon gefunden hätte, die man nicht aus Pflicht, sondern
nur dem Vater zuliebe verfolgen werde; der Vater, statt zweifelnder zu werden, wurde immer gläubiger. Er kam mit einer
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solchen, deutlich sinnlosen Versprechung zurück, so, als
bringe er schon wieder den vollen Segen ins Haus, und es war
qualvoll anzusehen, wie er immer hinter Amalias Rücken, mit
verzerrtem Lächeln und groß aufgerissenen Augen auf Amalia hindeutend, uns zu verstehen geben wollte, wie die Errettung Amalias, die niemanden mehr als sie selbst überraschen
werde, infolge seiner Bemühungen ganz nahe bevorstehe,
aber alles sei noch Geheimnis, und wir wollten es streng hüten. So wäre es gewiß noch sehr lange weitergegangen, wenn
wir schließlich nicht vollständig außerstande gewesen wären,
dem Vater das Geld noch zu liefern. Zwar war inzwischen
Barnabas von Brunswick als Gehilfe nach vielen Bitten aufgenommen worden, allerdings nur in der Weise, daß er abends
im Dunkel die Aufträge abholte und wieder im Dunkel die
Arbeit zurückbrachte – es ist zuzugeben, daß Brunswick hier
eine gewisse Gefahr für sein Geschäft unseretwegen auf sich
nahm, aber dafür zahlte er ja dem Barnabas sehr wenig, und
die Arbeit des Barnabas ist fehlerlos –, doch genügte der Lohn
knapp nur, um uns vor völligem Verhungern zu bewahren.
Mit großer Schonung und nach viel Vorbereitungen kündigten wir dem Vater die Einstellung unserer Geldunterstützungen an, aber er nahm es sehr ruhig auf. Mit dem Verstand war
er nicht mehr fähig, das Aussichtslose seiner Interventionen
einzusehen, aber müde war er der fortwährenden Enttäuschungen doch.
Zwar sagte er – er sprach nicht mehr so deutlich wie früher, er hatte fast zu deutlich gesprochen –, daß er nur noch
sehr wenig Geld gebraucht hätte, morgen oder heute schon
hätte er alles erfahren, und nun sei alles vergebens gewesen,
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nur am Geld sei es gescheitert und so fort, aber der Ton, in
dem er es sagte, zeigte, daß er das alles nicht glaubte. Auch
hatte er gleich, unvermittelt neue Pläne. Da es ihm nicht gelungen war, die Schuld nachzuweisen, und er infolgedessen
auch weiter im amtlichen Wege nichts erreichen konnte,
mußte er sich ausschließlich aufs Bitten verlegen und die Beamten persönlich angehen. Es gab unter ihnen gewiß auch
solche mit gutem, mitleidigem Herzen, dem sie zwar im Amt
nicht nachgeben durften, wohl aber außerhalb des Amtes,
wenn man zu gelegener Stunde sie überraschte."
Hier unterbrach K., der bisher ganz versunken Olga zugehört hatte, die Erzählung mit der Frage: "Und du hältst das
nicht für richtig?" Zwar mußte ihm die weitere Erzählung darauf Antwort geben, aber er wollte es gleich wissen.
"Nein", sagte Olga, "von Mitleid oder dergleichen kann gar
nicht die Rede sein. So jung und unerfahren wir auch waren,
das wußten wir, und auch der Vater wußte es natürlich, aber
er hatte es vergessen, dieses, wie das allermeiste. Er hatte sich
den Plan zurechtgelegt, in der Nähe des Schlosses auf der
Landstraße, dort wo die Wagen der Beamten vorüberfuhren,
sich aufzustellen und, wenn es irgendwie ging, seine Bitte um
Verzeihung vorzubringen. Aufrichtig gesagt, ein Plan ohne allen Verstand, selbst wenn das Unmögliche geschehen wäre
und die Bitte wirklich bis zum Ohr eines Beamten gekommen
wäre. Kann denn ein einzelner Beamter verzeihen? Das könnte doch höchstens Sache der Gesamtbehörde sein, aber selbst
diese kann wahrscheinlich nicht verzeihen, sondern nur richten. Aber kann denn überhaupt ein Beamter, selbst wenn er
aussteigen und mit der Sache sich befassen wollte, nach dem,
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