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ivanov666
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DAS SCHLOß
was der Vater, der arme, müde, gealterte Mann, ihm vormurmelt, sich ein Bild von der Sache machen? Die Beamten sind
sehr gebildet, aber doch nur einseitig, in seinem Fach durchschaut ein Beamter auf ein Wort hin gleich ganze Gedankenreihen, aber Dinge aus einer anderen Abteilung kann man
ihm stundenlang erklären, er wird vielleicht höflich nicken,
aber kein Wort verstehen. Das ist ja alles selbstverständlich;
man suche doch nur selbst die kleinen amtlichen Angelegenheiten, die einen selbst betreffen, winziges Zeug, das ein Beamter mit einem Achselzucken erledigt, man suche nur dieses
bis auf den Grund zu verstehen, und man wird ein ganzes Leben zu tun haben und nicht zu Ende kommen. Aber wenn der
Vater an einen zuständigen Beamten geraten wäre, so kann
doch dieser ohne Vorakten nichts erledigen und insbesondere
nicht auf der Landstraße, er kann eben nicht verzeihen, sondern nur amtlich erledigen und zu diesem Zweck wieder nur
auf den Amtsweg verweisen, aber auf diesem etwas zu erreichen, war ja dem Vater schon völlig mißlungen. Wie weit
mußte es schon mit dem Vater gekommen sein, daß er mit diesem neuen Plan irgendwie durchdringen wollte! Wenn irgendeine Möglichkeit solcher Art auch nur im entferntesten
bestünde, müßte es ja dort auf der Landstraße von Bittgängern
wimmeln, aber da es sich hier um eine Unmöglichkeit handelt, welche einem schon die elementarste Schulbildung einprägt, ist es dort völlig leer. Vielleicht bestärkte auch das den
Vater in seiner Hoffnung, er nährte sie von überall her. Es war
hier auch sehr nötig; ein gesunder Verstand mußte sich ja gar
nicht in jene großen Überlegungen einlassen, er mußte schon
im Äußerlichsten die Unmöglichkeit klar erkennen. Wenn
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die Beamten ins Dorf fahren oder zurück ins Schloß, so sind
das doch keine Lustfahrten, in Dorf und Schloß wartet Arbeit
auf sie, daher fahren sie im schärfsten Tempo. Es fällt ihnen
auch nicht ein, aus dem Wagenfenster zu schauen und draußen Gesuchsteller zu suchen, sondern die Wagen sind vollgepackt mit Akten, welche die Beamten studieren."
"Ich habe aber", sagte K., "das Innere eines Beamtenschlittens gesehen, in welchem keine Akten waren." In der Erzählung Olgas eröffnete sich ihm eine so große, fast unglaubwürdige Welt, daß er es sich nicht versagen konnte, mit
seinen kleinen Erlebnissen an sie zu rühren, um sich ebenso
von ihrem Dasein als auch von dem eigenen deutlicher zu
überzeugen.
"Das ist möglich", sagte Olga, "dann ist es aber noch
schlimmer, dann hat der Beamte so wichtige Angelegenheiten,
daß die Akten zu kostbar oder zu umfangreich sind, um mitgenommen werden zu können, solche Beamte lassen dann
Galopp fahren. Jedenfalls, für den Vater kann keiner Zeit erübrigen. Und außerdem: Es gibt mehrere Zufahrten ins
Schloß. Einmal ist die eine in Mode, dann fahren die meisten
dort, einmal eine andere, dann drängt sich alles hin. Nach
welchen Regeln dieser Wechsel stattfindet, ist noch nicht herausgefunden worden. Einmal um acht Uhr morgens fahren alle auf einer anderen, zehn Minuten später wieder auf einer
dritten, eine halbe Stunde später vielleicht wieder auf der ersten und dort bleibt es dann den ganzen Tag, aber jeden Augenblick besteht die Möglichkeit einer Änderung. Zwar vereinigen sich in der Nähe des Dorfes alle Zufahrtsstraßen, aber
dort rasen schon alle Wagen, während in der Schloßnähe das
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Tempo noch ein wenig gemäßigter ist. Aber so wie die Ausfahrordnung hinsichtlich der Straßen unregelmäßig und
nicht zu durchschauen ist, so ist es auch mit der Zahl der Wagen. Es gibt ja oft Tage, wo gar kein Wagen zu sehen ist; dann
aber fahren sie wieder in Mengen. Und allem diesem gegenüber stell dir nun unseren Vater vor. In seinem besten Anzug – bald ist es sein einziger – zieht er jeden Morgen, von
unseren Segenswünschen begleitet, aus dem Haus. Ein kleines
Abzeichen der Feuerwehr, das er eigentlich zu Unrecht erhalten hat, nimmt er mit, um es außerhalb des Dorfes anzustecken, im Dorf selbst fürchtet er, es zu zeigen, obwohl es so
klein ist, daß man es auf zwei Schritte Entfernung kaum sieht,
aber nach des Vaters Meinung soll es sogar geeignet sein, die
vorüberfahrenden Beamten auf ihn aufmerksam zu machen.
Nicht weit vom Zugang zum Schloß ist eine Handelsgärtnerei, sie gehört einem gewissen Bertuch, er liefert Gemüse ins
Schloß, dort auf dem schmalen Steinpostament des Gartengitters wählte sich der Vater einen Platz. Bertuch duldete es, weil
er früher mit dem Vater befreundet gewesen war und auch zu
seinen treuesten Kundschaften gehört hatte, er hat nämlich
einen ein wenig verkrüppelten Fuß und glaubte, nur der Vater sei imstande, ihm einen passenden Stiefel zu machen. Dort
saß nun der Vater Tag für Tag, es war ein trüber, regnerischer
Herbst, aber das Wetter war ihm völlig gleichgültig; morgens
zu bestimmter Stunde hatte er die Hand an der Klinke und
winkte uns zum Abschied zu, abends kam er – es schien, als
werde er täglich gebückter – völlig durchnäßt zurück und
warf sich in eine Ecke. Zuerst erzählte er uns von seinen kleinen Erlebnissen, etwa, daß ihm Bertuch aus Mitleid und alter
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Freundschaft eine Decke über das Gitter geworfen hatte oder
daß er in einem vorüberfahrenden Wagen den oder jenen Beamten zu erkennen geglaubt habe oder daß wieder ihn schon
hie und da ein Kutscher erkenne und zum Scherz mit dem
Peitschenriemen streife. Später hörte er dann auf, diese Dinge
zu erzählen, offenbar hoffte er nicht mehr, auch nur irgend
etwas dort zu erreichen, er hielt es schon nur für seine Pflicht,
seinen öden Beruf, hinzugehen und dort den Tag zu verbringen. Damals begannen seine rheumatischen Schmerzen, der
Winter näherte sich, es kam früher Schneefall, bei uns fängt
der Winter sehr bald an; nun, und so saß er dort einmal auf
den regennassen Steinen, dann wieder im Schnee. In der
Nacht seufzte er vor Schmerzen, morgens war er manchmal
unsicher, ob er gehen sollte, überwand sich dann aber doch
und ging. Die Mutter hängte sich an ihn und wollte ihn nicht
fortlassen; er, wahrscheinlich furchtsam geworden infolge der
nicht mehr gehorsamen Glieder, erlaubte ihr mitzugehen, so
wurde auch die Mutter von den Schmerzen gepackt. Wir waren oft bei ihnen, brachten Essen oder kamen nur zu Besuch
oder wollten sie zur Rückkehr nach Hause überreden; wie oft
fanden wir sie dort zusammengesunken und aneinanderlehnend auf ihrem schmalen Sitz, gekauert in eine dünne Decke,
die sie kaum umschloß, ringsherum nichts als das Grau von
Schnee und Nebel und weit und breit und tagelang kein
Mensch oder Wagen, ein Anblick, K., ein Anblick! Bis dann eines Morgens der Vater die steifen Beine nicht mehr aus dem
Bett brachte, es war trostlos, in einer leichten Fieberphantasie
glaubte er zu sehen, wie eben jetzt oben bei Bertuch ein Wagen haltmachte, ein Beamter ausstieg, das Gitter nach dem Va-
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ter absuchte und kopfschüttelnd und ärgerlich wieder in den
Wagen zurückkehrte. Der Vater stieß dabei solche Schreie
aus, daß es war, als wolle er sich von hier aus dem Beamten
oben bemerkbar machen und erklären, wie unverschuldet seine Abwesenheit sei. Und es wurde eine lange Abwesenheit, er
kehrte gar nicht mehr dorthin zurück, wochenlang mußte er
im Bett bleiben. Amalia übernahm die Bedienung, die Pflege,
die Behandlung, alles, und hat es mit Pausen eigentlich bis
heute behalten. Sie kennt Heilkräuter, welche die Schmerzen
beruhigen, sie braucht fast keinen Schlaf, sie erschrickt nie,
fürchtet nichts, hat niemals Ungeduld, sie leistet alle Arbeit
für die Eltern; während wir aber, ohne etwas helfen zu können, unruhig umherflatterten, blieb sie bei allem kühl und
still. Als dann aber das Schlimmste vorüber war und der Vater,
vorsichtig und rechts und links gestützt, wieder aus dem Bett
sich herausarbeiten konnte, zog sich Amalia gleich zurück
und überließ ihn uns."
Olgas Pläne
"Nun galt es, wieder irgendeine Beschäftigung für den Vater zu finden, für die er noch fähig war, irgend etwas, was ihn
zumindest in dem Glauben erhielt, daß es dazu diene, die
Schuld von der Familie abzuwälzen. Etwas Derartiges zu finden war nicht schwer, so zweckdienlich wie das Sitzen vor
Bertuchs Garten war im Grunde alles, aber ich fand etwas,
was sogar mir einige Hoffnung gab. Wann immer bei Ämtern
oder Schreibern oder sonstwo von unserer Schuld die Rede
gewesen war, war immer wieder nur die Beleidigung des Sortinischen Boten erwähnt worden, weiter wagte niemand zu
dringen. Nun, sagte ich mir, wenn die allgemeine Meinung,
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sei es auch nur scheinbar, nur von der Botenbeleidigung weiß,
ließe sich, sei es auch wieder nur scheinbar, alles wiedergutmachen, wenn man den Boten versöhnen könnte. Es ist ja keine Anzeige eingelaufen, wie man erklärt, noch kein Amt hat
also die Sache in der Hand, und es steht demnach dem Boten
frei, für seine Person, und um mehr handelt es sich nicht, zu
verzeihen. Das alles konnte ja keine entscheidende Bedeutung haben, war nur Schein und konnte wieder nichts anderes ergeben, aber dem Vater würde es doch Freude machen,
und die vielen Auskunftgeber, die ihn so gequält hatten,
könnte man damit vielleicht zu seiner Genugtuung ein wenig
in die Enge treiben. Zuerst mußte man freilich den Boten finden. Als ich meinen Plan dem Vater erzählte, wurde er zuerst
sehr ärgerlich, er war nämlich äußerst eigensinnig geworden,
zum Teil glaubte er – während der Krankheit hatte sich das
entwickelt –, daß wir ihn immer am letzten Erfolg gehindert
hätten: zuerst durch Einstellung der Geldunterstützung, jetzt
durch Zurückhalten im Bett, zum Teil war er gar nicht mehr
fähig, fremde Gedanken völlig aufzunehmen. Ich hatte noch
nicht zu Ende erzählt, schon war mein Plan verworfen; nach
seiner Meinung mußte er bei Bertuchs Garten weiter warten,
und da er gewiß nicht mehr imstande sein würde, täglich hinaufzugehen, müßten wir ihn im Handkarren hinbringen.
Aber ich ließ nicht ab, und allmählich söhnte er sich mit dem
Gedanken aus, störend war ihm dabei nur, daß er in dieser
Sache ganz von mir abhängig war, denn nur ich hatte damals
den Boten gesehen, er kannte ihn nicht. Freilich, ein Diener
gleicht dem anderen, und völlig sicher dessen, daß ich jenen
wiedererkennen würde, war auch ich nicht. Wir begannen
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DAS SCHLOß
dann, in den Herrenhof zu gehen und unter der Dienerschaft
dort zu suchen. Es war zwar ein Diener Sortinis gewesen, und
Sortini kam nicht mehr ins Dorf, aber die Herren wechselten
häufig die Diener, man konnte ihn recht wohl in der Gruppe
eines anderen Herrn finden, und wenn er selbst nicht zu finden war, so konnte man doch vielleicht von den anderen Dienern Nachricht über ihn bekommen. Zu diesem Zweck mußte man allerdings allabendlich im Herrenhof sein, und man
sah uns nirgends gern, wie erst an einem solchen Ort; als zahlende Gäste konnten wir ja auch nicht auftreten. Aber es zeigte sich, daß man uns doch brauchen konnte; du weißt wohl,
was für eine Plage die Dienerschaft für Frieda war, es sind im
Grunde meist ruhige Leute, durch leichten Dienst verwöhnt
und schwerfällig gemacht. 'Es möge dir gehen wie einem Diener' heißt ein Segensspruch der Beamten, und tatsächlich sollen, was Wohlleben betrifft, die Diener die eigentlichen Herren im Schloß sein, sie wissen das auch zu würdigen und sind
im Schloß, wo sie sich unter seinen Gesetzen bewegen, still
und würdig – vielfach ist mir das bestätigt worden –, und
man findet auch hier unter den Dienern noch Reste dessen,
aber nur Reste, sonst sind sie dadurch, daß die Schloßgesetze
für sie im Dorf nicht mehr vollständig gelten, wie verwandelt;
ein wildes, unbotmäßiges, statt von den Gesetzen von ihren
unersättlichen Trieben beherrschtes Volk. Ihre Schamlosigkeit kennt keine Grenzen, ein Glück für das Dorf, daß sie den
Herrenhof nur über Befehl verlassen dürfen, im Herrenhof
selbst aber muß man mit ihnen auszukommen suchen; Frieda
nun fiel das sehr schwer, und so war es ihr sehr willkommen,
daß sie mich dazu verwenden konnte, die Diener zu beruhi-
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gen; seit mehr als zwei Jahren, zumindest zweimal in der Woche, verbringe ich die Nacht mit den Dienern im Stall. Früher,
als der Vater noch in den Herrenhof mitgehen konnte, schlief
er irgendwo im Ausschankzimmer und wartete so auf die
Nachrichten, die ich früh bringen würde. Es war wenig. Den
gesuchten Boten haben wir bis heute noch nicht gefunden, er
soll noch immer in den Diensten Sortinis sein, der ihn sehr
hochschätzt, und soll ihm gefolgt sein, als sich Sortini in entferntere Kanzleien zurückzog. Meist haben ihn die Diener
ebensolange nicht gesehen wie wir, und wenn einer ihn inzwischen doch gesehen haben will, ist es wohl ein Irrtum. So
wäre also mein Plan eigentlich mißlungen und ist es doch
nicht völlig, den Boten haben wir zwar nicht gefunden, und
dem Vater haben die Wege in den Herrenhof und die Übernachtungen dort, vielleicht sogar das Mitleid mit mir, soweit
er dessen noch fähig ist, leider den Rest gegeben, und er ist
schon seit fast zwei Jahren in diesem Zustand, in dem du ihn
gesehen hast, und dabei geht es ihm vielleicht noch besser als
der Mutter, deren Ende wir täglich erwarten und das sich nur
dank der übermäßigen Anstrengung Amalias verzögert. Was
ich aber doch im Herrenhof erreicht habe, ist eine gewisse
Verbindung mit dem Schloß; verachte mich nicht, wenn ich
sage, daß ich das, was ich getan habe, nicht bereue. Was mag
das für eine große Verbindung mit dem Schloß sein, wirst du
dir vielleicht denken. Und du hast recht; eine große Verbindung ist es nicht. Ich kenne jetzt zwar viele Diener, die Diener aller der Herren fast, die in den letzten Jahren ins Dorf
kamen, und wenn ich einmal ins Schloß kommen sollte, so
werde ich dort nicht fremd sein. Freilich, es sind nur Diener
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im Dorf, im Schloß sind sie ganz anders und erkennen dort
wahrscheinlich niemand mehr und jemanden, mit dem sie im
Dorf verkehrt haben, ganz besonders nicht, mögen sie es auch
im Stall hundertmal beschworen haben, daß sie sich auf ein
Wiedersehen im Schloß sehr freuen. Ich habe es ja übrigens
auch schon erfahren, wie wenig allen solche Versprechungen
bedeuten. Aber das Wichtigste ist das ja gar nicht. Nicht nur
durch die Diener selbst habe ich eine Verbindung mit dem
Schloß, sondern vielleicht und hoffentlich auch noch so, daß
jemand, der von oben mich und was ich tue beobachtet – und
die Verwaltung der großen Dienerschaft ist freilich ein äußerst wichtiger und sorgenvoller Teil der behördlichen Arbeit –, daß dann derjenige, der mich so beobachtet, vielleicht
zu einem milderen Urteil über mich kommt als andere, daß
er vielleicht erkennt, daß ich in einer jämmerlichen Art zwar,
doch auch für unsere Familie kämpfe und die Bemühungen
des Vaters fortsetze. Wenn man es so ansieht, vielleicht wird
man es mir dann auch verzeihen, daß ich von den Dienern
Geld annehme und für unsere Familie verwende. Und noch
anderes habe ich erreicht, das allerdings machst auch du zu
meiner Schuld. Ich habe von den Knechten manches darüber
erfahren, wie man auf Umwegen, ohne das schwierige und
jahrelang dauernde öffentliche Aufnahmeverfahren in die
Schloßdienste kommen kann, man ist dann zwar auch nicht
öffentlicher Angestellter, sondern nur ein heimlich und halb
Zugelassener, man hat weder Rechte noch Pflichten, daß man
keine Pflichten hat, das ist das Schlimmere, aber eines hat
man, da man doch in der Nähe bei allem ist: Man kann günstige Gelegenheiten erkennen und benützen, man ist kein An-
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gestellter, aber zufällig kann sich irgendeine Arbeit finden,
ein Angestellter ist gerade nicht bei der Hand, ein Zuruf, man
eilt herbei, und was man vor einem Augenblick noch nicht
war, man ist es geworden, ist Angestellter. Allerdings, wann
findet sich eine solche Gelegenheit? Manchmal gleich, kaum
ist man hineingekommen, kaum hat man sich umgesehen, ist
die Gelegenheit schon da, es hat nicht einmal jeder die Geistesgegenwart, sie so, als Neuling, gleich zu fassen, aber ein anderes Mal dauert es wieder mehr Jahre als das öffentliche Aufnahmeverfahren, und regelrecht öffentlich aufgenommen
kann ein solcher Halbzugelassener gar nicht mehr werden.
Bedenken sind hier also genug; sie schweigen aber dem gegenüber, daß bei der öffentlichen Aufnahme sehr peinlich
ausgewählt wird und ein Mitglied einer irgendwie anrüchigen Familie von vornherein verworfen ist, ein solcher unterzieht sich zum Beispiel diesem Verfahren, zittert jahrelang
wegen des Ergebnisses, von allen Seiten fragt man ihn erstaunt, seit dem ersten Tag, wie er etwas derartig Aussichtsloses wagen konnte, er hofft aber doch, wie könnte er sonst leben; aber nach vielen Jahren, vielleicht als Greis, erfährt er
die Ablehnung, erfährt, daß alles verloren ist und sein Leben
vergeblich war. Auch hier gibt es freilich Ausnahmen, darum
wird man eben so leicht verlockt. Es kommt vor, daß gerade
anrüchige Leute schließlich aufgenommen werden, es gibt
Beamte, welche förmlich gegen ihren Willen den Geruch solchen Wildes lieben, bei den Aufnahmeprüfungen schnuppern sie in der Luft, verziehen den Mund, verdrehen die Augen, ein solcher Mann scheint für sie gewissermaßen
ungeheuer appetitanreizend zu sein, und sie müssen sich sehr
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