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ivanov666
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DAS SCHLOß
sprechen wage, müsse man ihm offen sagen, denn sonst
verstehe er das Allernotwendigste nicht. Nun also, da es gesagt werden müsse: Seinetwegen, nur und ausschließlich seinetwegen, haben die Herren aus ihren Zimmern nicht hervorkommen können, da sie am Morgen, kurz nach dem Schlaf,
zu schamhaft, zu verletzlich sind, um sich fremden Blicken
aussetzen zu können; sie fühlen sich förmlich, mögen sie auch
noch so vollständig angezogen sein, zu sehr entblößt, um sich
zu zeigen. Es ist ja schwer zu sagen, weshalb sie sich schämen,
vielleicht schämen sie sich, diese ewigen Arbeiter, nur deshalb, weil sie geschlafen haben. Aber vielleicht noch mehr, als
sich zu zeigen, schämen sie sich, fremde Leute zu sehen; was
sie glücklich mit Hilfe der Nachtverhöre überwunden haben,
den Anblick der ihnen so schwer erträglichen Parteien, wollen sie nicht jetzt am Morgen plötzlich unvermittelt in aller
Naturwahrheit von neuem auf sich eindringen lassen. Dem
sind sie eben nicht gewachsen. Was für ein Mensch muß das
sein, der das nicht respektiert! Nun, es muß ein Mensch
wie K. sein. Einer, der sich über alles, über das Gesetz sowie
über die allergewöhnlichste menschliche Rücksichtnahme,
mit dieser stumpfen Gleichgültigkeit und Verschlafenheit
hinwegsetzt, dem nichts daran liegt, daß er die Aktenverteilung fast unmöglich macht und den Ruf des Hauses schädigt,
und der das noch nie Geschehene zustande bringt, daß sich
die zur Verzweiflung gebrachten Herren selbst zu wehren
anfangen, nach einer für gewöhnliche Menschen unausdenkbaren Selbstüberwindung zur Glocke greifen und Hilfe herbeirufen, um den auf andere Weise nicht zu erschütternden K. zu vertreiben! Sie, die Herren, rufen um Hilfe! Wären
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denn nicht längst Wirt und Wirtin und ihr ganzes Personal
herbeigelaufen, wenn sie es nur gewagt hätten, ungerufen, am
Morgen, vor den Herren zu erscheinen, sei es auch nur, um
Hilfe zu bringen und dann gleich zu verschwinden. Zitternd
vor Empörung über K., trostlos wegen ihrer Ohnmacht, hätten sie hier am Beginn des Ganges gewartet, und das eigentlich nie erwartete Läuten sei für sie eine Erlösung gewesen.
Nun, das Schlimmste sei vorüber! Könnten sie doch nur einen
Blick hineintun in das fröhliche Treiben der endlich
von K. befreiten Herren! Für K. sei es freilich nicht vorüber; er
werde sich für das, was er hier angerichtet habe, gewiß zu verantworten haben.
Sie waren inzwischen bis in den Ausschank gekommen;
warum der Wirt trotz all seinem Zorn K. doch noch hierher
geführt hatte, war nicht ganz klar, vielleicht hatte er doch erkannt, daß K.s Müdigkeit es ihm zunächst unmöglich machte,
das Haus zu verlassen. Ohne eine Aufforderung, sich zu setzen, abzuwarten, sank K. gleich auf einem der Fässer förmlich
zusammen. Dort im Finstern war ihm wohl. In dem großen
Raum brannte jetzt nur eine schwache elektrische Lampe
über den Bierhähnen. Auch draußen war noch tiefe Finsternis, es schien Schneetreiben zu sein. War man hier in der
Wärme, mußte man dankbar sein und Vorsorge treffen, daß
man nicht vertrieben werde. Der Wirt und die Wirtin standen noch immer vor ihm, als bedeute er immerhin noch eine
gewisse Gefahr, als sei es bei seiner völligen Unzuverlässigkeit gar nicht ausgeschlossen, daß er sich plötzlich aufmache
und versuche, wieder in den Gang einzudringen. Auch waren
sie selbst müde von dem nächtlichen Schrecken und dem vor-
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DAS SCHLOß
zeitigen Aufstehen, besonders die Wirtin, die ein seidenartig
knisterndes, breitröckiges, braunes, ein wenig unordentlich
geknöpftes und gebundenes Kleid anhatte – wo hatte sie es
in der Eile hervorgeholt? –, den Kopf wie geknickt an die
Schulter ihres Mannes gelehnt hielt, mit einem feinen Tüchelchen die Augen betupfte und dazwischen kindlich böse
Blicke auf K. richtete. Um das Ehepaar zu beruhigen, sagte K.,
daß alles, was sie ihm jetzt erzählt hätten, ihm völlig neu sei,
daß er aber trotz der Unkenntnis dessen doch nicht so lange
im Gang geblieben wäre, wo er wirklich nichts zu tun hatte
und gewiß niemanden hätte quälen wollen, sondern das alles
nur aus übergroßer Müdigkeit geschehen sei. Er danke ihnen
dafür, daß sie der peinlichen Szene ein Ende gemacht hätten,
sollte er zur Verantwortung gezogen werden, werde ihm das
sehr willkommen sein, denn nur so könne er eine allgemeine
Mißdeutung seines Benehmens verhindern. Nur die Müdigkeit und nichts anderes sei daran schuld gewesen. Diese Müdigkeit aber stamme daher, daß er die Anstrengung der Verhöre noch nicht gewöhnt sei. Er sei ja noch nicht lange hier.
Werde er darin einige Erfahrung haben, werde etwas Ähnliches nicht wieder vorkommen können. Vielleicht nehme er
die Verhöre zu ernst, aber das sei doch wohl an sich kein
Nachteil. Er habe zwei Verhöre, kurz nacheinander, durchzumachen gehabt, eines bei Bürgel und das zweite bei Erlanger,
besonders das erste habe ihn sehr erschöpft, das zweite allerdings habe nicht lange gedauert. Erlanger habe ihn nur um
eine Gefälligkeit gebeten, aber beide zusammen seien mehr,
als er auf einmal ertragen könne, vielleicht wäre etwas Derartiges auch für einen anderen, etwa den Herrn Wirt, zuviel.
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Aus dem zweiten Verhör sei er eigentlich nur schon fortgetaumelt. Es sei fast eine Art Trunkenheit gewesen; er habe ja
die zwei Herren zum erstenmal gesehen und gehört und ihnen doch auch antworten müssen. Alles sei, soviel er wisse,
recht gut ausgefallen, dann aber sei jenes Unglück geschehen,
das man ihm aber nach dem Vorhergegangenen wohl kaum
zur Schuld anrechnen könne. Leider hätten nur Erlanger und
Bürgel seinen Zustand erkannt, und sicher hätten sie sich seiner angenommen und alles weitere verhütet, aber Erlanger
habe nach dem Verhör gleich weggehen müssen, offenbar um
ins Schloß zu fahren, und Bürgel sei, wahrscheinlich von jenem Verhör ermüdet – wie hätte es also K. ungeschwächt
überdauern sollen? –, eingeschlafen und habe sogar die ganze Aktenverteilung verschlafen. Hätte K. eine ähnliche Möglichkeit gehabt, er hätte sie mit Freuden benutzt und gern auf
alle verbotenen Einblicke verzichtet, dies um so leichter, als
er ja in Wirklichkeit gar nichts zu sehen imstande gewesen sei
und deshalb auch die empfindlichsten Herren sich ungescheut vor ihm hätten zeigen können.
Die Erwähnung der beiden Verhöre – gar jenes mit Erlanger und der Respekt, mit welchem K. von den Herren sprach,
stimmten ihm den Wirt günstig. Er schien schon K.s Bitte, ein
Brett auf die Fässer legen und dort wenigstens bis zur Morgendämmerung schlafen zu dürfen, erfüllen zu wollen, die
Wirtin war aber deutlich dagegen, an ihrem Kleid, dessen
Unordnung ihr erst jetzt zu Bewußtsein gekommen war, hier
und dort nutzlos rückend, schüttelte sie immer wieder den
Kopf; ein offenbar alter Streit, die Reinlichkeit des Hauses betreffend, war wieder daran, auszubrechen. Für K. in seiner
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DAS SCHLOß
Müdigkeit nahm das Gespräch des Ehepaares übergroße Bedeutung an. Von hier weggetrieben zu werden schien ihm ein
alles bisher Erlebte übersteigendes Unglück zu sein. Das
durfte nicht geschehen, selbst wenn Wirt und Wirtin sich gegen ihn einigen sollten. Lauernd sah er, zusammengekrümmt
auf dem Faß, die beiden an, bis die Wirtin in ihrer ungewöhnlichen Empfindlichkeit, die K. längst aufgefallen war, plötzlich beiseite trat und – wahrscheinlich hatte sie mit dem Wirt
schon von anderen Dingen gesprochen – ausrief: "Wie er
mich ansieht! Schick ihn doch endlich fort!" K. aber, die Gelegenheit ergreifend, und nun völlig, fast bis zur Gleichgültigkeit davon überzeugt, daß er bleiben werde, sagte: "Ich sehe
dich nicht an, nur dein Kleid."
"Warum mein Kleid?" fragte die Wirtin erregt. K. zuckte
die Achseln.
"Komm!" sagte die Wirtin zum Wirt. "Er ist ja betrunken,
der Lümmel. Laß ihn hier seinen Rausch ausschlafen!" Und
sie befahl noch Pepi, die auf ihren Ruf hin aus dem Dunkel
auftauchte, zerrauft, müde, einen Besen lässig in der
Hand, K. irgendein Kissen hinzuwerfen.

DAS ZWANZIGSTE KAPITEL
Als K. erwachte, glaubte er zuerst, kaum geschlafen zu haben; das Zimmer war unverändert leer und warm, alle Wände in Finsternis, die eine Glühlampe über den Bierhähnen
erloschen, auch vor den Fenstern Nacht. Aber als er sich
streckte, das Kissen herunterfiel und Bett und Fässer knarrten, kam gleich Pepi, und nun erfuhr er, daß es schon Abend
war und er weit über zwölf Stunden geschlafen hatte. Die
Wirtin hatte einige Male während des Tages nach ihm gefragt, auch Gerstäcker, der am Morgen, als K. mit der Wirtin
gesprochen hatte, hier im Dunkel beim Bier gewartet, aber
dann K. nicht mehr zu stören gewagt hatte, war inzwischen
einmal hier gewesen, um nach K. zu sehen, und schließlich
war angeblich auch Frieda gekommen und war einen Augenblick bei K. gestanden, doch war sie kaum K.s wegen gekommen, sondern weil sie verschiedenes hier vorzubereiten hatte, denn am Abend sollte sie ja wieder ihren alten Dienst
antreten. "Sie mag dich wohl nicht mehr?" fragte Pepi, während sie Kaffee und Kuchen brachte. Aber sie fragte es nicht
mehr boshaft nach ihrer früheren Art, sondern traurig, als
habe sie inzwischen die Bosheit der Welt kennengelernt, gegenüber der alle eigene Bosheit versagt und sinnlos wird; wie
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zu einem Leidensgenossen sprach sie zu K., und als er den
Kaffee kostete und sie zu sehen glaubte, daß er ihn nicht genug süß finde, lief sie und brachte ihm die volle Zuckerdose.
Ihre Traurigkeit hatte sie freilich nicht gehindert, sich heute
vielleicht noch mehr zu schmücken als das letztemal; an Maschen und an Bändern, die durch das Haar geflochten waren,
hatte sie eine Fülle, die Stirn entlang und an den Schläfen
waren die Haare sorgfältig gebrannt, und um den Hals hatte
sie ein Kettchen, das in den tiefen Ausschnitt der Bluse hinabhing. Als K. in der Zufriedenheit, endlich einmal ausgeschlafen zu sein und einen guten Kaffee trinken zu dürfen,
heimlich nach einer Masche langte und sie zu öffnen versuchte, sagte Pepi müde: "Laß mich doch", und setzte sich neben ihn auf ein Faß. Und K. mußte sie gar nicht nach ihrem
Leid fragen, sie begann selbst gleich zu erzählen, den Blick
starr in K.s Kaffeetopf gerichtet, als brauche sie eine Ablenkung, selbst während sie erzählte, als könne sie, selbst wenn
sie sich mit ihrem Leid beschäftigte, sich ihm nicht ganz hingeben, denn das ginge über ihre Kräfte. Zunächst erfuhr K.,
daß eigentlich er an Pepis Unglück schuld sei, daß sie es ihm
aber nicht nachtrage. Und sie nickte eifrig während der Erzählung, um keinen Widerspruch K.s aufkommen zu lassen.
Zuerst habe er Frieda aus dem Ausschank fortgenommen
und dadurch Pepis Aufstieg ermöglicht. Es ist sonst nichts anderes ausdenkbar, was Frieda hätte bewegen können, ihren
Posten aufzugeben, sie saß dort im Ausschank wie die Spinne
im Netz, hatte überall ihre Fäden, die nur sie kannte; sie gegen ihren Willen auszuheben, wäre ganz unmöglich gewesen, nur Liebe zu einem Niedrigen, also etwas, was sich mit
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ihrer Stellung nicht vertrug, konnte sie von ihrem Platze
treiben. Und Pepi? Hatte sie denn jemals daran gedacht, die
Stelle für sich zu gewinnen? Sie war Zimmermädchen, hatte
eine unbedeutende, wenig aussichtsreiche Stelle, Träume von
großer Zukunft hatte sie wie jedes Mädchen, Träume kann
man sich nicht verbieten, aber ernstlich dachte sie nicht an
ein Weiterkommen, sie hatte sich mit dem Erreichten abgefunden. Und nun verschwand Frieda plötzlich aus dem Ausschank, es war so plötzlich gekommen, daß der Wirt nicht
gleich einen passenden Ersatz zur Hand hatte, er suchte und
sein Blick fiel auf Pepi, die sich freilich entsprechend vorgedrängt hatte. In jener Zeit liebte sie K., wie sie noch nie jemanden geliebt hatte; sie war monatelang unten in ihrer
winzigen, dunklen Kammer gesessen und war vorbereitet,
dort Jahre und, ungünstigenfalls, ihr ganzes Leben unbeachtet zu verbringen, und nun war plötzlich K. erschienen, ein
Held, ein Mädchenbefreier, und hatte ihr den Weg nach
oben frei gemacht. Er wußte allerdings nichts von ihr, hatte
es nicht ihretwegen getan, aber das verschlug ihrer Dankbarkeit nichts, in der Nacht, die ihrer Anstellung vorherging –
die Anstellung war noch unsicher, aber doch schon sehr
wahrscheinlich –, verbrachte sie Stunden damit, mit ihm zu
sprechen, ihm ihren Dank ins Ohr zu flüstern. Und es erhöhte noch seine Tat in ihren Augen, daß es gerade Frieda war,
deren Last er auf sich genommen hatte; etwas unbegreiflich
Selbstloses lag darin, daß er, um Pepi hervorzuholen, Frieda
zu seiner Geliebten machte, Frieda, ein unhübsches, ältliches,
mageres Mädchen mit kurzem, schütterem Haar, überdies
ein hinterhältiges Mädchen, das immer irgendwelche Ge-
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heimnisse hat, was ja wohl mit ihrem Aussehen zusammenhängt; ist am Gesicht und Körper die Jämmerlichkeit zweifellos, muß sie doch wenigstens andere Geheimnisse haben, die
niemand nachprüfen kann, etwa ihr angebliches Verhältnis
zu Klamm. Und selbst solche Gedanken waren Pepi damals
gekommen: Ist es möglich, daß K. wirklich Frieda liebt,
täuscht er sich nicht oder täuscht er vielleicht gar nur Frieda,
und wird vielleicht das einzige Ergebnis alles dessen doch
nur Pepis Aufstieg sein, und wird dann K. den Irrtum merken
oder ihn nicht mehr verbergen wollen und nicht mehr Frieda, sondern nur Pepi sehen, was gar keine irrsinnige Einbildung Pepis sein mußte, denn mit Frieda konnte sie es als
Mädchen gegen Mädchen sehr wohl aufnehmen, was niemand leugnen wird, und es war doch auch vor allem Friedas
Stellung gewesen und der Glanz, den Frieda ihr zu geben
verstanden hatte, von welchem K. im Augenblick geblendet
worden war. Und da hatte nun Pepi davon geträumt, K. werde, wenn sie die Stellung habe, bittend zu ihr kommen, und
sie werde nun die Wahl haben, entweder K. zu erhören und
die Stelle zu verlieren oder ihn abzuweisen und weiter zu
steigen. Und sie hatte sich zurechtgelegt, sie werde auf alles
verzichten und sich zu ihm hinabwenden und ihn wahre
Liebe lehren, die er bei Frieda nie erfahren könnte und die
unabhängig ist von allen Ehrenstellungen der Welt. Aber
dann ist es anders gekommen. Und was war daran
schuld? K. vor allem und dann freilich Friedas Durchtriebenheit. K. vor allem; denn was will er, was ist er für ein sonderbarer Mensch? Wonach strebt er, was sind das für wichtige
Dinge, die ihn beschäftigen und die ihn das Allernächste, das
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Allerbeste, das Allerschönste vergessen lassen? Pepi ist das
Opfer, und alles ist dumm, und alles ist verloren; und wer die
Kraft hätte, den ganzen Herrenhof anzuzünden und zu verbrennen, aber vollständig, daß keine Spur zurückbleibt, verbrennen wie ein Papier im Ofen, der wäre heute Pepis Auserwählter. Ja, Pepi kam also in den Ausschank, heute vor vier
Tagen, kurz vor dem Mittagessen. Es ist keine leichte Arbeit
hier, es ist fast eine menschenmordende Arbeit, aber was zu
erreichen ist, ist auch nicht klein. Pepi hatte auch früher
nicht in den Tag hineingelebt, und wenn sie auch niemals in
kühnsten Gedanken diese Stelle für sich in Anspruch genommen hätte, so hatte sie doch reichlich Beobachtungen
gemacht, wußte, was es mit dieser Stelle auf sich hatte, unvorbereitet hatte sie die Stelle nicht übernommen. Unvorbereitet kann man sie gar nicht übernehmen, sonst verliert man
sie in den ersten Stunden. Gar wenn man sich nach Art der
Zimmermädchen hier aufführen wollte! Als Zimmermädchen kommt man sich ja mit der Zeit ganz verloren und vergessen vor; es ist eine Arbeit wie in einem Bergwerk, wenigstens im Gang der Sekretäre ist es so, tagelang sieht man dort
bis auf wenige Tagesparteien, die hin und her huschen und
nicht aufzuschauen wagen, keinen Menschen außer den
zwei, drei anderen Zimmermädchen, und die sind ähnlich
verbittert. Des Morgens darf man überhaupt nicht aus dem
Zimmer, da wollen die Sekretäre allein unter sich sein, das
Essen bringen ihnen die Knechte aus der Küche, damit haben die Zimmermädchen gewöhnlich nichts zu tun, auch
während der Essenszeit darf man sich nicht auf dem Gang
zeigen. Nur während die Herren arbeiten, dürfen die Zim-
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