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2. Veränderungen Konsonantensystem

Der Laut s/ƒ verschwand:

1) Vor den Vokalen verwandelte sich dieser Laut in [z]

z. B. sinğěn→singen (Die Schreibung änderte sich nicht).

2) In Wortanlaut vor Konsonanten verwandelte sich s/ƒ in [ƒ]

z. B. släfen→schlafen

3) In den übrigen Fällen wurde s/ƒ zu [s]

z. B. list→List

Der Buchstabe „h“ im Nhd. hörte man auf, das „h“ im Inlaut des Morphems auszusprechen. In der Schrift aber blieb dieser Buchstabe in den meisten Wörtern als Dehnungszeichen erhalten.

z. B. sehen→sehen

[´sεhən] [´ze:ən]

Als Dehnungszeichen verbreitete sich das „h“ auch solche Fälle, wo früher kein „h“ vorhanden gewesen war.

z. B. ser→sehr

sun→Sohn

Der Halbvokal u schwand:

1) vor „l“ und „r“ wurde dieser Halbvokal zu b

z. B. varwe→Farbe

2) im Inlaut zwischen zwei Vokalen der Halbvokal synkopiert.

z. B. frouwe→Frau

3) in den übrigen Fällen verwandelte sich der Halbvokal in w [v]

z. B. waззer→Wasser

[u]

winter→Winter

Thema 10. Die wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des deutschen Lautsystems

Diese Gesetzmäßigkeiten sind: die Betonung, der Vokalwechsel (der Umlaut, der Ablaut, die Brechung) und der Konsonantenwechsel.

Die Betonung kann einerseits dynamisch (exspiratorisch – выдыхательный) oder musikalisch und andererseits beweglich oder unbeweglich sein.

Die Betonung ist dynamisch (griech. dynamis – Kraft), wenn die betonte Silbe durch Verstärkung der Muskelspannung und der Ausatmung (griech. expination) hervorgehoben wird. Die Betonung ist musikalisch, wenn die betonte Silbe durch Tonerhöhung hervorgehoben wird. Dynamisch ist die Betonung im Russischen, Belorussischen, Deutschen, Englischen usw. Musikalisch – im Chinesischen, Japanischen, Litauischen usw. Man spricht von der beweglichen Betonung, wenn die Betonung in einigen Formen des Wortes auf verschieden Silbe fällt (z.B. окно – окна). Wenn die Betonung immer auf dieselbe Silbe des Wortes fällt, so heißt solche Betonung nicht beweglich. Es wird angenommen, dass die Betonung in der indoeuropäischen Grundsprache musikalisch und beweglich war. In den germanischen Sprachen wurde die musikalische Betonung durch die dynamische ersetzt, die bewegliche durch die unbewegliche. In der deutschen Sprache ist die Betonung vorwiegend unbeweglich. Beweglich ist sie nur in einzelnen Fällen (z. B. Doktor – Doktoren, Kritik – kritisch, Leben – Lebendig).

Thema 11. Historische Grammatik

1. Das Substantiv

Mit Hilfe der historisch vergleichenden Methode hat man festgestellt, dass das Substantiv in der indoeuropäischen Grundsprache aus 3 morphologischen Elementen bestand. Diese Elemente waren:

  1. die Wurzel

  2. das stammbildende Suffix

  3. die Kasusflexion

Die Wurzel und das stammbildende Suffix bildeten den Stamm des Wortes. Aus der Verschmelzung des stimmbildenden Suffixes und der Kasusflexion erstand im Weiteren die Kasusendung. Nach dem stimmbildenden Suffix unterscheidet man in den indoeuropäischen Sprachen vokalische und konsonantische Stämme. Die vokalischen Stämme endeten auf einem Vokal, die konsonantischen – auf einen Konsonanten. Die vokalischen Stämme waren a-Stämme, ô- Stämme, i- Stämme, u- Stämme. Die Konsonantischen waren n-Stämme, s-Stämme, r- Stämme. Aus den vokalischen Stämmen entwickelte sich in den germanischen Sprachen die so genannte starke Deklination, aus den konsonantischen n- Stämmen entstand die schwache Deklination. Die Benennungen der starken und schwachen Deklination stammen von Jacob Grimm.

Im Althochdeutschen ist das Bild der stimmbildenden Suffixe schon ziemlich vermischt. Die stimmbildenden Suffixe kommen nur im einzelnen Kasus vor. Aber nach der Tradition werden im Althochdeutschen die Deklinationen so genannt:

  • die a- Deklination der Maskulina

  • die a- Deklination der Neutra usw.

In der indoeuropäischen Sprache gas es wohl wenigstens 8 Kasus: Nominativ, Vokativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumentales (womit? wodurch?), Lokativ (wo?), Ablativ (woher?). Im Althochdeutschen kamen als Regel schon nur die jetzigen 4 Kasus vor. In einzelnen Fällen gab es noch einen Instrumentales (z.B. Wortu – словом).

Die Reduktion der unbetonten Vokale führte zum Zusammenfall mancher Kasus und schuf günstige Bedingungen für die Veränderung solcher Kasus wie Instrumentales, Lokativ, Vokativ, Ablativ durch die Substantive im Dativ und Akkusativ mit Präpositionen.

Im Mittelhochdeutschen waren die Vokale in den unbetonten Positionen schon reduziert. Aber die Benennungen der Deklinationen blieben wie im Althochdeutschen. Die Unifizierung der Deklinationen vollzog sich allmählich (die schwache, dann die starke, die weibliche am Ende).

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