- •Infinitivkonstruktionen in der deutschen Sprache der Gegenwart semesterarbeit
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen 5
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze 18
- •Einleitung
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen
- •1. 1. Definition der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. Einteilung der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 1. Satzwertigkeit der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 2. Einteilung nach dem impliziten Subjekt
- •1. 2. 3. Gestaltungsmittel satzwertiger Infinitivgruppen
- •1. 2. 4. Logisch-grammatische Typen
- •1. 2. Infinitivkonstruktion um ... Zu
- •1. 2. 1. Finale Bedeutung
- •1. 2. 2. Konsekutive Bedeutung
- •1. 2. 3. Konditionale Bedeutung
- •1. 2. 4. Kopulative Bedeutung
- •1. 2. 5. Gebrauch der Tempora des Infinitivs
- •1. 3. Infinitivkonstruktion ohne ... Zu
- •1. 4. Infinitivkonstruktion statt ... Zu
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze
- •2. 1. Adverbialsätze der Art und Weise
- •2. 2. Adverbialsätze des Zieles und des Grundes
- •2. 3. Adverbialsätze der Folge
- •2. 4. Prädikative Beziehungen der Infinitive
- •Schlussfolgerungen
- •Literaturverzeichnis
- •Belegquellen
1. Semantik der Infinitivkonstruktionen
1. 1. Definition der Infinitivkonstruktionen
Die Frage nach der Definition der Infinitivkonstruktionen ist wichtig, weil einige Grammatiker unter einer Infinitivgruppe – Infinitiv- und Partizipialkonstruktion betrachten [7, 14].
Für die untersuchten Gruppen gibt es unterschiedliche Bezeichnungen, und zwar Infinitivsatz Infinitivkonstruktion, Infinitivgruppe, erweiterter Infinitiv, satzwertiger Infinitiv. "Kleines Wörterbuch sprachwissenschaftlicher Termini" gibt solche Bezeichnungen:
Infinitivsatz ist "eingliedriger Satz, dessen Kernwort ein Infinitiv ist";
Infinitivkonstruktion ist „beliebige syntaktische Konstruktion, die einen Infinitiv enthält“;
Infinitivgruppe oder satzwertiger Infinitiv ist eine Infinivgruppe in der Form des erweiterten Infinitivs, die unter einem eigenen Spannungsbogen steht".
In unserer Arbeit nehmen wir die Definition von W. Admoni an: „Zu den Komponenten des Elementarsatzes, die innerhalb sich die gewisse Einheiten bilden und strukturiert leicht ausgliedern und in ihren Organisierungen einige Merkmale des Satzes haben, gehören unter anderen die Infinitivkonstruktionen [1, 164]. Man verwendet oft in derselben Bedeutung die Termini Infinitivkonstruktion, Infinitivgruppe, Infinitivfügung [13, 105; 8, 656], Infinitivsatz [6, 871], freie Infinitivverbindung [8, 118]. In dieser Hinsicht schließen wir uns dem Terminus „Infinitivkonstruktion“ von W. Admoni an, der in seinem Werk „Der deutsche Sprachbau“ schreibt: „als adverbiale Bestimmungen, die semantisch den Nebensätzen entsprechen, treten Konstruktionen um + zu + Infinitiv, statt + zu + Infinitiv, ohne + zu + Infinitiv auf“ [1, 165].
1. 2. Einteilung der Infinitivkonstruktionen
1. 2. 1. Satzwertigkeit der Infinitivkonstruktionen
Zu den Komponenten des Elementarsatzes, die sich innerhalb gewisser Einheiten bilden, strukturiert leicht ausgegliedert werden und in ihren semantischen und syntaktischen Charakteristiken einige Merkmale des Satzes haben, gehören unter anderen die Infinitivkonstruktionen. Sie stellen sich einerseits den nebensächlichen Satzgliedern gegenüber (insbesondere, gewöhnlichen Gliedern der Verbgruppe), als auch den Bildungen, die ihrer grammatischen Struktur nach keine oder sehr unbedeutende Merkmale des Satzes haben, und andererseits - den untergeordneten Sätzen gegenüber, als den Bildungen, die selbst die Formen des Elementarsatzes haben [1, 164].
Die Eigenart satzwertiger Wortgruppen besteht darin, dass sie implizit eine Subjekt-Prädikat-Beziehung enthalten. Ihr Kern ist eine infinite Verbalform – das Partizip oder der Infinitiv. Daher lassen sich zwei Klassen satzwertiger Wortgruppen unterscheiden. Das Kriterium der Einteilung ist die Art des impliziten Subjekts, das beim Ersatz der satzwertigen Wortgruppe durch synonymen Gliedsatz zu verwenden ist.
1. 2. 2. Einteilung nach dem impliziten Subjekt
In den meisten Infinitivgruppen ist das implizite Subjekt der Wortgruppe mit dem Subjekt des Satzes identisch, dessen Teil die satzwertige Wortgruppe bildet. Der Terminus „implizit“ bedeutet auch „latent“, „verdeckt“, „nicht ausgedrückt“.
Ich bin gekommen, dir zu helfen.
Ich bin gekommen, um dir zu helfen.
Ich bin gekommen mit der Absicht, dass ich dir helfe.
Er ging, ohne von uns Abschied zu nehmen.
Er ging, ohne dass er Abschied von uns genommen hatte (hätte).
Den zweiten Subtyp bilden Infinitivgruppen, die ein potentielles Subjekt haben, das mit dem Subjekt des Satzes nicht identisch ist.
Zu diesem Subtyp gehört die syntaktische Konstruktion, die man accusativus cum infinitivo nennt [10, 312]. Merkmal satzwertiger Infinitivgruppen des zweiten Subtyps ist ein von dem Infinitiv unabhängiger (nichtregierter) oder absoluter Akkusativ der Person. (Diesen Typ der Infinitivkonstruktionen behandelt man in dieser Arbeit nicht).
