- •Infinitivkonstruktionen in der deutschen Sprache der Gegenwart semesterarbeit
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen 5
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze 18
- •Einleitung
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen
- •1. 1. Definition der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. Einteilung der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 1. Satzwertigkeit der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 2. Einteilung nach dem impliziten Subjekt
- •1. 2. 3. Gestaltungsmittel satzwertiger Infinitivgruppen
- •1. 2. 4. Logisch-grammatische Typen
- •1. 2. Infinitivkonstruktion um ... Zu
- •1. 2. 1. Finale Bedeutung
- •1. 2. 2. Konsekutive Bedeutung
- •1. 2. 3. Konditionale Bedeutung
- •1. 2. 4. Kopulative Bedeutung
- •1. 2. 5. Gebrauch der Tempora des Infinitivs
- •1. 3. Infinitivkonstruktion ohne ... Zu
- •1. 4. Infinitivkonstruktion statt ... Zu
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze
- •2. 1. Adverbialsätze der Art und Weise
- •2. 2. Adverbialsätze des Zieles und des Grundes
- •2. 3. Adverbialsätze der Folge
- •2. 4. Prädikative Beziehungen der Infinitive
- •Schlussfolgerungen
- •Literaturverzeichnis
- •Belegquellen
1. 4. Infinitivkonstruktion statt ... Zu
Adverbialbestimmungen mit substitutiver (stellvertretenden) Modalangabe werden durch Infinitivkonstruktionen (an)statt ... zu eingeleitet.
Durch die Infinitivkonstruktion (an)statt ... zu wird gekennzeichnet, dass etwas anderes anstelle des Satzgeschehens stellvertretend eintritt (stellvertretender Umstand).
Die Infinitivkonstruktion mit (an)statt ... zu drückt eine nicht wahrgenommene Möglichkeit aus, der übergeordnete Satz eine andere, als Ersatz vom Subjekt wahrgenommene Möglichkeit, die jedoch vom Sprecher als nicht richtig beurteilt wird. Sie entspricht einem Substitutivsatz (stellvertretendem Satz) mit (an)statt dass und setzt voraus, dass ihr eliminiertes Subjekt mit dem Subjekt des übergeordneten Satzes identisch ist:
Das Mädchen ging baden, (an)statt dass es die Hausaufgaben machte. → Das Mädchen ging baden, (an)statt seine Hausaufgaben zu machen [8, 659].
(An)statt ... zu Infinitiv stellt Adverbialbestimmungen mit negativer Bedeutung dar:
Heute jedoch schien die Sonne so warm und erquicklich, dass sie unwillkürlich, statt die Straße hinabzugehen, um die Ecke des Hauses bogen (L. Aston).
"Sollte man an Liebe sterben können, Richard?" – fragte sie einmal, statt auf seine Frage zu antworten (L. Aston).
... und statt zu schlafen, hören wir den Nordwest an unseren Fensterläden rappeln (Th. Storm).
Infinitivkonstruktionen mit substitutiver Modalangabe korrelieren mit (an)statt-dass-Sätzen. Die Wahl zwischen (an)statt dass und (an)statt ... zu ist nicht so streng geregelt wie bei damit und um ... zu. Wenn die Subjekte identisch sind, darf man sowohl (an)statt dass als auch (an)statt ... zu verwenden:
Er faulenzte, (an)statt zu arbeiten [5] → Er faulenzte, (an)statt dass er arbeitete.
Bei unterschiedlichen Subjekten darf nur statt dass gebraucht werden, eine statt ... zu-Umformung ist in diesem Fall nicht möglich. Die Entscheidung für den Nebensatz oder die Infinitivkonstruktion hat stilistische Begründung: Bei Verwendung von (an)statt dass ist die subjektive Bewertung stärker, insbesondere noch beim Gebrauch des Konjunktivs im Nebensatz:
Der Fußgänger machte einen großen Umweg, anstatt den kürzesten Weg zu wählen. → Der Fußgänger machte einen großen Umweg, anstatt dass er den kürzesten Weg wählte. → Der Fußgänger machte einen großen Umweg, anstatt dass er den kürzesten Weg gewählt hätte.
Schlussfolgernd zu diesem Kapitel lässt sich erwähnen, dass Infinitivkonstruktionen einen Übergang von einem Satzglied zu einem Satzglied bilden. Ihnen sind bestimmte festgeprägte Strukturen eigen, die finale, konsekutive, konditionale, kausale, modale und kopulative Bedeutung ausdrücken.
2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze
Was den grammatischen Status der Infinitivkonstruktionen betrifft, so beschränkt man sich meist auf die Feststellung, dass sie syntaktische Gebilde zwischen dem einfachen Satzglied und dem Nebensatz sind, also eine Übergangszone zwischen Satzglied und Satz darstellen, ohne dass explizit gezeigt wird, welche Merkmale sie mit dem Satzglied und welche Merkmale sie mit dem Nebensatz teilen. Über die praktische Verwendung enthalten manche Gesamtdarstellungen der deutschen Grammatik überhaupt keine Angaben, andere beschränken sich auf die Angabe, dass sich der Infinitiv um ... zu auf das Subjekt des übergeordneten Satzes zu beziehen habe. Diese Regel jedoch ist auch nicht allgemeingültig. Etwas genauer ist die Angabe von W. Jung, dass die Infinitivkonstruktionen statt des Nebensatzes stehen können, wenn ihr (eliminiertes) Subjekt mit dem Subjekt, dem Objekt oder dem unbestimmt-persönlichen Pronomen man im übergeordneten Satz identisch ist [9, 203].
Infinitivkonstruktionen können Subjektsätze, Objektsätze, Adverbialsätze repräsentieren. Nach diesen verschiedenen Nebensatzarten unterscheiden sich die Bedingungen, unter denen ein Nebensatz durch eine Infinitivkonstruktion ersetzt werden kann [8, 568].
