Добавил:
Upload Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Kursova Plechij Oksana Infinitivkonstruktionen.doc
Скачиваний:
1
Добавлен:
01.07.2025
Размер:
474.67 Кб
Скачать

1. 4. Infinitivkonstruktion statt ... Zu

Adverbialbestimmungen mit substitutiver (stellvertretenden) Modal­an­ga­be werden durch Infinitivkonstruktionen (an)­statt ... zu eingeleitet.

Durch die Infinitivkonstruktion (an)statt ... zu wird gekenn­zeich­net, dass etwas anderes anstelle des Satzgeschehens stell­ver­tretend ein­tritt (stell­ver­tre­tender Umstand).

Die Infinitivkonstruktion mit (an)statt ... zu drückt eine nicht wahr­ge­nommene Möglichkeit aus, der über­ge­ordnete Satz eine andere, als Er­satz vom Sub­jekt wahrgenommene Möglichkeit, die jedoch vom Spre­cher als nicht richtig beurteilt wird. Sie ent­spricht einem Sub­sti­tu­tiv­satz (stellvertretendem Satz) mit (an)statt dass und setzt voraus, dass ihr eliminier­tes Sub­jekt mit dem Subjekt des übergeordneten Satzes iden­tisch ist:

Das Mädchen ging baden, (an)statt dass es die Haus­aufgaben machte. → Das Mädchen ging baden, (an)statt seine Haus­aufgaben zu ma­chen [8, 659].

(An)statt ... zu Infinitiv stellt Adverbial­be­stim­mun­gen mit ne­ga­ti­ver Bedeutung dar:

Heute jedoch schien die Sonne so warm und erquicklich, dass sie unwillkürlich, statt die Stra­ße hinabzugehen, um die Ecke des Hau­ses bogen (L. Aston).

"Sollte man an Liebe sterben können, Richard?" – frag­te sie ein­mal, statt auf seine Frage zu ant­wor­ten (L. Aston).

... und statt zu schlafen, hören wir den Nordwest an unseren Fen­sterläden rappeln (Th. Storm).

Infinitivkonstruktionen mit substitutiver Mo­dal­angabe korrelieren mit (an)­statt-dass-Sätzen. Die Wahl zwischen (an)statt dass und (an)statt ... zu ist nicht so streng geregelt wie bei damit und um ... zu. Wenn die Subjekte iden­tisch sind, darf man sowohl (an)statt dass als auch (an)statt ... zu ver­wen­den:

Er faulenzte, (an)statt zu arbeiten [5] Er faulenzte, (an)statt dass er arbeitete.

Bei unterschiedlichen Subjekten darf nur statt dass gebraucht werden, eine statt ... zu-Umformung ist in diesem Fall nicht möglich. Die Ent­schei­dung für den Nebensatz oder die Infinitivkonstruktion hat stilistische Be­grün­dung: Bei Verwendung von (an)­statt dass ist die subjektive Bewertung stär­ker, insbesondere noch beim Gebrauch des Kon­junk­tivs im Nebensatz:

Der Fußgänger machte einen großen Umweg, anstatt den kürzesten Weg zu wählen. → Der Fußgänger machte einen großen Umweg, anstatt dass er den kürzesten Weg wählte. → Der Fußgänger machte einen großen Um­weg, anstatt dass er den kürzesten Weg gewählt hätte.

Schlussfolgernd zu diesem Kapitel lässt sich erwäh­nen, dass Infini­tiv­konstruktionen einen Über­gang von einem Satzglied zu einem Satzglied bil­den. Ihnen sind bestimmte festgeprägte Struk­tu­ren eigen, die finale, konsekutive, konditionale, kau­sa­le, modale und kopulative Bedeutung aus­drü­cken.

2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze

Was den grammatischen Status der Infinitiv­kon­struk­tionen betrifft, so be­schränkt man sich meist auf die Feststellung, dass sie syntaktische Ge­bil­de zwischen dem einfachen Satzglied und dem Nebensatz sind, also eine Über­gangszone zwischen Satzglied und Satz darstellen, ohne dass explizit gezeigt wird, welche Merkmale sie mit dem Satz­glied und welche Merkmale sie mit dem Ne­ben­satz tei­len. Über die praktische Verwendung ent­hal­ten man­che Gesamtdarstellungen der deutschen Gram­matik über­haupt keine Angaben, andere be­schränken sich auf die Angabe, dass sich der In­fi­ni­tiv um ... zu auf das Subjekt des über­ge­ord­ne­ten Satzes zu be­zie­hen habe. Diese Regel jedoch ist auch nicht all­ge­meingültig. Etwas genauer ist die Angabe von W. Jung, dass die In­fi­ni­tiv­kon­struk­tio­nen statt des Ne­ben­satzes stehen können, wenn ihr (eliminiertes) Sub­jekt mit dem Subjekt, dem Objekt oder dem unbestimmt-persönlichen Pronomen man im über­ge­ord­ne­ten Satz iden­tisch ist [9, 203].

Infinitivkonstruktionen können Subjektsätze, Ob­jekt­sätze, Adver­bial­sätze repräsentieren. Nach die­sen verschiedenen Nebensatzarten unter­schei­den sich die Bedingungen, unter denen ein Nebensatz durch eine Infi­ni­tivkonstruktion ersetzt werden kann [8, 568].