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Kursova Plechij Oksana Infinitivkonstruktionen.doc
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2. 4. Prädikative Beziehungen der Infinitive

Eine begrenzte Anzahl von Prä­di­katsausdrücken (Verben, Adjek­ti­ven und Sub­stan­tiven) kann im Deutschen einen prädikativen Aktan­ten in der Funktion des Subjekts zulassen. Bei einigen da­von kann dieser prädikative Aktant eine In­fi­ni­tiv­konstruktion sein. Man kann Infini­tiv­kon­struk­tionen in Subjektfunktion und mit dass ein­ge­lei­te­te konjunktionale Subjektsätze als Kon­kur­renz­for­men auffassen. Sie unterscheiden sich formal durch die Eli­mi­nierung (Weglassen) des Subjekts. Die Neu­tralisierung der Kon­gruenz­beziehung in der Infi­ni­tivkonstruktion ist damit verbunden. Man kann je­doch davon ausgehen, dass sie prinzipiell die glei­chen Funktionen er­füllen [14, 25]. Im Fol­gen­den soll die Frage gestellt werden, unter wel­chen semantischen Bedingungen Infinitiv­kon­struk­tio­nen in Subjekt­funk­tion möglich sind und auf welche Weise sie dann mit den konjunktionalen dass-Subjektsätzen konkurrieren. Zu überprüfen ist in diesem Zusam­men­hang G. Starkes Erklärung für den Gebrauch von Infinitivkonstruktion in Sub­jekt­funktion anstelle von konjunktionalen Subjekt­sätzen (dass) bei prädikativen Adjektiven mit modaler Bedeutung:

Es ist durchaus legitim, dass ein Drehbuchautor in einem Film­szena­rium von seiner literarischen Vorlage abweicht [14, 22] Er ist durch­aus legitim, in einem Filmszenarium von seiner literarischen Vorlage abzuweichen.

Die Beziehungen zwischen Infinitiv­kon­struk­tio­nen in Subjektfunktion und konjunktionale dass-Sub­jekt­sätze gestalten sich verschiedenartig, und eine Beschreibung dieser Beziehungen muss von

  • der Semantik der Prädikatsausdrücke

  • ihrer syntaktischen Valenz

  • der aktuellen syntaktischen Besetzung der Mat­rix­sätze

ausgehen und auch die Bedeutungsbeziehungen zwischen Matrix­sätzen und prädikativen Ak­tan­ten­sätzen berücksichtigen.

Infinitivkonstruktionen in Subjektfunktion kön­nen so als eine spezifi­sche Art der Verknüpfung und Einbettung eines prädikativen Aktanten auf­ge­fasst werden:

Und vom Zusammenreißen zu sprechen ist über­flüs­sig (H. Böll)

Die Infinitivkonstruktion in der Funktion des Subjekts lässt sich durch eine No­mi­na­li­sie­ung ersetzen:

Das Sprechen / Das Gespräch vom Zu­sam­men­rei­ßen ist überflüssig.

In den Verben mit obligatorischer Fähigkeit zu der Verbindung mit dem Infinitiv gibt es zwei Typen syntaktischer Verbindung mit ihm: mehr en­ge Verbindung, bei der die finite Form des Verbs und der Infinitiv zu einem Syntagma treten; und we­ni­ger enge Verbindung, bei der die finite Form des Verbs und der Infinitiv zu den verschiedenen Syn­tag­men eintreten. Schriftlich ist das durch das Vor­han­densein oder das Fehlen des Kommas be­zeich­net.

In einer ganzen Reihe von Sätzen ist der Träger des Infinitiv­konstruktion-Sachverhaltes nicht ge­nannt. In diesen Fällen sind die Träger sehr all­gemein oder sehr leicht aus der Situation zu er­schließen:

Der durch die Infinitivgruppe bezeichnete Sach­verhalt kann auch durch andere Merkmale (Substantive, Adjektive und Adverbien) gekenn­zeichnet werden [11, 83] und von ihnen ab­hän­gen.

So kann sich eine satzwertige Infinitiv­kon­struk­tion auf ein Substantiv beziehen:

Arbeiten zu gehen, hatte ich keine Lust. (H. Böll)

Aber der herannahende Briefträger enthebt mich der Verpflich­tung, den Satz zu beenden (H. Böll).

Aber es wird Zeit, das Gesicht meines Nach­barn zu beobachten (H. Böll).

... aber die Tatsache, bis zu einem gewissen Grade Hüter des Gesetzes zu sein, stärkt mich (H. Böll).

Bezugswort einer Infinitivkonstruktion kann ein Adjektiv sein:

Es ist wohltuend, ein­mal mit der Hand zu schreiben (H. Böll).

... und als der Schlüssel ins Schloss gesteckt wurde, war ich zu bange, aufzustehen und ihr Gesicht zu sehen ... (H. Böll)

Mit Infinitiven und Infinitivkonstruktionen kön­nen sich nicht alle qualitativen Adjektive, so­gar in dem prädikativen Gebrauch, in demselben Aus­maß verbinden.

Die relativen Adjektive, die eine Be­schaf­fen­heit des Gegendstandes oder Stoffes bedeuten, wie eisig, golden u. a., verbinden sich in dem prädika­tiven Gebrauch mit den Infinitiven oder Infinitivkonstruktionen nicht.