- •Infinitivkonstruktionen in der deutschen Sprache der Gegenwart semesterarbeit
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen 5
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze 18
- •Einleitung
- •1. Semantik der Infinitivkonstruktionen
- •1. 1. Definition der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. Einteilung der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 1. Satzwertigkeit der Infinitivkonstruktionen
- •1. 2. 2. Einteilung nach dem impliziten Subjekt
- •1. 2. 3. Gestaltungsmittel satzwertiger Infinitivgruppen
- •1. 2. 4. Logisch-grammatische Typen
- •1. 2. Infinitivkonstruktion um ... Zu
- •1. 2. 1. Finale Bedeutung
- •1. 2. 2. Konsekutive Bedeutung
- •1. 2. 3. Konditionale Bedeutung
- •1. 2. 4. Kopulative Bedeutung
- •1. 2. 5. Gebrauch der Tempora des Infinitivs
- •1. 3. Infinitivkonstruktion ohne ... Zu
- •1. 4. Infinitivkonstruktion statt ... Zu
- •2. Infinitivkonstruktionen als Konkurrenzformen der Nebensätze
- •2. 1. Adverbialsätze der Art und Weise
- •2. 2. Adverbialsätze des Zieles und des Grundes
- •2. 3. Adverbialsätze der Folge
- •2. 4. Prädikative Beziehungen der Infinitive
- •Schlussfolgerungen
- •Literaturverzeichnis
- •Belegquellen
2. 4. Prädikative Beziehungen der Infinitive
Eine begrenzte Anzahl von Prädikatsausdrücken (Verben, Adjektiven und Substantiven) kann im Deutschen einen prädikativen Aktanten in der Funktion des Subjekts zulassen. Bei einigen davon kann dieser prädikative Aktant eine Infinitivkonstruktion sein. Man kann Infinitivkonstruktionen in Subjektfunktion und mit dass eingeleitete konjunktionale Subjektsätze als Konkurrenzformen auffassen. Sie unterscheiden sich formal durch die Eliminierung (Weglassen) des Subjekts. Die Neutralisierung der Kongruenzbeziehung in der Infinitivkonstruktion ist damit verbunden. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie prinzipiell die gleichen Funktionen erfüllen [14, 25]. Im Folgenden soll die Frage gestellt werden, unter welchen semantischen Bedingungen Infinitivkonstruktionen in Subjektfunktion möglich sind und auf welche Weise sie dann mit den konjunktionalen dass-Subjektsätzen konkurrieren. Zu überprüfen ist in diesem Zusammenhang G. Starkes Erklärung für den Gebrauch von Infinitivkonstruktion in Subjektfunktion anstelle von konjunktionalen Subjektsätzen (dass) bei prädikativen Adjektiven mit modaler Bedeutung:
Es ist durchaus legitim, dass ein Drehbuchautor in einem Filmszenarium von seiner literarischen Vorlage abweicht [14, 22] → Er ist durchaus legitim, in einem Filmszenarium von seiner literarischen Vorlage abzuweichen.
Die Beziehungen zwischen Infinitivkonstruktionen in Subjektfunktion und konjunktionale dass-Subjektsätze gestalten sich verschiedenartig, und eine Beschreibung dieser Beziehungen muss von
der Semantik der Prädikatsausdrücke
ihrer syntaktischen Valenz
der aktuellen syntaktischen Besetzung der Matrixsätze
ausgehen und auch die Bedeutungsbeziehungen zwischen Matrixsätzen und prädikativen Aktantensätzen berücksichtigen.
Infinitivkonstruktionen in Subjektfunktion können so als eine spezifische Art der Verknüpfung und Einbettung eines prädikativen Aktanten aufgefasst werden:
Und vom Zusammenreißen zu sprechen ist überflüssig (H. Böll)
Die Infinitivkonstruktion in der Funktion des Subjekts lässt sich durch eine Nominalisieung ersetzen:
Das Sprechen / Das Gespräch vom Zusammenreißen ist überflüssig.
In den Verben mit obligatorischer Fähigkeit zu der Verbindung mit dem Infinitiv gibt es zwei Typen syntaktischer Verbindung mit ihm: mehr enge Verbindung, bei der die finite Form des Verbs und der Infinitiv zu einem Syntagma treten; und weniger enge Verbindung, bei der die finite Form des Verbs und der Infinitiv zu den verschiedenen Syntagmen eintreten. Schriftlich ist das durch das Vorhandensein oder das Fehlen des Kommas bezeichnet.
In einer ganzen Reihe von Sätzen ist der Träger des Infinitivkonstruktion-Sachverhaltes nicht genannt. In diesen Fällen sind die Träger sehr allgemein oder sehr leicht aus der Situation zu erschließen:
Der durch die Infinitivgruppe bezeichnete Sachverhalt kann auch durch andere Merkmale (Substantive, Adjektive und Adverbien) gekennzeichnet werden [11, 83] und von ihnen abhängen.
So kann sich eine satzwertige Infinitivkonstruktion auf ein Substantiv beziehen:
Arbeiten zu gehen, hatte ich keine Lust. (H. Böll)
Aber der herannahende Briefträger enthebt mich der Verpflichtung, den Satz zu beenden (H. Böll).
Aber es wird Zeit, das Gesicht meines Nachbarn zu beobachten (H. Böll).
... aber die Tatsache, bis zu einem gewissen Grade Hüter des Gesetzes zu sein, stärkt mich (H. Böll).
Bezugswort einer Infinitivkonstruktion kann ein Adjektiv sein:
Es ist wohltuend, einmal mit der Hand zu schreiben (H. Böll).
... und als der Schlüssel ins Schloss gesteckt wurde, war ich zu bange, aufzustehen und ihr Gesicht zu sehen ... (H. Böll)
Mit Infinitiven und Infinitivkonstruktionen können sich nicht alle qualitativen Adjektive, sogar in dem prädikativen Gebrauch, in demselben Ausmaß verbinden.
Die relativen Adjektive, die eine Beschaffenheit des Gegendstandes oder Stoffes bedeuten, wie eisig, golden u. a., verbinden sich in dem prädikativen Gebrauch mit den Infinitiven oder Infinitivkonstruktionen nicht.
