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Internationale Entwicklung Im Historischen Kont...docx
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6. Juni 2012, Andrea Komlosy:

Globalhistorische Grundlagen der Industriellen Revolution

  • industrielle Revolution wird oft als Erbgut von Großbritannien gesehen, die nur auf die anderen Teile der Welt übergriff, das ist so nicht richtig!

  • im 18. Jh. waren Indien u. China noch viel bedeutender in der Weltwirtschaft (Industrie), um 1913 haben Europa u. die USA stark aufgeholt, China, Japan u. Indien sind weit abgeschlagen;

  • (west-) europ. Dominanz: in d. Industrieproduktion u. in d. Erklärung für d. Entwicklungsunterschied (europ. Sonderweg: Aufklärung, Innovation, Rechtsstaat, wirtschaftl. Eigennutz; Gegenteil: Statik, Stagnation, Nichtentwicklungsfähigkeit d. außereurop. Welt); Ausweg: Kolonialismus, Imperialismus, Zivilisation;

  • Geschichte wird als europ. Erfolgsgeschichte rekonstruiert;

  • Europa provinzialisieren: Chakrabarty; d. Geschichte Europas ist natürlich wichtig und muss untersucht werden, aber darf nicht als Vorlage dienen! europ. „Errungenschaften“ müssen im Lichte der Interaktion mit außereurop. Gesellschaften untersucht werden → z.B. d. Industrielle Revolution!

  • England (als Musterland d. Industriellen Revolution):

    • klassische Legende: innere Dynamik vs. außenwirtschaftliche Voraussetzungen f. Englands Entwicklung (Kolonien, Dominanz im Welthandel u. Weltverkehr)

    • wie müsste die Geschichte lauten, wenn die Geschichte von anderen Regionen aus erzählt würde? → globalhistorische Perspektive: globales Bedingungsumfeld für Veränderungen im Inneren von GB;

    • industrielle Revolution als Ergebnis globaler Interaktion u. Antwort auf globale Herausforderungen u. Veränderungen (z.B. Baumwolltextilien: industrielle Revolution als Importsubstitution, ab Ende des 18. Jh. Leitsektor d. industrielle Revolution, dann die Eisenbahn);

    • industriell/industriös: Industrie ( = Sachgüterproduktion, Gewerbeproduktion od. Fabriksystem?), Industrialisierung ( = Zunahme d. gewerblichen Sektors im Verhältnis zur Landwirtschaft od. Zunahme d. Fabriksystem im Verhältnis zur handwerklichen Produktion?), Industrieländer? alte/neue Industrieländer? → kommt immer auf die Definition von Industrie an! → d. Gleichsetzung d. Industrialisierung mit d. Fabriksystem entwertet alle anderen Verbesserungen u. Produktionssteigerungen!

  • Handelsbeziehungen (vor 1700): am Beispiel d. Baumwolltextilien

    • multizentrische Koexistenz europ. u. asiatischer Exportgewerberegionen (es gab nicht ein großes Handelszentrum!), Verbindungen durch Handelsbeziehungen, keine internationale Arbeitsteilung im Sinne von Standortketten (verschiedene Standorte erledigen nur einen einzigen Arbeitsschritt);

    • West-Süd-Ostasien waren die Workshops der Welt! Porzellan (China), Glas, Seide, Teppiche, Papier, Tapeten, Damast, Musselin, Baumwolldrucke (Indien),... → gelangten über d. Seidenstraßen u. d. Handelssysteme des Indischen Ozeans nach Europa; europ. Nachfrage: amerikanisches Silber als Bindeglied zur kolonialen Erschließung Amerikas (zum Teil auch europ. Produkte als Tauschmittel, hauptsächlich aber Silber aus Amerika) → atlantisches u. asiatisches Handelsdreieck!

  • Manufaktur u. Verlag (1700-1820):

    • größere Produktionseinheiten entstehen aus dem einfachen Handwerk → Manufakturen;

    • Ausbreitung d. Manufaktur- u. Verlagssystems (Verlegung der Arbeit an d. Orte, wo die Arbeiter_innen wohnen → Heimarbeit, z.B. Spinnen, Weben → sehr arbeitsintensive Tätigkeiten, d. schlecht bezahlt werden); Verbindung von diesen unterschiedlichen Standorten mit unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen in Produktionsketten (innerhalb u. zwischen Weltregionen, z.B. Bodenseeraum, NÖ, Böhmen, Dadni-System u. Thread & Money System (Indien), Zangfang-System (China),...);

    • Übergang v. der Produzentendominierten zur Käuferdominierte (Käufer (-unternehmen) organisiert d. Produktion, Produzenten sind v. ihren Aufträgen abhängig) Commodity Chain (Warenkette);

    • Thread & Money System: Arbeit selbständigen Heimproduzent_innen, deren Autonomie ihnen aber genommen wird, indem ihnen Material od. Geld (Thread & Money) vorgestreckt wurde u. sie dementsprechend abliefern mussten, wenn sie das nicht konnten, gerieten sie in Schuldknechtschaft;

    • Handel mit (indischer) Baumwolle stand im Konflikt mit d. britischen (Woll-) Produktion; anstatt Baumwolldrucke zu importieren, wurden nur mehr die unbedruckten Stoffe importiert und in Großbritannien selbst bedruckt u. von dort aus exportiert → mehr Wertschöpfung in GB selbst; d. ausländischen Konkurrent_innen wurden zu heimischen Konkurrent_innen → Luxusgesetz wird eingeführt (1720): keine Baumwollkleidung! Stärkung d. Wollproduzent_innen u. deren Arbeiter_innen; stieß auf Widerstand von d. Baumwollindustrie:

    • Etappen d. Exportsubstitution:

      • 1600-1700: East India Company Kaliko Importe aus Indien u. Re-Exporte

      • 1700-1750: britische Unternehmer_innen steigen in d. Baumwolldruck ein (Importverbot f. indische Kalikos nach GB, Nachfrageboom f. weiße Baumwoll-Tücher aus Bengalen)

      • 1750-1780: Verlagssystem in GB

      • 1780: Übergang vom Verlags- auf d. Fabriksystem als Instrument im Konkurrenzkampf mit indischen Stoffen (Industriekapital (Innovation) vs. Handelskapital) → Protektionismus britischer Produzent_innen u. staatliche Exportoffensive verdrängen indische Produzent_innen von d. Weltmärkten;

      • 1820: Ausschaltung indischer Konkurrent_innen, Umkehrung der Warenströme (zuerst: Indien nach Europa, dann: Europa nach Indien, Indien (u. andere Produzenten) wird zum Rohstoffproduzenten degradiert);

  • Fabriksystem in NW-Europa (1800-1914):

    • Einführung d. Fabriksystem in GB (ab 1780) u. Nord-West-Europa → nachholende „Industrialisierung“ in anderen europ. Regionen u. d. USA, ganz vereinzelt auch in anderen Teilen d. Welt;

  • überregionale Standortkombinationen im 19. Jh.:

    • industriöse Verhältnisse verschwinden durch d. Fabriksystem nicht, sonder wird eingeschränkt (z.B. Verbindung von Hand- u. Fabrikarbeit);

  • nachholende Industrialisierung nach d. 1. u. 2. Weltkrieg:

    • Textil- u. Bekleidung bleiben d. Flaggschiffe nachholender Industrialisierung in ehemals agrarisch od. handwerklich-industriös orientierten europ. oder außereurop. Regionen (Ziel: alle Fertigungsstufen integrierenden Produktion im nationalen Rahmen → De-Globalisierung)

    • textile Massenproduktion verlagert sich im Laufe d. 20. Jh. in neue Industrieländer;

  • Re-Globalisierung, verlängerte Werkbänke ab 1970ern:

    • erfolgreich nachholende Entwicklung eingeschränkt durch verschiedene Handelsabkommen, d. vor allem Amerika u. Europa bevorzugen;

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