- •Internationale Entwicklung Im Historischen Kontext:
- •13. März, Margarete Grandner:
- •Industriöse Revolution:
- •20. März 2012, Arno Sonderegger:
- •27. März 2012, Arno Sonderegger:
- •Imperialismus im 19. U. 20. Jh.
- •Imperialismus:
- •Imperialismus im 19. U. 20. Jh.:
- •24. April 2012, Marcus Gräser :
- •8. Mai 2012, Felix Wemheuer:
- •Von Mao zum Markt: Chinesische Entwicklungsmodelle und die Bauern seit 1949
- •15. Mai 2012, Sepp Linhart:
- •22. Mai 2012, Clemens Pfeffer:
- •6. Juni 2012, Andrea Komlosy:
- •12. Juni 2012, Ingeborg Grau:
- •19. Juni 2012, Walter Schicho:
- •Vom Kolonialismus zum Neokolonialismus:
6. Juni 2012, Andrea Komlosy:
Globalhistorische Grundlagen der Industriellen Revolution
industrielle Revolution wird oft als Erbgut von Großbritannien gesehen, die nur auf die anderen Teile der Welt übergriff, das ist so nicht richtig!
im 18. Jh. waren Indien u. China noch viel bedeutender in der Weltwirtschaft (Industrie), um 1913 haben Europa u. die USA stark aufgeholt, China, Japan u. Indien sind weit abgeschlagen;
(west-) europ. Dominanz: in d. Industrieproduktion u. in d. Erklärung für d. Entwicklungsunterschied (europ. Sonderweg: Aufklärung, Innovation, Rechtsstaat, wirtschaftl. Eigennutz; Gegenteil: Statik, Stagnation, Nichtentwicklungsfähigkeit d. außereurop. Welt); Ausweg: Kolonialismus, Imperialismus, Zivilisation;
Geschichte wird als europ. Erfolgsgeschichte rekonstruiert;
Europa provinzialisieren: Chakrabarty; d. Geschichte Europas ist natürlich wichtig und muss untersucht werden, aber darf nicht als Vorlage dienen! europ. „Errungenschaften“ müssen im Lichte der Interaktion mit außereurop. Gesellschaften untersucht werden → z.B. d. Industrielle Revolution!
England (als Musterland d. Industriellen Revolution):
klassische Legende: innere Dynamik vs. außenwirtschaftliche Voraussetzungen f. Englands Entwicklung (Kolonien, Dominanz im Welthandel u. Weltverkehr)
wie müsste die Geschichte lauten, wenn die Geschichte von anderen Regionen aus erzählt würde? → globalhistorische Perspektive: globales Bedingungsumfeld für Veränderungen im Inneren von GB;
industrielle Revolution als Ergebnis globaler Interaktion u. Antwort auf globale Herausforderungen u. Veränderungen (z.B. Baumwolltextilien: industrielle Revolution als Importsubstitution, ab Ende des 18. Jh. Leitsektor d. industrielle Revolution, dann die Eisenbahn);
industriell/industriös: Industrie ( = Sachgüterproduktion, Gewerbeproduktion od. Fabriksystem?), Industrialisierung ( = Zunahme d. gewerblichen Sektors im Verhältnis zur Landwirtschaft od. Zunahme d. Fabriksystem im Verhältnis zur handwerklichen Produktion?), Industrieländer? alte/neue Industrieländer? → kommt immer auf die Definition von Industrie an! → d. Gleichsetzung d. Industrialisierung mit d. Fabriksystem entwertet alle anderen Verbesserungen u. Produktionssteigerungen!
Handelsbeziehungen (vor 1700): am Beispiel d. Baumwolltextilien
multizentrische Koexistenz europ. u. asiatischer Exportgewerberegionen (es gab nicht ein großes Handelszentrum!), Verbindungen durch Handelsbeziehungen, keine internationale Arbeitsteilung im Sinne von Standortketten (verschiedene Standorte erledigen nur einen einzigen Arbeitsschritt);
West-Süd-Ostasien waren die Workshops der Welt! Porzellan (China), Glas, Seide, Teppiche, Papier, Tapeten, Damast, Musselin, Baumwolldrucke (Indien),... → gelangten über d. Seidenstraßen u. d. Handelssysteme des Indischen Ozeans nach Europa; europ. Nachfrage: amerikanisches Silber als Bindeglied zur kolonialen Erschließung Amerikas (zum Teil auch europ. Produkte als Tauschmittel, hauptsächlich aber Silber aus Amerika) → atlantisches u. asiatisches Handelsdreieck!
Manufaktur u. Verlag (1700-1820):
größere Produktionseinheiten entstehen aus dem einfachen Handwerk → Manufakturen;
Ausbreitung d. Manufaktur- u. Verlagssystems (Verlegung der Arbeit an d. Orte, wo die Arbeiter_innen wohnen → Heimarbeit, z.B. Spinnen, Weben → sehr arbeitsintensive Tätigkeiten, d. schlecht bezahlt werden); Verbindung von diesen unterschiedlichen Standorten mit unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen in Produktionsketten (innerhalb u. zwischen Weltregionen, z.B. Bodenseeraum, NÖ, Böhmen, Dadni-System u. Thread & Money System (Indien), Zangfang-System (China),...);
Übergang v. der Produzentendominierten zur Käuferdominierte (Käufer (-unternehmen) organisiert d. Produktion, Produzenten sind v. ihren Aufträgen abhängig) Commodity Chain (Warenkette);
Thread & Money System: Arbeit selbständigen Heimproduzent_innen, deren Autonomie ihnen aber genommen wird, indem ihnen Material od. Geld (Thread & Money) vorgestreckt wurde u. sie dementsprechend abliefern mussten, wenn sie das nicht konnten, gerieten sie in Schuldknechtschaft;
Handel mit (indischer) Baumwolle stand im Konflikt mit d. britischen (Woll-) Produktion; anstatt Baumwolldrucke zu importieren, wurden nur mehr die unbedruckten Stoffe importiert und in Großbritannien selbst bedruckt u. von dort aus exportiert → mehr Wertschöpfung in GB selbst; d. ausländischen Konkurrent_innen wurden zu heimischen Konkurrent_innen → Luxusgesetz wird eingeführt (1720): keine Baumwollkleidung! Stärkung d. Wollproduzent_innen u. deren Arbeiter_innen; stieß auf Widerstand von d. Baumwollindustrie:
Etappen d. Exportsubstitution:
1600-1700: East India Company Kaliko Importe aus Indien u. Re-Exporte
1700-1750: britische Unternehmer_innen steigen in d. Baumwolldruck ein (Importverbot f. indische Kalikos nach GB, Nachfrageboom f. weiße Baumwoll-Tücher aus Bengalen)
1750-1780: Verlagssystem in GB
1780: Übergang vom Verlags- auf d. Fabriksystem als Instrument im Konkurrenzkampf mit indischen Stoffen (Industriekapital (Innovation) vs. Handelskapital) → Protektionismus britischer Produzent_innen u. staatliche Exportoffensive verdrängen indische Produzent_innen von d. Weltmärkten;
1820: Ausschaltung indischer Konkurrent_innen, Umkehrung der Warenströme (zuerst: Indien nach Europa, dann: Europa nach Indien, Indien (u. andere Produzenten) wird zum Rohstoffproduzenten degradiert);
Fabriksystem in NW-Europa (1800-1914):
Einführung d. Fabriksystem in GB (ab 1780) u. Nord-West-Europa → nachholende „Industrialisierung“ in anderen europ. Regionen u. d. USA, ganz vereinzelt auch in anderen Teilen d. Welt;
überregionale Standortkombinationen im 19. Jh.:
industriöse Verhältnisse verschwinden durch d. Fabriksystem nicht, sonder wird eingeschränkt (z.B. Verbindung von Hand- u. Fabrikarbeit);
nachholende Industrialisierung nach d. 1. u. 2. Weltkrieg:
Textil- u. Bekleidung bleiben d. Flaggschiffe nachholender Industrialisierung in ehemals agrarisch od. handwerklich-industriös orientierten europ. oder außereurop. Regionen (Ziel: alle Fertigungsstufen integrierenden Produktion im nationalen Rahmen → De-Globalisierung)
textile Massenproduktion verlagert sich im Laufe d. 20. Jh. in neue Industrieländer;
Re-Globalisierung, verlängerte Werkbänke ab 1970ern:
erfolgreich nachholende Entwicklung eingeschränkt durch verschiedene Handelsabkommen, d. vor allem Amerika u. Europa bevorzugen;
