- •1.Einleitung: Was ist Sprache. Das menschliche Interesse an Sprache.
- •2.Das Wesen und die Leistungen der Sprache.
- •3.Die Sprache als ein hierarchisches System (strukturelle Sprachbetrachtung nach Ferdinand de Saussure). Zur Gliederung sprachlicher Einheiten.
- •4. Die Hauptkomponenten des Sprachsystems.
- •Fragen zur Selbstkontrolle:
- •Fragen zum selbständigen Erarbeiten:
- •Literatur:
3.Die Sprache als ein hierarchisches System (strukturelle Sprachbetrachtung nach Ferdinand de Saussure). Zur Gliederung sprachlicher Einheiten.
Das Sprachsystem ist eine wissenschaftliche Abstraktion von hohem Verallgemeinerungsgrad. Sein Wesensmerkmal ist ein hierarchischer Aufbau, der durch bestimmte Teilsysteme der Sprache (Subsysteme) strukturiert wird, sie werden auch als einzelne Sprachebenen betrachtet. Die unterste Ebene ist die phonologische Ebene und ihre Einheit ist das Phonem. Die nächsthöhere Ebene ist die morphologische, deren Einheit das Morphem ist. Ihr folgt die lexikalische Ebene mit ihrer Einheit - dem Wort und die syntaktische Ebene mit ihrer Einheit dem Satz. Die oberste Ebene ist Textebene, ihre Einheit ist der Text. Die Einheiten einer unteren Ebene sind die Konstituenten der nächsthöheren Ebene, und umgekehrt, die Einheiten einer oberen Ebene lassen sich in Elemente der unteren Ebene gliedern (Schema 2).
Es existieren verschiedene Definitionen des Phonems. Eine davon fasst das Phonem als ein Bündel von invarianten Lautmerkmalen, das imstande ist, verschiedene Wörter und Wortformen einer Einzelsprache voneinander zu unterscheiden, vgl.
Land / Hand / Wand / Band / Rand / Sand / fand oder
Rand / Rind / rund / rennt
Die verschiedenen Wörter oder Wortformen jeder Zeile unterscheiden sich voneinander jeweils nur durch einen Sprachlaut oder ein Phonem, in der ersten Zeile durch das erste, in der zweiten durch das zweite Phonem jeder Wortform. Wie verschieden jeder Sprecher diese Wortformen durch seine Aussprache variiert, ist für das Wesen der Phoneme ohne Bedeutung. Dementsprechend kann ein Phonem auch als die kleinste lineare bedeutungsunterscheidende Lauteinheit in einer bestimmten historischen Entwicklungsetappe einer Sprache definiert werden.
Die kleinste bedeutungsdifferenzierende Einheit der geschriebenen Sprache heißt Graphem. Die Gesamtheit der Grapheme einer Sprache bildet ihr Grapheminventar, das das Alphabet in sich einschließt. Zwischen Phonem und Graphem besteht nicht in jedem Falle eine 1:1 Entsprechung, sondern
- das gleiche Phonem kann durch verschiedene Graphemkombinationen repräsentiert werden (Moor – Mohr, Meer – mehr, Aal – Ahle - Mal),
- ein und dieselbe Graphemverbindung steht für zwei verschiedene Phonemverbindungen (still – Kiste, spät - Wespe),
- Graphemunterschiede sind beibehalten worden, während Phonemoppositionen neutralisiert sind (Rad – Rat, Geld - Entgelt),
- für die gleiche Phonemverbindung existieren mehrere, z. B. fünf verschiedene Graphemrepräsentationen (Axt – Luchs – flugs – Keks - Klecks).
Die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache oder kleinsten Sprachzeichen werden Morpheme genannt. Sie sind durch wissenschaftliche Beobachtung und Untersuchung sprachlicher Äußerungen ermittelt worden. So lässt sich der Satz Kollektive beraten neue Pläne z. B. in folgender Weise in Morpheme zerlegen: Kollektiv-e be-rat-en neu-e Plän-e.
Morpheme, die einzelne Erscheinungen der Wirklichkeit – Lebewesen, Gegenstände, Vorgänge, Zustände, Eigenschaften – bezeichnen und meist allein gebraucht werden können, z. B., Kollektiv, Rat, Plan, neu,heißen Basis-, Grund- oder Stammmorpheme.
Morpheme, die verschiedene Formen eines Wortes zu bilden vermögen, heißen Flexionsmorpheme, grammatische oder formbildende Morpheme. Die Flexionsmorpheme unserer Sprache lauten:
-e, -(e)n, -er, -(e)s, -(e)st, -(e)t, -em, -ens, -nd, -st, -t, ge-, Umlaut, Ablaut.
Flexionsmorpheme haben grammatische Bedeutungen; diese zeichnen sich durch einen sehr hohen Verallgemeinerungsgrad aus.
Die nächstgrößeren bedeutungstragenden Einheiten der Sprache bilden die Wörter.
Das Wort als lexikalische Einheit wird definiert als eine feste Verbindung von Ausdrucks- und Inhaltsseite; in der konkreten Verwendung in Äußerungen erscheint es, je nach Position bzw. Funktion im Satz, in verschiedenen Wortformen: Die Wörter /Haus/, /Hauses/, /Hause/, /Häuser/, /Häusern/ werden definiert als Wortformen, die alle zu einer abstrakten lexikalischen Einheit /Haus/ mit einer bestimmten Bedeutung `Gebäude [e. bestimmten Art]` gehören.
Auf der nächsthöheren Ebene der Segmentierung sprachlicher Äußerungen gelangt man zum Satz. Die Definition der Einheit Satz stellt eines der großen Probleme in der Sprachwissenschaftdar (es gibt etwa dreihundert Definitionen des Begriffs „Satz“).
Die Fragen:1. Was genau macht einen Satz aus, welche Bestandteile muss er notwendigerweise enthalten? 2. Wo liegen die Satzgrenzen, lassen sich diese mit linguistischen Kriterien genau definieren? müssen von verschiedenen theoretischen Ansätzen und Erkenntnisinteressen oft unterschiedlich beantwortet werden.
Wie auch immer man den Satz definiert, fest steht, dass er ein Äußerungstyp ist. Er ist die kleinste relativ selbständige Einheit der Rede. Er verwirklicht die Kommunikationsabsicht eines Sprechers (informieren, auffordern, beeinflussen, fragen usw.) und löst beim Partner eine kommunikative Wirkung aus, tritt aber oft innerhalb eines größeren Gedanken- und Redezusammenhangs auf, den man als Text bezeichnet. Jeder Text ist eine sinnvoll und zweckentsprechend geordnete Folge von Sätzen mit einem gemeinsamen Thema, die zusammenhängende Darstellung eines im Bewusstsein widerspiegelten Wirklichkeitsausschnitt [Jung, S. 29]. Die Sätze werden innerhalb des Textes durch Mittel der Satz- und Textverflechtung zueinander in Beziehung gesetzt.
Text ist linguistisch zu definieren als eine Abfolge von mindestens zwei aufeinanderfolgenden Äußerungen. „Text“ ist eine Einheit der Rede, d. h. jeder Text ist ein – nach syntaktischen und textuellen Regeln geformtes – konkretes, individuelles sprachliches Gebilde; danach hat der Text – als zeichenhaftes Gebilde – keine Entsprechung in der Sprache. Gleichwohl haben Texte einen Anfang und ein Ende und können als selbstständige und isolierbare Einheiten beschrieben werden.
