Bauch ein - neben ihr sitzt eine Größe 48 - da ist sie ja doch schlank dagegen. Die Tochter flirtet mit dem Hintermann, der Sohn macht Computerspiele. Die Familie gibt ihr Bestes.
(Angelika Teßmer)
Was? So viel Lob?
Die beliebteste Nation Europas - heißt Deutschland! 50 Jahre nach Kriegsende besitzt das Image der Deutschen im Ausland Glanz, genießt unser Staat Ansehen (Achtung, Respekt). Während früher manchmal Angst dominierte, prägt,jetzt Wertschätzung (Hochach tung) das Bild der Deutschen.
Das eigab eine Meinungsumfrage des Brüsseler Instituts INRA. Für den aktuellen Bericht “Verbraucher der Welt, Büiger der W elf wurden 1995 allein in 21 europäischen Ländern 18 000 und weltweit 40 000 Personen nach ihren grundlegenden Wertvorstellungen und Konsumorientierungen befragt.
Der Bericht geizt (sehr stark sparen) nicht mit Komplimenten. Den Deutschen wurde auch bescheinigt, daß sie - mit den Öster reichern - die höflichsten Menschen Europas sind. Sie rasten nur selten aus (verlieren die Beherrschung). Aufdie Frage, ob sie in den letzten 24 Stunden jemanden angeschrien hätten, antworten mit “ja” 34% der Engländer, 20% der Italiener - aber nur 10% der Bundes bürger.
Auf die Frage, welche Nation die besten Qualitätsprodukte herstellt, kam Deutschland mit Autos der Luxusldasse und mit seinem Bier auf Platz 1. Bei Autos der Mittelklasse belegte es nach Japan Platz 2, bei Haushaltsgeräten, Computern und Kameras Platz 3 - nach Japan und den USA.
Was sich die Deutschen hinter die Ohren schreiben müssen (sich etwas gut mericen): Sie sind nicht mehr die Saubermänner Eurqpas. In den letzten 24 Stunden hatten nur drei Viertel der Befragten
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gebadet oder geduscht. Damit landeten sie unter dem europäischen Durchschnitt
Stehen die Deutschen stark unter Streß? Aufjeden Fall gehen sie früher schlafen als die meisten Menschen in Europa. Nur 18,8% liegen - laut INRA-Report - nach Mitternacht noch nicht in den Federn. .
(aus.Journalfiir Deutschland, 1/1996)
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Was Ausländer von unseren Manieren halten?
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“Auf der Bank oder auf einem Amt bekommt man sehr schnell das Geföhl, daß man nicht willkommen ist Selbst so was Einfaches wie ein Lächeln fällt vielen hier unglaublich schwer”
(Laura Mikaanen; 26, Finnland)
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“Ich sitze mit mehreren Leuten beim Essen, und plötzlich fängt jemand an, sich die Nase zu putzen. Das kann man ja auch dezent machen. Aber hier meinen manche, sie würden eine Arie singen!”
(Georios Karakostidis, 54, Griecherdand)
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“Arschloch” oder “Scheiße” - das sagen Мет einige Leute zwanzigmal am Tag. Bei uns flucht man nicht in der Öffentlichkeit”
. (AimanKhadra, 28, Syrien)
“Es gibt hier eine Art von Schadenfreude, die ich nicht ausstehen kann. “Das gescMeht dem zurecht”, höre ich oft Leute sagen. Bei uns heißt es: “Wer schadenfroh ist bekommt das siebenmal zurück.”
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(Sian Spohn, 50, Indonesien)
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“Auf mich wirkt es ein
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bißchen billig, wenn Paare in der
Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen. Manche Leute meinen, sie müßten ständig ’rumknutschen,während andere zugucken - ich Ende das unmöglich”
(Sherien Murra, 24, Ägypten)
“Nach meinem Empfinden könnten die Leute hilfsbereiter sein. Gerade wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, treffe ich oft auf wehig Verständnis. Selbst den Platz im Bus, der für den Kinderwagen vorgesehen ist, muß man sich erkämpfen.”
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(Marie-Lame Leonardi, 30, Frankreich)
(aus: Brigitte 3/1997)
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Was halten die Deutschen von der Wiedervereinigung?
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Die Ostdeutschen beantworten diese Frage vollkommen anders, als die Westdeutschen.
Die Ostdeutschen, “Ossis”, beurteilen die Wiedervereinigung grundsätzlich positiv, aber mit Einschränkungen (Begrenzungen).
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Sie sehen in den Errungenschaften, die ihnen die Demokratie gebracht hat, viele Vorteile gegenüber ihrem früheren Leben: Sie können rei sen in alle Länder der Welt, sich beruflich und persönlich ohne staatliche Zwänge frei entfalten (entwickeln), und sie können überall und zu jeder Zeit ihre Meinung frei sagen, ohne etwas befürchten zu müssen. Außerdem haben sie Zugang zu allen Waren der ganzen Welt.
Diesen Vorteilen gegenüber empfinden die Ossis ihr neues Leben als kalt, unpersönlich und kämpferisch. Sie sind Teil einer Gesell schaft geworden, die ihnen fremd ist Menschliche Beziehungen, die früher die Gesellschaft zusammengehalten haben, sind durch geschäftliche Beziehungen abgelöst worden. “Das Menschliche” zwi schen den Menschen ist zu einem groß»! Teil verlorengegangen. “Das Geschäftliche” zwischen den Menschen hat an Bedeutung gewonnen. Diese Veränderungen werden von der jungen Generation leichter verstanden und akzeptiert, als von Menschen, die größten Teil ihres Lebens in einer Diktatur gelebt haben.
Die Meinung der Wessis zu dieser Frage ist differenzierter. Das ist das Ergebnis (Resultat) des Lebens innerhalb einer Demokratie. Die unterschiedlichen Meinungen ergeben sich aus den unter schiedlichen politischen Parteien, aus verschiedenen politischen Ziel setzungen.
Der Teil der Bevölkerung, der überwiegend links orientiert ist, beurteilt die Situation vollkommen anders, als die Mitte-Rechts- Parteien und deren Angehörigen. Die erstgenannten stimmen in die Klagen (Beschwerden) der Ossis ein und betätigen sich als deren Lobby in Westdeutschland. Die letztgenannten bedauern ganz tief in ihren Herzen die Zustände, die nach der Wiedervereinigung entstan den sind, und viele von ihnen würden am liebsten alles rückgängig machen. Solche Äußerungen (Aussagen) werden aber nur zwischen den Freunden hinter vorgehaltener Hand zum Ausdruck gebracht,
Der normale Wessi ärgert sich in erster Linie über., die 180 Millionen DM, die seit der Wiedervereinigung jährlich vom Westen in den Osten fließen, um.die dortige Wirtschaft aufzubauen. Aus seiner Sicht gesehen, fließen diese Gelder in ein Faß ohne Boden.
Ossis und Wessis sind Brüder, die sich lange aus den Augen verloren haben.
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(Wolfgang von Rhein)
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Sind Ossis die besseren Menschen?
Die Professoren H.-E. Richter vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt und E. Brähler von der Universität Leipzig haben m einer Studie (wissenschaftliche Forschung) “Deutsche Befindlichkeiten (Zustand, in dem man ist) im Ost-West-Vergleich” untersucht und teilweise zu überraschenden Ergebnissen gekommen. 2025 Westund 1022 Ostdeutsche wurden unter anderem über ihre innere Ver fassung (psychisches Befinden einer Person) befragt, und darüber, wie sie ihre sozialen Beziehungen wahmehmen. Ossis sind demnach selbstkritisch, hilfsbereit, bescheiden, Wessis sind arrogant, indivi dualistisch und sozial isoliert.
Journalist: HerrProfessor, sind Ossis die besseren Menschen?
Brähler: Wir haben in unserer Untersuchung vier Bereiche erforscht, in denen sich Ost und West unterscheiden. Sie haben nur zwei davon angesprochen. Ein dritter Punkt ist, die Ostdeutschen sind eher weicher, die Leute im Westen eher härter, und viertens, sind Ossis eher disziplinierter, die Wessis eher lockerer. Daraus besser oder schlechter, gut oder böse herzuleiten, ist eine Fremdinterpretation. Wir verwenden diese Begriffe nicht.
ln der Öffentlichkeit wird meist ein negatives Bild von den Ostdeutschen gezeichnet. Sie seien durch die Krippenerziehung, durch die autoritäre Gesellschaftundden vormundschaftlichen Staat deformiert worden. Die Soziologen sprechen sogar von "Sozial waisen” (Kinder ohne Eltern). Waren die Verhältnisse in der DDR nichtso negativprägendwie allgemein behauptetwird?
Da wäre ich vorsichtig. Es wird auch viel über die Kriegsund Nachkriegszeit berichtet, von der viele sagen, die Not war groß, aber - es gab viel Hilfsbereitschaft. Trotzdem wäre es kein Grund, diese Verhältnisse zurückzuwünschen.
Waren die Verhältnisse in der DDR nichtso zerstörerisch, wie es angenommen wird? Sie sprechen im Ostenja auch von den beson deren Eltern-Kind-Beziehung...
E i sind Selbstauskünfte, die wir analysiert haben, keine formalen Fragebögen. Wenn ich frage, wie zufrieden sind sie mit ihrer Lebens situation, hatjeder andere Bezugsmäßstäbe...
Unsere Befunde (Ergebnisse einer Untersuchung) sind ziemlich eindeutig. Die Väter und Mütter waren im Osten wärmer, sie haben ihre Kinder weniger geschlagen, und sie haben die Kinder weniger mit Forderungen gequält.
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Wie erklärenSie sich das?
Ich denke, daß die Familie in der DDR einen anderen Stellenwert (Bedeutung) hatte. Die Familie bildete einen Gegenpol zur staat lichen Reglementierung.
Das Bildvon denJammer-Ossis ist demnachfalsch?
Die Ostdeutschen sind zufriedener in der Partnerschaft. Sie haben mehr Freude an ihren Kindern. Sie sind zufriedener mit der sexuellen Harmonie mit dem Partner und bei Kontakten zu Freunden und Verwandten. Natürlich ist die Lebenszufriedenheit in vielen anderen Bereichen im Osten sehr viel schlechter als im Westen. Das betrifft Arbeit und Beruf, die finanzielle Lage, die Wohnung und auch die Freizeit.
Unddie Wessisfinden sich in ihrem Leben nichtmehrzurecht?
• Sie fühlen sich nicht mehr gesellig, finden sich nicht mehr
attraktiv und in der Arbeit nicht anerkannt.
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Ist das eine Folge der Wende?
Da liegt die Vermutung nahe,' es hat etwas damit zu tun. 1989 waren die Westdeutschen auf dem Höhepunkt der Leistungs gesellschaft angelangt. Es war eine Sackgasse (Straße, deren Ende gesperrt ist), in die sie sich hineinmanövriert haben. Ihr Narzißmus, ihre Selbstbespiegelung und der Egoismus stoßen an Grenzen. Die
- Westdeutschen haben den Individualismus übertrieben und kommen sichjetzt isoliert vor. Die Wende hatja ganz neue Anforderungen an sie gesteift...
(aus der Zeitung “Freitag" 53/1996)
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Als ich ein Türke war
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Um selbst zu erleben, was dran ist an der Behauptung, in der Bundesrepublik mache sich Ausländerfeindlichkeit breit, habe ich
mich in einen Türken verwandelt Dazu hatte ich mir den blonden
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Bart, die Augenbrauen und die Haare schwarz gefärbt und mich im Chick der siebziger Jahre eingekleidet Die Verwandlung schien gelungen.
Das “Opemcafö” liegt gleich neben Frankfurts alter Oper. Vor drei Wochen war ich ausgesucht freundlich und zuvorkommend (höflich und liebenswürdig) bedient worden. Doch heute ist alles anders - weil ich heute ein Türke bin. Ich gehe ins Lokal. Es ist fast leer. Während ich mich noch umsehe, stellt sich mir eine Kellnerin in den Weg: “Haben Sie reserviert?” Ich antworte injener Sprache, die nach landläufiger (allgemein üblicher) Meinung das Deutsch der
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Türken ist; “Ische nix reserviere. Alles leer, isch eine Kaffee trinke, bitte.” Ich setze mich an den nächstbesten leeren Tisch. Mein Kaffee kommt nicht. Ich winke der Kellnerin. Sie reagiert nicht, sieht durch mich hindurch...
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Seit einer Woche lebe ichjetzt schon als Türke in Frankfurt. Hier sind fast ein Viertel der Einwohner Ausländer - einen höheren Prozentsatz gibt es in keiner anderen deutschen Großstadt. Jeden Morgen stehe ich um 4 Uhr auf. Um 5 beginnt mein Dienst als städtischer Straßenkehrer. 8 Stunden fege (kehre) ich jeden Tag im orangenfarbenen Overall in meinem Revier zwischen dem LuxusHotel “Frankfurter Hof” und dem Schauspielhaus. Ohne. Ausländer würde die Stadt im Müll ersticken - 95 Prozent der Straßenkehrer Frankfurts sind Türken.
Ich habe mich schnell daran gewöhnt, daß ich als Türke wie ein Depp (Dummkopf) behandelt werde. Im Supermarkt nimmt mir die Kassiererin beim Bezahlen einfach das Geld aus der Hand, als könnte ich nicht selbst zählen. In diesen Wochen.ist mir klar geworden, weshalb die Türken am liebsten in türkischen Läden einkaufen: Da werden sie wie normale Menschen behandelt.
Freitag abend, Zeit zum Ausgehen. Am liebsten würde ich an diesem Abend mit türkischen Freunden, die ich inzwischen gewon nen habe, in eines ihrer Lokale gehen. Da würden mir die ganzen Demütigungen (Erniedrigungen) erspart bleiben.
...Es ist ganz einfach, wieder als Mensch akzeptiert zu werden - wenn man kein Türke ist. Ich versuche das Spiel im “Opemcafö”. Bart und Augenbrauen wieder hell, “Frankfurter Allgemeine” unter dem Arm. Ich setze mich draußen an den einzigen leeren Tisch. Die Kellnerin kommt auf mich zu und lächelt. “Was wünschen der Herr? Ein Kaffee - kommt sofort.”
Ich lehne mich im Stuhl zurück. Ich bin wieder Deutscher. Eigentlich könnte ich zufrieden sein.
(nach GerhardKromschröder)
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Gebrauchsanweisung für die Schweiz
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Die Schweiz ist praktisch, zweckmässig* und ein wenig langwei lig. Es gibt einen treffenden Spruch: Es ist schön, als Schweizer geboren zu werden; es ist schön, als Schweizer zu sterben. Doch was
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Im Schweizerdeutsch gibt es keinen Buchstaben “IT.
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macht man in der Zwischenzeit? Meine Antwort lautet gut schwei zerisch: leb vertue (verbringe) diese Zwischenzeit mit Arbeiten, - sagte Friedrich Dürrenmatt in einem seiner letzten Interviews.
Die Schweiz ist klein und sehr verschieden. Auf die Frage “Wie ist das bei euch?” antwortet der Schweizer: “Bei uns das natQrlich von Kanton zu Kantern verschieden”.
Wo so viel verschiedenes Platz haben soll, wird’s eng. Zwei Drittel des Territoriums sind zudem nicht bewohnbar. Kein Wunder, dass in der Schweiz das Minigolf erfunden wurde. Selbst die Zeitungen sind kleiner als im übrigen Europa.
Die Schweiz ist ein Land der Minderheiten. Hier empfindet sich jede Sprachregion als Minderheit. Die offiziellen Sprachen sind Italienisch (Tessin, Muttersprache von 500 000 Schweizern), Franzö sisch (Romandie, 1,5 Mio.) und Deutsch (5 Mio.) und ausserdem seit 1939 das Rätoromanische (51 000). Das Rätoromanische ist so etwas wie eine Museumssprache, darum darfes aufkeinen Fall aussterben.
Anders das Deutsche! Hier handelt es sich aber um einen groben Etikettenschwindel (Betrug). In der Schweiz gesprochenes Deutsch ist nämlich durchaus kein Deutsch, sondern Schweizerdeutsch, ein alemannischer Dialekt, Schwitzer düiUsch, und dieses wiederum ist keineswegs ein Schweizerdeutsch, sondern: Bemdeutsch, Zürich deutsch etc. Von diesen mtraschweizerischen Unterschieden abge sehen, ist der Deutschschweizer Dialekt als Ganzes mit dem Hoch deutschen etwa so eng verwandt wie ostfriesisches Plattdeutsch mit dem Niederbayrischen. Es gibt eine Anekdote von einem Schweizer, der sich mit einem Deutschen unterhält. Er bemüht sich um reinstes Hochdeutsch und hört von dem Deutschen, so schwierig sei das Schweizerdeutsch nun auch wieder nicht zu verstehen.
Schweizer und Deutsche
Der Schweizer mag den Deutschen nicht Der Schweizer liebt am Franzosen dessen lockere. Lebensart, am Italiener dessen tempera mentvolle Spontaneität - und hasst am Deutschen vor allem«sjch selbst. Und hier muss man präzisieren: Es ist der Deutschschweizer, der das tut. Nicht, dass die Tessiner die Deutschen liebten, eben-
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sowenig aber mögen sie die Deutschschweizer Mercedes-Fahrer. Hingegen ist das Verhältnis der Deutschschweizer zu den Deutschen ein spezifisch deutsch-deutsches, nämlich ein gespanntes. Wir sagten, es sei der Selbsthass, der den Schweizern die Beziehung zu den
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Deutschen vergällt. Und es ist der Neid. Beides zusammen gibt eine unangenehme Mischung.
Die Deutschen sprechen viel gewandter (sehr geschickt). Die Schweizer fühlen sich demgegenüber dumm und unbeholfen. Aber was die Deutschen so schnell und flüssig daherreden, istja vor allen arrogantes Geschwätz.
Kommt in einem deutschen Film ein Schweizer vor, ist er meist halb debil und ein bisschen ungehobelt und ungeschickt. Dafür treu und verlässlich. Vielleicht meinen auch deswegen viele Deutsche, ihr Geld sei in der Schweizvor Scharlatanen sicher.
Die Vorurteile über die Deutschen sind gerade so richtig, dass auch das Gegenteil nicht falsch wäre.
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Bei Küde und Susle zu Besuch
Gratulation. Wie haben Sie das bloss geschafft? Wetrn Schweizer Sie zu sich nach Hause einladen, haben Sie sich das ehrlich verdient Schweizer sind sehr diskret und privat Überraschtmgsbesuche verursachen ihnen Pein (Leid). Besuche müssen immer vorher - bis zu einer Woche oder länger — terminiert sein. Das ist unter Schweizern nicht anders, bekommt aber mit ausländischen Gästen poch mehr Bedeutung.
Über die Pünktlichkeit der Schweizer wird zu Unrecht gelästert (schlecht gesprochen). Sie gehen damit viel lockerer um, als Sie glauben. Wenn man Sie um 19.30 Uhr bestellt hat können Sie durchaus eine Minute zu früh bis zwei zu spät kommen. Das wird immer noch als passabel pünktlich empfunden. Ein kleines Mit bringsel (Geschenk) ist keine Pflicht aber üblich. Beschämen Sb Ihre Gastgeber nicht mit einem teueren Geschenk, per Schweizer hasst es, mjemandes Schuld zu stehen.
Das Mitbringsel übeigeben Sie während oder kurz nach der Begrüssung, die im allgenteinen mit einem Grüezl (wenn Sie per Sie sind) oder Guten Abend, begleitet von einem kräftigen Händedruck völfeogen wird. Wenn Sie schon per Du sind, ist ein Hoi.oder Sali ab Begrüssung und das Ciao bei der Verabschiedungam üblichsten.
Auf Titel wird in der Schweiz meist wenig Wert gelegt. Es sei denn, es handelt sich um einen Geschäftspartner, der Ihnen so voigestellt wurde und noch keine Gelegenheit dazu fand, vom Doktor ein wenig abzurücken. Problematisch kann es werden, wem
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jemand Ihnen mit Vornamen vorgestellt wird. Da können Sie auf Vornamen treffen, die Sie noch nie gehört haben. Die Schweizer
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meinen, schöne Namen durch Kürzung würzen oder veredeln zu müssen: Mäge oder Küse (Markus), Hanspl (Hans-Peter), Tömel (Thomas), Kiide (Kurt), Susle (Susanne) und Stoß (Christoph).
Der Tagesrhythmus von Herrn und Frau Schweizer - um zu Ihren Gastgebern zurückzukehren - wird stark von den Kindern mit bestimmt Die unterschiedlichen kantonalen Schulsysteme vereint die gemeinsame Unverfrorenheit (Frechheit), von der allzeitigen Ver fügbarkeit der Mütter auszugehen. Wer beispielsweise zwei Kinder im Alter von 7 und 9 Jahren hat, kann das eine Kind um 8 Uhr zur Schule bringen, das andere um 10 Uhr, wobei das erste vielleicht um 10 wieder nach Hause kommt. Das eine hat am Nachmittag frei, das andere nicht
Kinder in Privatschulen zu schicken, hat in der Schweiz bislang wenig um sich gegriffen (sich wenig verbreitet). Die teueren Privat gymnasien sind wegen ihrer internationalen Reputation vor allem bei
nicht mittellosen Ausländem beliebt In der Schweizer Oberschicht
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ist der Bildungsdünkel (Gefühl von Hochmut) nicht extrem aus geprägt.
Dass die Schweizerinnen die Quadratur des Zirkels schon bald geschafft haben, zeigt ein Blick auf die Statistik: 54% von ihnen ist berufstätig (Deutschland 42%, Frankreich 46%, Italien 48%), davon geht gut die Hälfte einer Teilzeitarbeit nach (in den Nachbarländern etwaje ein Viertel).
Die Schweizer wohnen zu etwa 30% im eigenen Heim. Wohneigentum ist ausserordentlich teuer. Mieten und deren Erhöhungen, Hypothekenzinsen, Bodenpreise, Wohnungsgröße und -ausrüstung sind bei Schweizern heisSgeliebte Diskussionsthemen. Es wird kei neswegs als*unhöflich empfunden, wenn Sie sich die Wohnung “mal anschauen” möchten und fragen, was sie denn so kostet und wie man sie gefiiiideh habe, denn vor allem in den Städten hat der Kampf um eine erschwingliche (bezahlbare) Wohnung zu einem Solidari tätsgefühl geführt, das selbst die Zurückhaltung in Geldfragen abbröckeln lässt. ■;>ski:
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SOnst spricht man über Geld nicht. Das gilt auch in der SchwsÜz und geht sogar noch weiter: Wer Geld hat, trägt es nicht zur Schau. Die Frage, ob jemand reich ist, ist schwierig zu beantworten. Reich reimt sich an Scheich. Schweizer sind aber eher solvent oder nicht
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mittellos.
Bemühen Sie sich auch, des Schweizers Deutsch' ein. wenig zu verstehen. So schwierig ist es nämlich nicht. 2-3 Tips sollen den
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Zugang erleichtern: Das К ist oft zum weltbekannten CH mutiert. (Dass darum das nationale Schweizer Autokennzeichen CH lautet, ist natürlich ein Gerücht) Wo der Schweizer ein langes U spricht (Huus, Muus), steht im Deutschen meist ein AU (Haus, Maus). Dafür diphtongieren die Schweizer, wo es den Deutschen am heftigsten schmerzt. Tuch und Mut werden zu Tuäch und Muät. Zudem wird im Schweizerdeutsch das N am Ende eines Wortes meist weggelassen:finden —findä, die anderen—di andärä etc.
Und schliesslich: Sind Sie bei Schweizern eingeladen oder gehen mit Ihnen ins Restaurant, so müssen Sie keine anderen Höflich keitsregeln als in Deutschland beachten,, einzig die: Die Schweizer haben Freude daran, wenn man mit ihnen vor dem ersten Schluck Wein anstösst. Dazu sagt man einfach “Prost”, blickt einander in die Augen und nennt noch einmal den Namen. Und das ist dann der Beginn einer wundervollen Freundschaft.
(nach ThomasKüng)
Wer sind die Österreicher?
In ihrer Geschichte wußten die Österreicher oft nicht, wer sie eigentlich waren. In der Monarchie waren alle, die nicht zu Ungarn gehörten, offiziell Österreicher. Die Politiker sprachen von den Deut schen in Österreich. Wer also Deutsch sprach, galt in der Monarchie . als Deutscher. In der Ersten Republik mußten die Kinder noch den Satz “Wir Österreicher sind Deutsche” auswendig lernen. 1938 wur den sie es auch wiiklich, und nach 7 Jahren erkannten sie, daß sie doch lieber Österreicher sein wollen, und zwar endgültig.
Seit 1945 ist diese Frage nicht mehr aktuell. Die Österreicher sind Österreicher, ab«* auf ganz selbstverständliche, unsentimentale Weise. Wenn es allerdings um Sport oder um Kochkunst geht, sind die Österreicher in ihrem Patriotismus kaum zu bremsen.
i|mmerhin sind, wie Umfragen ergaben, 95% der Bevölkerung stolz darauf, Österreicher zu sein. 81% möchten auch nirgendwo anders leben.
Nationalcharakter
Nach den gängigen Klischee? sind die Österreicher immer lustig und fröhlich, dazu auch höflich, liebenswürdig und gastfreundlich. Tagsüber sitzen sie am liebsten im Kaffeehaus, und am Abend gehen