Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5811_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
31.08.2026
Размер:
23 Мб
Скачать
11
Duplexsonographische Aneurysmadiagnostik
Endovaskuläre Behandlung
Die endovaskuläre Ausschaltung von Aorten­aneurysmen wurde erstmals in den frühen 1990er Jahren beschrieben. Seitdem sind auf diesem Ge­biet bedeutende technische Fortschritte erzielt worden, und mittlerweile stehen verschiedene Gefäßprothesensysteme zur Verfügung. Die Stent­prothese wird durch eine Arteriotomie in die A. femoralis eingebracht und in der Aorta plat­ziert, um den Blutfluss in den Aneurysmasack zu unterbinden. Die Gefäßprothesen werden aus synthetischen Materialien wie Dacron und Poly­tetrafluoroethylen (PTFE ) hergestellt und durch ein dehnbares Drahtgerüst oder ein Skelett aus Nitonol oder Edelstahl verstärkt, um Abknickun­gen und Verdrehungen der Prothese vorzubeu­gen. Heutzutage sind fast alle endovaskulären Prothesen Y-förmig (Abb. 11.3). Diese Modular­systeme setzen sich aus zwei Teilen zusammen, dem Prothesenkörper mit einem kompletten Pro­thesenschenkel und einem kurzen Stumpf sowie dem zweiten Schenkel, der separat durch eine Ar­teriotomie der gegenseitigen A. femoralis com­munis eingeführt wird. Die Y-Prothesen werden schon bei der Herstellung auf den Einführkathe­ter aufgesetzt und bis zur Freisetzung in der Aorta durch eine Schleuse in Position gehalten. Wäh-
rend des Eingriffs wird die A. femoralis freigelegt, das Einführungsbesteck mit dem Hauptstück über einen Führungsdraht vorgeschoben und mit­hilfe eines Bildwandlers so positioniert, dass die Spitze der Prothese knapp unterhalb der Nieren­arterien im proximalen Aneurysmahals zu liegen kommt. Viele dieser Prothesen haben blanke Me­tallstents, die sich über die Nierenarterien erstre­cken (suprarenale Fixierung), damit die Prothese nicht wandert. Die Gefäßprothese wird durch langsames Zurückziehen der Schleuse positio­niert. Ein weicher Ballon wird aufgepumpt, um sicherzustellen, dass der Stent im proximalen Aneurysmahals genau über dem Aneurysmasack vollständig expandiert. Einige Prothesen haben an der Spitze zusätzliche Häkchen, die sich in der Aortenwand verankern. Anschließend wird der zweite Prothesenschenkel mit einem zweiten Ka­theter über die kontralaterale Femoralarterie ein­gebracht. Unter Röntgenkontrolle wird er so po­sitioniert, dass er in den kurzen Schenkel am Hauptstück passt, und anschließend zur Abdich­tung der Prothese mithilfe eines Ballons voll­ständig expandiert. Danach wird das distale Ende in der A. iliaca communis verankert. Da es sich um Modularsysteme handelt, können die Prothesenschenkel zur Ausschaltung langer Iliakalaneurysmen verlängert werden. In der
Abb. 11.3 Beispiel für die endovaskuläre Versorgung eines Aortenaneurysmas . Beachten Sie, dass der linke Pro-
thesenschenkel durch einen separaten Kathether eingeführt wird. Das Bild wurde freundlicherweise von W L Gore & Associates (UK) Ltd. zur Verfügung gestellt.
150
Formen und Typen von Aneurysmen
11.6
Regel erholen sich die Patienten sehr schnell von der Operation; manche können schon nach 3 bis 5 Tagen entlassen werden. Allerdings eignen sich nicht alle Aneurysmen für die endovaskuläre Ver­sorgung. Die Gründe dafür können die Schlän­gelung des Aneurysmas sein, ein übermäßiger Durchmesser des proximalen Aneu rysmahalses, eine zu geringe proximale Hals länge, eine hoch­gradige Iliakalstenose sowie eine ausgeprägte Schlängelung der A. iliaca. Obschon die endo­vaskuläre Versorgung für den Patienten anschei­nend weniger traumatisch ist, kann eine Reihe von Komplikationen, wie z. B. Endoleaks , auftre­ten. Von einem Endoleak spricht man, wenn Blut aus der Gefäßprothese oder einer anderen Quelle (z. B. einer Lumbal arterie oder der A. mesenterica inferior) in den Aneurysmasack austritt. In dieser Situation kann der Aneurysmasack weiter expan­dieren und platzen (van Marrewijk et al. 2002). Die verschiedenen Endoleaktypen und ihr sono­graphi sches Erscheinungsbild werden weiter unten vorgestellt. Einige Prothesensysteme sind aufgrund von Problemen mit gebrochenen Fixie­rungshaken und Materialversagen mittlerweile nicht mehr in Gebrauch. Zum Zeitpunkt der Ent­stehung dieses Buches waren das Langzeitverhal­ten von Endoprothesen und die Langzeitergeb­nisse der endovaskulären Behandlung im Ver­gleich zur offenen Operation nicht bekannt; mit
diesen Themen befassen sich verschiedene in Europa und den Vereinigten Staaten laufende aktuelle Studien.
11.6 Formen und Typen von
Aneurysmen
Aneurysmen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe und Form beträchtlich voneinander (Abb. 11.4). Die meisten Aneurysmen haben eine spindelförmige Gestalt (Aneurysma fusiforme ), wobei sich die Dilatation einheitlich über den ge­samten Gefäßquerschnitt erstreckt. Sackförmige Aneurysmen zeigen eine typische lokalisierte Ausbuchtung der Gefäßwand (Aneu rysma sac­culare ). Disseziierende Aneurysmen entstehen durch einen Riss in der Intimaauskleidung des Gefäßes, durch den Blut in den sub intimalen Raum sickert (Aneurysma dissecans ). Dies kann zur Ablösung der Intima und manchmal auch der Media von der Arterienwand führen. Kommt es zu einer partiellen Dissektion der Aorta, sind im subintimalen Raum große Thrombusmengen zu sehen (Abb. 11.4F). Bei vollständiger Dissek­tion entsteht ein falsches Gefäßlumen, und man kann erkennen, dass sich die eingerissene Inti­ma-Media-Schicht entsprechend der arteriellen
ABCDEFGH I
EL
Abb. 11.4 Aneurysmen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe und Form beträchtlich voneinander. A: Spin-
delförmiges infrarenales Aortenaneurysma (Aneurysma fusiforme ). B: Geschlängeltes elongiertes Aortenaneurys­ma mit Verlagerung des Aneurysmasacks nach links der Mittellinie. C: Sakkuläres Aortenaneurysma . D: Infrarenales Aortenaneurysma, das sich auf die Iliakalarterien erstreckt. E: Suprarenales Aortenaneurysma mit Beteiligung der Nierenarterien . F: Dissezi ierendes Aortenaneurysma mit einem Riss zwischen Intima und Media, durch den Blut in den subintimalen Raum sickert. G: Disseziierendes Aortenaneurysma (Aneurysma dissecans ) mit vollständiger Dis­sektion der Intima oder Media und Entstehung eines falschen Lumens. H: Doppelaneurysma der Aorta mit „han­telförmigem“ Erscheinungsbild. I: Aneurysma spurium der A. femoralis communis nach Arterienpunktion (EL = echtes Lumen; FL = falsches Lumen).
FL
EL
151
11
Duplexsonographische Aneurysmadiagnostik
Pulsation im Lumen frei bewegt (Abb. 11.4G). Ei­nige nicht mit Aneurysmen assoziierte Aorten­dissektionen können im Brustraum beginnen und sich über die Aorta bis in die Iliakalarterien ausdehnen. Gelegentlich sind entlang der Ge­fäßstrecke der Bauch aorta auch zwei aneurys­matische Dila tationen zu sehen, die durch einen normalen Aortenabschnitt getrennt sind. In die­sen Fällen kann man im Längsschnitt die ty­pische „Hantelform“ beobachten (Abb. 11.4H). Wenn die Aorta dilatiert, neigt sie auch dazu, sich in Längsrichtung auszudehnen. Dadurch kommt es oftmals zu einem geschlängelten Verlauf, wobei sich die Aorta nach links von der Mittel­linie verlagert oder in anteriorer Richtung davon abweicht.
11.7 Praktische Tipps für die
Duplexsono graphie des Aorten aneur
Ziel der Ultraschalluntersuchung ist es, zu be­stimmen, ob ein Aneurysma vorliegt, an dem die Aorta oder die peripheren Arterien beteiligt sind, und seine Größe gegebenenfalls durch Verlaufs­kontrollen zu überwachen. Eine Screen ing unter­suchung nimmt 5 bis 10 min in Anspruch, detaillierte Untersuchungen oder Verlaufskon­trollen von Endoprothesen können dagegen 20 – 30 min dauern. Es bedarf zwar keiner besonderen Vorbereitung, doch führen einige Zentren eine Darmvorbe­reitung durch, um die Darstellung der Aorta zu verbessern. Zu Screeningzwecken ist dies aber nur selten erforderlich. Für die Untersuchung liegt der Patient am besten auf dem Rücken. Der Kopf wird durch ein Kissen gestützt, die Arme ruhen seitlich am Körper. Zur besseren Darstel­lung muss sich der Patient manchmal auf die Seite drehen. Das Ultraschallgerät sollte für eine Aortenuntersuchung konfiguriert sein; ist eine derartige Voreinstellung nicht verfügbar, wählen Sie die Einstellparameter für eine allgemeine Ab­domenuntersuchung. Vergewissern Sie sich, dass die Bildtiefenregelung nicht zu flach oder zu tief eingestellt ist. Eine Bildtiefe von 10 – 12 cm ist für einen durchschnittlich großen Patienten ge­wöhnlich ausreichend. Am besten eignet sich für diese Untersuchung ein Curved-Linear-Array­Schallkopf von 3,5 MHz oder eine entsprechende Breitbandsonde. Zur Verbesserung der Bildquali-
ysmas
tät kann die Harmonic-Imag ing-Technologie von Vorteil sein. Bei stark adipösen Patienten kann die Aorta mit einem Phased-Array-Schallkopf von 2 – 4 MHz möglicherweise leichter identifiziert werden.
11.8 Untersuchungstechnik
Im Folgenden wird eine umfassende Untersu­chung der Aorta beschrieben. In manchen Ein­richtungen werden allerdings nur Screeningun­tersuchungen durchgeführt, in deren Rahmen lediglich der maximale Aortendurchmesser be­stimmt wird. Der Durchmesser der Aorta sollte aus verschiedenen Positionen gemessen werden. Darüber hinaus sollten die Form des Aneurysmas und seine Eigenschaften wie geschlängelter Ver­lauf oder Dissektion dokumentiert werden. Die zur Darstellung der Aorta ange wendete Unter­suchungstechnik ist in Abbildung 11.5 wieder­gegeben. Das Untersuchungsverfahren umfasst folgende Schritte:
Aorta
B
C
A
Abb. 11.5 Schallkopfpositionen für die Untersuchung
der Aorta abdominalis. A: Transversal. B: Sagittal oder longitudinal. C: Koronar. Die koronare Ansicht dient dem Vermessen des seitlichen Durchmessers der Aorta (d. h. von Seite zu Seite).
152
Das Auffinden der Aorta gelingt meist am
n
besten im Querschnitt, ca. 3 – 4 cm oberhalb des Nabels. Die Aorta wird über ihre gesamte sichtbare Länge vom oberen Abdomen ab dem Truncus coeliacus oder der Arteria mesenterica superior (AMS) bis zur Aorten­bifurkation dargestellt. Gegebenenfalls kann durch Zuschaltung des Farb modus auch die Höhe der Nierenarterien identifiziert wer­den (siehe dazu die Beschreibung weiter un­ten). Bei Vorliegen eines großen Aneurys­mas ist die Darstellung dieser Gefäße häufig jedoch nicht möglich. In longitudinaler oder sagittaler Schnittfüh-
n
rung wird die Bauchaorta von der Mittel­linie aus anschließend der Länge nach bis zur Aortenbifurkation visualisiert. Dann wird die Aorta der Länge nach in der
n
koronaren Schnittebene in Längsrichtung dargestellt, um genauere Messwerte des seit­lichen Durchmessers der Aorta (von Seite zu Seite) zu erhalten. Es gilt als gute Praxis, auch die proximalen
n
Iliakalarterien im Quer- und Längsschnitt zu untersuchen (siehe Kap. 9), um ein iso­liertes Iliakalaneurysma auszuschließen oder die untere Begrenzung des Aneurysmas zu bestimmen, falls es sich auf die Ilia kal­arterien erstreckt (siehe Abb. 11.16).
Ultraschallbefunde
Stenose verwechselt werden kann. Knickt das Aneurysma nach anterior ab, ist die Darstellung in Höhe der Nierenarterien sehr schwierig, und der proximale Abschnitt der Bauchaorta kann ge­schlängelt verlaufen – ein Erscheinungsbild, das gelegentlich als „Schwanenhals“ beschrieben wird. Thromben können je nach Alter und Organisa­tionsgrad als konzentrische Schichten von unter­schiedlicher Echogenität dargestellt werden. Manch mal kommt es zu einer lokalisierten „Ver­flüssigung“ (liquefaction) des Thrombus, die als echoarmer Bereich innerhalb des Thrombus im­poniert. Dieses Erscheinungsbild kann mit einer Dissektion verwechselt werden. Allerdings ist der
8.03cm
A
11.9
11.9 Ultraschallbefunde
Normalbefunde
Der maximale Durchmesser der Aorta sollte we­niger als 2,5 cm betragen (Abb. 11.2), und nor­malerweise verjüngt er sich von proximal nach distal geringfügig. Im Längsschnitt ist manchmal erkennbar, dass die Aorta im Bereich der Lenden­wirbelsäule in einem leicht konvexen Bogen ver­läuft.
Pathologische Befunde
Die Aorta erscheint abnorm vergrößert, wie auf dem B-Bild in Abbildung 11.6 zu erkennen ist. Die Form des Aneurysmas kann variieren (Abb.
11.4). Infolge der Elongation der Aorta kommt es an der Hinterwand in Höhe des proximalen An­eurysmahalses zu einer ausgeprägten Knickbil­dung (Kinking), die mit einer atheroskle rotischen
7.47cm
7.52cm
B
Abb. 11.6 Ein großes abdominales Aneurysma in zwei
verschiedenen Schnittebenen. A: Transversalbild. Der anteroposteriore Durchmesser wird von Außenwand zu Außenwand bestimmt (siehe Messpunkte). B: Das Sagittalbild desselben Aneurysmas zeigt die Positionen der Messpunkte zur Bestimmung der Aneurysmagröße in dieser Bildebene. Bedenken Sie bei diesem Beispiel, dass der im Querschnitt (A) gemessene Durchmesser wegen der Schrägstellung größer ist.
153
11
Duplexsonographische Aneurysmadiagnostik
L
GL
Abb. 11.7 Das Transversalbild eines Aortenaneurys-
mas zeigt einen lokalisierten Bereich der Thrombusver­flüssigung (L), der mit einer Dissektion ver werden kann. Große Thrombusbereiche (Pfeile) tren- nen den verflüssigten Bereich vom Gefäßlumen (GL).
verflüssigte Bereich meist durch eine dicke Throm­busschicht vom Gefäßlumen getrennt (Abb. 11.7). Eine Dissektion kann über sehen werden, wenn das in die Gefäßwand ge sickerte Blut mit einem wandständigen Thrombus verwechselt wird. Bei einer vollständigen Dissektion ist ein Blutfluss im falschen Lumen nachweisbar, das vom echten Lumen durch einen Intima- und gelegentlich auch Medialappen getrennt ist (Abb. 11.8). Inflammatorische Aneurysmen imponieren im B-Bild durch einen echoarmen Bereich einer schlecht umschriebenen Fibrose um die Aorta, aber dieses Phänomen kann mit periaortalen Lymphknoten verwechselt werden. Ein Aneu­rysmaleck sonographisch zu diagnostizieren, ist ausgesprochen schwierig, auch wenn manchmal in Verbindung mit dem Aneurysma Bereiche mit frischem Blut oder Hämatome als echoarme Bezirke im Retroperitonealraum identifizierbar sind. Die Beurteilung eines solchen Phänomens sollte einem erfahrenen Untersucher vorbehal­ten bleiben; besser geeignet sind für diese Unter­suchung andere Bildgebungsverfahren wie die CT und MRT.
wechselt
E
F
A
B
C
Abb. 11.8 A: B-Bild eines disseziierenden Aorten-
aneurysmas . In diesem Beispiel sind das echte (E) und das falsche (F) Lumen zu sehen. B: Im farbkodierten Bild ist ein Blutfluss im falschen Lumen (Pfeil) nachweis- bar. C: In diesem Beispiel betrifft die Dissektion den Thrombus und die Gefäßwand (Pfeil).
11.10 Vermessung des
Aneurysmas
Die Bestimmung des genauen Aortendurchmes­sers ist von großer Bedeutung, vor allem wenn
154
bei einem Patienten Verlaufskontrollen zur Über­wachung der Aneurysmagröße durchgeführt wer­den. Den Ergebnissen des UK Small Aneurysm Trial (1998) zufolge bewegen sich die Messfehler von Untersucher zu Untersucher bei Aneurys­men mit einem Durchmesser von 4 – 5,5 cm in einer Größenordnung von 0,2 cm. In diesem
Vermessung des Aneurysmas
11.10
Abschnitt wird die Messung des Aortendurch­messers erklärt und auf damit verbundene po­tenzielle Fehlerquellen aufmerksam gemacht. Zu beachten ist, dass einige dieser Messungen im Rahmen von Screeningunter suchungen nicht er­forderlich sind.
Aortendurchmesser
Transversale Schnittebene
Der maximale Aortendurchmesser sollte in ante­roposteriorer (AP) Richtung von der äußeren Vor­derwand zur äußeren Hinterwand gemessen wer­den (Abb. 11.6). Die Größe eines Aneurysmas kann überschätzt werden, wenn die Messungen infolge einer Schlängelung oder Faltung der Aorta schräg durchgeführt werden (Abb. 11.6 und 11.9). Messungen des seitlichen Durchmessers des Aneu­rysmas (d. h. von Seitenwand zu Seitenwand) im Querschnitt sind fehler anfällig, da die Seiten­wände parallel zum Ultraschallstrahl verlaufen und das erzeugte Bild qualitativ sehr schlecht ist (siehe Kap. 2). Auch die Dicke eines Thrombus kann in anteroposteriorer Richtung gemessen
werden. Man kann auch feststellen, ob das Aneu­rysma unterhalb der Nierenarterienabgänge be­ginnt, indem man durch Zuschalten des Farb­modus den Aortendurchmesser auf dieser Höhe bestimmt. Wird der Schallkopf im Querschnitt auf das obere Abdomen aufgesetzt, kann man normalerweise sehen, wie die rechte Nierenarte­rie in 10-Uhr-Position und die linke Nierenarterie in 4-Uhr-Position von der Aorta abzweigen (Abb.
11.10). In der Praxis sind die Nierenarterienab­gänge manchmal aber sehr schwer darstellbar; dies gilt vor allem dann, wenn das Aneurysma geschlängelt ist, nach oben zeigt oder geknickt ist.
Longitudinale Schnittebene mit sagittaler und koronarer Orientierung
Messungen des Aortendurchmessers in sagittaler und koronarer Schnittführung sind häufig ge­nauer als Messungen im Querschnitt, weil durch schräge Ansichten der Aorta bedingte Messfehler so besser vermieden werden können. Zur Ermitt­lung des maximalen Aortendurchmessers sollte der Schallkopf seitlich über die Aorta geschwenkt
BA
Wirbel­säule
Abb. 11.9 Der in anteroposteriorer Richtung ge-
messene Durchmesser einer geschlängelten Aorta kann überschätzt werden, wenn die Messung in der falschen Schnittebene erfolgt. In diesem Beispiel ist die Aorta in anteriorer Richtung verlagert. Eine im Querschnitt ent­lang Linie A durchgeführte Untersuchung ergibt ein schräges Bild der Aorta, sodass es zu einer Überschät­zung des anteroposterioren Durchmessers kommt. Der Schallkopf sollte gekippt werden, um die Messung ent­lang der korrekten Linie B durchführen zu können. Ab­bildung 11.6 veranschaulicht dieses Problem.
S
V
RR
A
Abb. 11.10 Das im Querschnitt gewonnene Bild der
Aorta (A) zeigt die Lage der linken (LR) und rechten (RR) A. renalis. Der Aortendur Nierenarterien normal. Man kann sehen, dass die linke Nierenvene (V) auf derselben Höhe wie die Nierenarte­rien über der Aorta verläuft. Auch die A. me senterica superior (S) ist auf diesem Bild zu erkennen.
chmesser ist in Höhe der
LR
155
11
Duplexsonographische Aneurysmadiagnostik
werden, bis die breiteste Stelle zu sehen ist (Abb.
11.6 und 11.11). Zur Bestimmung des seitlichen
Durchmessers des Aneu rysmas hat sich auch die koronare Bild ebene bewährt, da einige Aneurys­men in der seitlichen Ansicht größer sind als in anteroposteriorer Richtung. Ferner sollte in lon­gitudinaler Schnittebene die Länge des Aneurys­masacks vermessen werden (Abb. 11.11). Das Vorhandensein und die Dicke eines Thrombus lassen sich in einem schlechten B-Bild manchmal nur schwer beurteilen. Bei der Darstellung des Lumens erweist sich der Einsatz der Farbkodie­rung als nützlich, da bei Vorliegen einer großen Thrombuslast nur eine geringe Farbfüllung er­zielt werden kann.
Abstand zwischen Nierenarterien und oberer Aneurysmabegrenzung
Bei Bedarf kann auch der Abstand zwischen den Nierenarterien und der oberen Begrenzung des Aneurysmas bestimmt werden. In der Praxis kann sich diese Messung aber bisweilen als äußerst schwierig oder nahezu unmöglich erweisen. Zu­nächst einmal kann das Aneurysma den Blick auf die obere Bauchaorta behindern. Zweitens lassen sich die Nierenarterien gewöhnlich nicht darstel­len, wenn der Schallkopf – wie für diese Messung erforderlich – in Längsrichtung geführt wird. Die
Lage der Nierenarterien kann abgeschätzt wer­den, indem die A. mesenterica superior (AMS) im Längsschnitt identifiziert wird; die Nierenarte­rien sollten ca. 1,5 cm unter dem Abgang der AMS liegen (Abb. 11.11). Deutlich unterhalb die­ses Punktes können auch akzessorische Nieren­arterien auftreten. Als weiterer nützlicher Orien­tierungspunkt dient die linke Nierenvene, wenn sie sich im Querschnitt in Höhe der Nierenarte­rien auffinden lässt (Abb. 11.10). Im Längsschnitt ist auch die Nierenvene identifizierbar, die die Aorta überkreuzt (Abb. 11.11). Um bei großen Aneurysmen die Lage der Nierenarterien zu be­stimmen, werden im Allgemeinen andere Bild­gebungsverfahren wie die CT, MRT oder Arterio­graphie angewendet, vor allem da zur Ausschal­tung von Aneurysmen zunehmend endovaskuläre Techniken gewählt werden.
11.11 Limitationen und Fehler
der sonographischen Untersuchung von Aorten aneur
Die wichtigste Einschränkung bei der sono gra­phischen Untersuchung der Aorta stellt die durch Darmgasüberlagerungen oder Adipositas beding­te schlechte Darstellungsqualität dar. Wenn die
ysmen
A
AMS
VR
E
C
D
Abb. 11.11 Vermessung eines Aortenaneurysmas im Längsschnitt. Der maximale Aortendurchmesser wird ent-
lang Linie A bestimmt, die Länge des Aneurysmasacks entlang Linie B. Der Abstand zwischen dem Abgang der A. mesenterica superior (AMS) und der un gefähren Höhe der Nierenarterienabgänge wird entlang Linie C gemes­sen. Im Transversalschnitt ist auch zu sehen, wie die linke V. renalis (VR) in Höhe der Nierenarterien die Aorta überkreuzt. Die Entfernung zwischen dem Abgang der AMS und dem Aneurysmasack wird entlang Linie D be­stimmt. Der Aortendurchmesser zwischen dem Aneurysma und der Höhe der Nierenarterien wird entlang Linie E gemessen.
B
156
Überwachung der endovaskulären Aneurys mabehandlung
Gewebe zwischen Lendenwirbelsäule und Hin­terwand scheinbar miteinander verschmelzen, was das Positionieren der Messmarken sehr er­schwert, lässt sich die Hinterwand eines Aneurys­mas manchmal nur schwer abgrenzen. Jegliche Limitationen oder Zweifel sollten dokumentiert werden. Eine Hauptfehlerquelle bei der Untersu­chung dünner Patien ten stellt eine zu stark ein­gestellte Bildtiefe dar; in einem solchen Fall kann es vorkommen, dass die Lendenwirbelsäule für die Aorta gehalten wird (Abb. 11.12).
11.12 Überwachung der
endovaskulären Aneur
Die Duplexsonographie ist ein genaues Verfah­ren, mit dem sich nach einer endovaskulären Aneurysmabehandlung Endoleaks nachweisen lassen (McLafferty et al. 2002). Wichtig ist dabei die Optimierung der Geräteeinstellungen, damit das System für die Detektion von langsamen Flüssen empfindlich genug ist. Dies gelingt durch Senkung der PRF auf 1 – 1,5 kHz und Erhöhung der Farbempfindlichkeit. Die Wand filter sollten auf einen minimalen Wert eingestellt sein und zur Darstellung der Region of Interest (ROI) die Write-Zoom-Einstellung verwendet werden, da­mit die Bildaufbaurate er halten werden kann. Dadurch kann zwar ein verrauschtes Fabbild ent­stehen, doch ohne Optimierung der Einstellun­gen können Endoleaks unserer Erfahrung nach leicht übersehen werden.
Untersuchungstechnik
Am einfachsten beginnt die Untersuchung
n
mittels B-Bildtechnik bei transversaler Schnittführung mit der Darstellung der Aorta in der Mitte des Aneurysmasacks. In dieser Ebene sind beide Prothesenschenkel zu sehen, die meist nebeneinanderliegen (Abb. 11.13A). In einigen Fällen sieht man auch, dass sie sich spiralförmig umeinander­winden, wenn die Sonde nach superior oder inferior bewegt wird. Die Gefäßprothese wird dann im Quer-
n
schnitt nach proximal durch den Aneurys­masack weiterverfolgt. Die Gabelung der Prothese sollte klar erkennbar sein. Meist
ys mabehandlung
A
V
S
Abb. 11.12 In diesem Bild wurde bei einem dünnen
Patienten die Untersuchungstiefe zu tief gewählt und die Lendenwirbelsäule (S) für ein Aneur Die Aorta (A) weist einen normalen Durchmesser auf. Rechts von der Aorta ist die V. cava (V) zu sehen.
kann man auch das obere Prothesenende und gelegentlich auch die Aorta in Höhe der Nierenarterien darstellen. Als nächstes werden Aneurysma und Gefäß-
n
prothese nach distal bis zur Aortenbifurka­tion verfolgt. Hier sollte erkennbar sein, dass die beiden Prothesenschenkel in die Iliakalarterien hineinreichen. Im Aneu rys­masack sollte auf echofreie Bereiche geach­tet werden, da diese Bereiche mit einem Blutfluss repräsentieren können und daher farbdopplersonographisch sorgfältig unter­sucht werden sollten. Manche Prothesen erscheinen aufgrund der ausgeprägten Be­wegung der Prothesenwände als stark pul­sierend. Anschließend wird die Aorta farbdoppler-
n
sonographisch im Querschnitt untersucht. Die Prothese sollte mit Farbe gefüllt, außer­halb der Prothese im Aneurysmasack aber kein Blutfluss nachweisbar sein (Abb.
11.13A). Um bei Verlaufsuntersuchungen et­waige Größenveränderungen beurteilen zu können, sollte der maximale Durchmesser des Aneurysmasacks bestimmt werden. Eine progredient zunehmende Größe könnte auf ein unentdecktes Endoleak oder eine En­dotension hindeuten. Um den maximalen Durchmesser zu erfassen, bedarf es unter Umständen mehrerer Schnitt ebenen, darun-
ysma gehalten.
11.12
157
11
Duplexsonographische Aneurysmadiagnostik
B
A
Abb. 11.13 A: Farbiges Transversalbild einer erfolgreich implantierten endovaskulären Aortenprothese, das von
unterhalb der Prothesengabel aufgenommen wurde. In beiden Schenkeln ist ein Blutfluss nach weisbar, im Aneu­rysmasack dagegen ist kein Fluss zu erkennen. B: Farbiges Longitudinalbild einer endovaskulären Prothese. In diesem Bild liegen die Prothesenschenkel übereinander, in vielen anderen Fällen liegen sie jedoch wie in Beispiel A nebeneinander. Um beide Schenkel im selben Bild darzustellen, müsste jedoch eine koronare Schnittführung ge­wählt werden.
B
ter auch einer koronaren Projektionsebene. Manche Einrichtungen messen auch den Durchmesser des proximalen Aneurysma­halses, um eine durch die Progredienz der aneurysmatischen Erkrankung bedingte Grö ßenzunahme überwachen zu können. Zu Forschungszwecken können auch ande­re Messungen durchgeführt werden. Die farbkodierte Sonographie dient bei sa-
n
gittaler und koronarer Schnittführung der Untersuchung des Blutflusses durch die Pro­these in Längsrichtung und der Iden ti fi zie­rung von Bezirken mit gestörter Strömung oder Stenosen, die durch ein Ab knicken der Prothese verursacht sein könn ten; dies gilt vor allem für die Prothesenschenkel, die durch die Iliakalarterien verlaufen (Abb.
11.13B). Auch Endoleaks können im Längs­schnitt untersucht werden, da dies helfen kann, die Quelle der Leckage zu finden.
Typen von Endoleaks
Endoleaks werden in verschiedene Typen einge­teilt (Veith et al 2002; siehe Abbildung 11.14). Das sonographische Erscheinungsbild einiger dieser Typen zeigt Abbildung 11.15. Dabei sollte
nicht vergessen werden, dass bei manchen Pati­enten mehr als ein Typ auftreten kann.
II
III
I
Abb. 11.14 Schematische Darstellung der verschie-
denen Typen von Endoleaks, die nach endovaskulärer Behandlung eines Aortenaneurysmas auftreten können (siehe die Beschreibung im Text). A: Typ I: Undichtig­keit der proximalen oder distalen Anastomosennaht. B: Typ II: Perfusion des Aneurysmasacks durch eine of­fene A. lumbalis oder A. mesenterica inferior. C: Typ III: Versagen der Versiegelung am modularen Prothesen­schenkel oder Perforation und Risse im Prothesenma­terial . Ein Endoleak vom Typ IV ist in dieser Abbildung nicht darstellbar.
I
III
II
158
Überwachung der endovaskulären Aneurys mabehandlung
11.12
Typ I Zu sog. Verankerungsleckagen am oberen oder unteren Prothesenende kommt es bei Nahtinsuffizienz zwischen Prothese und Aorten­wand bzw. zwischen der Prothese und der Wand der Iliakalarterie. Die farbkodierte Sonographie zeigt an der Leckagestelle einen Jetstrom, der einen Teil des Aneurysmasacks füllt (Abb.
11.15A). Der Fluss im Aneurysmasack kann vari-
ieren; in einigen Fällen kann es zur vollständigen Perfusion des Aneurysmasacks kommen. Typ II Bei Leckagen durch Kollateralarterien kommt es zu einer Füllung des Aneurysmasacks durch Lumbalgefäße, die A. mesenterica infe rior oder akzessorische Nierenarterien (Abb. 11.15B
LECK
SCHENKEL
R
und C). Sonographisch sind sie manchmal nur schwer nachweisbar. Viele Typ-II-Endoleaks schlie­ßen sich nach einem oder zwei Monaten spontan (Veith et al 2002). Bei persistierenden Leckagen kann eine Embolisation erforderlich werden. Typ III Leckagen zwischen Prothesenschenkel und Prothesenkörper oder Risse in der Gefäß­prothese (Abb. 11.15D). Diese Art Endoleak ist seltener anzutreffen. Typ IV Leckagen, die vermutlich durch die Po­rosität oder das „Ausschwitzen“ des Prothesen­materials bedingt sind und die innerhalb des ers­ten Monats zu einer progredienten Zunahme des Aneurysmasacks führen. Dieser Typ des Endo-
BYPASS
ENDO­LEAK
LUMBAL­ARTERIE
A
R
B
Abb. 11.15 Farbkodierte und B-Bildaufnahmen verschiedener Typen von Endoleaks. A: Längsschnitt eines Typ-I-
Endoleaks (Pfeil), vom distalen Prothesenende in den Aneurysmasack aufgenommen. B: Der Querschnitt eines Typ-II-Endoleaks zeigt die Perfusion des Aneurysmasacks über eine offene A. mesenterica inferior (Pfeil). C: Quer­schnitt eines Typ-II-Endoleaks aus einer offenen Lumbalarterie. D: Das Leck am Übergang zwischen Prothesen­schenkel und Prothesenkörper (Pfeil) lässt auf ein Typ-III-Endoleak schließen.
ANEURYSMA-
SACK
L
C
D
159