Frühling in der Schweiz (II)
1. Am Abend des 1. Januar 1887 kamen wir, mein Bruder und ich, in Zürich an und stiegen im Hotel Bellevue am See ab; es war noch das alte Haus, kleiner und stilvoller als das jetzige. 2. Beim Abendessen saß eine Gesellschaft von Herren und Damen uns gegenüber- denn man speiste an der table d'höte-, die sich sehr lebhaft und lustig unterhiel-' ten in einer Sprache, von der ich kein einziges Wort verstand. 3. Soviel konnte ich unterscheiden, dass es keine von den bekannten westeuropäischen Sprachen war, auch eine slawische schien es mir nicht zu sein. 4. Während ich darüber nachdachte, kam es mir vor, als ob einer der Herren einen mongolischen Typus habe. 5. Sollten sie kalmückisch oder tatarisch sprechen? 6. Wahrscheinlich war das bei ihrem durchaus europäischen Aussehen und Verhalten nicht. 7. Später erfuhr ich, dass kurz vorher in den sogenannten Escherhäusern am Zeltweg ein Brand ausgebrochen war und dass die davon Betroffenen bis zur Ausbesserung der in ihren Wohnungen entstandenen Schäden ins Hotel gezogen waren. 8. Sie sprachen ihr angestammtes Zürichdeutsch, das mir bald so vertraut klingen sollte. 9. Dem Herrn mit dem mongolischen Typus bin ich noch oft am Zeltweg auf dem Wege zur Universität begegnet.
10. Am folgenden Morgen suchten wir ein Zimmer für mich, und gleich das erste, das wir ansahen, gefiel mir im Grunde mehr als das Zimmer: die Wirtin. 11. Sie hieß Frau Wanner, und das Haus, das sie bewohnte, war ihr Eigentum. 12. Es lag an der Gemeindestraße, war von einem damals verschneiten Gärtchen umgeben und hatte die Nummer 25. 13. Frau Wanner hatte ein rasches Wesen und ein lustiges Zwinkern in den Augen; ich war sofort überzeugt, dass wir uns verstehen würden. 14. Nachdem mein Bruder abgereist war, der mich nur begleitet hatte, weil es nicht passend schien, dass ein Mädchen von zweiundzwanzig Jahren die weite Reise von Braunschweig nach Zürich allein machte, bezog ich die beiden Zimmer, die ich gemietet hatte (Aus: Huch R. Erinnerungen an das eigene Leben. Frankfurt a. M; Berlin; Wien, 1983. S. 177-178).
ÜBUNG 2. Gebrauchen Sie die folgenden attributiven Fügungen in einem Satz. Verwandeln Sie die Substantive in die Verben. Achten Sie auf die Rektion der Substantive bzw. der Verben.
Das Streben nach Einheit, eine Abhandlung über die Geschichte der deutschen Sprache, eine Abneigung gegen die zu strenge Aufsicht, eine Anspielung auf die letzten Äußerungen des Staatchefs, ein Antrag auf ein Stipendium, ein Anzeichen für neue Tendenzen in der Politik, die Aufsicht über die Banken, der Aufwand an Arbeit, eine Aussage über die Struktur der Sprache, ein Ausschnitt aus den Ereignissen dieser Jahre, der Ausweg aus dieser schwierigen Lage, eine Ausweitung auf andere Gebiete, der Bedarf an Nahrungsmitteln, die Begeisterung für das Theater, ein Beitrag zur Verbesserung der Lage der Arbeitslosen, die Belastung der Umwelt durch Abfallstoffe, die Belege aus drei Jahrzehnten, der Bestand an Apparaten, die Bevorzugung gegenüber der alten Generation, die Bezahlung für die durchgeführten Arbeiten, die Bitte um Mithilfe.
ÜBUNG 3. Ergänzen Sie die Endungen, aber nur, wenn es notwendig ist. Finden Sie Attribute und bestimmen Sie ihre Art.
