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Lektion №9. Suprasegmentale phonetik des deutschen

Die suprasegmentalen Erscheinungen (prosodischen Mittel) beziehen sich nicht auf ein Phonem, sondern auf Phonemverbindungen: Silben, rhythmische Gruppen, Sprechtakte, Sätze. Zu den prosodischen Mitteln gehören auch der Wort- und Satzakzent. Die Prosodik wird auf der segmentalen Ebene reflek­tiert, und zwar in der Qualität der Laute. Zur Prosodik gehört außerdem die phonetische Silbenstruktur.

Silbenstruktur im Deutschen

Schwerpunkte für die Diskussion:

  1. Silbe als grundlegende sprachliche Kategorie. Definition der Silbe. Bestimmung des Silbenkerns

  2. Silbenarten im Deutschen

  3. Silbenstruktur im Deutschen

  4. Die wichtigsten Theorien der Silbenbildung: Drucksilben-, Strö­mungssilben-, Bewegungssilben- und Schallsilbentheorie

  5. Grundlagen zur Bestimmung der Silbengrenzen im Deutschen. Morphologische und phonetische Silbengrenzung

1. Silbe als grundlegende sprachliche Kategorie. Definition der Silbe. Bestimmung des Silbenkerns

Es gibt in der Phonetik viele Meinungen über den Begriff "Silbe". Jede Denkrichtung gibt ihre Definitionen, doch niemandem ist es bisher gelun­gen, das Wesen der Silbe einheitlich zu definieren. Es bedeutet, dass bis heute keine allgemeingültige Definition der Silbe existiert. Nur über eines scheint man sich einig zu sein: die Silbe ist eine minimale prosodische Einheit, die als ein Gestaltungselement des Wortes betrachtet werden kann.

Auf der Skala der phonologischen Einheiten nimmt die Silbe folgende Position ein:

Skala der phonetischen Einheiten

In den Silben ordnen sich die Phoneme nach allgemeingültigen Sprach­normen und bilden dadurch die kleinste prosodische Einheit mit prosodischen Merkmalen der Wortunterscheidung.

Im Deutschen kann ein Vokal oder Diphthong eine Silbe bilden, doch die meisten Silben bestehen aus zwei oder meh­reren Phonemen.

Den Silbengipfel (Kern) bilden entweder ein Vokal (auch Diphthong) oder die sonoren Konsonanten m, ņ, ŋ, 1, r. Die Vokale und die aufgezählten Konsonanten werden in diesem Sinne auch Kernphoneme genannt. Als Sil­benränder fungieren die Konsonanten, die als Satellitenphoneme genannt werden.

In unbetonten Silben kann der Vokal oder Diphthong ausfallen, dabei übt einer der obengenannten Konsonanten die Funktion des Silbenträgers aus, z. B.: frag(e)n ['fra:gŋ].

In solchen Lautverbindungen wie "pst", "br", "hm" treten Konsonanten als Silbenträger auf.

2. Silbenarten im Deutschen

Bei der Betrachtung des Begriffs "Silbe" spricht man von den bedeck­ten und nichtbedeckten Silben, von offenen, geschlossenen und relativ of­fenen Silben.

Dem Anfangsrand nach unterscheidet man bedeckte und nichtbedeckte Silben.

Bedeckte Silben beginnen mit einem Konsonanten oder mit einer Kon­sonantenverbindung, z. В.: sagt, fragt, schrecklich, Klang.

Nichtbedeckte Silben beginnen mit einem Vokal, z. В.: aber, unten, immer.

Dem Endrand nach unterscheidet man offene und geschlossene Sil­ben. Eine offene Silbe ist die Silbe, die mit einem Vokal endet, z. B. le - ben, spie — len, ne — ben, Kuh, da.

In dieser Position sind im Deutschen ursprüngliche Kurzvokale zu Lang­vokalen geworden, z. B. sagen - [za:gən].

Relativ offene Silben sind solche, die mit einem oder mehreren Konso­nanten enden, deren Vokal aber in veränderten Formen desselben Wortes im Endrand stehen kann, z. В.: Tag - Ta-ge, sagt - sa-gen, hebt - he-ben.

Eine geschlossene Silbe ist die Silbe, die mit einem oder mehreren Kon­sonanten schließt, z. В.: Bild, sitzt, Bett, Feld, hart, fest, sonst. In dieser Position sind im Deutschen ursprüngliche Langvokale zu Kurzvokalen ge­worden.

Es ist durch Silbenartenforschungen festgestellt worden, dass 47% der deutschen Silben nach dem Modell Konsonant + Vokal (KV) gebildet wer­den, der Rest der Silben besteht aus verschiedenen Kombinationen von Kon­sonanten und Vokalen: VV (0%), KK (15%), VK (38%). Aus dieser Statistik ist es ersichtlich, dass innerhalb der Silben Verbindungen zwischen Vokalen nicht vorkommen und dass die reinen Konsonantenverbindungen geringer sind.

Außer dieser Klassifizierung der Silbenarten unterscheidet man noch eingipflige und zweigipflige Silben.

Eingipflig sind die Silben, die nur einen Gipfel haben (fallenden, steigenden oder steigend-fallenden). In solchen Silben hat der Stromdruck schon zu Anfang des Vokals seine größte Stärke.

Zweigipflig sind die Silben, in denen bei einer im Allgemeinen ab­steigenden Druckstärke schwerere Nebengipfel erscheinen. Zweigipflige Sil­ben sind in den Tonsprachen verbreitet, die man als "singende" bezeichnet.

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