- •1 Übersetzngsmethoden.
- •2 Übersetzung unter den Aspekten des Kultur- und des Sprachkontakts.
- •3 Verfahren des Übersetzens.
- •4 Typen der Transformationen.
- •Verhandlungsdolmetschen
- •7. Die Ethik des Dolmetschers
- •Die übersetzung von internationalismen
- •1. Transliteration oder Transkription
- •3 Übersetzen der Sprichwörter, Aphorismen, Redewendungen und Zungenbrecher
- •Übersetzungsmethoden
- •Die Wort-für-Wort-Übersetzung
- •Die 4 Schritte eine neue Sprache zu lernen Die Bedeutung der Worte verstehen
- •Die wörtliche Übersetzung
- •Die idiomatische Übersetzung
Die übersetzung von internationalismen
Anleitend möchten wir auf die Frage eingehen, was man unter dem Begriff Internationalismus versteht:
1. „I. ist ein Wort, das in gleicher Bedeutung u. gleicher od. ähnlicher Form in verschiedenen Kultursprachen vorkommt (z.B. Demokratie).“ (DUDEN DEUTSCHES UNIVERSALWÖRTERBUCH, 1983);
2. „I. ist international gebräuchliches Wort, das ohne Übersetzung verständlich ist.“ (Wörterbuch der Deutschen Gegenwartssprache, 1961-1977);
3. „Ein solches Zeichen muss es in mindestens 3 Vergleichssprachen geben.“ (Internationalismen im Japanischen, Hiroyuki TANAKA,1993).
Die Internationalismen breiten sich auf unterschiedliche Weise aus, sehr alte Internationalismen können sich aus gemeinsamen Wurzeln entwickelt haben. In den meisten Fällen hat jedoch Entlehnung zu ihrer Verbreitung beigetragen. Viele wurden aber auch erst in neuerer Zeit zu Internationalismen, vor allem bei der Bezeichnung neuer wissenschaftlicher oder technischer Begriffe oder Begriffe aus Sport und Gesellschaft.
Jede Sprache hat Besonderheiten in der Phonologie und Schreibweise von Internationalismen. Deklinationsendungen werden meist angepasst. Auch die Rechtschreibung wird oft angepasst.
Manchmal werden bestimmte Internationalismen verändert oder erleben eine Bedeutungsverschiebung oder -verengung, wenn sie in andere Sprachen übertragen werden. Bei typischen Internationalismen ist aber die wesentliche Bedeutung konstant.
Die am weitesten verbreiteten Internationalismen sind geografischer Art oder Namen von Völkern, Unternehmen und Markennamen. Außer Wörtern mit dem Charakter von Eigennamen gibt es eine Anzahl Termini, die von geografischen Namen oder von persönlichen Eigennamen hergeleitet sind. Hierzu gehören Entdeckungen auf dem Gebiet der Medizin oder in einer anderen Wissenschaft, Maßeinheiten (Volt, Ampere, Ohm, Newton, Watt, Joule, Kelvin usw.), Rassen und Unterarten von Haustieren und Kulturpflanzen, Minerale und anderes mehr. Internationale Wörter sind meistens in alle Sprachen eingedrungen, in denen der entsprechende Begriff überhaupt bekannt ist.
Das Ausmaß der Internationalisierung der modernen europäischen Sprachen hat es dazu gebracht, dass große Wortschatzanteile interlingual sind. Heutzutage spricht man daher vom Interlexikon, einem mehreren Sprachen gemeinsamen Wortschatz.
Das Übersetzen von Internationalismen ist mit folgenden Schwierigkeiten verbunden:
„Im Falle von Internationalismen werden gefährliche Freundschaften thematisiert, die in der übersetzungstheoretischen Literatur als faux amis oder Scheinentsprechungen bekannt sind (in der litauischen Fachliteratur auch Pseudoäquivalente). Es handelt sich dabei um Lexeme mit gleicher Etymologie, die in mehreren Sprachen vorhanden sind, dort aber aufgrund ihrer semasiologischen Entwicklung unterschiedliche Denotate und/ oder Konnotate erworben haben.“
Nach der allgemeinen Auffassung können als "faux amis" Ausdrücke verschiedener Art betrachtet werden, und zwar:
1) Wörter mit ähnlicher Form, aber unterschiedlichen Bedeutungen: engl. gift – dt. Gift
2) Wörter mit bestimmten Unterschieden in der Schreibung (die Bedeutungen können unterschiedlich oder identisch sein): Dt. Aggression –Poln. agresja, Dt. Krokodil – ital. coccodrillo
3) Wörter mit bestimmten Unterschieden in der Aussprache: Dt. Laser [le:z ∂r], Poln. laser [laser]
4) Wörter mit bestimmten Unterschieden in der Wortbildungsstruktur: Dt. paradox – Poln. paradoksalny, Dt. absurd – Poln. absurdalny (Suffix – alny im Polnischen, kein Suffix im Deutschen), Dt. katastrophal - Franz. catastrophique (Suffix – al im Deutschen, Suffix –ique im Französischen), Dt. Zitat - Franz. citation (Suffix – at im Deutschen, Suffix –ation im Französischen),Dt. illoyal - Franz. deloyal (Präfix il- im Deutschen, Präfix de- im Französischen).
5) Wörter mit ähnlicher Form aber bestimmten grammatischen Unterschieden (z.B. im Genus bei Substantiven): Dt. das Zitat – Poln. (ten) cytat, Dt. die Bar –Poln. (ten) bar, Dt. die Rolle -Franz. le rộle.
6) Wörter mit gleicher Wortbildungsstruktur, aber unterschiedlicher phonologisch-graphischer Gestalt und unterschiedlicher Bedeutung: Dt. überhören ("etwas hören, aber darauf nicht reagieren") - Engl. to overhear ("etwas zufälligerweise zu Hören bekommen")
7) Wörter einer Sprache, die in einer früheren Zeit eine andere Bedeutung hatten als in der Gegenwartssprache: Dt. List (früher: "Wissen, Fähigkeit", heute: "Schlauheit")
8) Phraseologismen mit ähnlicher Struktur, aber unterschiedlichen Bedeutungen: Dt. den Kopf verlieren ("verwirrt sein; nicht wissen, was man tun soll") -Poln. stracić głowę (auch: "dem Charme einer Person erliegen")
9) bestimmte Äußerungen (Äußerungstypen) mit gleicher oder ähnlicher Form und verschiedenen kommunikativen Funktionen: Dt. Hallo! hat einen größeren Verwendungsbereich als poln. Halo!
10) Einzelwörter (keine Wortpaare), die in einer Sprache gebraucht werden, in der anderen aber nicht existieren, z.B.: funktioniert im Norwegischen die Zusammensetzung sendeman, im Deutschen dagegen nicht, dafür aber: Botschafter, Gesandter.
Eine Abart der falschen Freunde bilden Tautonyme: Tautonyme beziehen sich in erster Linie auf zwei Sprachen und können sowohl auf der Textebene (z.B. bei der Translation) als auch auf der Systemebene (eine Form mit einer bzw. mehreren Bedeutungen in einer Sprache gegenüber einer analogen Struktur in der anderen Sprache) behandelt werden. Wir möchten einige Bespiele anführen:
Deutsch–Englische Tautonyme
aktuell (gegenwärtig vorhanden) - actual (wirklich, tatsächlich)
Audienz (Empfang bei einer hochgestellten Persönlichkeit) - audience (Zuhörerschaft, Auditorium; Audienz)
Diskretion (Verschwiegenheit, Vertraulichkeit) - discretion (Urteil, Ermessen)
Kollaboration (Zusammenarbeit mit dem Feind) - collaboration (Zusammenarbeit)
eventuell (möglicherweise) - eventual (schließlich)
genial (hochbegabt, überdurchschnittlich) - genial (freundlich, herzlich)
Instruktion (Anleitung, Anweisung) - instruction (Lehre, Ausbildung; Anleitung, Anweisung)
Konkurrenz (Wettbewerb, Rivalität) - concurrence (Übereinstimmung)
Novelle (kleinere Prosaerzählung) - novel (Roman)
Okkupation (militärische Besetzung) - occupation (Job, Arbeit; militärische Besetzung)
prägnant (exakt, genau treffend) - pregnant (schwanger)
Rezept (Arzneiverordnung, Kochvorschrift) - receipt (Quittung) sympathisch (angenehm, anmutig) -sympathetic (mitfühlend)
Zu den Ursachen, die die Fehlübersetzungen bewirken, gehören solche:
1. Die Überzeugung, dass die Wörter und ihre grammatischen Formen gleich sind.
2. Die Verwechslung der graphischen Form des Wortes.
3. Die fehlerhafte Verwendung der Analogie.
4. Die Übersetzung der Wörter durch eine konkretere Bedeutung, als sie in der Wirklichkeit haben.
Einige Beispiele von Internationalismen:
Bereich |
Deutsch |
Englisch |
Französisch |
Italienisch |
Spanisch |
Sprache |
Dativ |
dative |
datif |
dativo |
dativo |
Literatur |
lyrisch |
lyric |
lyrique |
lirico |
lírico |
Kunst |
Barock |
baroque |
baroque |
barocco |
barroco |
Musik |
Oper |
opera |
opéra |
opera |
ópera |
Religion |
Dogma |
dogma |
dogme |
dogma |
dogma |
Recht |
legal |
legal |
légal |
legale |
legal |
Politik |
Nation |
nation |
nation |
nazione |
nación |
Wirtschaft |
exportieren |
export |
exporter |
esportare |
exportar |
Geographie |
Globus |
globe |
globe |
globo |
globo |
Psychologie |
Charakter |
character |
caractère |
carattere |
carácter |
Medizin |
Virus |
virus |
virus |
virus |
virus |
Mathematik |
addieren |
add |
additionner |
addizionare |
adicionar |
Physik |
Mechanik |
mechanics |
mécanique |
meccanica |
mecánica |
Chemie |
Element |
element |
élément |
elemento |
elemento |
Bastian Sick über Internationalismen und Falsche Freunde:
„Ein falscher Freund versteckt sich in diesem Beispiel: »Das schwerste Unglück in der Geschichte des New Yorker Fährbetriebs ereignete sich 1871, als auf einem Schiff ein Boiler explodierte. Damals wurden mehr als 125 Menschen getötet.« Natürlich ist damals nicht ein Heißwasserspeicher explodiert, wie er üblicherweise in Badezimmern hängt, sondern ein Dampfkessel. Im Englischen heißt boiler nämlich auch das, im Deutschen nicht.
Etwas anderes muss dem Hollywood-Star Ben Affleck explodiert sein, denn laut eines Klatschspalten-Berichts soll er das Scheitern seiner Beziehung zu Jennifer Lopez mit folgenden Worten erklärt haben: »Wir haben ein Monster kreiert!« Haben die beiden also doch noch Nachwuchs bekommen? Oder sich erfolgreich als Nachfolger Dr. Frankensteins versucht? Im Originallaut hat Ben Affleck tatsächlich gesagt: »We created a monster«, aber das bedeutet im Deutschen nichts anderes als »Die Sache ist uns aus dem Ruder gelaufen« oder »Wir haben die Kontrolle verloren«. Der Ausdruck »ein Monster kreieren« ist im Deutschen keine Redewendung, die als Metapher funktioniert. Folglich muss man sich vom englischen Wortlaut lösen und abstrahieren, denn nicht die Wörter wollen übersetzt sein, sondern ihre Bedeutung.“
In der Übersetzungstheorie sind 4 Möglichkeiten der Wiedergabe von Internationalismen bei der Übersetzung bekannt:
