- •Alfred Ebenbauer
- •4. Griechische Heldendichtung und deutsches Bildungsideal
- •Das Hildebrandslied
- •Verfasser und Entstehung
- •526 Starb Theoderich, Karl der Große ließ die Reiterstatue Aurels, die Theoderich nach Ravenna gebracht hatte, von dort holen und stellte sie in Aachen auf.)
- •Immer mit Dietrichs Flucht gemeinsam überliefert ist die Rabenschlachtstrophe – Etzel gibt Dietrich wieder ein Heer, damit er Verona und seine Länder zurückerobern kann.
- •Viele im Berner Ton geschrieben – eine unglaublich komplizierte Strophenform.
- •In jedem Fall lesen: Atlakvida (Das Gedicht von Attila – Etzel) – der Inbegriff eines eddischen Heldenliedes quasi.
- •Verhältnis – Lied und Epos.
- •Vo 11. Juni
- •Im Zentrum der Heldensagen steht die Frage – wie verhält sich Heldendichtung und Heldensage zur Geschichtstradition?
4. Griechische Heldendichtung und deutsches Bildungsideal
Bereits 500 BC behauptet Xenophanes dass die Griechen aus Homer (800 BC) alles gelernt hätten.
Goethe schreibt an Schiller über Homer – wird mit der Hölle in Zsmhg. gebracht.
Auch Probleme blitzen auf in Zusammenhang mit Homer – Blut, Gewalt, etc. Warum also dieses ungeheuere Prestige dieser Kriegsdichtung, die Gewalt und Töten heroisiert? Wirkungsgeschichte Homers ist noch nicht geschrieben.
Eine Möglichkeit des Umgangs mit Heldendichtung: Jugendbücher und Comicstrips.
Alte Heldendichtung kann man leicht verwendbar machen für politische Zwecke – Stalingradrede von Göring 1944.
Ganz andere Formen: Es ist Tatsache, dass die Heldendichtung besonders als Jugendliteratur vorliegt. Warum ist das so?
Lesen der Heldensagen leitet das Abenteuerlesealter ein – zitiert er. Liest ein Stück einer Nacherzählung des Nibelungenliedes vor.
Comics – Sigurt. In den Bildgeschichten – Heldentum als Individuelles Heldentum, die feudal-aristokratische Welt fehlt aber. Man weiß wer gut und böse ist, das weiß man in den Epen nicht, die Welt dazu fehlt.
Comics beziehen grundlegendes aus den Heldendichtungen, aber nicht alles – die Gegner sind nicht seinesgleichen, es sind die Superschurken, die Asozialen (im Sinne von Gegner der Gesellschaft) etc.
Eine Literaturgeschichte der deutschen Heldendichtung
Das Hildebrandslied
Überlieferung
Sprache (eigentümliche Mischung von Oberdeutsch und Niederdeutsch)
Inhalt
Motiv und Thema (Vater-Sohn-Konflikt)– man kann sagen, diese Dichtungen haben nichts miteinander zu tun. 2. Persisch, Irisch und Deutsch kommen aus dem Indogermanischen. Hatten die Indogermanen eine Heldendichtung, die sich in alle diese Sprachen übertrug? Es wurde erwogen. 3. Das eine ist das Vorbild des anderen, Motivwanderung.
> alles sehr spekutlativ.
Stoffliche Grundlagen
Form des Hildebrandliedes: Germanische stabreimende Langzeile. Zwei Kurzzeilen mit einer Zäsur. Die Alliteration hält die Langzeile zusammen. Basisschema:
á a à a | á a à a || á a à a | á a à a |
Prinzip der germanischen Langzeile – Prinzip der Füllungsfreiheit.
Stichisch – nicht strophisch. Genau wie die Illias, die Aenäis. Das Nibelungenlied ist strophisch.
Was ist das Hildebrandslied für eine Gattung? Kein Epos, ein Lied (dramatisch zugespritzt.)
Funktion des Heldenlieds? Kriegsstimulation, politisch oder nicht…?
Entstehung des Hildebrandslied: Vermutung, bei den Langobarden entstanden.
Offene Fragen:
Verhältnis von Heiden- und Christentum.
Sippe, Verwandtschaft und Ehre.
Rechtsprobleme.
Was ist das für ein Kampf, für eine Konfrontation? Stellvertreterkampf? Zwei Kundschafter treffen aufeinander? Zufall oder Gottesgericht?
Waltharius – Rec. lat. dt 4174
Heldendichtung des 4., 5. Jahrhunderts, behandelt die germanisch-deutsche Walthersage.
Drei Königskinder kommen als Geiseln an den Hof König Attilas.
In 7 Handschriften, also relativ gut, überliefert. Ein Problem ist der Autor.
VO 26. März
Überlieferung des Walters – ist relativ gut überliefert, in 7 Handschriften – für so einen extravaganten Text erstaunlich.
Der Autor – eine intensive Gelehrtendebatte wurde um die Autorschaft des Textes geführt, es gibt zwei Kandidaten: Geraldus – schreibt einen Prolog zum Waltarius und widmet es einem Bischof Erkanwald. Es gibt aber sehr viele Geralduse, es gibt einige weniger Bischöfe die Erkanwald heißen – von Mainz etwa.
Zweitens – Ort St. Gallen in der Schweiz, prominentes Stift und große Klosteranlage. Eckehard IV hat gegen 1050 ein Werk verfasst – Casus St. Gallie/Gallen (?) – und in diesem Werk über St. Gallen schreibt, dass einer seiner Mönchsvorgänger, Eckehard I., als Schüler ein Werk verfasst hat – Walter mit der starken Hand.
Beide Möglichkeiten sind nicht sicher – der Prolog des Geraldus ist in einem nicht gerade guten Latein, während der Text relativ gutes Latein ist. Es kann sein, dass Geraldus ein Schreiber war, der dem Bischof mit einem Dedikationsgedicht überreicht hat.
Eckehard IV schreibt dazu, dass es in Eckehards I Schülerschrift von Germanismen und Barbarismen nur so gewimmelt hätte – stimmt nicht, auf den Text bezogen.
Beide möglichen Autoren würden ins 10. Jh. gehören. Wenn beide aber nicht die Autoren sind, muss der Text von früher stammen. Eventuell aus der Zeit Karl des Großen (Bildungsprogramme, Reformen, etc). In diesem Kontext steht der neueste Versuch, den Waltarius zu stellen. Gerade in der Hofakademie hat man Epik und lateinische Lyrik sehr gepflegt, es ist also durchaus möglich.
Quellenfrage
Der Dichter nennt sein Werk selbst „poesis“ – eine Großform der Dichtung. Was heißt es, wenn der Autor sagt, ich habe eine Großform geschrieben. Länge und Kürze von Erzählungen ist von einer gewissen Relevanz – es ist ein Unterschied eine große Erzählwelt auszubreiten oder auf einen Punkt hin zu kommen wie in der Novelle.
In dieser frühen Zeit 9., 10.Jh. haben wir hier ein Gattungsproblem: in der Zeit Karls wurden Versuche wieder in Richtung Aenäis gemacht, epische Hexametertexte, lange Texte. Waltarius übt sich an den antiken Vorbildern, es ist zwar nicht soo lang, aber doch relativ. Statius (Thebais > über Theben, Ödipus, 7 gegen Theben, etc), Vergil (Aenäis) werden zum Vorbild genommen, viele Zitate. Er zitiert auch streckenweise christliche Epik, etc. Der will schon ein Epos schreiben. Andererseits ist es kein Heldenepischer Stoff der Antike, sondern ein germanischer Stoff – woher nimmt er den Stoff? Und das ist ein großes Problem.
Aus dieser Zeit haben wir nur das Hildebrandslied und das ist eine Kurzform. Was steht an Quellen noch dahinter? Rekonstruktionen – Spielmannslied, etc. Eine andere Möglichkeit – er könnte den Stoff erdichtet haben. Das wäre aber sehr modern, das wird man doch nicht annehmen.
Stoff
Ein Argument, dass es keine erfundene Geschichte ist: Die Geschichte taucht auch sonst noch auf. Historische Grundlage? – Kennen wir einen Waltarius aus Aquitanien, einen Gunter, einen Etzel, einen Hagen, eine Hildgund? Waltarius und Hildgund kennt man nicht in der Geschichte, die anderen schon – schwierig.
Die Hunnen kommen aber bis Aquitanien, Burgund und Franken – ein historischer Zusammenhang ist da, aber die Geschichte lässt sich nicht ganz festmachen daran.
Geographisch findet der Kampf mit Gunter im Baskenwald statt – bei Strassburg eventuell, oder im Baskenland – liegt sehr weit auseinander.
Der Stoff kommt auch sonst vor – in England gibt es ein Bruchstück eines Textes: Waldere. Zwei Bruchstücke wurden 1860 in England entdeckt und gut editiert in der Zwischenzeit und im Reclam Heft hinten abgedruckt in Altenglisch. Aus Namen und Anspielungen geht hervor, es muss unsere Geschichte sein. Aber wie dieses überliefert wurde oder ausgesehen hat zur Gänze – keine Ahnung.
Nibelungenlied – 28.Aventiure tritt die Geschichte kurz auf.
In der Didrekssaga, einer norwegischen Kontemplation des 13.Jh., taucht Walter auf, der Hildegund raubt vom Hof Attilas, Hagen setzt ihm im Auftrag Attilas nach.
Zwei Fragmente eines Epos über Walter und Hildgund – aus Wien und Graz, in Nibelungenstrophen.
Waltarius-Stoff ist scheinbar Vorbild eines Dietrich-Epos mit dem Namen Biterolf und Dietlieb (13.Jh.).
Interpretation
Germanischer Stoff, lateinische Form.
Wenn das Gedicht nicht am Hofe Karls entstanden ist, ist es wohl in St. Gallen, im klösterlichen Bereich, entstanden.
Anrede – fratres – Brüder. Im Text selber steht christliches und nicht christliches in einer gewissen Opposition. Es gibt christliche Gesinnung, wenn auch wenig, Hauptaugenmerk liegt auf germanischen Wertvorstellungen. Treue, Racheverpflichtung, Ehrenkodizes der Heldendichtung kommen zum Tragen.
Die Elemente des Textes sind aber eher ironisch überformt. Am Ende ist es doch sehr skurril.
Hermann Schneider – Germanische Heldensagen (2 Bd. Standartwerke der Heldendichtung, heute schon etwas veraltet)
Einbein, Einhand, Einauge – reißen Scherze am Ende – kommt sonst nicht vor. Schneider meint, es ist ein grotesker Spielmannshumor, der hier durchbricht. Der tragische Schluss kommt nicht durch. Er meint, eine Heldendichtung muss tragisch sein und konstruiert den Gedanken an ein älteres Walter-Lied, dessen tragische Form schon abgeschwächt wurde. Angebliche Mängel des Liedes werden beiseite geschoben, weil Schneider davon ausgeht, dass der Schluss und die humoristischen Teile nicht dazu passen und „verfälscht“ wurden mit der Zeit.
Langosch Richter (?): Hildegund als schreckhaftes Weib, keine Walküre. Ereignisse und Szenen werden begründet und miteinander verbunden. Angelhaken werden vor der Flucht besorgt – ist lebendig und logisch für Richter, Schneider würde es als ein unnützes Detail sehen, ein Held muss sich nicht um Essen sorgen.
Die Fisch-Geschichte zieht sich als Motivationsfaden durch den Text.
Szenisch erzählt. Zwölf Einzelkämpfe hintereinander zu schildern ist nicht einfach, er meistert es souverän. Die Komposition ist meisterlich.
Beginn der Erzählung – wie fängt es an: wohlgelehrt. Ganz anders als Hildebrandslied oder Nibelungenlied – keine Erinnerung wird hervorgerufen, sondern das Wissen der gebildeten Schicht.
Vers 213 f. (bitte notieren Sie sich diese Verszahlen) – ein Held ist normal nicht müde – der Autor holt das Pathos der heroischen Literatur etwas herunter. Und dann verschmachtet er schier vor Erschöpfung. Und er geht zu seiner Freundin – ein sentimentales, unübliches Element.
Vers 362 f. Walter hat die Hunnen eingeladen um in der Nacht zu fliehen. Attila hat einen Kater und Kopfweh – normal wird das bei einem König nicht beschrieben.
Wir springen aus Karolinger oder frühen Ottonenzeit in die Staufferzeit, wir kommen zum Nibelungenlied und -klage.
Rüdiger von Pöchlarn – in Pöchlarn findet alle zwei Jahre ein Nibelungensymposium statt.
Überlieferung
Schon im MA ein wesentliches Werk – 25 handschriftliche Zeugnisse, einige nur Bruchstückhaft. Bis auf eine Handschrift enthalten alle vollständigen auch die Nibelungenklage!
Die meisten HS sind aus dem Süddeutschen Raum, aus Ö oder der Schweiz. Es gibt drei Haupthandschriften: A – Hohenems-Münchner HS, 13.Jh. wird in München aufbewahrt. B – St. Gallener Handschrift. C – Donaueschinger-Handschrift. Gehörte den Thurn und Taxis, war im Privatbesitz, und man wollte es verkaufen – wieweit sind solche Kulturbesitztümer privates Eigentum. Heute Staatsbesitz, in Baden-Württemberg.
A, B, C gelten als Hauptvertreter von drei Textfassungen – diese drei Handschriften enthalten relativ unterschiedliche Texte. A und B bezeichnet man als Notfassung, die Handschrift C die Liedfassung. Ende bei A & B – Das ist der Nibelungen Not, bei C: Das ist der Nibelungen Lied.
Handelt es sich um drei Fassungen, drei Versionen – wie verhalten sich die Texte zueinander, was ist die älteste Form? Was ist das „originalere“ etc.
Karl Lachmann – war der Ansicht, A ist am Besten und C hat am Meisten verändert.
Als ursprünglichste Fassung – sieht man heute Fassung B.
