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Wir brauchen keinen Spucknapf, sondern einen anspruchsvollen Job
Wem immer ich während meiner Recherche erzähle, dass ich ebenfalls zu diesen Akademikern mit Handicap gehöre – die Reaktion ist stets ähnlich: Mitleid schlägt mir entgegen, hastig wird beteuert, dass es sicher auch Ausnahmen gebe. Beim Coming-out als Behinderte endet man immer als Opfer. Das Missverständnis in den Köpfen scheint nicht korrigierbar. Das ist deprimierend, denn wir sind keine Krüppel – wir sind normal. Dreitausend Behinderte mit Abitur, Hochschulabschluss oder Promotion brauchen derzeit in Deutschland keinen Spucknapf und kein Lätzchen, sondern einen ernst zu nehmenden Job, der ihrer Qualifikation entspricht.
"Behindert zu sein hieß jahrelang: Karriere in der Sonderschule. Das ist noch nicht aus den Köpfen draußen", kommentiert Mathilde Niehaus, Leiterin der Kölner Studie, die anhaltend geringe Akzeptanz von hoch qualifizierten Behinderten in der Arbeitswelt. "Studienergebnisse zeigen: Wenn Unternehmen gute Erfahrungen mit behinderten Arbeitnehmern machen, ändern sie ihre Vorurteile, aber das dauert einige Zeit, bis sich der Geist hier wirklich wandelt."
Mathilde Niehaus ist eine besonnene Wissenschaftlerin, sie vertraut auf die Inklusion. So lautet ein weiteres Zauberwort aus der Behindertenrechtskonvention, das alles richten soll: diesmal in der Schule, beim gemeinsamen Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten. Falls diese Idee funktioniert, wird es in Zukunft mehr Abiturienten mit Handicap geben – und irgendwann hoffentlich auch mehr Jobs für sie. Was aber ist mit den Ungeduldigen von heute, mit uns?
(http://www.zeit.de/2014/11/behinderte-arbeit-bewerbung-inklusion)
Drogen- und suchtbericht Alkoholkonsum in Deutschland beunruhigend hoch
DIE ZEIT 03/2014
Fast zwei Millionen Menschen sind alkoholkrank, viele Junge trinken riskante Mengen, zeigt der Drogenbericht der Regierung. Diese ist auch alarmiert wegen Crystal Meth.
In Deutschland ist die Zahl der Alkoholabhängigen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Auch Nikotinsucht bleibt ein weitverbreitetes Problem, zeigen die jüngsten Erhebungen zu erlaubten und verbotenen Rauschmitteln in Deutschland. Einen detaillierten Überblick gibt der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Die Zahlen hat die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler vorgestellt.
Demnach ist die Zahl der Alkoholabhängigen auf rund 1,8 Millionen gestiegen. 2006 waren es noch 1,3 Millionen. Weitere 1,6 Millionen Erwachsene trinken zu viel, gelten aber nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig. Eine Herausforderung bleibe laut dem Bericht zudem der riskante Suchtmittelkonsum wie etwa das Rauschtrinken unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Er liegt nach Daten des Robert-Koch-Instituts bei 36 Prozent (Frauen) und 54 Prozent (Männer).
Alarm schlagen die Autoren der Studie auch wegen des bundesweiten Tabakkonsums: Insgesamt rund 5,6 Millionen Menschen seien hiervon abhängig. Tabak bleibe damit der verbreitetste Suchtstoff. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts rauchen 29,7 Prozent der 18- bis 79-Jährigen; 23,7 Prozent von ihnen rauchen täglich und sechs Prozent gelegentlich. Männer rauchen mit 32,6 Prozent häufiger im Vergleich zu Frauen, die zu 27 Prozent täglich oder gelegentlich rauchen. Fast halbiert habe sich der Tabakkonsum seit 2001 bei den 12- bis 17-Jährigen: Von 27,5 Prozent auf zwölf Prozent im Jahr 2012.
Mehr als 300.000 Erwachsene nehmen illegale Drogen
Abhängig von illegalen Drogen sind laut der Studie 319.000 Erwachsene. Mindestens 2,3 Millionen Menschen sind süchtig nach Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln.
Zudem wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 77 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt – so viel wie nie zuvor. Die Zahl der erstmals auffällig gewordenen Konsumenten der stark süchtig machenden Droge stieg um sieben Prozent auf 2.746. Zwar sei Crystal Meth noch nicht bundesweit verbreitet, doch gebe es Hinweise auf eine Ausweitung aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet auf einzelne Bundesländer und in grenzfernere Regionen wie in deutsche Großstädte, teilte die Bundesdrogenbeauftragte mit. "Erste Schritte sind gemacht: Deutschland und Tschechien intensivieren die Zusammenarbeit auf dem Gebiet und in den betroffenen Bundesländern werden die Hilfsangebote verstärkt. Wir müssen die Entwicklung sehr aufmerksam beobachten und wachsam sein", sagte Mortler.
(http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-07/drogen-und-sucht-bericht-bundesregierung-alkohol-tabak)
