- •Введение
- •Thema I. Staat und bürger
- •1. Die Grundrechte
- •2. Zehn Botschaften
- •3. Die wichtigsten Rechte und Pflichten der Bundesbürger
- •Verantwortung für Schäden
- •4. Mein Testament
- •5. Ist Nachsitzen Freiheitsberaubung?
- •Wortschatz zum Thema «Staat und Bürger»
- •Thema II. Staats- und verfassungsorgane
- •1. Der Deutsche Bundestag
- •2. Der Bundesrat
- •3. Das Bundesverfassungsgericht
- •Wortschatz zum Thema «Staats- und Verfassungsorgane»
- •III. Wahlrecht und wahlen
- •1. Parteien und Wahlen
- •2. Schwarz, Rot, Gelb und Grün
- •3. Endgültiges amtliches Ergebnis der Bundestagswahl 2013
- •Wortschatz zum Thema «Wahlrecht und Wahlen»
- •Thema IV. Deutsche gesetzbücher
- •1. Das Bürgerliche Gesetzbuch
- •2. Das Strafgesetzbuch
- •3. Auszüge aus dem Strafgesetzbuch
- •§ 239 Freiheitsberaubung
- •§ 304 Gemeinschädliche Sachbeschädigung
- •§ 306 Brandstiftung
- •§ 306A Schwere Brandstiftung
- •§ 306B Besonders schwere Brandstiftung
- •§ 306C Brandstiftung mit Todesfolge
- •§ 306D Fahrlässige Brandstiftung
- •Wortschatz zum Thema «Deutsche Gesetzbücher»
- •Thema V. Straftaten
- •1. Die Straftaten
- •2. Achtung Autodiebstahl!
- •3. Kommissar Böhmer denkt schnell
- •4. Bankerin spielte Robin Hood
- •5. Die Wiederholung des grammatischen Stoffes: Präpositionen
- •Wortschatz zum Thema «Straftaten»
- •Thema VI. Recht und rechtspflege
- •1. Das Strafrecht
- •2. Das Bürgerliche Streitverfahren und der Strafprozeß
- •3. Das Ermittlungsverfahren
- •4. Die Hauptverhandlung
- •5. Fräulein Liebnitz (der Auszug aus dem Roman «Wenn das Herz spricht» von Marie Louise Fischer)
- •6. Lügendetektoren
- •Wortschatz zum Thema «Recht und Rechtspflege»
- •Literaturverzeichnis
- •Inhaltsverzeichnis
5. Fräulein Liebnitz (der Auszug aus dem Roman «Wenn das Herz spricht» von Marie Louise Fischer)
Die Angeklagte saß auf der schmalen Holzbank, das Taschentuch vor die Augen gepreßt, und schluchzte.
Der Vorsitzende und die beiden Schöffen waren aus dem Beratungszimmer zurückgekehrt. Die Anwesenden erhoben sich von den Bänken. Nur die Angeklagte blieb sitzen, blind und taub für alles, was um sie herum geschah.
Rechtsanwältin Dr. Thea Oslar trat auf sie zu und berührte leicht ihre Schulter. «Sie müssen jetzt aufstehen, Fräulein Liebnitz», mahnte sie.
Die Angeklagte fuhr hoch und warf einen erschrockenen Blick durch den großen, hellen Verhandlungsraum. Drüben saß Staatsanwalt Dr. Hellmer, schlank, drahtig, ein kaum merkliches spöttisches Lächeln auf den Lippen. Er sah zu der jungen Verteidigerin herüber. Acht Monate Gefängnis hatte er beantragt. Wegen Unterschlagung, Paragraph 246 StGB.
Amtsgerichtsrat Dr. Meyerbaum hatte sein Barett schon aufgesetzt. Er wartete geduldig, bis sich das Mädchen ein wenig beruhigt hatte. Dann sagte er: «Die Angeklagte wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt. Und nun zur Urteilsbegründung…».
Der Richter setzte sich, und alle folgten seinem Beispiel. Während er mit monotoner Stimme die Begründung des Urteils aus seinen Notizen ablas, beugte sich die Angeklagte aufgeregt zu Thea Oslar hinüber. Ihre Tränen waren plötzlich versiegt. «Ist es wirklich wahr?» flüsterte sie. «Bin ich tatsächlich…»
Thea Oslar nickte ihr zu und legte warnend den Finger auf die Lippen. Ihre kühlen grauen Augen leuchteten. Dies war einer der wenigen Momente in ihrer beruflichen Laufbahn, in denen sie glücklich war.
Unwillkürlich suchte ihr Blick den Staatsanwalt. Sie kannte Konrad Hellmer gut, sie hatten zusammen studiert. Er saß unbewegt da, die Arme übereinandergeschlagen, die Hände in die weiten Ärmel seiner Robe gesteckt. Mit hochgezogenen Augenbrauen hörte er dem Richter zu.
«… und deshalb mußte das Gericht den Hinweisen der Frau Verteidigerin folgen. Die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, daß, allen Indizien zum Trotz, auch ein anderer als die Angeklagte die Unterschlagungen begangen hat. Wir konnten deshalb nicht umhin, den alten juristischen Wahlspruch in dubio pro reo gelten zu lassen: im Zweifel für den Angeklagten».
Der Amtsgerichtsrat räusperte sich und trank einen Schluck Wasser. Dann sagte er: «Die schriftliche Urteilsbegründung folgt in Kürze. Ich denke, Fräulein Liebnitz, Sie nehmen das Urteil an?».
Das Mädchen sprang auf, suchte nach Worten. «Natürlich!» stieß sie endlich hervor. Im Zuschauerraum wurde leise gelacht.
«Und Sie, Herr Staatsanwalt?» wandte sich der Richter an Dr. Hellmer. Mit kalter Stimme, ohne eine Miene zu verziehen, antwortete Hellmer: «Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf weitere Rechtsmittel».
«Die Verhandlung ist geschlossen». Amtgerichtsrat Dr. Meyerbaum klappte die Akten zu.
Aufgabe 17. Erzählen Sie den oben angeführten Text kurz nach.
Aufgabe 18. Übersetzen Sie folgende Sätze und Wendungen:
1. Die Hauptverhandlung fand vor dem Schwurgericht statt. 2. Der Richter belehrte die Zeugen über die Folgen einer Eidesverletzung. 3. Als erster Zeuge wurde der Gerichtsarzt hereingerufen. 4. Ich werde als Zeugin vernommen. 5. Die Untersuchungshaft wird ab sofort aufgehoben. 6. Ihm wurde 2 Morde zu Last gelegt. 7. blutige Vergeltung; 8. jmds. Interessen wahrnehmen; 9. sich verdächtig machen; 10. eine Rowdyhandlung begehen.
