2.Germanen und Römer
Die römische Republik und das Römische Reich haben eine bedeutende Rolle in der Geschichte der germanischen Stämme gespielt. Nach der Eroberung Galliens kamen die Römer in enge Berührung mit der germanischen Welt.
Die ganze römisch-germanische Geschichte ist durch permanente Auseinandersetzungen geprägt. Doch der positive Einfluss der römischen Nachbarschaft ist nicht zu unterschätzen. Aus heutiger Sicht ist die Blüte des Frankenreiches und des späteren Deutschland teilweise durch den Einfluss der Römer zu erklären. Aus germanischer Sicht waren aber die Römer Invasoren und Erzfeinde der Germanen, die ohne Gnade bekämpft werden mussten.
Die germanischen Stämme gerieten erst im 2.Jahrhundert v.Chr. in den Gesichtskreis der Römer. Im Laufe der letzten vorchristlichen Jahrhunderte brachen einige germanische Stämme zu Raubzügen auf. Anfangs hielten sie die Römer für Kelten, verstanden aber später, dass sie es mit einem anderen Volk zu tun hatten.
In den Jahren 55 und 53 v.Chr. unternahm Julius Caesar zwei Demonstrationsfeldzüge, um den Germanen die Macht der Römischen Republik vorzuführen. Aber die Römer hatten noch keine Eroberungsabsichten. Der Rhein blieb nach wie vor als militärische und politische Grenze erhalten.
Erst in den Jahren 30 v.Chr. - 14 n.Chr. wurde die Begradigung der Grenze zwischen Nordsee und Donau beschlossen.
Als Pufferzone gegen die germanischen Angriffe wurde die Errichtung einer Provinz unter Namen Germania magna(Großgermanien) geplant. Das römische Reich war zu jener Zeit schon riesengroß und die Römer waren nicht mehr imstande, die Neueroberungen erfolgreich zu verwalten. So änderten sie ihre Taktik und versuchten die germanische Welt durch Bestechungen und Begünstigungen zu erkaufen. Mit den größten germanischen Stämmen wurden Verträge abgeschlossen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung blieben nur wenige germanische Stämme völlig souverän. Sogar innerhalb einzelner Stammesfamilien gab es Anhänger und Gegner Roms. So stand der junge Cheruskerfürst Arminius im römischen Dienst und trug sogar eine Ritterwürde, obwohl er und sein Vater insgeheim antirömisch und rebellisch gestimmt waren. Sein Onkel und sein Schwiegervater führten eine römerfreundliche Politik durch.
Arminius sammelte in seinem Heer einige germanische Stämme und entschloss sich zu einem offenen Kampf. Er kannte die Stärken und Schwächen des römischen Heeres von innen. Dies half ihm, im Jahre 9 n.Chr. die römischen Legionen im Teutoburger Wald vernichtend zu schlagen. Dieser Sieg hatte eine weittragende Bedeutung für die ganze germanische Welt. Die römischen Truppen wurden an die Rheingrenze zurückgedrängt, zahlreiche Stämme bekamen die Unabhängigkeit. Es entstanden die Grundlagen für die spätere Herausbildung von Stammesverbänden, was in jener Zeit besonders wichtig war, denn die Römer wollten sich mit ihrer Niederlage nicht abfinden, und im Jahre 11 u.Z. begann die dritte römische Offensive. Viele germanische Stämme hatten sich zur Wehr gesetzt, geschlossene Reihen gab es jedoch nicht. Es gab Rivalitäten und Fehden im germanischen Familienkreis. Doch Germanien blieb frei. Nicht die Elbe wurde zur Grenze zwischen dem Römischen Reich und der germanischen Welt, wie sich das die Römer vorgestellt hatten, sondern der Rhein.
Die Römer fanden sich mit diesem Misserfolg ab und begannen im rechtsrheinischen Gebiet einen 540 Kilometer langen Limes aufzubauen. Am Limes entstanden zwei Provinzen: Obergermanien (Germania superior) und Niedergermanien (Germania inferior).
Viele Städte entwickelten sich in diesen Provinzen, u.a. Nymwegen, Xanten, Bonn, Augsburg, Straßburg, Bregenz, Salzburg und Wien. Die Vororte der Provinzen wurden Mainz (Moguntiacum) und Köln (Colonia Agrippina, benannt nach der Gemahlin des römischen Kaisers Klaudius).
Für eine lange Zeit kam es zu einer Art Koexistenz.
