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Die Ausgangspositionen für die deutsche Literatur nach 1945
Besondere Veränderungen erlebte die deutsche Literatur schon am Anfang des XX. Jhts. Die Begründer des kritischen Realismus in Deutschland H. und Th. Mann, L.Feuchtwanger und A.Zweig mussten begreifen, dass ihre Klasse – das Bürgertum – für die Leiden der Menschheit verantwortlich war. Sie schufen zu dieser Zeit national bedeutsame Romane und Erzählungen. Der I. Weltkrieg vereinigte einige Schriftsteller auf der Platform der Kriegsgegner.
Die späteren Jahre waren an vielen politischen Ereignissen reich. Die Novemberrevolution 1918, die Gründung der Weimarer Republik 1918 u.a. Diese Ereignisse bestimmten zwei entgegengesetzte Richtungen in der Literatur – eine offene reaktionäre Richtung und eine revolutionär-demokratische Richtung.
Es entwickelte sich eine maskierte Propaganda, die gefährlich für die deutsche Literatur und Kultur war. In den historischen Romanen und Dramen versuchten die neuen Schriftsteller die wahren Erscheinungen der Geschichte zu fälschen. Sie behaupteten zum Beispiel, dass die Deutschen eine Herrenrasse waren. Während des Faschismus waren nur die Schriftsteller anerkannt und offen vertreten, welche die faschistische Ordnung und das faschistische Regime verherrlichten. Es ist verständlich, dass das Jahr 1945 einen radikalen Abschnitt für die Literatur in Deutschland bedeutete. Es gab 1945 fünf verschiedene Hauptausgangspositionen für die Entwicklung der Literatur.
Die erste Gruppe bildeten die an den Rand gedrängten Vertreter des faschistischen Geistes. Zuerst verschwand die faschistische Literatur. Später aber bekamen die faschistischen Autoren in der westlichen Besatzungszone wieder die Möglichkeit, Literatur zu produzieren.
Die zweite Gruppe bilden aus dem Schweigen erwachte Dichter der inneren Emigration. Diese Dichter bewahrten unter der Nazidiktatur eine humane Innerlichkeit. Dazu gehörten G.Hauptmann, Bernhard Kellermann, Ernst Wiechert, Erich Kästner, Günter Wiesenborn. Es sind unterschiedliche Schriftsteller, die aus verschiedenen Gründen in Deutschland verblieben. Sie verband jedoch der Glaube, auf diese oder jene Weise mit Hitler auskommen zu können. Sehr bald mussten sie ihre Illusion aufgeben, dass es ihnen unter dem Faschismus möglich sein konnte, mit humanistischen dichtungen wirksam zu werden. Sie waren vom Leben und antifaschistischen Kampf isoliert.
Für die antifaschistischen Schriftsteller, die emigrierten, war es selbstverständlich, den Kampf gegen den Faschismus vom Ausland her zu unterstützen. Die Schweiz, Paris und Prag waren die ersten Zentren der Emigration. Als die Faschisten Frankreich überfielen, flüchteten viele schriftsteler in die USA oder nach Südamerika. Die meisten Antifaschisten zeigten in den Jahren der Emigration ihren Mut ind bestanden die schwere Lebensprüfung bis zum Ende. Die schwere moralische und materielle Lage im Exil, Hoffnungslosigkeit, kein fester Glaube an den Sieg führten einige Schriftsteller zu Depressionen und Verzweiflung.
Thomas Mann, Lion Feuchtwanger u.a., die die dritte Gruppe bilden, kehrten nach Deutschland nicht zurück. Deshalb bilden sie eine besondere Gruppe.
Die vierte Gruppe bildeten die Schriftsteller, die aus der Emigration zurückkehrten. J.R. Becher, Willi Bredel, B. Brecht, Ludwig Renn, A. Seghers, Erich Weinert, Fr. Wolf u.a. Sie alle hatten sich aktiv an dem Aufbau der antifaschistisch-demokratischen Ordnung beteiligt.
Die fünfte Gruppe waren die Schriftsteller, die während der faschistischen Diktatur in Deutschland blieben und am antifaschistischen Widerstandskampf teilnahmen (Bruno Apitz, Karl Grünberg). Sie unternahmen gleich nach der Zerschlagung des Faschismus die Aufgabe der Umerziehung des deutschen Volkes.
Mit der vierten und fünften Gruppe hatte die deutsche Literatur eine sehr produktive Basis für den gesellschftlichen Neuanfang.
Die DDR-Literatur
In allen Teilen Deutschlands hatte der Faschismus große Zerstörungen hintergelassen, sowohl materiell als auch ideell. Der 8. Mai 1945 wurde von allen demokratischen Kräften in Deutschland als ein geschichtlicher Wendepunkt betrachtet.
Das Potsdamer Abkommen zur Ausrottung des deutschen Faschismus schuf Bedingungen für eine neue Gestaltung des Lebens in Deutschland. Die Politik der westlichen Siegermächte verhinderte die Aktionen der Arbeiterklasse und ließ die ökonomischen und politischen Grundlagen des imperialistischen Deutschland im westlichen Teil ungetastet. Das führte zur Integration der westlichen Besatzungszonen und zur Spaltung Deutschlands.
Im September 1949 wurde die BRD gegründet und im Oktober 1949 die DDR.
Das Literaturangebot der ersten Periode war sehr bescheiden, was Neuerscheinungen betrifft. Im Juni 1953 wurde ein Versuch unternommen, das Rad der Geschichte zurückzubringen und eine Kontrrevolution zu organisieren. Dieser Versuch misslang. Der Volksaufstand wurde von sowjetischen Panzern niedergewalzt. Es begann der kalte Krieg zwischen den beiden deutschen Staaten. Im August 1961 wurde die BRD durch die Festigung der Grenzen der DDR endgültig isoliert. Und in Westberlin wurde eine Mauer errichtet, um den besonderen Status dieser Stadt zu behalten. Die Literatur der 50ger Jahre sollte die Schönheit und die Schwere des Kampfes um eine neue Ordnung in der DDR darstellen. Die Literatur sollte die Menschen dazu bewegen, sich für diese Gesellschaft zu entscheiden und an den gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen. Die historischen Ereignisse des Jahres 1953 wurden widergespiegelt in den Werken von Hermann Kant („das Impressum“), von Erik Neutsch („Auf der Suche nach Gott“). In den 50ger Jahren findet der erste große Auftritt junger Autoren statt, die das Profil der DDR-Literatur mitbestimmten: Erwin Strittmatter, Dieter Noll, Bruno Apitz. Die große Gruppe der Literaturwerke beschreibt, wie die Menschen bürgerlicher Herkunft in dem sozialistischen Alltag ankommen und versuchen der Gesellschaft nützlich zu werden.
Die Literatur in den 60ger Jahren hat die Aufgabe die Leser auf den sozialistischen Alltag zu orientieren. In dieser Zeit begannen die Schriftsteller die erste realistische Widerspiegelung des Alltags. Bernhard Seeger schrieb 1961 „Herbststrauch“, Brigitte Reimann 1963 - „die Geschwister“, Erwin Strittmatter – „Ole Bienkopp“, Christa Wolf – „Der geteilte Himmel“, Hermann Kant – „die Aula“. Diese Werke zeigen historische Veränderungen und ihre Bedeutung für die Persönlichkeitsbildung.
In den 70ger Jahren beginnen in der DDR-Literatur neue Tendenzen, die hervorgerufen waren durch die gesellschaftlichen Veränderungen. Die Literatur wird durch die Politik des Staates bestimmt. Und in den 80ger Jahren hat die Literatur die Aufgabe, neue sozialistische Persönlichkeit zu erziehen. Was nicht ohne Schwierigkeiten verläuft, denn nicht jeder Bürger des Staates kann seinen Platz und und seine Rolle bestimmen. Die Menschen werden am Ideal orientiert. Dieses Ideal stimmt aber nicht immer mit dem realen Sozialismus überein. Die Widersprüche sehend beginnen sie an der Richtigkeit des Ideals zu zweifeln. Die Literatur der 70ger und 80ger Jahre bringt neue Themen und Probleme und versucht auf eine neue Weise, die Wirklichkeit darzustellen. Es entsteht ein neues Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Leser. Der Schriftsteller tritt nicht mehr als der wissende Lehrer auf. Er weiß, wie eine Geschichte beginnt, macht sich aber mit dem Leser auf den Weg, das Schicksal seiner Helden zu erkunden, wobei der Autor dem Leser eine Möglichkeit gibt, selbst auf Fragen zu Antworten.
Die BRD-Literatur
Am ersten Schriftstellerkongress im Oktober 1947 nahmen auch einige Schriftsteller aus den westlichen Zonen teil. Es war das einzige gesamtdeutsche Schriftstellertreffen. Danach trennten sich die Wege der DDR- und der BRD-Schriftsteller. Ihren kulturellen Ausdruck fand diese Trennung in der Amerikanisierung des deutschen Kulturlebens. Sie wurde eine Folge des Marshallplans, der neben der Dollarhilfe auch den kulturellen Einfluß der USA vorsah. Zuerst fanden nur wenige Autoren Aufmerksamkeit: H.Mann, A.Zweig, A.Döblin, L.Frank, L.Feuchtwanger. Die Autoren, die den Krieg und den Faschismus als Soldaten erlebt hatten, berichteten in ihren Werken über ihre Vergangenheit: Alfred Andersch, Hans-Werner Richter. Zwischen 1945-1949 gab es in allen Gattungen Ansätze zu einer realistischen literarischen Darstellung von Faschismus und Krieg, besonders in der Prosa. Wichtige Autoren waren W.Borchert, H.Böll, W.Kolbenhoff.
Die 60ger Jahre waren für die BRD die Zeit einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Krise. Selbstzweifel, insbesondere innerhalb der jungen Generationen, unter Intellektuellen und auch unter den Arbeitern wurde durch innen- und außerpolitische Faktoren geweckt:
Die Bildungskatastrophe in der BRD;
Die sozialen Kämpfe in der dritten Welt;
Der Krieg in Vietnam, der bei der jungen Generation Empörung hervorrief;
Die ökonomische Krise der Jahre 66-67, die Massenentlassungen brachte.
Die Autoren begriffen, dass das Bild der freischwebenden Intellektuellen, die fern von den sozialen Auseinandersetzungen ihrer Zeit nur eigenen schöpferischen Impulsen folgen, ein Druckbild ist. Die Schriftsteller Günter Grass und Siegfried Lenz engagieren sich für Sozialdemokratie. Martin Waiser und Peter Weiß nähern sich sozialistischen Positionen. Der Trennung von Kunst und Politik als Kennzeichen der 50ger Jahre folgt in den 60ger die Politisierung der Literatur. Ausdruck findet sie in der politischen Lyrik dieser Zeit. Autoren wie Erich Fried, Franz Josef Dagenhard drücken in ihren Gedichten ihtre politische Haltung aus. Es entstehen zahlreiche Bühnenstücke mit ausdrücklich politischer Thematik.
In der zweiten Hälfte der 70ger Jahre wurde eine Verschärfung der Zensurbestimmungen von der Bundesregierung für literarische Werke beschlossen. 1980 wird diese Bestimmung zurückgenommen. Und die Shriftsteller reagierten in ihren Werken auf die Situation im Land. Die Literatur machte auch starke Betonung auf die individuellen Interessen und Motivationen. Es entstehen Autobiographien, Frauenliteratur. In der Frauenliteratur gibt es Texte unterschiedlicher Art (Lyrik, Publizistik, Drama, Roman).
