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Biedermeier und Vormärz (1815-1848)
Die Schwierigkeiten, für die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1814-1815 und dem Jahr der Märzrevolution 1848 einen Epochenbegriff zu finden, sind in der Widersprüchlichkeit dieser Jahrzehnte begründet.
Nicht ohne Grund empfanden viele Dichter und Schriftsteller diese Zeit als Übergangsperiode, in der starke kulturelle Traditionen der Vergangenheit mit den zukunftweisenden Ideen zusammenstießen. Das Hauptmerkmal der Zeit ist die Gleichzeitigkeit von der Restauration und der oppositionellen Gruppen. Die Restauration verbindet sich mit einer Tendenz zum Rückzug in die Sphäre der im Christentum verwurzelten Familie, zum Widerstand gegen Neuerungen und zur Aufbewahrung der alten Literaturtraditionen. Diese nach rückwärts gewandte Tendenz versucht man mit dem Begriff „Biedermeier“ zu erfassen. Das Wort „Biedermeier“ erschien zum erstenmal in der Benennung des Sammelbandes von dem Dichter L.Eichrodt, wo er Engstirnigkeit und Kleinlichkeit der deutschen Bürger auslachte (Biedermeier ist ein Name). Das Wort wurde schnell verbreitet und man gebrauchte es für die Bezeichnung eines Möbelstils, eines Stils in der Malerei und auch einer Richtung in der Literatur. Die Schriftsteller, Vertreter der Biedermeierrichtung, stellten alltägliches Leben des deutschen Bürgers dar, beschrieben die Natur.
Biedermeier basiert auf Überzeugung, dass man in der von Staat und Politik abgesonderten idyllischen kleinenWelt der Familie und der Heimat die Lebenserfüllung finden kann. Die Gattungsvielfalt ist der erste Haupteindruck, wenn man versucht sich einen Überblick über die literarische Landschaft der Biedermeierzeit zu verschaffen. Unter den Vertretern dieser Periode kann man solche Namen nennen: Eduard Mörike, Nikolaus Lenau, Friedrich Rückert u.a.
Andererseits war überall die kommende Revolution zu spüren. Die Literatur konnte hier nicht abseits stehen. Viele bürgerliche Dichter schrieben Gedichte, in denen sie demokratische Rechte und Freiheiten fürs Volk forderten. Sie wollten ihr Volk auf die Revolution vorbereiten. Zu dieser Bewegung, die Vormärz hieβ, gehörten: Ferdinand Freiligrath, Georg Herwegh, Georg Weerth u.a. Zu dieser Gruppe wird indirekt auch H.Heine gezählt. Er lebte zur Zeit in Paris und nahm mit seinen Dichtungen Anteil an der politischen Ereignissen in Deutschland.
Heines Meisterwerk „Deutschland. Ein Wintermärchen.“ Bildet den Gipfel der deutschen Freiheitsdichtung in der Zeit des Vormärz. Dieses Poem hat Heine 1844, also am Vorabend der bürgerlichen Revolution geschrieben. Die Dichtung wirft zwei Probleme auf: Darstellung der deutschen Wirklichkeit und parallel entwickelt sich das andere Thema: wie soll Deutschland nach der revolutionären Veränderung aussehen.
Heine kan man auch als Romantiker bezeichnen. Er schrieb viele romantische Gedichte, voll Gefühl und Liebe. Er war aber auch Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit.
Die Literatur nach 1848
Nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution verlor die Bürgerliche Literatur an Bedeutung. Die bürgerlichen Dichter wurden mit den gesellschaftlichen Verhältnissen nicht fertig. Vor dem sich entwickelnden Kapitalismus hatten sie Angst, weil sie seine Kunstfeindlichkeit spürten. Und ihre bürgerliche Herkunft trennte sie vom Proletariat.
Die bürgerliche Intelligenz ergriff tiefer Pessimismus, was sich besonders in der Philosophie A.Schopenhauers ausdrückte. Nach seiner Philosophie war die Klassengesellschaft eine Tatsache, welche man nicht ändern kann.
Nach 1848 spalten sich die bürgerlichen Dichter in drei Gruppen:
die Vertreter der 1. Gruppe sind enttäuscht und nehmen am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teil
die 2. Gruppe verbindet sich mit dem Kapitalismus, ihre Vertreter sind für ein Bündnis zwischen dem Adel und Bürgertum, und sie verraten damit die großen Traditionen der bürgerlichen Literatur
die 3. Gruppe bewahrt die Traditionen der bürgerlichen Literatur, übt Gesellschaftskritik und nähert sich dem ktitischen Realismus.
Einer der grössten Vertreter der 3. Gruppe war Friedrich Hebbel. Er stammte aus Handwerkerkreisen. Um seine Familie zu unterstützen arbeitete er als Schreiber bei einem Geistlichen. Hier las er viel und bemühte sich um seine Ausbildung. 1836 begann er das Jurastudium, er hörte auch Vorlesungen in Philosophie und Literatur. Noch vor dem Studium schrieb er Gedichte, vor allem Naturlyrik, wie es für die Romantik üblich war. 1855 erschienen in einem Sammelband seine Novellen und Erzählungen. Seine berühmteste Novelle war „Anna“. In vielen Novellen gebrauchte Hebbel einen traurigen Ton, weil er für sich keinen Ausweg aus der gesellschaftlichen Lage fand. Zu seinen bekannten werken gehören: „Judith“, „Maria Magdalene“, „Julia“.
Von großer Bedeutung ist seine Nibelungen-Trilogie (1862), wo er die Handlung des mitteralterlichen Heldenliedes gestaltete.
Theodor Storm stammte aus einer Rechtsanwaltsfamilie, er studierte selber Jura und sowohl als Jurist als auch als Dichter war er Vertreter einer strengen bürgerlichen Moral. Der Verfall der Moral bedeutete für ihn Verfall der Gesellschfaft.
Er schrieb großartige Novellen („Immensee“, „Renate“), Märchen. Er wandte sich gegen den Aberglauben, gab Beispiele für Fleiß und Gerechtigkeit. Er konnte aber mit seinen Gestalten die Umwelt nicht ändern.
Zur 3. Gruppe gehören weiter Wilhelm Raabe, Gottfried Keller, Theodor Fontane.
