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3. Allgemeine Punkte des deutschen Lebens.

Das deutsche Volk ist aus einer Anzahl von Stämmen zusammengewachsen. Ehe es Deutsche gab, waren da viele Stämme: Franken und Sachsen, Bayern und Schwaben, Rheinländer und Mecklenburger usw., die von ihrem Deutschsein noch nichts wussten. Sie unterschieden sich voneinander in ihrer Lebensweise, ihren Gewohnheiten und Charakterzügen. Die Namen der Stämme wurden später auf Benennungen der Regionen übertragen, in denen diese Stämme lebten. So entstand der Begriff „Länder“. Obwohl die alten Stämme in ihrer ursprünglichen Gestalt längst nicht mehr vorhanden sind, leben ihre Traditionen (darunter auch Dialekte) in geschichtlich gewachsenen regionalen Gruppen fort. Das spürt man in Deutschland noch heute.

Unterschiedliche charakteristische Eigenschaften werden den in verschiedenen Regionen lebenden Volksgruppen von alters her zugeschrieben. So gelten die norddeutschen Volksgruppen als verschlossen; eine ausländische Aspirantin aus Kiel charakterisierte die Mentalität dortiger Menschen mit „Thermoskanne“: außen kalt, jedoch innen warm. Den Schwaben sagen die Deutschen nach, sie seien sparsam und geizig. Die Westfalen gelten als schwerblütig, die Rheinländer als leichtlebig und lebenslustig, die Sachsen als gutmütig und fleißig, aber pfiffig. Der Berliner ist redegewandt; beim Streit kann man ihn nicht überreden.

Insgesamt wirken die Deutschen tüchtig, gründlich, zuverlässig, ernst, aber auch schwerfällig, pedantisch, rechthaberisch. Ausländer wünschen ihnen meistens mehr Heiterkeit, mehr Leichtigkeit.

Die Deutschen sind in ihrer Mehrheit ehrgeizig; aber sie erwarten nicht immer, an die Spitze zu kommen; und noch weniger rechnen sie damit, plötzlich durch einen Glückszufall reich zu werden.

Allgemeine Punkte des deutschen Lebens

Niemand kann beschreiben, wie „die Deutschen“ heute leben. Es gibt große regionale Unterschiede, verschiedene Gesellschaften, mehrere Generationen und unterschiedliche Lebensansichten. Die Religion, die Herkunft, der Beruf, die Politik beeinflussen die Menschen. In Berlin sieht die Welt anders aus als in München, in der Großstadt anders als auf dem Lande. Es gibt jedoch einige allgemeine Punkte des deutschen Lebens, die man hervorheben kann.

Deutschland ist ein Industrieland. Es hat die Lebensbedingungen und die Probleme aller Industrieländer. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Die Bundesrepublik ist ein kleines Land, das sehr dicht bevölkert ist. Land ist knapp. Wer sich ein eigenes Haus kaufen will, muss sehr viel für den Grund und Boden ausgeben. Wer sich einmal ein Haus kauft, hat vor, den Rest seines Lebens darin zu wohnen. Die Entfernungen sind klein, verglichen mit den USA.

Die Deutschen und die Zeit

Deutsche lassen sich von der Zeit beherrschen. Die Frage nach der Zeit lautet nicht nur „Wie viel Uhr ist es?“ sondern „Wie spät ist es?“. Für Deutsche ist die Zeit ein wichtiger und kostbarer Faktor bei Gesprächen und Verhandlungen, ihre sorgfältige Einteilung erhöht die Effizienz des Gesprächs. Die Beziehung zum Gesprächspartner spielt eine eher untergeordnete Rolle. Sie herzustellen kann u. U. auch als Zeitverschwendung wahrgenommen werden. Dementsprechend ziehen Deutsche in der Regel konkrete und schnelle Einführungen langen, in ihren Augen „unproduktiven“ und „zeitraubenden“ Gesprächen vor. „Kommen wir zur Sache“ ist ein Signal, das oft schon nach kurzer Zeit (30 Sekunden bis eine Minute) gegeben wird. Besprechungstermine werden sorgfältig ausgehandelt und entsprechend ernst und genau genommen. Sie werden selten geändert oder abgesagt und wenn, dann nur mit einem triftigen Grund, der zusammen mit der Entschuldigung rechtzeitig telefonisch, per Fax oder E-Mail bekanntgegeben wird. Gelingt es, einen Termin mit einer wichtigen Person festzulegen, dann erfolgt die gewünschte Besprechung in aller Ruhe – es gibt keine Unterbrechung durch Anrufe oder Mitarbeiter. Bei Konferenzen und Besprechungen wird das Telefon abgeschaltet und umgestellt, so dass es zu keiner polychronen Situation kommt.

Wichtig ist die Zeitdauer des Gesprächs, die oft bereits bei der Terminvereinbarung angegeben bzw. ausgehandelt wird. Spricht der deutsche Ansprechpartner von einer halben Stunde, dann meint er dies in der Regel auch.

Stellung der deutschen Frau heute

In den 50er-Jahren dominierte die Hausfrauen-Ehe: der Mann ging arbeiten und die Frau kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Der Mann hatte das Sagen, die Frau war von ihm abhängig. Dagegen kämpften vor allem die Feministinnen der 70er-Jahre. Mit Erfolg. Heute gehen sechs von zehn Müttern arbeiten. Die Männer beteiligen sich an der Hausarbeit und Betreuung der Kinder. Inzwischen nutzt sogar jeder fünfte Vater in Deutschland das sogenannte Elterngeld. Das Geld bekommt, wer nach der Geburt mit dem Baby zu Hause bleibt – egal, ob Mutter oder Vater. Die meisten Väter bleiben zwar nur zwei Monate zu Hause, aber es ist ein Signal für mehr Gleichgerechtigkeit.

Eine gute Ausbildung ist heute für Frauen genauso selbstverständlich wie für Männer. 2008 hatten 73 Prozent der jungen Frauen einen mittleren oder höheren Schulabschluss. Bei den jungen Männern waren es nur 63 Prozent. 52 % der Studierenden an deutschen Universitäten sind weiblich.

Jedoch werden Frauen im Berufsleben in Deutschland besonders benachteiligt: im Durchschnitt verdienen sie 23% weniger als Männer. In Deutschland gibt es kaum weibliche Chefs. Nur 27% aller Führungskräfte sind weiblich. Ein Grund dafür ist, dass sich Frauen noch immer stärker um Familie und Haushalt kümmern als Männer.

Häufiger als in der Wirtschaft machen Frauen in der Politik Karriere. Seit 2005 regiert Bundeskanzlerin Angela Merkel. 32% der Abgeordneten im Bundestag sind Frauen und es gibt eine ganze Reihe von Ministerinnen.

Eine „typische“ deutsche Woche

Montag ist Waschtag. In fast jedem Haushalt laufen die Waschmaschinen auf Hochtouren. Die Wäsche wird oft schon am frühen Morgen gewaschen, damit man sie am Nachmittag und Abend gleich bügeln kann. Das ist möglich, wenn die Wäsche im Wäschetrockner oder – bei schönem Wetter – im Freien getrocknet wird.

Der Dienstag hat keine Besonderheiten. Oft wird an diesem Tag noch die restliche Wäsche gebügelt und in die Schränke sortiert.

In ländlichen Gegenden ist für den Mittwoch charakteristisch, dass die kleinen Läden, Behörden und auch viele Arztpraxen am Nachmittag geschlossen sind. Zum Ausgleich dafür sind viele Behörden, Arztpraxen und Banken am Donnerstagabend etwas länger geöffnet. Dies ist praktisch, weil man für einen Termin nicht extra die Arbeit früher beenden muss, was nicht immer möglich ist.

Der Freitag ist für viele Leute der letzte Arbeitstag der Woche. An diesem Tag können viele von der Arbeit früher nach Hause gehen. So nützen die Leute den Freitagnachmittag gerne zum Einkaufen in den Supermärkten. Es wird auch viel auf Vorrat gekauft. Am Sonntag sind die Geschäfte geschlossen. Und es darf nichts fehlen!

In Deutschland gibt es ein Gesetz, das die Öffnungszeiten begrenzt. Da am Sonntag nur die teuren Restaurants und die Tankstellen mit einem kleinen, teuren Sortiment zur Verfügung stehen, muss man immer rechtzeitig an die Einkäufe denken.

Am Samstag wird allgemein viel geputzt. In Mehrfamilienhäusern muss jeder Bewohner nach einem vorher festgelegten Plan das Aufräumen und Reinigen besorgen. Wer an der Reihe ist, ist verantwortlich dafür, dass es im Treppenhaus und um das Haus herum sauber ist. Im Winter gehört auch das Schneeräumen dazu. Viele Deutsche lieben ihren Garten über alles. Der Garten ist neben dem Auto des Deutschen liebstes Hobby. Man sieht die Leute vor allem am Samstag viel im Garten arbeiten, das Auto waschen und Renovierungsarbeiten ausführen.

Der Sonntag ist der Ruhetag. Am Sonntag erholen sich die Leute, sie genießen diesen Tag immer ganz besonders. Viele schlafen sich aus. Christen gehen am Sonntagvormittag zum Gottesdienst. Nachmittags trifft man sich mit Verwandten, Freunden oder Bekannten zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Kuchenessen, oder man macht kleiner Ausflüge. Das Leben der Deutschen spielt sich kaum auf der Straße ab.

Die Deutschen sind gerne zu Hause, natürlich sind sie auch viel mit dem Auto unterwegs oder gehen spazieren, oder machen Besuche.

Den Tag beschließen sie – wie jeden Tag – mit Bibellesen, geistlichen Liedern und Gebet. Also, man muss nun ran an die Wäscheberge.

Stark ist in Deutschland die „Wanderlust“, das „Fernweh“. Ein Deutscher hat das Gefühl, er müsste die Welt kennen lernen. Es gibt genug deutsche Abenteuer, die mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad um die Welt fahren, und die meisten Deutschen reisen und wandern gern. Man kann diese Wanderlust einen Freiheitsdrang nennen. Der Deutsche schätzt die feste Ordnung und die Tradition, aber er liebt ebenso seine Unabhängigkeit. Alle jungen Menschen ergreift einmal die Abenteuerlust.