§2. Die vorgestellte apposition
(GEBRAUCH DES ARTIKELS; DEKLINATION)
1. Die Berufsbezeichnungen, die als Prädikativ stehen, werden ohne Artikel gebraucht.
Herr Wenzel war Internist und Röntgenologe.
Katrin ist jetzt Hausfrau. Im Krieg war sie Krankenschwester.
Wenn aber eine Berufsbezeichnung einem Eigennamen vorangeht, so wird sie meistens mit dem bestimmten Artikel gebraucht, z. B.:
Der Röntgenologe Wenzel war eine internationale Kapazität.
In diesem Fall tritt die Berufsbezeichnung im Satz als vorgestellte Apposition auf. Bei der Deklination wird die vorgestellte Apposition dekliniert und nicht der Eigenname, z. B.:
Die wissenschaftlichen Arbeiten des Röntgenologen Wenzel erregten in Fachkreisen großes Aufsehen.
Nun kommen die Übungen. Das Sprachmaterial dafür ist Leonhard Franks Roman „Die Jünger Jesu“ entnommen. Hier ist seine kurze Inhaltswiedergabe.
Übung 1. Lesen Sie die kurze Inhaltswiedergabe von Leonhard Franks Roman „Die Jünger Jesu“. Sprechen Sie anhand dieser Inhaltswiedergabe über die zwei Handlungslinien des Romans.
Es sind nur noch zwei knappe Jahre seit dem Ende des Krieges vergangen. Die Stadt Würzburg, zerstört durch amerikanische Brandbomben, liegt nach wie vor in Schutt und Asche. Die Einwohner der Stadt leiden äußerste Not. Elf zerlumpte hungrige Würzburger Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren haben sich in der geheimen Organisation „Die Jünger Jesu“ zusammengetan, um auf eigene Faust an der Bevölkerung Wohltätigkeit zu üben. Sie nennen sich die Vollstrecker der Gerechtigkeit. Ihre Parole ist : „Von den Reichen nehmen, die alles haben, und den Armen geben, die nichts haben.“
Die andere Handlungslinie des Romans ist die Frage nach der Schuld und Verantwortung der Hitleranhänger, die in Nachkriegszeit in den Westzonen zu Tausenden unbestraft lebten. Die neunzehnjährige Ruth Freudenheim, die im Laufe von zwei Jahren in einem Bordell für deutsche Soldaten mißhändelt wurde, kehrt nach dem Zusammenbruch des Hitlerfaschismus in ihre Heimatstadt zurück und vollzieht selbst Strafe am Mörder ihrer Eltern, dem ehemaligen Nazi Zwischenzahl, da er von der deutschen Justiz für seine Mordtat nicht bestraft worden ist. Sie wird dafür vor Gericht gestellt.
Und nun die Übungen!
Übung 2. Stimmen Sie dem Gesagten zu.
Muster: Herr Hohlfuß war Zimmermaler. Er war schwer krank. Stimmt es? – Ja, der Zimmermaler Hohlfuß war schwer krank.
Sein Gesundheitszustand ließ viel zu wünschen übrig, nicht wahr? – Ja, der Gesundheitszustand des Zimmermalers Hohlfuß ließ viel zu wünschen übrig.
1. Herr Stumpf war Metzgermeister. Früher besaß er ein großes Geschäft. Stimmt es? 2. Und nach dem Krieg war sein Laden leer, nicht wahr? 3. Herr Himmelhoch war Baumeister. Wenn ich mich nicht irre, besaß er drei warme Wintermäntel. 4. Und sein Kamelhaarmantel war der einzige in der ganzen Stadt. Stimmt es? 5. Zwischenzahl war Schwarzmarkthändler. Er war, glaub‘ ich, ein gewissenloser Lump. 6. Seine Spekulationen wurden bald zum Gesprächsstoff in der ganzen Stadt. Stimmt es? 7. Hans Frank war Schriftsetzer. Wenn ich mich nicht irre, wurde er als Augenzeuge vor Gericht geladen. 8. Mir scheint, daß seine Aussagen für die Urteilsfindung von großer Bedeutung waren.
2. Merken Sie sich die Wörter, die in der vorgestellten Apposition meist ohne Artikel stehen. Das sind: Doktor, Professor, Direktor, Frau, Fräulein, Lehrer, Kapitän und ähnliche. Diese Wörter werden als vorgestellte Apposition nicht dekliniert. Die Kasusendung, d.h. „-es“ im Genitiv, übernimmt der darauffolgende Eigenname.
Übung 3. Stimmen Sie dem Gesagten zu.
Muster: Herr Buck war Doktor der Philosophie. Er war ein großer Wissenschaftler. Stimmt es? – Ja, Doktor Buck war ein großer Wissemschaftler.
Über seine Arbeiten wurde in den philosophischen Zeitschriften Europas viel diskutiert. Nicht wahr? – Ja, über Doktor Bucks Arbeiten wurde in den philosophischen Zeitschriften Europas viel diskutiert.
1. Herr Häberlein war Professor. Er unterrichtete an der Würzburger Universität Geschichte. Stimmt es? 2. Obwohl kein Nazimitglied, war Herr Häberlein durchaus nationalsozialistisch gestimmt. Seine Ansichten über den Krieg waren nationalistischer Natur, nicht wahr? 3. Da ist noch ein getarnter Nazi, Lehrer Scharf. Stimmt es, daß auch er viele Ansichten der Nazis teilte? 4. Und sein Sohn war sogar der Führer der Würzburger Hitlerjugend, nicht wahr? 5. Herr Lieban war Kapitän der amerikanischen Armee. Als Stadtkommandant mußte er in Würzburg Ordnung schaffen. Stimmt es? 6. War es seine Idee, das öffentliche Verhör des Diebes zu veranstalten?
Fühlen Sie sich jetzt sicher genug im Gebrauch der vorgestellten Apposition ohne Artikel? Dann versuchen Sie Ihr Können in der 2. Variante; das Bezugswort wird vor der betreffenden Gruppe gebraucht, z.B.: die Arbeiten Doktor Bucks.
Übung 4. Beantworten Sie die folgenden Fragen bejahend.
Muster: Wurde über Doktor Bucks Arbeiten in den Zeitschriften Europas diskutiert? – Ja, über die Arbeiten Doktor Bucks wurde in den Zeitschriften Europas diskutiert.
1. Waren Professor Häberleins Ansichten über den Krieg nationalistischer Natur? 2. War Lehrer Scharfs Sohn der Führer der Würzburger Hitlerjugend? 3. War es Kapitän Liebans Idee, das öffentliche Verhör des Diebes zu veranstalten? 4. War Frau Bachs Mann in Spanien gefallen? 5. War Fräulein Freudenheims Rache am Mörder ihrer Eltern berechtigt?
3. In diesem Teil wird nur ein Wort behandelt, und zwar Herr. Ein ganzes kurzes Wort, das aber viel zu schaffen macht, besonders wenn es im Genitiv steht. Zunächst aber etwas Einfacheres: Herr im Dativ und im Akkusativ.
Als Apposition steht das Wort Herr ohne Artikel, wird jedoch schwach dekliniert, d. h. bekommt die Kasusendung –n, z. B.:
Ich teilte es schon Herrn Schmidt mit.
Ich rief schon Herrn Schmidt an.
Übung 5. Beantworten Sie die folgenden Fragen bejahend.
Muster: Her Krummbach war ein armer alter Mann. Haben nicht ihm die Jünger Jesu ein Paar Schuhe geschenkt? – Ja, die Jünger Jesu haben Herrn Krummbach ein Paar Schuhe geschenkt.
1. Herr Stumpf besaß zwei prächtige Wolldecken. Haben die Jünger Jesu ihm eine Wolldecke gestohlen? 2. Herr Stumpf hatte aber nichts dagegen. Hatten die Jünger Jesu danach Respekt vor ihm? 3. Herr Groß war Frauenarzt. Einmal untersuchte er sehr genau Ruth Freudenheim. Hat Martin ihm darum gebeten? 4. Herr Fröhlich war auf dem Marktplatz, als dort die Freudenheims ermordet wurden. Hat man ihn als Zeuge vor Gericht geladen?
Im Genitiv wird nicht nur das Wort Herr, sondern auch der darauffolgende Eigenname dekliniert, z.B.:
Herrn Bucks Zweifel waren nicht umsonst.
Nun wird geübt. Vergessen Sie nicht in der daraufkommenden Übung das Possessivpronomen durch die entsprechende Wortgruppe im Genitiv zu ersetzen. Also: Anstatt seine Zweifel sagen Sie Herrn Bucks Zweifel.
Übung 6. Beantworten Sie die folgenden Fragen bejahend.
Muster: Herr Buck zweifelte daran, daß Ruth Freudenheim in diesem Prozeß überhaupt angeklagt werden dürfte. Waren seine Zweifel berechtigt? – Ja, Herrn Bucks Zweifel waren berechtigt.
1. Herr Schollenbruch hatte einen Sohn. War sein Sohn auch Mitgleid der geheimen Organisation „Die Jünger Jesu“? 2. Herr Himmelhoch konnte nicht den Verlust seines Mantels verwinden. War sein Wintermantel aus Kamelhaar? 3. Herr Krummbach wohnte im Keller eines halbzerstörten Hauses. War nicht die Witwe Hohner seine Nachbarin? 4. Die Jünger Jesu schenkten die so schwer erworbene Mechanikerhose Herrn Krummbach. War seine eigene Hose vollkommen unbrauchbar geworden?
So war es richtig!
Übung 2, Seite 18.
1. Ja, der Metzgermeister Stumpf besaß ein großes Geschäft. 2. Ja, nach dem Kriege war der Laden des Metzgermeisters Stumpf leer. 3. Ja, der Baumeister Himmelhoch besaß drei warme Wintermäntel. 4. Ja, der Kamelhaarmantel des Baumeisters Himmelhoch war der einzige in der ganzen Stadt. 5. Ja, der Schwarzmarkthändler Zwischenzahl war ein gewissenloser Lump. 6. Ja, die Spekulationen des Schwarzmarkthändlers Zwischenzahl waren bald zum Gesprächsstoff in der ganzen Stadt. 7. Ja, der Schriftsetzer Hans Frank wurde als Augenzeuge vor Gericht geladen. 8. Ja, die Aussagen des Schriftsetzers Hans Frank waren für die Urteilsfindung von großer Bedeutung.
Übung 3, Seite 19.
1. Ja, Professor Häberlein unterrichtete an der Würzburger Universität Geschichte. 2. Ja, Professor Häberleins Ansichten über den Krieg waren nationalistischer Natur. 3. Ja, Lehrer Scharf teilte auch viele Ansichten der Nazis. 4. Ja, Lehrer Scharfs Sohn war der Führer der Hitlerjugend. 5. Ja, Kapitän Lieban mußte als Stadtkommandant in Würzburg Ordnung schaffen 6. Ja, es war Kapitän Liebans Idee, das öffentliche Verhör des Diebes zu veranstalten.
Übung 4, Seite 19.
1. Ja, die Ansichten Professor Häberleins über den Krieg waren nationalistischer Natur. 2. Ja, der Sohn Lehrer Scharfs war der Führer der Würzburger Hitlerjugend. 3. Ja, es war die Idee Kapitän Liebans, das öffentliche Verhör des Diebes zu veranstalten. 4. Ja, der Mann Frau Bachs war in Spanien gefallen. 5. Ja, die Rache Fräulein Freudenheims am Mörder ihrer Eltern war berechtigt.
Übung 5, Seite 20.
1. Ja, die Jünger Jesu haben Herrn Stumpf eine Wolldecke gestohlen. 2. Ja, die Jünger Jesu hatten danach Respekt vor Herrn Stumpf. 3. Ja, Martin hat Herrn Groß darum gebeten. 4. Ja, man hat Herrn Fröhlich als Zeuge vor Gericht geladen.
Übung 6, Seite 20.
1. Ja, Herrn Schollenbruchs Sohn war auch Mitglied der geheimen Organisation „Die Jünger Jesu“. 2. Ja, Herrn Himmelhochs Wintermantel war aus Kamelhaar. 3. Ja, Herrn Krummbachs Nachbarin war die Witwe Hohner. 4. Ja, Herrn Krummbachs eigene Hose war unbrauchbar geworden.
