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5.2. Synonyme

5.2.1. Theoretische Probleme der Synonymie

Der Synonymiebegriff hat in der Geschichte der Sprachwissenschaft eine lange Tradition. Nach herkömmlicher Ansicht spricht man dann von Synonymie, wenn zwei oder mehr Wörter dieselbe Bedeutung haben. Die traditionelle klassische Definition der Synonyme, die von vielen deutschen (L. Sütterlin, K. Ammer, W. Schmidt u.a.) und ex­sowjetischen (E.M. Galkina-Fedoruk, A.A. Reformazki u.a.) Sprachforschern vertreten wird, als Wörter von unterschiedlicher Lautgestalt mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung lebt im Prinzip zum Teil bis heute fort.

Diese Definition ist aber zu allgemein, was Missverständnisse oder sogar die vollständige Negation dieser Erscheinung zur Folge haben kann. Nicht zufällig vertritt der bekannte deutsche Sprachforscher Fr. Dornseiff den Standpunkt, dass es überhaupt keine Synonyme gibt. Dieses zu beweisen, versucht er mit der Anekdote folgenden Inhalts: Ein unfähiger Botschafter kommt zu seinem Vorgesetzen zurück ... Der Botschafter entschuldigt sich: „Ja, die deutsche Sprache ist so schwer, immer bedeuten zwei Wörter das Gleiche: speisen und essen, springen und hüpfen, schlagen und hauen, senden und schicken". Darauf der Chef: „Das stimmt nicht. Eine Volksmenge kann man speisen, aber nicht essen, eine Tasse springt, aber sie hüpft nicht, die Uhr kann schlagen, aber nicht hauen, und Sie sind ein Gesandter, aber kein Geschickter" ...

Die Mangelhaftigkeit (der oben angeführten Definition) besteht also darin, dass sie vom Wort als Ganzem ausgeht, während die Wörter vieldeutig sein und in synonymische Beziehungen zueinander auch nur in einer Bedeutung treten können, z.B.:

<1. nicht jung - Syn. „bejahrt"

2. nicht neu - Syn. „verbraucht"

3. nicht frisch - Syn. „faul"

M.D. Stepanova und LI. Cernyseva bedingen die Synonymie mit dem Vorbehalt, dass bei der Ermittlung der synonymischen Beziehungen unbedingt die mögliche Polysemie des Wortes berücksichtigt werden soll, da die vieldeutigen Wörter in synonymische Beziehungen nur in einer lexisch-semantischen Variante treten können.

Die Berücksichtigung dieses Umstandes löst das Problem der Synonymie auch nicht. Die Wörter „laufen" und „(das) Laufen" bzw. „(der) Lauf haben dengleichen begrifflichen Gehalt, d.h. diegleiche Semantik, sind jedoch keine Synonyme, weil sie einander funktional nicht ersetzen können, insofern sie verschiedenen Wortarten angehören. Darum schlägt der tschechische Sprachwissenschaftler J. Filipec vor, bei der Definition der Synonyme dieser Tatsache unbedingt Rechnung zu tragen.

Damit scheint aber das Problem der Synonymie auch noch nicht erledigt zu sein. Wenn man in Betracht zieht, dass die Wortbedeutungen in der semantischen Struktur des Wortes hierarchisch nicht gleichwertig sind, so ergeben sich dadurch neue Schwierigkeiten. Das Adjektiv „alt" hat etwa 20 Bedeutungen, darunter solche wie „nicht jung" („bejahrt"), „nicht neu" („verbraucht"), „ehemalig" („einstig"), „derselbe" („wie früher"). Sogar intuitiv widerstrebt sich unser Sprachgefühl, die Wörter „alt" und „derselbe" als bedeutungsgleiche oder -ähnliche Wörter aufzufassen, während die Wörter „alt" und „bejahrt" als regelrechte Synonyme wahrgenommen werden. Woran liegt das? Es liegt daran, dass die vieldeutigen Wörter als Synonyme nur in ihren Hauptbedeutungen korrelieren. Erfolgt diese Korrelation nicht nach Hauptbedeutungen, so haben wir dann mit sog. Psewöfosynonymen zu tun.

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Demnach muss die Definition der Synonyme folgenderweise lauten: Synonyme sind Wörter dergleichen Wortart, die in ihrer semantischen Struktur eine oder einige Hauptbedeutungen mit einem und demselben oder ähnlichen dinglich-begrifflichen Gehalt haben.

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