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Remarque, Erich Maria - Der schwarze Obelisk

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08.06.2015
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Stimme.«Sie sieht dich sonst,Ralph! Rasch!»

Ich ziehe die Tür hinter mir zu und gehe die Treppe hinunter. UntensitztdieNachtschwester.Sieweiß,daßichErlaubnishabe, Isabelle zu besuchen.«Ist sie ruhig?» fragt sie.

Ich nicke und gehe durch den Garten dem Tor zu, durch das die Gesunden hereinund hinausgehen.Was war nun das wieder? denke ich.Ralph,wer mag das sein? Sie hat mich noch nie so genannt.Und was meinte sie damit,daß man mich nicht sehen sollte? Ich bin doch schon öfter abends in ihrem Zimmer gewesen.

IchgehezurStadthinunter.Liebe,denkeich,undmeinehochtrabendenRedensartenfallenmirwiederein.Ichfühleeinefast unerträgliche Sehnsucht und ein fernes Grauen und etwas wie Fluchtundgeheschnellerundschneller,derStadtentgegenmit ihrem Licht, ihrer Wärme, ihrer Vulgarität, ihrem Elend, ihrer AlltäglichkeitundihrergesundenAbkehrvonGeheimnissenund vom Chaos,was für einen Namen man ihm auch geben mag.

Nachts erwache ich von vielen Stimmen. Ich ö ne das Fenster und sehe,daß der Feldwebel Knopf nach Hause gebracht wird. Dasistbishernochniegeschehen;eristbisherimmernochmit eigenerKraftzurückgekommen,wennihmderSchnapsauchaus denAugen lief.Er stöhnt stark.Rundum werden einige Fenster hell.

«Verfluchter Saufbold!» kreischt es aus dem einen. Es ist die WitweKonersmann,diedortaufderLauerliegt.Siehatnichtszu tunundistdieKlatschtantederStraße.IchhabesieinVerdacht, daß sie auch Georg und Lisa längst beobachtet.

«Halten Sie die Schnauze!» antwortet von der dunklen Straße ein anonymer Held.

Ichweißnicht,oberdieWitweKonersmannkennt.Auf jeden

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Fall ergießt sich nach einer Sekunde stummer Empörung ein solches Schimpfspülwasser über den Mann, über Knopf, über die Sitten der Stadt, des Landes und der Menschheit, daß die Straßtewiderhallt.EndlichschweigtdieWitwe.IhreletztenWorte sind, daß sie Hindenburg, den Bischof, die Polizei und die Arbeitgeber des unbekannten Helden informieren werde.«Halten Sie die Schnauze,Sie ekelhafte Beißzange!» erwidert der Mann, der ungewöhnlich widerstandsfähig zu sein scheint,unter dem Schutz der Dunkelheit. «Herr Knopf ist schwer krank. Es wäre besser,Sie wären es.»

DieWitwetobtsofortwiederlos,mitdoppelterKraft,waskeinerfürmöglichgehaltenhätte.Sieversucht,miteinerelektrischen TaschenlampedenMissetätervomFensterauszuerkennen;aber das Licht ist zu schwach.

«Ichweiß,werSiesind!»zetertsie.«SiesindHeinrichBrüggemann!ZuchthauswerdenSiedafürbekommen,eineschutzlose Witwe zu beleidigen,Sie Mörder! Schon Ihre Mutter –»

Ichhörenichtweiterzu.DieWitwehateingutesPublikum.Fast alle Fenster sind jetzt o en.Grunzen und Beifall tönen heraus. Ich gehe nach unten.

Knopf wird gerade hereingeschleppt.Er ist weiß,Wasser läuft ihm über das Gesicht, und der Nietzsche-Schnauzbart hängt feuchtüberdieLippen.MiteinemSchreimachtersichplötzlich frei,torkelt ein paar Schritte vorwärts und springt unversehens aufdenObeliskenzu.ErumklammertihnmitbeidenArmenund Beinen wie ein Frosch,preßt sich gegen den Granit und heult. Ichsehemichum.HintermirstehtGeorginseinempurpurnen Pyjama,dahinterdiealteFrauKrollohneZähne,ineinemblauen Schlafrock,mitLockenwicklernimHaar,dahinterHeinrich,der zu meinem Erstaunen im Pyjama, ohne Stahlhelm und Orden auftaucht.Immerhin,derPyjamaistindenpreußischenFarben

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gestreift,schwarz und weiß.

«Was ist los?» fragt Georg.«Delirium tremens?Wieder mal?» Knopf hat es schon ein paarmal gehabt. Er kennt weiße Elefanten, die aus der Wand kommen, und Luftschi e, die durch Schlüssellöcher fahren. «Schlimmer», sagt der Mann, der der WitweKonersmannstandgehaltenhat.EsisttatsächlichHeinrich Brüggemann,der Installateur.

«Die Leber und die Nieren.Er glaubt,sie wären geplatzt.» «Warum schleppt ihr ihn dann hierher? Warum nicht zum Marienhospital?»

«Er will nicht ins Hospital.»

DieFamilieKnopf erscheint.VoranFrauKnopf,hinterihrdie dreiTöchter,allevierzerzaust,verschlafenunderschreckt.Knopf heult unter einem neuenAnfall auf.

«Habt ihr einemArzt telefoniert?» fragt Georg.

«Nochnicht.WirhattenalleHändevollzutun,ihnhierherzubringen.Er wollte in den Fluß springen.»

Die vier weiblichen Knopfs bilden einen Klagechor um den Feldwebel. Heinrich ist ebenfalls zu ihm herangetreten und versucht,ihnalsMann,Kameraden,SoldatenundDeutschenzu beeinflussen,denObeliskenloszulassenundzuBettzugehen,um so mehr,als der Obelisk unter Knopfs Gewicht schwankt.Nicht nur Knopf sei in Gefahr durch den Obelisken,erklärt Heinrich, sondern die Firma müsse umgekehrt auch Knopf dafür verantwortlich machen, wenn dem Obelisken etwas passiere. Es sei wertvoller,hochpolierterS.-S.-Granit,derbeimFallenbestimmt beschädigt würde.

Knopf versteht ihn nicht;er wiehert mit aufgerissenenAugen wie ein Pferd, das Geister sieht. Ich höre Georg aus dem Büro nach einem Arzt telefonieren. In einem Abendkleid aus leicht zerknittertem weißen Satin betritt Lisa den Hof. Sie blüht vor

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Gesundheit und riecht stark nach Kümmel. «Herzliche Grüße von Gerda»,sagt sie zu mir.«Du sollst dich mal melden.»

IndiesemAugenblickschießteinLiebespaarimGalopphinter den Kreuzen hervor und heraus. Im Regenmantel und Nachthemd erscheint Wilke; Kurt Bach, der zweite Freidenker, folgt in schwarzem Pyjama mit russischer Bluse und Gürtel. Knopf heult weiter.

Gottlob ist es nicht weit vom Hospital.DerArzt kommt bald. ErwirdinEileaufgeklärt.Esistunmöglich,KnopfvondemObeliskenzulösen.DeshalbwerdenihmvonseinenKameradendie Hosensoweitheruntergezogen,daßseinemagerenArschbacken freisind.DerArzt,derausdemKriegeschwierigereSituationen gewöhnt ist, tupft Knopf mit einem Wattebausch ab, der in Alkoholgetränktist,gibtGeorgeinekleineTaschenlampeundjagt eine Spritze in Knopfs grell beleuchtetes Hinterteil.Knopf sieht sichhalbum,läßteinenknatterndenFurzfahrenundgleitetam Obeliskenherab.DerArztistzurückgesprungen,alshätteKnopf ihn erschossen.

Die Begleiter Knopfs heben ihn auf.Er hält den Fuß des Obelisken noch mit den Händen fest; aber sein Widerstand ist gebrochen.Ich verstehe,daß er in seinerAngst auf den Obelisken losgestürmt ist; er hat hier schöne, sorglose Augenblicke ohne Nierenkoliken verbracht.

ManbringtihninsHaus.«Eswarzuerwarten»,sagtGeorgzu Brüggemann.«Wie kam es?»

Brüggemann schüttelt den Kopf.«KeineAhnung.Er hatte geradeeineWettegegeneinenMannausMünstergewonnen.Hatte einen Korn vom Spatenbräu und einen vom Restaurant Blume richtiggeraten.DerMannausMünsterhattesieimAutogeholt. Ich warVertrauensmann.Während nun der Mann aus Münster seine Brieftasche zückt, wird Knopf plötzlich schneeweiß und

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fängt an zu schwitzen.Gleich darauf liegt er schon auf der Erde und krümmt sich und kotzt und heult. Den Rest haben Sie ja gesehen.Und wissen Sie,was das Schlimmste ist? Der Kerl aus MünsteristinderAufregungdurchgebrannt,ohnedieWettezu bezahlen.Und keiner kennt ihn,und wir haben uns auch in der Aufregung dieAutonummer des Kerls nicht gemerkt.»

«Das ist natürlich grauenhaft»,sagt Georg.

«Wie man es nimmt.Schicksal möchte ich sagen.» «Schicksal»,sageich.«WennSieetwasgegenIhrSchicksaltun wollen, Herr Brüggemann, dann gehen Sie nicht über die Hakenstraßezurück.DieWitweKonersmannkontrolliertdortden VerkehrmiteinerstarkenTaschenlampe,diesiesichausgeborgt hat,in der einen und einer Bierflasche alsWa e in der anderen Hand.Nicht wahr,Lisa?»

Lisa nickt lebhaft. «Es ist eine volle Bierflasche.Wenn sie an Ihrem Schädel zerspringt,haben Sie gleich etwas Kühlung.» «Verdammt!» sagt Brüggemann. «Wie komme ich hier raus? Ist dies eine Sackgasse?»

«Zum Glück nein», erwidere ich. «Sie können hinten herum durchdieGärtenzurBleibtreustraßeentkommen.IchrateIhnen, bald aufzubrechen;es wird hell.»

Brüggemann entschwindet. Heinrich Kroll besichtigt den Obelisken auf Schäden und verschwindet ebenfalls.

«So ist der Mensch»,sagtWilke etwas allgemein,nickt zu den Knopfschen Fenstern empor, zum Garten hinüber, durch den Brüggemannschleicht,undwandertdieTreppezuseinerWerkstatt wieder empor.Er scheint diese Nacht dort zu schlafen und nicht zu arbeiten.

«Haben Sie wieder eine spiritistische Blumen-Manifestation gehabt?» frage ich.

«Nein,aber ich habe Bücher darüber bestellt.»

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FrauKrollhatplötzlichbemerkt,daßsieihreZähnevergessen hat,undistlängstgeflüchtet.KurtBachverschlingtLisasnackte brauneSchulternmitKennerblicken,schiebtaberab,alserkeine Gegenliebe findet.

«Stirbt derAlte?» fragt Lisa.

«Wahrscheinlich»,erwidert Georg.«Es ist einWunder,daß er nicht schon lange tot ist.»

Der Arzt kommt aus dem Hause Knopf. «Was ist es?» fragt Georg.

«Die Leber. Er ist schon seit langem fällig. Ich glaube nicht, daßeresdiesmalschafft.Alleskaputt.Ein,zweiTage,dannwird es vorbei sein.»

KnopfsFrauerscheint.«AlsokeinenTropfenAlkohol!»sagtder Arzt zu ihr.«Haben Sie sein Schlafzimmer kontrolliert?» «Genau,HerrDoktor.MeineTöchterundich.Wirhabennoch zwei Flaschen von dem Teufelszeug gefunden.Hier!»

SieholtdieFlaschen,entkorktsieundwillsieauslaufenlassen. «Halt»,sageich.«Dasistnunnichtgeradenötig.DieHauptsache ist,daß Knopf sie nicht kriegt,nicht wahr,Doktor?» «Natürlich.»

Ein kräftiger Geruch nach gutem Korn verbreitet sich. «WassollichdenndamitimHausemachen?»klagtFrauKnopf. «Er findet sie überall.Er ist ein kolossaler Spürhund.»

«Die Sorge kann Ihnen abgenommen werden.»

FrauKnopfhändigtdemArztundmirjeeineFlascheaus.Der Arzt wirft mir einen Blick zu.«Was dem einen seinVerderben, ist dem andern seine Nachtigall»,sagt er und geht.

Frau Knopf schließt die Tür hinter sich.Nur noch Lisa,Georg und ich stehen draußen. «Der Arzt glaubt auch, daß er stirbt, was?» fragt Lisa.

Georg nickt. Sein purpurner Pyjama wirkt schwarz in der

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späten Nacht.Lisa fröstelt und bleibt stehen.«Servus»,sage ich und lasse sie allein.

Von oben sehe ich die Witwe Konersmann als Schatten vor ihrem Hause patrouillieren.Sie lauert immer noch auf Brüggemanu.NacheinerWeilehöreich,wieuntenleisedieTürzugezogenwird.IchstarreindieNachtunddenkeanKnopf unddann an Isabelle. Gerade als ich schläfrig werde, sehe ich die Witwe KonersmanndieStraßekreuzen.Sieglaubtwahrscheinlich,daß Brüggemannsichversteckthabe,undleuchtetunsernHof nach ihmab.VormiramFensterliegtimmernochdasalteRegenrohr, mitdemichKnopfeinsterschreckthabe.Fastbereueichesjetzt, aberdannerblickeichdenwanderndenLichtkreisauf demHof undkannnichtwiderstehen.Vorsichtigbeugeichmichvorund hauche mit tiefer Stimme hinein: «Wer stört mich hier?» und fügeeinenSeufzerhinzu.DieWitweKonersmannstehtbocksteif. DannzittertderLichtkreisfrenetischüberHof undDenkmäler. «GottseiauchdeinerSeelegnädig–»,haucheich.Ichhättegern inBrüggemannsTonartgeredet,beherrschemichaber–aufdas, was ich bis jetzt gesagt habe,kann mich die Konersmann nicht verklagen,wenn sie rausfindet,was los ist.

Sie findet es nicht heraus. Sie schleicht an der Mauer entlang zurStraßeundrastzuihrerHaustürhinüber.Ichhörenoch,daß sie einen Schluckauf bekommt,dann ist alles still.

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Ich vertreibe vorsichtig den ehemaligen Briefträger Roth,einen kleinen Mann, dessen Amtsbezirk während des Krieges unser Stadtteil gewesen ist. Roth war ein empfindsamer Mensch und nahmessichsehrzuHerzen,daßerdamalssooftzumUnglücks-

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botenwerdenmußte.InalldenJahrendesFriedenshattemanihm immerfreudigentgegengesehen,wennerPostbrachte;imKriege aber wurde er mehr und mehr eine Gestalt, die fast nurmehr Furcht einflößte. Er brachte die Einziehungsbefehle der Armee unddiegefürchtetenamtlichenKuvertsmitdemInhalt:«Aufdem Felde der Ehre gefallen»,und je länger der Krieg dauerte,um so öfterbrachteersie,undseinKommenweckteJammer,Flücheund Tränen.Als er dann eines Tages sich selbst eines der gefürchteten Kuverts zustellen mußte und eineWoche später ein zweites, da war es aus mit ihm.Er wurde still und auf eine sanfte Weise verrücktundmußtevonderPostverwaltungpensioniertwerden. Damit war er, wie so viele andere, zum langsamen Hungertode während der Inflation verurteilt, da alle Pensionen immer viel zuspätaufgewertetwurden.EinpaarBekanntenahmensichdes einsamen alten Mannes an,und ein paar Jahre nach dem Kriege begann er wieder auszugehen; doch sein Geist blieb verwirrt. Er glaubt, immer noch Briefträger zu sein, und geht mit einer altenBerufskappeumher,umdenLeutenweiterNachrichtenzu bringen;abernachalldenUnglücksmeldungenwillerjetztgute bringen.Er sammelt alte Briefumschläge und Postkarten,wo er sie findet,und teilt sie dann aus als Nachrichten aus russischen Gefangenenlagern.Die Totgeglaubten seien noch am Leben,erklärt er dazu.Sie seien nicht gefallen.Bald kämen sie heim.

Ich betrachte die Karte,die er mir dieses Mal in die Hand gedrückt hat.Es ist eine uralte Drucksache mit derAu orderung, an der Preußischen Kassenlotterie teilzunehmen; ein blödsinniger Witz heute, in der Inflation. Roth muß sie irgendwo aus einemPapierkorbgefischthaben;sieistaneinenSchlächterSack gerichtet, der lange tot ist. «Danke vielmals», sage ich. «Das ist eine rechte Freude!»

Roth nickt.«Sie kommen jetzt bald heim aus Rußland,unsere

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Soldaten.»

«Ja,natürlich.»

«Sie kommen alle heim. Es dauert nur etwas lange. Rußland ist so groß.»

«Ihre Söhne auch,ho e ich.»

Roths verwaschene Augen beleben sich. «Ja, meine auch. Ich habe schon Nachricht.»

«Noch einmal vielen Dank»,sage ich.

Rothlächelt,ohnemichanzusehen,undgehtweiter.DiePostverwaltung hat anfangs versucht,ihn von seinen Gängen abzuhalten, und sogar seine Einsperrung beantragt; doch die Leute haben sich widersetzt,und man läßt ihn jetzt in Ruhe.In einer rechtspolitischen Kneipe sind allerdings ein paar Stammgäste vor kurzem einmal auf die Idee gekommen, Roth mit Briefen, in denen unflätige Beschimpfungen standen, zu politischen Gegnern zu schicken – ebenso mit zweideutigen Briefen zu alleinstehenden Frauen.Sie fanden das zwerchfellerschütternd. AuchHeinrichKrollfand,esseikerniger,volkstümlicherHumor. Heinrich ist in der Kneipe,unter seinesgleichen,überhaupt ein ganz anderer Mann als bei uns;er gilt da sogar alsWitzbold.

Rothhatnatürlichlängstvergessen,inwelchenHäusernLeute gefallensind.ErverteiltseineKartenwahllos,undobschonein Beobachter der nationalen Biertrinker mitging und aufpaßte, daßdiebeleidigendenBriefedesStammtischesandierichtigen Adressen gelangten,indem er Roth die Häuser zeigte und sich dannversteckte,passiertedochabundzueinIrrtum,undRoth verwechselteeinpaarBriefe.Sokameiner,deranLisagerichtet war, an den Vikar Bodendiek. Er enthielt eine Au orderung zumGeschlechtsverkehrumeinUhrnachtsimGebüschhinter der Marienkirche gegen das Entgelt von zehn Millionen Mark. BodendiekbeschlichdieBeobachterwieIndianer,tratplötzlich

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zwischensie,schlugzweien,ohnezufragen,dieSchädelzusammen und gab dem flüchtenden dritten einen so furchtbaren Fußtritt, daß er in die Luft gehoben wurde und nur mit Mühe entkommenkonnte.ErstdannstellteBodendiek,einMeisterin derKunst,rascheBeichtenzuerzielen,andiebeidenGefangenen seine Fragen,die durch Ohrfeigen mit seinen riesigen Bauernpfoten unterstützt wurden.Die Bekenntnisse kamen bald,und dadiebeidenErwischtenkatholischwaren,stellteerihreNamen fest und befahl sie am nächsten Tag entweder zur Beichte oder zur Polizei. Sie kamen natürlich lieber zur Beichte. Bodendiek gabihnendasEgo te absolvo,befolgtedabeiaberdasRezeptdes Dompastors mit mir – er befahl ihnen, als Buße eine Woche nicht zu trinken und dann wieder zum Beichten zu kommen. Da beide fürchteten,exkommuniziert zu werden,wenn sie die Buße nicht ausführten, und da sie es nicht soweit kommen lassen wollten, mußten sie wieder erscheinen, und Bodendiek verdonnerte sie erbarmungslos, jede folgende Woche wieder zu beichten und nicht zu trinken, und machte so aus ihnen zähneknirschende, abstinente, erstklassige Christen. Er erfuhr nie,daßderdritteSünderderMajorWolkensteinwar,dernach dem Fußtritt eine Prostatakur durchmachen mußte, dadurch politisch noch bedeutend schärfer wurde und schließlich zu den Nazis überging.

Die Türen zum Hause Knopf stehen o en. Die Nähmaschinen summen. Am Morgen sind Stöße von schwarzem Tuch hereingeschafft worden, und Mutter und Töchter arbeiten jetzt an ihren Trauerkleidern.Der Feldwebel ist noch nicht tot,aber der Arzt hat erklärt,daß es nur noch eine Sache von Stunden oder höchstens Tagen sein könne. Er hat Knopf aufgegeben. Da die FamilieesalsschwerenReputationsverlustbetrachtenwürde,in

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