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ivanov666
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eine Einheitswährung ganz aufgehoben werden. Die bislang mögliche
„Abfederung" von wirtschaftlichen und finanzpolitischen Diskrepanzen zwischen
den Nationen durch die anpassungsfähigen Wechselkurse ist damit nicht mehr
gegeben. Über die realwirtschaftlichen Konsequenzen kann man gegenwärtig nur
spekulieren.
2.4.2 Ursachen von Wechselkursänderungen
Nicht nur flexible Wechselkurse ändern sich, auch bei festen Wechselkursen
ist es stets in mehr oder weniger kurzen Abständen zu Anpassungen gekommen.
Hieraus ergibt sich die Frage, welche Ursachen für Wechselkursänderungen ver-
antwortlich sind.
Die Wechselkurse bilden sich aufgrund von Angebot und Nachfrage auf dem
Devisenmarkt. Also wird man nach den Bestimmungsgründen für Devisen-Zah-
lungen und damit verbundene Devisen-Tauschwünsche fragen müssen.
Generell kann man sagen, dass der Devisentausch notwendig wird bei
a) dem Austausch von Gütern und Leistungen, z. B.
- für den Import von Waren und Dienstleistungen,
- für die Zahlung von Einkommen (Lohn, Honorar, Zins, Gewinn) an
Ausländer,
- für Zahlungen im Rahmen von Geschenken, Unterstützungen, Wiedergut-
machungen oder Verpflichtungen bei internationalen Vereinbarungen;
b) finanziellen Transaktionen, z. B.
- für die Gründung und den Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen,
von Grundstücken, für den Kauf von ausländischen Aktien usw., d. h. für ein
langfristiges finanzielles Engagement im Ausland,
- für kurzfristige Spekulationsgeschäfte, bei denen man aus den Zinsdiffe-
renzen oder Wechselkursveränderungen Gewinn ziehen kann.
Weitgehend unabhängig davon, ob die Zahlungen in inländischer oder
ausländischer Währung geleistet werden, führen diese Transaktionen im
allgemeinen zu einem Angebot an heimischer Währung an den Börsen und
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gleichzeitig zu einer Nachfrage nach ausländischer Währung. Hieraus ergibt sich
auf dem Devisenmarkt ein Abwertungsdruck. Umgekehrtes (Aufwertungsdruck)
gilt bei hohem Export von Gütern und Leistungen und Geldanlagen durch
Ausländer.
Wenn sich aber Devisenbewegungen auf Güter- und Kapitalbewegungen
zurückführen lassen, so wird man bei der Forschung nach den Ursachen für
Wechselkursänderungen in einem weiteren Schritt fragen müssen, warum sich
Güter- und Kapitalströme verlagern. Grob gesprochen kann man entsprechend der
bisherigen Systematik zwei große Ursachenkomplexe unterscheiden:
Änderungen der Güterströme werden hauptsächlich auf
Kaufkraftunterschiede (Preisunterschiede bzw. Inflationsunterschiede) und
Einkommensunterschiede zurückgeführt.
So werden die internationalen Güterbewegungen zunehmen:
- wenn die Preise im Ausland schneller als im Inland steigen, weil (zum
alten Wechselkurs) dann inländische Waren im Ausland vergleichsweise billiger
angeboten werden können,
- wenn das Einkommen im Inland schneller wächst, weil der sich daraus
ergebende Nachfragezuwachs sich auch auf ausländische Waren und Dienstleistungen richtet.
Die Verbesserungen der Kaufkraftparität und der Einkommensdifferenz
zugunsten des Inlands erzeugen eine erhöhte Nachfrage nach inländischer
Währung - es entsteht ein Aufwertungsdruck. (Wird dem Aufwertungsdruck dann
nachgegeben, so führt dies zu einem Abbau der Kaufkraftunterschiede.)
Änderungen der Kapitalströme werden als Investitions- bzw.
Anlageentscheidungen hauptsächlich auf Zinsunterschiede
(Rentabilitätsunterschiede) zurückgeführt.
2.4.3 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Leistungsbilanz und
Außenbeitrag
Mit hohem Beschäftigungsstand, angemessenem und stetigem Wirtschaftswachstum sowie der Preisniveaustabilität gehört das außenwirtschaftliche
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Gleichgewicht zu den gesamtwirtschaftlichen Zielen, die im Stabilitätsgesetz der
Bundesrepublik Deutschland verankert sind.
Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht wird häufig mit ausgeglichener
Zahlungs- oder Handelsbilanz gleichgesetzt. Dies macht jedoch hinsichtlich der
Zahlungsbilanz wenig Sinn, denn diese ist - wegen der Methode der doppelten
Buchhaltung - immer und überall ausgeglichen.
Die Handelsbilanz gibt dagegen nur den Außenbeitrag eines Landes wieder,
der sich auf den Warenim- und -export beschränkt. Gelegentlich findet man auch
den Ausdruck Außenbeitrag zur Gesamtnachfrage im Inland, womit dann die
Zusammenfassung von Handels- und Dienstleistungsbilanz gemeint ist, die
manchmal auch als Leistungsbilanz im engeren Sinne bezeichnet wird.
Von außenwirtschaftlichem Gleichgewicht spricht man im Regelfall immer
nur dann, wenn die ganze Leistungsbilanz ausgeglichen ist, in der die Summe des
Güter- und Leistungsaustausches eines Landes erfasst wird und die damit Aufschluss über die außenwirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes gibt.
Gelegentlich kann es jedoch zweckmäßig sein, das „Gleichgewicht" auch
durch die sogenannte Grundbilanz zu beschreiben. Diese erfasst neben dem Mittelab- und -zufluss durch die Güter- und Leistungsbewegungen auch die langfristige
Geldanlage im Ausland. Damit wird dann nicht nur die Geldausgabe für Güter und
Leistungen, sondern auch für die Anlage von Werten im Ausland erfasst, die zu
Devisenabfluss führt.
Ein höheres Zinsniveau im Ausland wird Investoren anlocken. Zur
Finanzierung der Investitionen wird ausländische Währung verstärkt nachgefragt
und heimische Währung angeboten. Hieraus folgt ein Abwertungsdruck. Wird
diesem Abwertungsdruck nachgegeben, so erfolgt ein Abbau der (realen)
Zinsunterschiede. Selbstverständlich spielen bei derartigen
Investitionsentscheidungen nicht allein Zinsdifferenzen, sondern auch
Risikoüberlegungen sowie die Kombination (Streuung) verschiedener
Anlageformen (Portfolio) eine wichtige Rolle.
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Weiterhin könnte man noch die Spekulation als eigenständiges Motiv
anführen. Wir wollen im Augenblick jedoch darauf noch verzichten und dies damit
begründen, dass die Spekulation letztlich von unterschiedlichen Erwartungen
bezüglich der Wechselkurse bzw. der Ursachen von Wechselkursänderungen
genährt wird.
2.5 Ein Brandenburger macht Karriere am Kaukasus
Als Deutscher nahe des Kaukasus leben und arbeiten, geht das? Es geht. Der
Brandenburger Ralf Bendisch lebt seit sieben Jahren in der südrussischen
Großstadt Krasnodar. Dort hat er im Auftrag des westfälischen Unternehmens
Claas eine Fabrik zur Endmontage von Mähdreschern und Traktoren aufgebaut.
Die Niederlassung hat heute 100 Mitarbeiter.
Krasnodar ist russische Provinz. Doch die Stadt mit ihren 650.000
Pannwohnern bietet alle Annehmlichkeiten einer Großstadt: gute Restaurants,
Kinos, Museen und eine Konzerthalle. Ralf Bendisch fühlt sich in der
sudrussischen Stadt wohl. „Wir haben hier Nord-italienisches Klima," schwärmt
der 52-Jährige. Und das Schwarze Meer ist nur zwei Stunden entfernt.
Im Jahr werden in Russland etwa 8.000 Mahdrescher verkauft. Das westfalische
Unternehmen Claas muss sich diesen Markt mit sieben anderen Anbietern aus
Russland und dem westlichen Ausland teilen. Claas hat Mahdrescher extra für die
großen Flächen entwickelt. 200.000 Euro kosten diese 500 PS-Monster. Ihr
Schneidwerk ist bis zu zwölf Meter breit, das ist etwa eineinhalb mehr als die
Mahdrescher des russischen Konkurrenten Rostselmasch: Seit der Werksgründung
2003 wurden in Krasnodar 2.000 Mahdrescher montiert und verkauft. Die
russischen Claas-Arbeiter verdienen im Schnitt 475 Euro im Monat. Doch der
Hauptgrund das Werk in Südrussland zu bauen, waren nicht die niedrigen Löhne.
Es war die Marktnahe, sagt Ralf Bendisch Befürchtungen, Arbeitsplätze konnten
von Deutschland nach Russland verlagert werden lässt er nicht gelten. „Wenn ein
deutsches Unternehmen heute wachsen will, dann muss es im Ausland wachsen.*'
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Das Unternehmen sei so aufgebaut, dass immer ein hoher Anteil der Einzelteile in
Deutschland gefertigt werde.
Bis die Einzelteile der Mahdrescher in Krasnodar montiert werden, legen sie
einen sehr langen Weg zurück. Aus Westfalen werden die Teile per Schiff über das
Mittelmeer und das Schwarze Meer transportiert. Der lange Weg ist noch
profitabel. Denn die russische Regierung hat die Einfuhrzolle für komplette
Mahdrescher seit der Finanzkrise auf 15 Prozent erhöht. Auch andere westliche
Konkurrenten von Claas haben, um die hohen Einfuhrzolle zu umgehen, eigene
Produktionsstandorte in Russland aufgebaut. Doch die russische Regierung will
mit ihrer Politik die Schaffung von Arbeitsplätzen in Russland fördern, noch einen
Schritt weiter gehen. Sie plant ein Gesetz, das ausländischen Firmen die zollfreie
Einfuhr von Waren erlaubt, wenn bei der Endfertigung mindestens 30 Prozent der
Zulieferungen aus Russland kommen. Das Werk in Krasnodar bereitet sich bereits
auf das neue Gesetz vor. Man wolle eine neue Halle für die Fertigung von
Einzelteilen bauen, berichtet Bendisch.
Nicht immer waren die Zeiten so günstig wie jetzt. Der Kreml hat erkannt,
wie wichtig ausländische Investitionen für Russland sind. Als der deutsche
Baumaterial-Hersteller Knauf Mitte der 90er Jahre ein Gips-Werk im Bezirk
Krasnodar aufbaute, besetzten Kosaken die Zufahrtswege. Die Demonstranten
protestierten gegen den deutschen Investor und verglichen ihn mit der Wehrmacht.
Unter diesen Bedingungen verstehe man, dass Top-Manager sich für Leibwächter
entscheiden, meint Bendisch. Er selbst aber komme ohne Leibwachter aus. Warum
hat nun die Firma Claas ihr erstes Werk in Russland ausgerechnet nahe des
Kaukasus gebaut? Das Gebiet Krasnodar sei eines der fruchtbarsten in ganz
Russland, sagt Ralf Bendisch. Die Ernteerträge sind dreimal so hoch wie im
russischen Durchschnitt. Deshalb seien die Absatzchancen für Mahdrescher in der
Region am besten. Man liefert aber von Krasnodar aus auch in andere russische
Regionen. Die Verwaltung der sibirischen Stadt Blagoweschtschensk habe seit
2008 jährlich zwischen 20 und 50 Mahdreschern gekauft. In Blagoweschtschensk
an der Grenze zu China werden die umgerüsteten Claas-Mahdrescher bei der
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Reisernte eingesetzt. Seit dem ersten Russisch-Unterricht in der fünften Klasse
verband Ralf Bendisch „eher Liebe als Hass"' mit dem sozialistischen Bruderland
im Osten. Eigentlich hatte der Oberschuler Bendisch gehofft, dass man ihn zum
Studieren nach Ungarn, Tschechien oder Bulgarien schickt. Doch dass er dann zum
Werkzeugmaschinenbau-Studium nach Kiew gesandt wurde, hat er „nie bereuf. Er
schloss eine dreijährige Promotion an. Zurück in der DDR wurde Ralf Bendisch
Leiter der Arbeitsvorbereitung im Landmaschinenwerk „Fortschritt" in Rostock.
Doch als die Sowjetunion zusammenbrach und das Landmaschinenwerk in
Rostock seinen Markt im Osten verlor, musste sich der Landmaschinen-Experte
nach einer neuen Arbeit umsehen. Der Brandenburger zog mit seiner Familie in
den Westen. 1998 heuerte Bendisch beim Mahdrescher-Hersteller Claas an. Der
schickte ihn als Geschäftsführer eines Joint Ventures in die Ukraine. „Da passte
wohl keiner so gut hin wie ich", sagt Bendisch. Und als Claas sich entschloss, ein
Werk in Russland zu eröffnen, war Bendisch mit seiner Kenntnis von Land und
Leuten wieder der geeignete Mann.
Noch denkt der Chef von Claas in Krasnodar nicht daran, nach Deutschland
zurückzukehren. Seine drei Kinder sind aus dem Llaus. Seine Frau kommt ihn
regelmäßig besuchen und einmal im Monat fliegt der Manager auf Heimaturlaub.
Über Einsamkeit kann der Deutsche in Krasnodar nicht klagen. Am liebsten ist
Ralf Bendisch mit russischen Freunden zusammen, mcist Kollegen. die selbst
irgendwo eine leitende Stellung haben. Mit denen geht er dann in die Banja.
2.6 Sotschis Arena wird Vorbild für ganz Russland
Russland plant fast eine Milliarde US-Dollar Investitionen, um seine
Zirkusarenen wieder auf Vordermann zu bringen. Die staatliche Zirkusagentur
RosGosZirk will die Immobilien für eine Multifunktionsnutzung umrüsten und so
die Einnahmen erhöhen. Vorreiter wird die Olympiastadt Sotschi.
Sotschis Zirkus bleibt von den Umwälzungen in der Olympiastadt nicht
verschont. Aus der traditionsreichen Spielstatte im Stadtzentrum soll bis 2014 eine
Multifunktions-Arena mit Hotel, Showbühnen, Restaurants und spektakularen
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Wasserspielen werden. So zumindest der Traum von Zirkusdirektor Arkadij
Pogosow. Von einem befreundeten Architekturbüro hat er ein Konzept für die
Zukunft des Hauses entwerfen lassen. Die Immobilie soll mit Laser- und
Holographie-Spektakeln in Szene gesetzt werden. Künftiges Highlight ist eine über
20 Meter hohe Leinwand, die sich außen um das runde Gebäude spannt. „Flier
konnten die Wettkampfe der Winterspiele live übertragen werden", sagte Pogosow.
Ein österreichisches Unternehmen habe bereits vorgeschlagen, diesen 4,5
Millionen Euro teuren Riesen-Bildschirm auf eigene Kosten zu installieren.
Das Zirkusgebäude in Sotschi wurde im Mai 1971 eröffnet und steht nur 250
Meter vom Schwarzen Meer entfernt. Künftig wird das Zirkusrund aber nur noch
eine Nebenrolle spielen. Denn ein Hotelanbau für 200 Gaste, ein Saal für
Modenschauen, Wrestling- und Boxkämpfe oder Theatervorführungen sowie ein
Parkhaus werden das Areal verändern. Dafür sind rund 75 Millionen Euro
Investitionen nötig. „Wir haben 2,2 Hektar Land in bester Innenstadtlage gleich am
Meer", sagt Zirkusdirektor Pogosow. Solch eine Lage würden Investoren in der
Stadt heute kaum noch finden. Es habe erste Gespräche mit Interessenten gegeben,
die Geld in das Projekt stecken wollen, so der Zirkusmanager. Die Zeit eilt, denn
bei den veranschlagten zweieinhalb Jahren Bauzeit musste die Umgestaltung bald
beginnen, um zu den Olympischen Winterspielen 2014 fertig zu sein.
2.7 Ihre kleine Farm
CSA-Bauern betreiben ihre Höfe wie private Clubs - Mitglieder erhalten alle
Lebensmittel im Abonnement. Der Profit ist weniger wichtig. Dafür können die
Kunden genau beurteilen, wie ihre Nahrung entsteht.
Münsterland, zwischen Bundesstraße 54 und Autobahn 1, liegt ein Stück
Paradies. An der geschotterten Einfahrt zum Hofgelände stehen zwei Esel im
Schatten alter Bäume und kauen Heu. In der Morgensonne vor dem Bauernhaus
mit der braunroten Klinkerfassade dosen drei Hunde auf dem warmen Pflaster.
Neben der Scheune mit dem blitzenden Solardach wählen Schweine im Matsch.
Weiter hinten blinken bunte Gemüsebeete, und wer den Blick noch weiter
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schweifen lässt, sieht auf der anderen Seite des kleinen Flusses die Schafe auf der
Weide grasen.
„Diese Vielfalt ist ein Privileg. Sie ist nur möglich durch die CSA", sagt
Kenneth Stange. Der 40-jährige Landwirt mit dem sonnengegerbten Gesicht und
dem Baumwollpullover hat nicht viel Zeit, besonders heute nicht. Auch das liegt
an der CSA. Morgen ist Abholtag.
Kenneth Stange (40) ist einer der Landwirte des CSA-Hofs „Entrup 119".
CSA, das bedeutet ausgeschrieben Community Supported Agriculture. Es
beschreibt ein Wirtschaftsmodell, das Bauern in Japan und Nordamerika
entwickelt haben, um dem wachsenden Preisdruck und der Zentralisierung in der
Agrarindustrie zu entkommen. CSA-Bauern produzieren nicht für den freien
Markt, sondern für einen festen Kreis von Verbrauchern. Diese sind wie in einem
Club Mitglieder der CSA und verpflichten sich ein Jahr im Voraus, den Betrieb
jeden Monat mit einem festgelegten Betrag zu unterstützen. Dafür bekommen sie
Gemüse, Obst, Eier, Fleisch, Milchprodukte, Brot. Frische Lebensmittel im Abo
sozusagen.
Jede Woche werden die Produkte des Hofes „Entrup 119" unter den
Mitgliedern aufgeteilt. Die kommen aus dem Umland - Altenberge, Munster,
Billerbeck - auf den Hof gefahren und laden die Kofferräume ihrer Autos voll.
Manche nutzen die kleinen Abholdepots des Hofes in Altenberge und Munster.
Seit vier Jahren wirtschaftet der Hof als CSA. Anfangs hatte die
Verbrauchergemeinschaft rund 35 Mitglieder. Den Großteil ihrer Lebensmittel
verkauften Stange, seine Frau Susanna Lindeke und das andere Bauern-Ehepaar,
mit dem sie den Hof betreiben, auf Wochenmärkten in der Nähe. Heute gehören
125 Menschen zur CSA und nehmen gut 70 Prozent der Lebensmittel des BioHofes ab. Der Rest geht an Wochenmarkte und in den Hofladen.
„Lukas, du musstest dich noch mal um die Radieschen kümmern, die
brauchen Wasser", ruft Stange einem jungen Mann zu, der vor dem Stall die Pferde
abburstet. Der Lehrling legt die Bürste beiseite und trottet in seinen grünen
Plastikpantinen in Richtung Gemüseacker.
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Mehr als 40 Gemüsesorten wachsen auf den Feldern des 30 Hektar kleinen
Betriebs. „Das würde sich für einen konventionellen Bauern niemals rechnen", sagt
Stange. Die meisten Landwirte spezialisieren sich auf eine oder zwei
Gemüsesorten, die sie in großen Mengen anbauen. Auf dem Entrup-Hof wachsen
Salatköpfe neben Spinat, Schnittlauch neben Fenchel, Tomaten neben Rucola. Es
wird von Hand gesät und gepflückt, statt der gewaltigen Pflugmaschinen, die auf
konventionellen Ackern zum Einsatz kommen, grabt auf den CSA-Feldern ein alter
Pferdepflug die Erde um. Das schont den Boden.
„Durch die CSA können wir Landwirtschaft nachhaltig betreiben, im
Einklang mit der Natur", sagt Bäuerin Susanna Lindeke. Die 33-Jährige und ihr
Mann haben sich vor zehn Jahren an der Uni kennen gelernt, am Institut für
ökologische Agrarwissenschaft in Witzenhäusern. Beiden war klar, dass sie als
Bauern einen Kontrapunkt setzen wollten gegen all das, was aus ihrer Sicht schief
läuft in der Landwirtschaft. Gegen die gigantischen Anlagen zur Hühner- und
Schweinemast, in denen allein im Münsterland, in unmittelbarer Nähe des Entruper
Hofes, Millionen Tiere ihrem Ende als Billig-Fleisch entgegendämmern. Gegen
Gensaat und Monokulturen, die den Artenreichtum und die Boden zerstören.
Und auch gegen die Entfremdung des Menschen von der Natur und der
Lebensmittelherstellung wollten sie etwas tun - sowohl die der Verbraucher als
auch die der Bauern. „Als CSA-Bauer weiß ich, für wen ich produziere. Ich kenne
die Mitglieder, viele sind mittlerweile Freunde von uns geworden", sagt Stange.
Und die Mitglieder, die die Lebensmittel abnehmen, wissen, wie diese produziert
werden und können jederzeit den Hof besuchen. „Die Landwirtschaft, wie sie
heute großteils betrieben wird - als industrieller Wirtschaftszweig -, konnte sich
nur so entwickeln, weil die Wahrheit über die Produktionsabläufe gezielt von den
Kunden ferngehalten wird", sagt Susanna Lindeke. Dem setzt die CSA
Transparenz entgegen.
Ein Uhr, Mittagspause. Im Schatten der Birke vor dem Bauernhaus decken
Jugendliche den Tisch. Auf großen Blechen glänzen Kartoffelecken aus dem
Backofen, danebenstehen Schüsseln mit Roter Bete und Kräuterquark.
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Praktikanten sind regelmäßig auf dem Hof zu Gast, viele kommen von
Waldorfschulen aus dem Umland. Wie die biologisch-dynamische Landwirtschaft
insgesamt fußt auch die CSA-Idee auf den Lehren des Anthroposophen Rudolf
Steiner vom harmonischen Zusammenleben von Mensch und Natur.
Piet Ammann reicht Kenneth Stange einen Fotoapparat über den Tisch.
„Guck mal, ich hab' euch was mitgebracht. Das sind die Bilder von dem neuen
Trecker", sagt der 67-jährige Gynäkologe. Er ist Mitglied der CSA und heute zum
Mittagessen vorbeigekommen, um den Bauern die mitgebrachten Fotos zu zeigen.
Stange klickt sich an dem kleinen Kamerabildschirm durch die Aufnahmen.
„Mensch, der sieht ja super aus!" In ein paar Tagen soll der Traktor, ein
Schnäppchen vom Gebrauchtmarkt, auf dem Hof stehen. „Der alte ist uns vor ein
paar Wochen kaputtgegangen, Achsenschaden", sagt Stange. „Da hab' ich mich
sowas von geärgert." Dass nun so schnell ein Ersatz gefunden ist, haben die
Bauern dem Einsatz ihrer Mitglieder zu verdanken. Sie haben das Angebot
ausfindig gemacht und den Preis ausgehandelt. Die Mutter eines Mitglieds hat
zudem 2000 Euro für die Anschaffung gespendet.
Wie viel Geld die Gemeinschaft braucht, um über das Jahr kostendeckend
wirtschaften zu können, wird zu Anfang jedes Betriebsjahres in einem
Wirtschaftsplan festgelegt. Rechtlich ist die CSA als Genossenschaft organisiert.
Die vier Landwirte und vier Auszubildenden, die auf dem Hof arbeiten, sind bei
der Genossenschaft angestellt.
Zurzeit zählt jedes Mitglied etwa 120 Euro im Monat, für Kinder die Hälfte.
Wer kann, gibt etwas mehr, wer es sich nicht leisten kann, zahlt etwas weniger.
„Das klingt vielleicht erstmal viel. Es ist aber deutlich weniger, als wenn man die
Lebensmittel im Bioladen kauft", sagt CSA-Mitglied Ammann. Und die Qualität
sei sogar besser als im Bioladen. „Weil lange Transportwege wegfallen,
bekommen die Mitglieder ganz frische Sachen, oft werden sie am selben Tag erst
16 Juma 3/2011.
Es ist zwischen Russland und Deutschland handelswirtschaftlich
Zusammenarbeit nicht nur traditionell verhalt sich zu den am meisten
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