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Tod und schlaf

Tod ist ein langer Schlaf; Schlaf ist ein kurzer Tod;

Die Noth die lindert der, und jener tilgt die Noth

Andreas Gryphius (1616-1664), der tiefsinnige Melancholiker und einer der berühmtesten Lyriker seiner Zeit, stellt in allen Werken die „vergänglichkeit menschlicher sachen“ dar:

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden.

Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;

Wo jetzundt städte stehn, wirdeinewiese seyn,

Auf der ein schäfers-kind wird spielen mit den herden;

Was jetzundt prächtig blüht, sol bald zuteten werden;

Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein;

Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein.

Letzt lacht das glück un s an, bald donnern die beschwerden.

Derhohen thaten ruhm muss wie ein traum vergehn.

Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn

Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten,

Als schlechte nichtigkeit,als schatten, staub und wind,

Als eine wiesen-blum, die man nicht wieder findt!

Noch will, was ewig ist, kein einig mensch betrachten.

An die Welt

Mein oft bestürmtes Schiff, der grimmen Winde Spiel,

Der frechen Wellen Ball, das schier die Flut getrennet,

Das ober Klipp auf Klipp und Schaum und Sand gerennet,

Kommt vor der Zeit an Port, den meine Seele will.

Oft, wenn uns schwarze Nacht im Mittag überfiel,

Hat der geschwinde Blitz die Segel schier verbrennet.

Wie oft hab ich den Wind und Nord und Sud verkennet!

Wie schadhaft ist der Mast, Steur, Ruder, Schwert und Kiel!

Steig aus du müder Geist! Steig aus! Wir sind am Lande.

Was graut dir für dem Port? Itzt wirst du aller Bande

Und Angst und herber Pein und schwerer Schmerzen los.

Ade, verfluchte Welt! Du See voll rauher Stürme!

Glück zu mein Vaterland! Das stete Ruh im Schirme

Und Schutz und Frieden hält, du ewiglichtes Schloß!

1. Beschreiben Sie den Aufbau der Gedichte. Was drücken die Quartette und die Terzette aus?

2. Untersuchen Sie die Sprache. Welche Bilder und Motive werden verwendet. Erläutern Sie, was für ein Lebensgefühl aus diesem Sonett spricht.

Hans Christoffel Grimmelshausen (1622-1676)

Im Schaffen dieses Schriftstellers erreichte die deutsche Literatur des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Thema seiner satirisch-realistischen Werke ist immer wieder der Krieg. Der berühmteste Roman von Grimmelshausen „Der Abenteuerliche Simplizissimus Teutsch“(1668) schildert in den Traditionen des spanischen Pikaroromans die Welt des 30-jährigen Krieges.

Wie Simplicius schreiben und lesen im wilden Wald gelernt

Im Dreißigjährigen Krieg (1618—1648) findet ein Bauernjunge, dessen Eltern von plündernden Soldaten ermordet wurden, in der Waldhütte eines Einsiedlers Unterschlupf. Der Einsiedler nennt ihn Simplicius, d. h. der Einfältige, weil der Junge so unwissend ist, daß er nicht einmal seinen eignen Namen kennt.

Als ich das erstemal den Einsiedel in der Bibel lesen sah, konnte ich mir nicht vorstellen, mit wem er da ein so heimliches und meinem Bedünken nach sehr ernstliches Gespräch hätte. Ich sah wohl die Bewegung seiner Lippen, aber niemand, der mit ihm redete. Obwohl ich nichts vom Lesen und Schreiben wußte, merkte ich doch an seinen Augen, daß es mit selbigem Buch zu tun hatte. Ich gab acht auf das Buch, und nachdem er es beiseite gelegt, schlug ich es auf. Ich bekam das erste Kapitel des Hiob und die davorstehende Figur, einen feinen und schon bemalten Holzschnitt, in die Augen. Ich fragte die Bilder seltsame Sachen, weil ich aber keine Antwort bekam, wurde ich ungeduldig und sagte eben, als der Einsiedel hinter mich schlich: ,,Ihr kleinen Hudler, habt ihr denn keine Mäuler mehr? Habt ihr nicht eben mit meinem Vater (denn so mußte ich den Einsiedel nennen) lang genug schwätzen können? Ich sehe wohl, daß ihr auch dem armen Knan seine Schafe heimtreibt, und das Haus angezündet habt, halt, halt, ich will dies Feuer wohl noch löschen.“ Damit stand ich auf, Wasser zu holen, weil es mir nötig schien. „Wohin Simplicius?“ sagte der Einsiedel, den ich hinter mir nicht bemerkt hatte. ,,Ei Vater“, sagte ich, ,,da sind auch Krieger, die haben Schafe, und wollens wegtreiben, sie habens dem armen Mann genommen, mit dem du erst geredet hast. So brennt sein Haus auch schon lichterloh, und wenn ich nicht bald lösche, so wirds verbrennen. „Mit diesen Worten zeigte ich ihm mit dem Finger, was ich sah. „Bleib nur“, sagte der Einsiedel, „es ist noch keine Gefahr vorhanden.“ Ich antwortete: „Bist du denn blind, hindere du, daß sie die Schafe forttreiben, so will ich Wasser holen.“ „Ei“, sagte der Einsiedel, „diese Bilder leben nicht, sie sind nur gernacht, uns längst geschehene Dinge vor Augen zu stellen.“ Ich antwortete: „Du hast ja erst mit ihnen geredet, warum wollen sie dann nicht leben?“

Der Einsiedel mußte wider seinen Willen und seine Gewohnheit lachen und sagte: „Liebes Kind, diese Bilder können nicht reden. Was aber ihr Tun und Wesen sei, kann ich aus diesen schwarzen Linien sehen. Das nennt man lesen, und wenn ich so lese, meinst du, ich rede mit den Bildern, so ist es aber nicht.“ Ich antwortete: „Wenn ich ein Mensch bin wie du, so müßte ich auch an den schwarzen Zeilen sehen können, was du kannst. Lieber Vater, sage mir, wie ich das verstehen soll?“ Darauf sagte er: „Nun wohlan mein Sohn, ich will dich lehren, daß du so wohl als ich mit diesen Bildern wirst reden können. Allein, es wird Zeit brauchen, in welcher ich Geduld und du Fleiß zeigen mußt.“ Danach schrieb er mir ein Alphabet in Druckbuchstaben auf Birkenrinde. Als ich die Buchstaben kannte, lernte ich buchstabieren, dann lesen und endlich besser schreiben als der Einsiedel selbst, weil ich alles dem Gedruckten nachmalte.

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