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Die schlesischen weber

1844

Im düstern Auge keine Träne,

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

„Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch —

Wir weben, wir weben!

„Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten;

Wir haben vergebens gehofft und geharrt,

Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt —

Wir weben, wir weben!

„Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen,

Der den letzten Groschen von uns erpreßt,

Und uns wie Hunde erschießen läßt —

Wir weben, wir weben!

„Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wo nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt —

Wir weben, wir weben!

„Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht —

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch.

Wir weben, wir weben!"

Hymnus

Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.

Ich habe euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die Schlacht begann, focht ich voran, in der ersten Reihe.

Rund um mich her liegen die Leichen meiner Freunde, aber Wir haben gesiegt. Wir haben gesiegt, aber rund umher liegen die Leichen meiner Freunde. In die jauchzenden Triumphgesänge tönen die Choräle der Totenfeier. Wir haben aber weder Zeit zur Freude noch zur Trauer. Aufs neue erklingen die Drommeten, es gilt neuen Kampf —

Ich bin das Schwert ich bin die Flamme.

Thema 11. Die Entstehung der österreichischen Literatur. Östereichische Klassik (1815-1848). Grillparzer, Stifter

Der östereichische Staatskanzler Metternich baut auf dem Wiener Kongreß den östereichischen Staat auf, er sichert dem Österreich die Vormachtstellung in Deutschland und Italien und verschafft ihm in der „Heiligen Allianz “ (=Bündnis zwischen Östereich, Rußland und Preußen) sowie in Europa die maßgebende Rolle. Für das 18.-19 Jh. war Wien das politische und geistige Zentrum der Donauländer . Schon seit 1415 verwendet die Kanzlei der Karpatenländer die östereeichische Mundart als Schriftsprache. Verbindungslinien zwischen den Literaturen des Donauraumes werden durch Herausgabe verschiedener Zeitschriften sichtbar. Seit 1790 erscheinen in Wien die Zeitungen in neugriechischer, slowenischer, rumänischer Sprachen. Die gemeinsamen Stoffquellen sind in westslawischen, in der österreichischen und in der magyarischen Literatur festzustellen., was für den Gleichklang der Gedanken zeugt.

Die Dichtung der östereichischen Klassik ist im wesentlichen dem Biedermeier zuzurechnen, weil dieser Stil dem Nationalcharakter und den historischen Bedingungen in Östereich entsprach. Der Mensch der Biedermeierzeit lebt in der Spannung zwischen Ideal und Wirklichlkeit Äußerlich erscheint er ruhig, gelassen, gemütlich und der Politik gegenüber indifferent. Er hat Freude am Lesen, an literarischen Zirkeln und an der Hausmusik, glaubt an Gott und an das Jenseits, doch ist nicht dogmatisch, liebt das Kleine, Feine und die Geschichte. Dadurch wird die Literatur in Österreich gefördert und ihre Blütezeit erlebt.

FRANZ GRILLPARZER (1791-1872) ist der erste österreichische Klassiker, dessen Schaffen und Leben diesen grundlegenden Dualismus zeigen.Seine Dramen sind Zeugnis des Habsburger Ordnungsdenken und stehen unter den Bedingungen der Moderne, deuten ihre Problematik an. Auszüge zeigen uns Grillparzer als Erzähler.

Fabel

Es war ein Mann, der hatte ein edles, stolzes Pferd. Es schien ihm aber zu überkräftig, und da er kein sonderlicher Reiter war, fürchtete er einmal abgeworfen zu werden. Er setzte daher dem Tiere durch Hunger und Quälereien aller Art so lange zu, bis es lammfromm geworden war und allerdings ein Kind es hätte reiten können. Nun wurde der Mann aber von seinen Feinden überfallen, und da es galt, fehlte dem sonst so feurigen Renner Kraft und Mut, so daβ der Übervorsichtige in die Hand seiner Widersacher geriet und elendiglich zu Grunde ging.

Fabel

Ein Knabe fand einst im Garten eine Rose. Ihr lieblicher Geruch entzückte ihn. Wie schön bist du, herrliche Blume, sprach er, wie balsamisch duftest du! Wie süβ muβ erst dein Geschmack sein! Er nahm hastig einige Blätter in den Mund, aber wie verzog sich sein Gesicht als er die unvermutete Bitterkeit auf seiner Zunge schmeckte. Nichtswürdige Betrügerin, schrie er, und warf die lieblichste aus Floras Töchtern unwillig von sich, Betrügerin, wie hat mich deine glatte Auβenseite hintergangen! Nicht ich, du selbst hast dich betrogen, erwiderte die Rose; wer hieβ dich von mir mehr als Duft verlangen!

Die Novelle von Grillparzer „Der arme Spielmann“(1848) ist zum Ausgangspunkt der modern-realistischen Novellistik Österreichs geworden. Der arme Musikant Jakob ist der Sohn eines einflußreichen Beamten, der aber ohne Verständnis für seinen schwerfälligen und unpraktischen Sohn ist. Nur seine Geige tröstet nur Jakob. Nach dem Betrug seines Mitarbeiters, der Jakob sein Vermögen beraubt hat, hat ihn auch seine Braut verlassen. Jakob sinkt zum Bettelmusikanten herab. Das Milieu hat jedoch seinen Charakter nicht verdorben, er bewahrt trotz alledem die vollkommene Reinheit und Güte seines Wesens und seinen Seelenfrieden.Während einer Überschwemmung rettet er Hausrat seiner Wirtsleute und stirbt an einer Lungenentzündung.

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