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Thema 10. Zeitalter der Restauration: Biedermeier, Junges Deutschland und Vormärz (1815-1848)

JUNGES DEUTSCHLAND

Ende der 20-er Jahre des 19. Jh.setzte sich bei einem Teil der jungen deutschen Literaten das Gefühl durch, dass die Literatur stagnierte und dass ein Kontakt mit dem Leben hergestellt werden muss. Für meisten Jungdeutschen waren das Politische und die Sozialkritik Ausgangapunkt in ihrer Tätigkeit.

Georg Büchner (1813-1837)

Der Hessische Landbote

1834

(Auszug)

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Im Jahre 1834 siehet es aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am fünften Tage und die Fürsten und Vornehmen am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: „Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht", und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt. Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen, zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit dem Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und läßt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.

Eduard Mörike (1804-1875) – einer der bekanntesten Lyriker des Biedermeier, vereinigt in seiner Biographie und Schaffen die Charaktermerkmale der Zeit: die Spannung zwischen dem Dasein und krisenhaften Entscheidungssituationern. Mörike beherrschte perfekt die Formen der Idylle, d.h. des Naturgedichtes , des Märchens, schrieb volkstümliche Lieder und Balladen. Freundschaft und Liebe finden oft auf den unterschiedlichen sozialen Ebenen ihre Darstellung (auch aus der Rolle einer Frau gesehen). Spiel mit den Formen, Themen, unübliche Wortwahl und Naturmystik, starkes Betonen nächtlicher, dämmriger, zwiegesichtiger Stimmungen erschweren die Analyse.

Zum Neuen Jahr

Wie heimlicher Weise

Ein Engelein leise

Mit rosigen Füßen

Die Erde betritt,

So nahte der Morgen.

Jauchzt ihm, ihr Frommen,

Ein heilig Willkommen!

Ein heilig Willkommen,

Herz, jauchze du mit!

In Ihm sei's begonnen,

Der Monde und Sonnen

An blauen Gezelten

Des Himmels bewegt.

Du, Vater, du rate!

Lenke du und wende!

Herr, dir in die Hände

Sei Anfang und Ende,

Sei alles gelegt!

Heinrich Heine (1797 - 1856) ist wohl der bekannteste Vertreter des Jungen Deutschlands. In seiner späteren Lyrik und in seinen Verserzählungen schuf er die neue Gattung – die politische Lyrik. Die frühen Gedichte sind durch die Romantik bestimmt und subjektiv. Klangvolle, melodische Lyrik von Heine hat bis heute ihre Bedeutung nicht verloren und erfreut sich Vorliebe der Leser. Neben Gedichten, in denen die lyrische Stimmung bis ans Ende durchgehalten wird, stehen solche, die am Ende mit einer überraschender Wendung die erzeugte Illusion als erkannten Irrtum zerstören (Romantische Ironie).

**********

Die Lotosblume ängstigt

Sich vor der Sonne Pracht,

Und mit gesenktem Haupte

Erwartet sie träumend die Nacht.

Der Mond, der ist ihr Buhle,

Er weckt sie mit seinem Licht,

Und ihm entschleiert sie freundlich

Ihr frommes Blumengesicht.

Sie blüht und glüht und leuchtet

Und starret stumm in die Höh’;

Sie duftet und weinet und zittert

Vor Liebe und Liebesweh.

**********

Warum sind denn die Rosen so blaß,

O sprich, mein Lieb, warum?

Warum sind denn im grünen Gras

Die blauen Veilchen so stumm?

Warum singt denn mit so kläglichem Laut

Die Lerche in der Luft?

Warum steigt denn aus dem Balsamkraut

Hervor ein Leichenduft?

Warum scheint denn die Sonn’ auf die Au

So kalt und verdrießlich herab?

Warum ist denn die Erde so grau

Und öde wie ein Grab?

Warum bin ich selbst so krank und so trüb

Mein liebes Liebchen? sprich !

O sprich, mein herzallerliebstes Lieb,

Warum,verließest du mich?

**********

Ein Fichtenbaum steht einsam

Im Norden auf kahler Höh’.

Ihn schläfert; mit weißer Decke

Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,

Die fern im Morgenland

Einsam und schweigend trauert

Auf brennender Felsenwand.

**********

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,

Die hat einen andern erwählt;

Der andre liebt eine andre,

Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger

Den ersten besten Mann,

Der ihr in den Weg gelaufen;

Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,

Doch bleibt sie immer neu;

Und wem sie just passieret,

Dem bricht das Herz entzwei.

Die Ballade „Lorelei“ ist im Anschluß an Clemens Brentano gedichtet und dank ihrer volksliedhafter Form zu beliebtersten Werken der deutschen Kunslieder geworden. Friedrich Silcher hat die Ballade 1824 vertont.

Aus „Die Heimkehr" (1823—1824).

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

Daß ich so traurig bin;

Ein Märchen aus alten Zeiten,

Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,

Und ruhig fließt der Rhein;

Der Gipfel des Berges funkelt

Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet

Dort oben wunderbar,

Ihr goldnes Geschmeide blitzet,

Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,

Und singt ein Lied dabei;

Das hat eine wundersame,

Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe

Ergreift es mit wildem Weh;

Er schaut nicht die Felsenriffe,

Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen

Am Ende Schiffer und Kahn;

Und das hat mit ihrem Singen

Die Loreley getan.

**********

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,

Und ertrage dein Geschick,

Neuer Frühling gibt zurück,

Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben,

Und wie schön ist noch die Welt!

Und, mein Herz, was dir gefällt,

Alles, alles darfst du lieben!

**********

Ich wollt’, meine Schmerzen ergössen

Sich all’ in ein einziges Wort,

Das gab’ ich den luftigen Winden,

Die trügen es lustig fort.

Sie tragen zu dir, Geliebte,

Das schmerzerfüllte Wort;

Du hörst es zu jeder Stunde,

Du hörst es an jedem Ort.

Und hast du zum nächtlichen Schlummer

Geschlossen die Augen kaum,

So wird dich mein Wort verfolgen

Bis in den tiefsten Traum.

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