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Wandrers Nachtlied

1780

Über allen Gipfeln

Ist Ruh,

In allen Wipfeln

Spürest du

Kaum einen Hauch;

Die Vögelein schweigen im Walde.

Warte nur, balde

Ruhest du auch.

Erlkönig

1782

(Die Anregung zu dieser Ballade gab Herder, indem er Goethe die dänische Ballade „Erlkönigs Tochter" mitteilte. Der Name „Erlkönig" beruht auf einer falschen Übertragung des dänischen Ellerkonge = Elfenkönig)

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?"

„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?

Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?"

— „Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel’ich mit dir;

Manch bunte Blumen sind an dem Strand;

Meine Mutter hat manch golden Gewand.''

„Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

Was Erlenkönig mir leise verspricht?"

  • „Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!

  • In dürren Blättern säuselt der Wind." —

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?

Meine Töchter sollen dich warten schön;

Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

„Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort

Erlkönigs Töchter am düstern Ort?"

  • „Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau;

  • Es scheinen die alten Weiden so grau."—

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt."

„Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!

Erlkönig hat mir ein Leids getan!"—

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,

Er holt im den Armen das ächzende Kind,

Erreicht den Hof mit Müh’ und Not;

In seinen Armen das Kind war tot.

Mignon

1784

(Das Gedicht wurde von Goethe in den Roman „Wilhelm Meister“ aufgenommen)

Kennst du das land, wo die Zitronen blühn,

Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,

Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,

Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein

Dach.

Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,

Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:

„Was hat man dir, du armes Kind, getan?"

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Möcht’ ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?

Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;

In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;

Es stürzt der Fels, und über ihn die Flut,

Kennst du ihn wohl?

Dahin! Dahin

Geht unser Weg, o Vater, laß uns ziehn!

Johann friedrich schiller (1759-1805)

Xenien

Die Sinngedichte „Xenien" entstanden 1796—1797 im Kampfe Schillers und Goethes gegen die gelehrten deutschen Philister. Beide Dichter verfaßten gegen tausend Xenien, von denen Schiller mehr als die Hälfte geschrieben hat. Das Wort „Xenien“ bedeutet „Die Gaben der Freunde“. Sie sind als zweizeilige Sprüche zusammengefasst, das Metrum heißt daktylisches Dystychon – die erste Zeile Hexameter und die zweite Pentameter

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