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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
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22.4 Syndrome mit Motilitätsstörungen
parese evtl. minimal durch Aussparung der pupillokonstriktorischen Fasern oder begleitendes Horner-Syndrom (vgl. S. 231; im Sinus cavernosus Plexus der sympathischen Fasern um die A. carotis); Neoplasmen im Sellabereich mit Einbruch in den Sinus cavernosus oft beiderseits.
Manifestationsalter: Jedes Alter.
Verlauf: s. allgemeiner Teil, S. 410 .
Differenzialdiagnose: siehe auch allgemeiner Teil, S. 411; bei Diabetes mellitus in der Regel nur ein Hirnnerv zur Zeit, Kombinationsnervenlähmungen sprechen für andere Ursache.
Therapie: s. S. 412.411
22.4Syndrome mit Motilitätsstörungen
Retraktionssyndrom (Duane)
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Definition: Angeborene Aplasie des N. abducens und Fehlinnervation des M. rectus lateralis durch Fasern des N. oculomotorius.
Leitbild: Meist ausgeprägte Einschränkung der Abduktion; Retraktion des Bulbus bei versuchter Adduktion mit Lidspaltenverengung.
Diagnostik/Symptome:
Visus: evtl. geringe Amblyopie.
Inspektion: 10 – 21% beiderseits, linkes Auge häufiger betroffen (60%); auf der betroffenen Seite weicht bei versuchter Adduktion der Bulbus in die Orbita zurück (bis max. 6 mm) und die Lidspalte wird enger (Objektivierung S. 4).
–Kopfzwangshaltung (KZH) wird zur Erhaltung des Binokularsehens eingenommen; am häufigsten steht das betroffene Auge in Adduktion (etwa 75%), seltener in Abduktion (etwa 25%).
–Oft wenig KZH; typisch auffallendes Missverhältnis zwischen geringer KZH und großer Motilitätsstörung.
Motilitätsstörung (S. 11): Einschränkung von Abduktion und Adduktion; unterschiedliche Grade der Motilitätsstörung:
–nach Huber: Typ I: Abduktion erheblich eingeschränkt, Adduktion gering (75%); Typ II: Adduktion erheblich eingeschränkt, Abduktion gering; Typ III: Abduktion und Adduktion erheblich eingeschränkt;.
–Kaufmann bevorzugt die Einteilung nach der Kopfzwangshaltung: 1. Retraktionssyndrom mit KZH in Adduktion des betroffenen Auges (in der Regel Esotropie bei Kopfgeradehaltung); 2. Retraktionssyndrom mit KZH in Abduktion (in der Regel Exotropie bei Kopfgeradehaltung).
Schielwinkelmessung (S. 18): In Primärstellung meist Eso- (ohne Diplopie) oder Exotropie; bei Blickhebung und versuchter Adduktion Wegrutschen des Auges nach oben (upshoot), bei Blicksenkung des Auges und versuchter Adduktion Wegrutschen des Auges nach unten (downshoot).
Binokularsehen (S. 23): Bei einseitiger Manifestation fast 100%; unterschiedlich großes binokulares Blickfeld; wenn beiderseits, öfter kein Binokularsehen.
Skiaskopie (S. 41)/Refraktion: Evtl. Anisometropie.
Tonometrie: Evtl. Augeninnendruckerhöhung in Adduktion.
Genetik: Manchmal familiär; 20q13/SALL4-Gen (Okihiro-Syndrom, S. 541).
Ursache: Aplasie des Nervus-abducens-Kerns bzw. Nervs; M. rect. lat. vollständig oder teilweise durch Neurone des N. oculomotorius innerviert (meist des M. rect. med., seltener Senker oder Heber).
Weitere okuläre Befunde: Evtl. Mikrostrabismus (S. 408).
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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart
22.4 Syndrome mit Motilitätsstörungen
Assoziation: (evtl.) Krokodiltränen (S. 148), Marcus-Gunn-Syndrom (S. 115); Taubheit; Radiusdysplasie, Skelett-, Harnweg-, kardiale Anomalien; Wildervanck-Syn- drom (S. 555); Akro-reno-okuläres Syndrom (S. 517); Okihiro-Syndrom (S. 541).
Manifestationsalter: Kongenital; 60% weibliches Geschlecht.
Verlauf/Komplikationen: Mit zunehmendem Alter kann durch Einschränkung der Fusion und Konvergenzfähigkeit eine Diplopie auftreten.
Differenzialdiagnose: Paresen der Mm. rect. lat. et med.; Strabismus concomitans (S. 405 ff); orbitale Erkrankungen mit mechanischer Restriktion.
Therapie:
Konservativ: Bei Amblyopie Okklusionstherapie (S. 403); optimale Brillenkorrektion;
Chirurgisch: Prinzipiell nur Operation zur Beseitigung einer störenden KZH (opshoot/downshoot selten kosmetisch auffallend) durch Rücklagerung eines oder beider Horizontalmotoren; keine Operation der Motilitätsstörung.
Moebius-Kernaplasie
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Definition: Angeborene, beidseitige Aplasie von Hirnnervenkernen.
Kongenital, manchmal familiär gehäuft; heterogener Entwicklungsdefekt (autoso- mal-dominant beschrieben); bilaterale Fazialis-, Abduzenzparese („Maskengesicht“); meist Esotropie; Keratopathia e lagophthalmo; Ptosis, Epikanthus, Mikrophthalmus, Aplasie der Carunculae lacrimales möglich; assoziiert sind N. vestibu- laris-Ausfall, Atrophie der Zunge (einseitig, N. XII), Kauund Schluckstörung (N. IX), Extremitäten-, Kopf-, Rumpfanomalien.
Ursache: Bds. angeborene Hirnnervenkernaplasie unklarer Genese; evtl. Thalido- mid-NW in der Schwangerschaft; vgl. Poland-Symptomenkomplex (S. 544).
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
Kongenitales familiäres Fibrosesyndrom
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Definition: Angeborene komplexe Augenbewegungsstörung.
Bei Geburt manifest; im Alter zunehmende Bewegungseinschränkungen mit Kopfhebung und Ptosis; Astigmatismus, Amblyopie, evtl. Enophthalmus.
Ursache: Oft autosomal-dominant, evtl. supranukleäre Fehlbildung mit sekundärem Ersatz einzelner oder aller extraokulären Muskeln (einschl. Levator) durch fibrotisches Gewebe, entsprechende Motilitätseinschränkungen; auch unilateral beschrieben.
Obliquus-superior-Klick-Syndrom
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Definition: Intermittierende Einschränkung der Hebung (selten Senkung) in Adduktion in der oberen Blickfeldhälfte durch spindelförmige Verdickung der Sehne des M. obl. sup. hinter dem Trochleabereich; bei intendierter extremer Hebung folgt der Bulbus nicht sofort, sondern erst plötzlich, nach Überwindung des Hindernisses durch intensive Muskelanspannung des M. obl. inf.; hierdurch entsteht ein schmerzhafter „Klick“ in der Trochleagegend.
Evtl. Doppelbilder; evtl. entzündliche Genese.
Chirurgische Therapie selten erforderlich (Exzision der verdickten Sehne, ipsilateral Rücklagerung des M. obl. inf. oder kontralateral des M. rect. inf.).
Brown-Syndrom
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Definition: Konstante Einschränkung der Hebung in Adduktion, vorw. im oberen Blickfeld infolge einer Störung des Gleitens der M. obl.-sup.-Sehne in der Orbita.
Auch beim Traktionstest (S. 20) des M. obl. sup. mechanische Restriktion; selten beiderseits; selten familiär.
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
22.5 Supranukleäre Augenbewegungsstörungen
Ursache: Kongenitale, strukturelle Anomalie der Sehne des M. obliquus superior (nicht durch Veränderungen der Sehnenscheiden hervorgerufen) oder erworben: Sinusitis, rheumatische Grunderkrankung, posttraumatisch, Metastase; nach operativer Faltung der M.-obliquus-superior-Sehne Muskelbauch bei Hebung zu nah an der Trochlea, die weitere Dehnung des Muskels wird blockiert.
Spontane Besserungen häufig; evtl. Exzision der Sehne einschließlich Sehnenscheide des M. obliquus superior nasal des. M. rectus superior, Rücklagerung des ipsilateralen M. obl. inf. und/oder des kontralateralen M. rectus inferior (s. Spezialliteratur).
22.5Supranukleäre Augenbewegungsstörungen
Definitionen
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Anmerkung: zur Diagnostik der supranukleären Augenbewegungstörungen vgl. S. 76: Neuroophthalmologische Untersuchung.
Supranukleäre Kontrolle der Augenbewegungen: Die den motorischen Kernen (Okulomotoriusund Trochleariskern im Mittelhirn, Abduzenskern in der Brücke) vorgeschalteten Strukturen zur Koordinierung beider Augen und Vorgabe von komplexen Bewegungsabläufen (beginnen in den Hemisphären, kreuzen im kaudalen Mittelhirn, enden im pontinen Zentrum für den horizontalen Blickkomplex; die Integration der motorischen Kerne der okulären Muskeln erfolgt über den Fasciculus longitudinalis medialis).
Sakkaden: (Blickzielbewegungen, vgl. S. 14): Rasche Augenbewegungen zur Ausrichtung der Fovea auf Zielobjekte; z. B. schnelle Phase bei Rucknystagmus (S. 421), Korrektursakkade (Stammhirnläsionen, welche die Formatio reticularis der Brücke oder des Mittelhirns betreffen, haben fehlende oder eingeschränkte Sakkaden, einschließlich der schnellen Nystagmusphasen, zur Folge).
Folgebewegung (vgl. S. 14): Langsame Augenbewegung, ausgelöst durch Bewegung eines fixierten Objektes; die Folgebewegung ermöglicht es, das Zielobjekt weiterhin kontinuierlich im fovealen Bereich abzubilden; z. B. langsame Phase des Rucknystagmus.
Verschiedene Blicklähmungen – Auswahl
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Definition: Störungen der Bewegungen beider Augen durch Läsionen der supranukleären Schaltstruktur(en) für konjugierte Augenbewegungen (horizontal: eine Seite Abduktion, andere Seite Adduktion gestört; vertikal: Blick nach oben/unten beiderseits gestört).
Hemisphärenläsion: Meist vorübergehende horizontale Blicklähmung zur Gegenseite, Augen des Patienten zur Herdseite gerichtet.
Pontine Läsion (paramediane pontine Formatio reticularis= PPRF): Horizontale Blicklähmung zur selben Seite, meist konstant.
Isolierte akute Kleinhirnläsion: Vorübergehende horizontale Blicklähmung zur Gegenseite (vestibulookulärer Reflex intakt).
Progressive supranukleäre Lähmung: Initial vertikale Blicklähmung nach unten, dann horizontal und nach oben; degenerative Erkrankung älterer Patienten; außerdem: pseudobulbäre Lähmung, Dysarthrie, dystonische Rigidität des Nackens, parkinsonähnliches Gesicht, Hyperreflexie, Demenz; letal innerhalb weniger Jahre (S. 545).
Parkinson-Krankheit: Sakkaden (S. 14) und Folgebewegungen (S. 14) gestört, Blicklähmung selten, meist Besserung unter L-Dopa-Therapie; Aufwärtsblick oft eingeschränkt (aber häufig bei älteren Menschen); seltener Lidschlag (S. 543).
Whipple-Krankheit: vorwiegend vertikale Blicklähmung, es können aber alle
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Blickrichtungen betroffen sein. |
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22.5 Supranukleäre Augenbewegungsstörungen
Seltene multisystemische Erkrankung; Beginn im Erwachsenenalter, am häufigsten mit Diarrhö, Malabsorption, Arthritis, Anämie, Fieber; selten ZNS-Beteiligung (S. 555).
Evtl. okulomastikatorische Myorhythmie: Pendel-Konvergenz-Nystagmus mit oder ohne Kaubewegungen.
Evtl. Uveitis (S. 319), Papillenödem, Chemosis (S. 155), Myositis (S. 396), Glaukom.
Parinaud-Syndrom: S. 112 .
Eineinhalb-Syndrom: S. 420.
Okulomotorische Apraxie (Cogan II-Syndrom)
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Definition: Schwierigkeiten, Sakkaden (S. 14) willentlich zu initiieren; spontane Blickbewegungen und vestibulärer Nystagmus müssen nicht betroffen sein.
Angeboren (meist autosomal-rezessiv): Meist nur horizontal gestört; Säuglinge mit starrem Blick und Schleuderbewegungen des Kopfes (Beginn 4.– 8. Monat), um Fovea auf Zielobjekt ausrichten zu können; oft spontane Besserung bis zum 20. LJ mit nur noch kleinen Kopfbewegungen, stattdessen werden vor einer Sakkade kurzfristig beide Augen geschlossen; im MRT Läsionen von Corpus callosum und Hirnstamm nachgewiesen; selten Hirnstammtumor.
Erworben: Sakkaden meist horizontal und vertikal gestört.
Differenzialdiagnose: (vgl. Syndrome) Chorea Huntington, Gaucher-Krankheit, Marie-Syndrom, Louis-Bar-Syndrom; Hirnstammtumor; beidseitige frontoparietale Läsion.
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
Blickhalteschwäche
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Definition: Die Augen können nicht in exzentrischen Positionen gehalten werden; sie gelangen dorthin, gleiten dann aber in unterschiedlichem Ausmaß zur Mitte zurück („zentripetale drift“) und werden über eine rasche Augenbewegung wieder in die exzentrische Position gebracht, die Folge ist ein Nystagmus:
Endstellungsnystagmus: physiologischer Rucknystagmus (S. 421) bei exzentrischen Blickpositionen 35 ; erschöpflich; ohne Scheinbewegungen.
Blickrichtungsnystagmus: Rucknystagmus geringer Stärke bei exzentrischen Blickpositionen 35 ; nicht erschöpflich; z. B. bei INO (s. u.).
Blickparetischer Nystagmus: Rucknystagmus mit Scheinbewegungen, Augen driften mit abnehmender Geschwindigkeit bis zur Mitte zurück; Vorkommen bei infra- oder supranukleären Augenmuskel-oder Blickparesen z. B. durch Beruhigungsmittel, Antiepileptika, Hirnstamm-, Kleinhirnläsionen.
Sakkaden-Dysmetrie
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Definition: Sakkaden (S. 418) zu kurz oder zu lang, Korrektursakkaden sind zum Ausgleich erforderlich.
Sakkaden-Hypometrie: Blickzielbewegung zu kurz; statt einer 2 Sakkaden; bei Zielobjekten, die mehr als 20 auseinanderliegen nicht pathologisch (vgl. S. 14); z. B. bei Kleinhirnerkrankung, Parkinson-Krankheit (s. o.), progressiver supranukleärer Lähmung (s. o.), Blicklähmung (s. o.), Antikonvulsiva.
Sakkaden-Hypermetrie: Blickzielbewegung zu lang, immer pathologisch, z. B. bei Läsion des Kleinhirnwurms.
Skew deviation (Hertwig-Magendie-Schielstellung)
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Definition: Inkomitante oder konkomitante (S. 400) vertikale Schielabweichung durch supranukleäre oder vestibulookuläre Störung; z. B. bei Läsionen von Kleinhirn oder Hirnstamm; kann auch alternieren: z. B. bei Rechtsblick rechtsseitige Hypertropie, bei Linksblick linksseitige Hypertropie.
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
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22.5 Supranukleäre Augenbewegungsstörungen
Ocular tilt reaction (okuläre Schaukelreaktion)
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Definition („okuläre Schaukelreaktion“): Die Augen weichen vertikal auseinander, ein Auge steht höher, eins tiefer; konjugiert rotieren die 12-Uhr-Meridiane beider Augen in die Richtung des tiefer stehenden Auges, der Kopf wird ebenfalls zur Seite des tiefer stehenden Auges geneigt; evtl. Pendelnystagmus oder Lidretraktion assoziiert.
Subjektiv evtl. Verkippung der Umgebung, unabhängig von der objektiven okulären Torsion.
Ursache z. B. Stammhirnläsion, periphere vestibuläre Läsion.
Internukleäre Ophthalmoplegie (des M. rectus medialis; INO)
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Leitbild: Fehlende Adduktion beim Blick zur Seite, Adduktion möglich bei Konvergenzreaktion.
Diagnostik/Symptome: vgl. S. 76: neuroophthalmologische Untersuchung.
Anamnese: Evtl. Diplopie bei Skew deviation (S. 419).
Motilität (S. 11): Unioder bilateral:
1.Adduktion auf der(n) betroffenen Seite(n) eingeschränkt;
2.Dissoziierter Nystagmus: Blickrichtungsnystagmus (Def. s. o.) bei Blickwendung zur Gegenseite, der am kontraleralen abduzierten Auge deutlich in Erscheinung tritt, am betroffenen adduzierten Auge dagegen nicht sichtbar (aber messbar) ist,
3.Bei unilateraler INO evtl. Skew deviation (S. 419);
4.Bei bilateraler INO evtl. vertikaler Blickrichtungsnystagmus.
–Konvergenzreaktion (S. 14): Für eine INO beweisend ist die erhaltene Adduktion des betroffenen Auges bei der Konvergenzreaktion; bei Mittelhirnläsionen kann aber auch die Konvergenz gestört sein.
–Sakkaden (S. 14): Auch bei nur geringer Adduktionseinschränkung (inkomplette INO) sind am betroffenen Auge Sakkaden nach nasal, in Aktionsrichtung des M. rect. med., deutlich verlangsamt (OKN vgl. S. 22 verdeutlicht Befund).
–Folgebewegungen (S. 14): Bei beidseitiger INO evtl. vertikal gestört.
–VOR (S. 21): Bei beidseitiger INO evtl. gestört.
Schielwinkelmessung (S. 18): In Primärstellung evtl. Exophorie, wenn bds. gelegentlich Exotropie; unilateral bei Skew deviation evtl. Höhenschielen.
Ursache: Läsion des Fasciculus longitudinalis medialis (MLF) auf der Seite des eingeschränkten M. rect. medialis.
Beiderseits, asymmetrisch: Am häufigsten multiple Sklerose (MS).
Einseitig: Am häufigsten Durchblutungsstörung.
Weitere Ursachen z. B.: Neoplasma, Medikamentenintoxikation, Inborn errors of metabolism, Entzündung, karzinomatöse Meningitis, paraneoplastischer Effekt, Arnold-Chiari-Sequenz (S. 518) mit sekundärem Hydrozephalus, spinozerebelläre Degeneration.
Manifestationsalter: Junge Erwachsene (meist MS); ältere Menschen (meist Durchblutungsstörung oder Tumor).
Verlauf/Komplikationen:
MS: Plötzliches Auftreten, Rückbildung meist innerhalb von Wochen bis Monaten.
Durchblutungsstörung: Oft vollständige Rückbildung.
Differenzialdiagnose:
Myasthenie (Tensilontest S. 6/118); endokrine Ophthalmopathie (S. 393); Okulomotoriusparese (S. 412; isolierte Lähmung des M. rect. med. aber sehr selten, Adduktion auch bei Konvergenz nicht möglich); Orbitaerkrankungen (ab S. 392).
–Eineinhalb-Syndrom: 1. ipsilaterale Läsion des MLF führt ipsilateral zur Einschränkung der Adduktion (= INO); 2. gleichzeitige Läsion der benachbarten PPRF (para-
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22.6 Nystagmus
mediane pontine Formation reticularis) oder des Abduzenskerns führt zu ipsilateraler Abduktionslähmung und kontralateraler Adduktionslähmung (d. h. Blicklähmung zur Herdseite) z. B. rechts Läsion von MLF und Abduzenskern: das rechte Auge kann weder abduziert noch adduziert, das linke Auge nicht adduziert werden; nur das linke Auge kann noch abduzieren (paralytische pontine Exotropie); Ursache z. B. MS, Hirnstamminfarkt, -Blutung, -Gliom, arteriovenöse Anomalie.
Störungen der Vergenz
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Definition/Diagnostik: vgl. S. 401 / 14 .
Konvergenzlähmung: Ursachen sind z. B. Enzephalitis, Diphtherie, multiple Sklerose, zerebrale Gefäßverschlusserkrankung (bei funktioneller Ursache Miosis und Akkommodation zu beobachten).
Naheinstellungsspasmus:
Übermäßige Konvergenz, Akkommodation (S. 48) und Miosis (Spasmus der Naheinstellungstrias).
Symptome: Verschwommensehen, Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Diplopie.
Ursachen: Meist funktionelle Störung ohne pathologisch-anatomisches Korrelat (psychiatrische, pädiatrische Betreuung); selten: Überdosis Antiepileptika; nach Kopftrauma; Parinaud-Syndrom (S. 112), Anomalien des kraniozervikalen Übergangs; Intoxikationen; Wernicke-Krankheit (S. 555).
Divergenzlähmung:
Symptome: Akute Diplopie für zunehmende Entfernungen; Orthophorie in der Nähe, relativ komitante Esotropie in der Ferne; keine groben Motilitätsstörungen.
Differenzialdiagnose: Beidseitige Abduzensparese geringer Ausprägung, deshalb sollte eine „organische Ursache“ stets ausgeschlossen werden.
Therapie: Prismen, Operation.
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
22.6 Nystagmus
Definitionen/Allgemeines
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Nystagmus: Rhythmische Oszillationen der Augen.
Beschrieben sind bisher 45 verschiedene Nystagmustypen.
Zur Diagnostik und Dokumentation vgl. S. 21 und neuroophthalmologische Untersuchung S. 76.
Pendelnystagmus: Gleiche Geschwindigkeit in beide Richtungen (wie ein Uhrpendel).
Rucknystagmus: Bewegung in eine Richtung schneller; langsame Phase vom Zielobjekt weg, schnelle Phase führt Augen wieder zurück; die Richtung der schnellen Phase bestimmt die Richtung des Rucknystagmus.
Ruhige Zone: Blickposition mit Nystagmusminimum; wird vom Patienten bevorzugt eingenommen, deshalb Kopfzwangshaltung (Neutralzone: Augenposition in der die Richtungsumkehr eines rechtsschlägigen Nystagmus in einen linksschlägigen erfolgt oder in der kein Nystagmus zu registrieren ist).
Dissoziierter Nystagmus: Deutliche Asymmetrie beider Augen in Nystagmus-Am- plitude oder Richtung (z. B. INO, S. 420, Spasmus nutans s. u.).419
Vestibulärer Spontannystagmus
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Leitbild: Rucknystagmus; Schwindel.
Diagnostik/Symptome: siehe auch S. 21, Dokumentation S. 21 .Anamnese: evtl. Oszillopsie (S. 414).
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22.6 Nystagmus
Inspektion:
–Schlagform: Rucknystagmus.
–Schlagebene: 1. Ausfall eines Vestibularorgans: horizontal oder horizontal-tor- sional, seltener rein horizontal; rasche Phasen zur Gegenseite der Läsion; 2. zentral (nukleär): oft rein horizontal, rasche Phasen in eine oder evtl. zwei Richtungen (Rechtsblick-Rechtsnystagmus, Linksblick-Linksnystagmus), evtl. vertikal oder rein torsional.
Weitere Charakteristika: Schwindel; bei akutem Ausfall eines Vestibularorgans Hemmung durch Darbietung von Sehkonturen; beim akuten Ausfall beider Vestibularorgane kein Spontannystagmus, aber Oszillopsie.
Ursache: Läsion im Endorgan, N. vestibularis oder Hirnstamm:
Läsion im Vestibularorgan: z. B. Entzündung; Menière-Symptomenkomplex (neben Nystagmus anfallsweise Drehschwindel mit Übelkeit, Erbrechen, Tinnitus, Innenohrschwerhörigkeit; Labyrintherkrankung unbekannter Ätiologie); vaskuläre Erkrankung; Trauma; toxisch.
Zentrale Läsion: Vaskuläre, demyelinisierende Erkrankung oder Tumor.
Verlauf/Komplikationen:
Nach Ausfall eines Vestibularorgans innerhalb weniger Tage zentrale Gegensteuerung (evtl. noch bei Ausschluss der Fixation durch Frenzel-Leuchtbrille20 dpt sichtbar).
Bei zentraler Läsion evtl. chronisch.
Optokinetischer Nystagmus (OKN)
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Definition: Komplexer okulärer motorischer Reflex auf die Bewegung gemusterter Objekte; im Normalfall entsteht ein Rucknystagmus: langsame Phase richtungsgleich mit der Bewegung des optokinetischen Reizes, rasche Phase in Gegenrichtung; benannt wird der OKN nach der schnellen Phase, beurteilt wird aber die langsame Phase (Folgebewegung; Diagnostik vgl. S. 14).
Beachte: Der normal auslösbare OKN spricht für überhaupt vorhandenes Sehvermögen (Einsatz z. B. bei Säuglingen, Simulanten; zentrale Sehschärfe muss nicht gut sein); monokulare Reizung beim Säugling in den ersten 3 Monaten von temporal nach nasal wesentlich wirksamer.
Pathologisch:
Horizontaler Seitenunterschied der Geschwindigkeit der Folgebewegung (vertikal oft auch beim Gesunden Differenzen).
Rasche Abfolge von Sakkaden (S. 14) statt der Folgebewegung.
Fehlen der Sakkaden.
Beispiele für Störungen des OKN:
Parietallappenläsion: z. B. Läsion rechts, Folgebewegung nach rechts gestört, OKN nach links schlechter auslösbar, oft verbunden mit Hemianopsie nach links; OKN vermindert in Amplitude und Frequenz bei Bewegung eines gemusterten Bandes in Richtung der Läsion, normal bei Bewegung zur intakten Seite (besonders deutlich, wenn nicht dominanter [meist rechter] Parietallappen betroffen; Hemianopsien mit symmetrischem OKN machen eine Parietallappenläsion unwahrscheinlich).
Okzipitallappen-, Temporallappen-, Tractus-opticus-Läsionen mit ausgeprägten Hemianopsien, aber strikt begrenzt, weisen keinen asymmetrischen OKN auf; Inversion des OKN bei kongenitalem Nystagmus siehe unten.
INO (S. 420): Demonstration der Adduktionsverlangsamung (z. B. INO links: bei Führung des gemusterten Bandes nach links, ausgeprägt verlangsamte Sakkade des linken Auges nach rechts = Adduktionssakkade).419
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22.6 Nystagmus
Spasmus nutans
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Leitbild: Pendelnystagmus mit variabler Phasendifferenz zwischen beiden Augen.
Diagnostik/Symptome: s. a. S. 21, Dokumentation S. 21 .
Inspektion:
–Schlagform/Frequenz: Pendelform, variable Phasendifferenz zwischen beiden Augen, Wechsel evtl. innerhalb Sekunden, Minuten; kleine Amplitude, hochfrequent (3 – 11 Hz).
–Schlagebene: horizontal, rotatorisch, vertikal.
Weitere Charakteristika: Bi-, evtl. monolateral; ungleiche Ausprägung auf beiden Augen, unterschiedlich in den verschiedenen Blickpositionen, evtl. intermittierend; oft irreguläres, inkonstantes, vertikales oder horizontales Kopfwackeln (um 3 Hz); 2/3 der Patienten haben eine Kopfzwangshaltung.
Genetik: Gelegentlich familiär.
Assoziation: Evtl. Tumoren (z. B. Gliom) des N. opticus, Chiasmas oder des III. Ventrikels (evtl. Z. n. Kindesmisshandlung); MRT notwendig.
Manifestationsalter: 4.– 8. Lebensmonat.
Verlauf/Komplikationen: Dauer meist 12 – 24 Monate, in der Regel spontanes Verschwinden bis zum 3. LJ, selten bis zum 8. LJ.
Nystagmus latens (s. S. 22)
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Kongenitaler Nystagmus
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Leitbild: Nystagmus mit pathologischer Schlagform.
Diagnostik/Symptome: siehe auch S. 21, Dokumentation S. 21 .
Inspektion:
–Schlagform; pathologisch: Verschiedene Formen, oft nur durch okulographische Aufzeichnung (Nystagmogramm) zu klären (reine Pendelform selten); Geschwindigkeit nimmt während der langsamen Phase zu; beiderseits gleiche Amplitude.
–Schlagebene: Gewöhnlich horizontal (auch bei Aufblick nur horizontal).
–Weitere Charakteristika: In der Regel beiderseits und seitengleich; Verstärkung bei Fixation, Abschwächung bei Konvergenz, nicht vorhanden im Schlaf; keine Oszillopsie (Scheinbewegung) unter normalen Sehbedingungen.
Beachte: Inversion des OKN in 67% (z. B. bei kongenitalem Rucknystagmus nach links dämpft eine nach rechts gedrehte optokinetische Trommel den Nystagmus oder die schnelle Phase ist sogar nach rechts gerichtet).
–Kopfwackeln.
Genetik: Oft X-chromosomal-rezessiv.
Ursache: Nicht bekannt.
Assoziation: In der Regel keine.
Manifestationsalter: Beginn Geburt, 3. Lebensmonat.
Verlauf/Komplikationen: Zunächst intensiv, oft Besserung mit 1 LJ; persistiert meist während des ganzen Lebens.
Differenzialdiagnose:
Zwei dem kongenitalen Nystagmus im Erscheinungsbild sehr ähnliche Typen sind:
–Okulärer Nystagmus durch in den ersten Lebensmonaten das Sehen beiderseits erheblich beeinträchtigende Augenveränderungen.
–Monokularer vertikaler Nystagmus durch monokularen Sehverlust in jedem Lebensalter.
Weitere Differenzialdiagnose: N. latens (S. 405; beim kongenitalen Nystagmus Strabismus selten) und alle übrigen Nystagmusformen sowie sakkadische Intru-
sionen/Oszillationen von S. 424 .
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
22.6 Nystagmus
Therapie:
Konservativ: Optimale Brillenkorrektion; evtl. fusionale Konvergenz durch Prismen Basis außen (oder operativ) fordern;
Chirurgisch: a) operative Induktion einer Exophorie („artifizielle Divergenz“), diese kann den Visus bessern oder die Kopfzwangshaltung beseitigen, wenn Konvergenz den Nystagmus beruhigt (s. Spezialliteratur); b) bei ruhiger Zone in exzentrischer Blickposition evtl. operative, gleichsinnige Verlagerung beider Augen in Primärposition (Kestenbaum-Operation s. Spezialliteratur).
Endstellungsnystagmus/Blickrichtungsnystagmus/Blickparetischer
Nystagmus
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Siehe Blickhalteschwäche, S. 419 .
Erworbener Pendelnystagmus bei Erwachsenen
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Schlagebene: Horizontal, vertikal, diagonal, elliptisch, zirkulär.
Weitere Charakteristika: Meist Kopftremor; ausgeprägte Asymmetrie (Dissoziation) beider Augen.
Ursache: Stammhirn oder zerebelläre Dysfunktion bei demyelinisierender (2/3) oder vaskulärer (Schlaganfall, Angiom) Erkrankung.
Therapie: Evtl. Gabapentin bis 900 mg/Tag (Visusverbesserung)
See-saw-Nystagmus (Schaukelnystagmus)
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Definition: Alternierende Augenbewegungen mit einer Frequenz von 1 Zyklus/ Min.; wenn ein Auge ansteigt und nach innen rotiert, fällt das andere und rotiert nach außen; evtl. nur in Primärposition oder häufiger nur beim Blick nach unten oder zur Seite.
Ursache: Am häufigsten große paraselläre Tumoren mit Ausdehnung innerhalb des III. Ventrikels (Topographie Abb. 20.1, S. 384) und bitemporaler Hemianopsie; weitere: z. B. Trauma, vaskuläre Erkrankung des oberen Hirnstamms, Arnold-Chiari-Se- quenz (Verschiebung von Kleinhirnanteilen und Medulla oblongata durch das Foramen magnum in den Spinalkanal, besonders bei Meningomyelozelen; vgl. S. 518).
Periodisch alternierender Nystagmus
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Definition: Persistierender horizontaler Rucknystagmus ändert periodisch (etwa alle 90 – 120 s) die Richtung; kongenital oder erworben.
Ursache: z. B. Anomalie des kraniozervikalen Übergangs (Arnold-Chiari s. o.); kongenitaler Nystagmus (s. o.); Kopftrauma; Enzephalitis; vaskuläre Insuffizienz; multiple Sklerose; Syphilis; spinozerebelläre Degeneration; Tumor der hinteren Schädelgrube; Albinismus (dann kongenital; vgl. S. 220).
Erworbener Typ evtl. mit Baclofen (dämpft den Hirnstamm) zu behandeln.
Downbeat-Nystagmus
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Definition: Rucknystagmus in Primärposition mit der Ausrichtung der schnellen Phase nach unten; maximale Intensität oft bei Blick nach lateral und seltener nach unten; evtl. intermittierend.
Ursache: Erkrankung des kraniofazialen Übergangs, z. B. Arnold-Chiari-Sequenz (s. o.); spinozerebelläre Degeneration; Intoxikationen: Antikonvulsiva, Alkohol, Lithium.
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22.7 Sakkadische Intrusionen/Oszillationen
Upbeat-Nystagmus
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Definition: Rucknystagmus in Primärposition mit der Ausrichtung der schnellen Phase nach oben; evtl. Verstärkung oder Übergang in Downbeat-Nystagmus bei Konvergenz.
Ursache: z. B. Medikamentenintoxikation, Erkrankungen von Hirnstamm und vorderem Kleinhirnwurm.
Rebound-Nystagmus (s. S. 22)
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22.7Sakkadische Intrusionen/Oszillationen
Kippdeviationen (square-wave jerks)
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Definition: Kleine, konjugierte, nicht unterdrückbare Sakkaden (0,5 – 5 ) vom Zielobjekt weg und wieder zurück, zeitlicher Abstand von 200 ms.
Ursache:
z. B. zerebelläre Erkrankung; progressive supranukleäre Lähmung (S. 545).
Beachte: Tritt auch bei Gesunden in Dunkelheit, bei Lidschluss und mit zunehmendem Alter auf.
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Strabismus/Störungen der Augenmotorik
Große Kippdeviationen (macrosquare-wave jerks)
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Definition: Größere, konjugierte, beiderseitige Sakkaden (5 – 15 ) vom Zielobjekt weg und wieder zurück im Abstand von 70 – 150 ms.
Ursache: z. B. multiple Sklerose, Marie-Syndrom (S. 536).
Opsoklonus
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Definition: Schnelle Sakkaden ohne vorhersagbare Folge (chaotisch) in alle Richtungen, kein intersakkadisches Intervall; persistiert während des Schlafs (evtl. Übergang in Flattern, d. h. spontane, kurze, intermittierende, binokulare horizontale okuläre Oszillationen bei Geradeausfixation.
Ursache: z. B. Neuroblastom; postinfektiös bei Erwachsenen; Hirnstammenzephalitis; toxische Wirkung von Amitriptylin, Lithium, Haloperidol, Chlordecon, Thallium, Toluen, Chlorophenothan, Phenytoin, Diazepam; hyperosmolares Koma; degenerative Erkrankungen; paraneoplastisches Syndrom; selten und selbstlimitierend bei sonst normalen Neugeborenen.
Ocular bobbing
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Definition: Beim bewusstlosen Patienten rasche, konjugierte Augenbewegungen nach unten, langsamer Rückgang in die Primärposition.
Ursache: z. B. pontine, metabolische, toxische Erkrankung.
Ping-pong-Blick
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Definition: Beim bewusstlosen Patienten langsame, innerhalb weniger Sekunden alternierende, konjugierte, horizontale Deviation der Augen.
Ursache: Bilaterale Störung der Großhirnhemisphären.
Okulogyre Krise
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Definition: Spastische Blickabweichung mit nach oben und seitlich gerichteten Augen (Blickkrampf, Schauanfall) von 10 Min. bis 24 Std. Dauer.
Ursache: z. B. Parkinson-Krankheit (S. 543), Jackson-Epilepsie, organische Hirn-
schäden, Schizophrenie im katatonischen Stadium. |
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