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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Fortecortin (Dexamethason) Mono 4 mg subkonjunktival (Technik: 27er Kanüle; spritzenführende Hand unbedingt am Patientenkopf abstützen; angeschliffene Spitze sklerafern; mit tangentialer Nadelführung Bindehaut penetrieren; bei der Injektion muss eine Chemosis entstehen): Dosis/Dauer: 1 ml, maximal 1 – 2-mal tgl.; Indikation abhängig vom Befund und dem fehlenden Ansprechen auf die Tropftherapie.
Die Injektion von kristalloiden Steroiden subkonjunktival ist kontraindiziert, da die Gefahr eines Zentralarterienverschlusses durch Embolisation besteht.
Kortison systemisch: vor Beginn der Therapie Röntgen-Thorax (Ausschluss von z. B. Tbc); Blutzuckerbestimmung (Diabetesausschluss).
–Indikation: Massiver Entzündungsschub, keine Besserung bei lokaler Therapie; Entzündungen, die den Hinterabschnitt miteinbeziehen, soweit diesen keine spezifische Infektion und kein Malignom zugrunde liegen.
–Beginn: Prednison p. o. 1 – 2 mg/kg KG morgens (alternierend, jeden 2. Tag; reduziert NW, aber auch Wirkung; Aufteilung der Tagesdosis erhöht Wirkung, aber auch NW).
–Dauer: Nach antiinflammatorischer Wirkung, meist maximal 4 Wochen; wenn 2 Wochen überschritten werden, ist langsame Dosisreduktion erforderlich, kein abruptes Absetzen (evtl. Pulstherapie: 1 g Methylprednisolon tgl. i. v. über 3 Tage; soll bei Patienten, die nicht auf orale Therapie ansprechen, Besserung bewirken).
Beachte einige NW bei Kortikosteroidtherapie lokal/systemisch/subkonjunktival: Tensionserhöhung bis 5% bei kurzzeitiger, bis 35% bei langfristiger Therapie; Katarakt (besonders hintere subkapsuläre Trübung); erhöhte Infektionsgefahr.
–Systemisch: Persönlichkeitsveränderungen (Manie, Psychose, Schlafstörungen); Gewichtszunahme; Nebennierensuppression; Akne; Osteoporose; aseptische Knochennekrosen; Immunsuppression; Reaktivierung latenter Infektionen (z. B. Tbc), verzögerte Wundheilung; Elektrolytstörungen; verminderte Glukosetoleranz bei Diabetes; peptische Ulzera; Wachstumsverzögerung bei Kindern;
–Subkonjunktival: Ptosis, Blutung, Infektion, Fettatrophie, allergische Reaktion gegen Zusatzstoffe.
Immunsuppressiva/Zytostatika: Internistische Betreuung wegen der möglichen lebensbedrohlichen Komplikationen erforderlich. Indikation nach der International Uveitis Study Group besteht bei beidseitiger Uveitis, bestkorrigiertem Visus nicht 0,4, orale Kortikosteroide bessern nicht oder werden nicht vertragen; z. B. Ciclosporin, Azathioprin, Chlorambucil, Cyclophosphamid; Dosis, Dauer, NW (z. B. Zytopenie) siehe Spezialliteratur.
Chirurgisch: Entsprechend der aufgetretenen Komplikationen, z. B. Vitrektomie, Kataraktextraktion (möglichst nicht im akuten Uveitisschub; vgl. S. 471).
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Juvenile rheumatoide Arthritis (JRA)
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Definition: Idiopathische, länger als 6 Wochen bestehende entzündliche Schwellungen von einem oder mehreren Gelenken bei Kindern im Alter von unter 16. Jahren.
Leitbild: Asymptomatische chronische Uveitis anterior mit weißem Auge.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
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17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Anamnese: Beginn meistens asymptomatisch, schleichend, deshalb prophylaktische Spaltlampenuntersuchung alle 3 Monate (solange keine Veränderungen festgestellt wurden) erforderlich.
Spaltlampe: Beiderseits chronische anteriore Uveitis mit in der Regel weißem Auge (akute Uveitis anterior bei der enthesiopathischen JRA); feine, multiple Hornhautrückflächenbeschläge (S. 195); hintere Synechien; evtl. Koeppe-Knötchen (S. 218); Pigmentbeschläge der Linsenvorderfläche.
Formen der JRA mit Uveitis anterior:
Polyartikulär ( 5 Gelenke): Etwa 5% Uveitis anterior.
Enthesiopathisch ( 5 Gelenke): Etwa 25% Uveitis anterior.
Oligoartikulär ( 4 Gelenke): Etwa 25% Uveitis anterior.
Serologie: Nachweis von HLA-B27, Rheumafaktor, antinukleären Antikörpern (ANA) abhängig von der Subgruppe der JRA.
Verlauf:
Etwa bei 25% blander Verlauf der Uveitis anterior, nur ein Schub, 4 Monate dauernd; etwa bei 50% Dauer 4 Monate, Rezidive, aber medikamentös zu kontrollieren; etwa bei 25% schwerer Verlauf über Jahre, schlechtes Ansprechen auf Medikamente.
Häufige Komplikationen: Hornhautbandkeratopathie (Abb. 17.6), Katarakt, Sekundärglaukom, siehe auch Teil I.
Differenzialdiagnose: siehe Allgemeines S. 323.
Therapie: s. Teil I (S. 323); prophylaktische Spaltlampenuntersuchungen (s. o.).
Abb. 17.6 · Hornhautbanddegeneration: Bandförmige, horizontale, weißliche Hornhauttrübung
Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
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Definition: Entzündliche rheumatische Wirbelsäulenerkrankung.
Leitbild: Iridozyklitis; Sakroiliitis.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320
Anamnese: Chronische Schmerzen im Bereich der Iliosakralgelenke.
Spaltlampe: Rezidivierende akute Iridozyklitis (S. 320 f); meist ein Auge zur Zeit; feine Hornhautpräzipitate; evtl. Hypopyon (S. 320); selten Skleritis; (S. 190).
Serologie: HLA-B27 88 – 96% positiv; Rheumafaktor negativ.
Röntgen: Sakroiliitis (oft vor klinischer Symptomatik).
Ursache: Evtl. getriggert durch Infektion mit gram-negativen Organismen.
Assoziation: Axiale Skelettarthritis, evtl. Herzerkrankung; evtl. Colitis ulcerosa, Crohn-Krankheit.
Manifestationsalter: Meist Männer zwischen 20.– 40. LJ (auch bei Frauen und Kindern möglich).
Verlauf/Komplikationen: Dauer des akuten Schubes meist nicht länger als 6 Wochen, Intervall zwischen den Schüben Monate bis Jahre; evtl. Übergang in chronische Uveitis anterior, auch beiderseits.
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Intraokuläre Entzündungen
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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Differenzialdiagnose: Sakroiliitis und Spondylitis bei Salmonellen, Shigellen, Yersinia enterocolitica und Tab. 17.1, S. 324.
Therapie: siehe Teil I, S. 323.
Reiter-Krankheit
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Definition: Trias von Arthritis, Konjunktivitis, Urethritis sowie mukokutane Veränderungen nach einer Enteritis oder urogenitalen Infektion.
Leitbild: Unilaterale Iridozyklitis; Sakroiliitis.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Spaltlampe: Akute unilaterale Iridozyklitis (S. 319 f).
Serologie: HLA-B27 63 – 96% positiv.
Internistische Betreuung erforderlich.
Röntgen: Sakroiliitis (oft vor klinischer Symptomatik; 50% der Patienten mit positivem Befund bekommen eine Uveitis anterior).
Ursache: Unbekannt; Immunproteinablagerungen synovial und konjunktival; kann Infektionen mit unterschiedlichen Erregern folgen bei zusätzlicher genetisch bedingter Disposition; z. B. verschiedene Salmonellen, Shigellen; Campylobacter; Chlamydia trachomatis.
Weitere okuläre Befunde: Mukopurulente Konjunktivitis, Episkleritis; Keratitis punctata superficialis; subepitheliale stromale Hornhautinfiltrate (S. 193); Papillenödem; Neuritis nervi optici (S. 370); Glaskörperzellen, Makulaödem (S. 287).
Assoziation: Läsionen der Mundschleimhaut, Polyarthritis, Urethritis, Keratoderma blennorrhagica (Handinnenflächen, Fußsohlen beteiligt; Balanitis; Nageldystrophie; plantare Fasziitis).
Manifestationsalter: Meist Männer (Frauen seltener) 20 Jahre; bei Kindern möglich, meist mehrere Familienmitglieder betroffen, während einer Dysenterie-/Enteri- tisperiode.
Verlauf/Komplikationen: Dauer der Uveitis anterior 6 Wochen, Rezidive häufig.
Differenzialdiagnose: Allgemeines S. 323.
Therapie: konservativ; Allgemeines S. 323.; bei Nachweis der o. g. Erreger spezifisch nach Maßgabe des Internisten, z. B. Tetracycline p. o. bei Chlamydien; Trimethoprim/Sulfamethoxazol p. o. bei Salmonellen, Shigellen, Yersinia; Erythromycin p. o. bei Campylobacter.
Psoriasis-Arthritis
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Definition: Chronische Systemerkrankung mit Oligooder Polyarthritis und/oder Spondylitis, Sakroiliitis in Assoziation mit einer Psoriasis der Haut und Nägel.
Leitbild: Akute unilaterale Iridozyklitis; Arthritis.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Spaltlampe: Akute unilaterale Iridozyklitis (S. 320 f).
Serologie: HLA-B27 41 – 100% positiv (auch HLA-B17), Rheumafaktor negativ.
Röntgen der betroffenen Gelenke.
Weitere okuläre Befunde: Konjunktivitis; Keratoconjunctivitis sicca (S. 144); Keratitis.
Assoziation: Entzündliche Arthritis bei etwa 5% der Patienten mit Psoriasis (besonders interphalangeale Gelenke der Hände und Füße, evtl. auch sakroiliakale und Wirbelsäule).
Verlauf/Komplikationen: siehe Allgemeines, S. 323.
Differenzialdiagnose: siehe Allgemeines, S. 323.
Therapie: siehe Allgemeines, S. 323.
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Sarkoidose
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Definition: Systemische granulomatöse Erkrankung unbekannter Ätiologie, intrathorakale Lymphknoten immer, Lunge zu 90% betroffen.
Leitbild: Uveitis anterior mit granulomatösen Irisknötchen; retinale, tropfendem Kerzenwachs ähnliche, perivaskuläre granulomatöse Herde.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Spaltlampe: Uveitis anterior (S. 320), akut, chronisch, unioder bilateral; oft speckige Hornhautrückflächenbeschläge (S. 195); hintere Synechien; evtl. Iris bombata (S. 218); Irisknötchen (Koeppeund Busacca-Knötchen S. 218) auch im Kammerwinkelbereich; Ziliarkörpergranulome (gonioskopisch sichtbar).
Funduskopie: Periphlebitis: abschnittsweise venöse Gefäßeinscheidungen, weiße perivenöse Exsudate, perivaskuläre weiß-gelbliche granulomatöse Herde (Aussehen wie tropfendes Kerzenwachs); retinale und präretinale grauweiße Knoten
(meist inferior und vor dem Äquator); Glaskörperzellen und schneeballartige Glaskörpertrübungen; Glaskörperund retinale Blutungen; evtl. beiderseits multiple, blassgelbe, erhabene chorioidale Herde unterschiedlicher Größe am hinteren Pol, evtl. solitär, mit exsudativer Netzhautablösung (S. 261); Makulaödem (S. 287).
Serologie: Bestimmung des Angiotensin converting enzyme (Norm: 12 – 35 nmol/ µl Männer; 11 – 29 nmol/µl Frauen); zu 34% erhöht bei nicht systemischer, zu 73% erhöht bei systemischer Sarkoidose.
Biopsien: Tränendrüse, Konjunktiva, Lymphknoten, Tonsillen, Leber; Lunge mit tracheobronchialer Fiberoptik.
Kveim-Test: 80% pos. bei Sarkoidose: Salzlösung von Sarkoidgewebe aus Milz eines Patienten intrakutan induziert Granulom, das nach 4 Wochen biopsiert wird.
Intrakutane Tuberkulinreaktion bei Sarkoidose negativ.
Röntgen-Thorax: 90 – 94% pathologischer Befund; beiderseits Hilus-Lymphade- nopathie, Lungeninfiltrate, -fibrose.
Primär internistische Betreuung.
Ursache: Nicht bekannt; immunologische Anomalien.
Weitere okuläre Befunde:
Granulome in Bindehaut (wie große Follikel aussehend), Episklera, Sklera, Orbita (mit Exophthalmus), Lidhaut, Tränendrüse, -sack möglich;
N. opticus: Stauungspapille (bei zerebraler Beteiligung; S. 366), Granulome, Neovaskularisationen, Neuritis nervi optici (S. 370), Retrobulbärneuritis (S. 370), Atrophie;
Konjunktivitis, Phlyktänen (S. 160); Keratitis, Keratoconjunctivitis sicca (S. 144); Skleritis, Episkleritis (S. 189); Lagophthalmus bei Paralyse N. VII, S. 112, Ptosis bei Paralyse N. III, S. 113; Diplopie bei Paralyse Nn. III, IV, VI; Gesichtsfelddefekte bei Granulomen in N. opticus, Chiasma, Tractus.
Assoziation: Granulome in Organen und Geweben des ganzen Körpers möglich, z. B. Arthropathie, Erythema nodosum, Hyperkalzurie, zerebrale Beteiligung. Syndrome in Assoziation mit einer Sarkoidose:
Heerfordt-Syndrom: Uveitis, Parotisvergrößerung, chronisches Fieber, Hirnnervenlähmungen, besonders N. VII.
Löfgren-Syndrom: Erythema nodosum, beiderseits Hiluslymphadenopathie, akute Iritis, Parotitis.
Mikulicz-Syndrom: S. 537.
Manifestationsalter: Jedes Alter (auch Kinder 5 Jahre); meist 2. LJZ.
Verlauf/Komplikationen:
Akuter Beginn mit Erythema nodosum meist selbst limitierend; bei schleichendem Beginn chronischer Übergang in progressive Fibrose; gewöhnlich gutes An-
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Intraokuläre Entzündungen
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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
sprechen auf Kortisontherapie mit Rückgang der Veränderungen; Rezidive, auch nach langer Zeit.
Mögliche Veränderungen: Hornhautbandkeratopathie (S. 200, Abb. 7.8), Katarakt, Sekundärglaukom; als Folge der Periphlebitis Venenastverschlüsse (S. 271), retinale Neovaskularisationen; bei chorioidaler Sarkoidose chorioidale Neovaskularisation (S. 282) und -fibrose; siehe auch S. 323; Abb. 17.5, S. 323.
Differenzialdiagnose: Allgemeines Tab. 17.1, S. 324; bei solitärem chorioidalem Granulom vgl. Differenzialdiagnose malignes Melanom der Aderhaut (S. 353, z. B. amelanotisches Melanom, Karzinom-Metastase, Tuberkulom, chorioidales Osteom).
Therapie:
Konservativ (durch Internisten) Prednison p. o.: 60 – 80 mg tgl. (Einzeldosis vor dem Frühstück oder aufgeteilt in 4 Tagesdosen); evtl. jeden zweiten Tag 2-mal 60 – 80 mg tgl.; wenn keine Entzündungszeichen mehr vorhanden, langsam ausschleichen, NW. siehe S. 326; Behandlung der Uveitis anterior siehe Allgemeines S. 323.
Chirurgisch: Evtl. Laserkoagulation bei Neovaskularisationen (ab S. 458).
Behçet-Krankheit
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Definition: Chronisch rezidivierende Systemerkrankung mit u. a. aphthös-ulzer- ösen Mundund Genitalschleimhaut-Veränderungen, Gelenkschwellungen, Erythemen.
Leitbild: Beidseitige akute Iridozyklitis mit Hypopyon.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Spaltlampe: Zu 80% beiderseits akute, rezidivierende Iridozyklitis (S. 320 f), meist mit Hypopyon (S. 320).
Funduskopie: Vitritis (Entzündungszellen im Glaskörper); Uveitis posterior: retinale Vaskulitis mit Blutungen und Exsudationen aus diffusen Leckagen, Gefäßeinscheidungen; Gefäßverschlüsse, Neovaskularisationen (evtl. PVR, S. 263); Makulaödem (S. 287); Flecken grauer, ischämischer verdickter Netzhaut mit fokalen Akkumulationen gelbweißer, tiefer retinaler Exsudate; N. opticus: Hyperämie, Papillitis (S. 370), Atrophie.
Serologie: HLA-B5, HLA-Bw-51 (außerdem HLA-DQ-Assoziation, besonders wenn therapierefraktär; HLA-B27 bei Arthritis, HLA-B12 bei mukokutaner Beteiligung).
Internistische, dermatologische, urologische Untersuchung: Bestimmung des Ausmaßes der Assoziation.
Ursache: Generalisierte nekrotisierende Vaskulitis unbekannter Genese.
Weitere okuläre Befunde: Konjunktivitis; Episkleritis (S. 189); Skleritis (S. 190); Keratitis.
Assoziation: Rezidivierende Aphthen oder herpetiforme Ulzera der Mundschleimhaut; rezidivierende genitale Ulzerationen: Hautveränderungen, z. B. Erythema nodosum; Arthritis; kardiale und zentralnervöse Veränderungen.
Manifestationsalter: Meist junge Männer im 20.– 40. LJ (Männer: Frauen 2: 1).
Verlauf/Komplikationen: siehe auch Allgemeines S. 323; insgesamt Prognose für Visus schlecht; wenn Uveitis anterior überwiegt, mit Kortikosteroiden und Weitstellung lange guter Visus zu erhalten; trotzdem Übergang der akuten in chronische Iridozyklitis möglich; ohne Immunsuppression langfristig als Endstadium Phthisis bulbi (S. 323) nicht ausgeschlossen; seit Einführung der Immunsuppressiva in die Therapie der Uveitis posterior nach 5 Jahren nur bei 5% hochgradiger Visusverlust.
Therapie: Konservativ; Allgemeines S. 323; schlechtes Ansprechen besonders der Uveitis posterior auf systemische Kortikosteroide; Chlorambucil bessert oft, aber NW z. B. Azoospermie, testikuläre Atrophie. Internistische, dermatologische, urologische Betreuung erforderlich.
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17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie (APMPPE)
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Leitbild: Tief in der Netzhaut gelegene grauweiße Herde; nach spontaner Abheilung innerhalb weniger Wochen wieder nahezu normale Sehschärfe.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen Allgemeines,
S. 320.
Visus: Initial einseitige Reduktion.
Spaltlampe: Evtl. Iridozyklitis (S. 319 f).
Funduskopie: Meist beiderseits um wenige Tage bis Wochen zeitlich versetzt, multiple, tief in der postäquatorialen Retina auf Höhe des RPE gelegene, flache, umschriebene, grauweiße Herde; bei 50% Zellen im Glaskörper; evtl. Gefäßeinscheidungen, Papillenödem, Papillitis (S. 370), Neuritis nervi optici (S. 370), seröse Netzhautablösung.
Fluoreszenzangiographie: Im akuten Krankheitsstadium in den frühen Angiogrammphasen Blockade der chorioidalen Fluoreszenz durch die Läsionen; in den späteren Angiogrammphasen Färbung der Läsionen.
Ursache: Unklar; primäre Affektion des RPE oder Vaskulopathie der Choriokapillaris.
Weitere okuläre Befunde: Episkleritis (S. 189).
Assoziation: 30 – 50% grippeähnliches Prodromalstadium; evtl. Erythema nodosum, Thyreoiditis, Zerebrovaskulitis, Adenovirus-Typ-5-Infektion, Lymphadenopathie, Hepatomegalie, regionale Enteritis, Liquorveränderungen.
Manifestationsalter: Junge Erwachsene (um das 25. LJ).
Verlauf/Komplikationen: Meist innerhalb weniger Wochen spontane Abheilung mit Depigmentierungen und Pimentverklumpungen und nur gering vermindertem Endvisus; selten Rezidive innerhalb von 6 Monaten; selten chorioidale Neovaskularisationen.
Differenzialdiagnose: siehe Tab. 17.1, S. 324.
Therapie:
– Konservativ: Keine effektive Therapie bekannt;
Chirurgisch: Ggf. Lasertherapie bei Neovaskularisationen (vgl. S. 458).
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Intraokuläre Entzündungen
Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom (V-K-H-Syndrom)
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Definition: Symptomenkomplex, der Augen, Haut und Zentralnervensystem betrifft.
Leitbild: Exsudative Chorioiditis.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Anamnese: Kopfschmerzen; evtl. Metamorphopsien.
Visus: Einseitig oder beiderseits reduziert.
Inspektion: Vitiligo (weiße, pigmentfreie Hautflecke), Poliosis (weiße Wimpern), Alopezie (Wimpern-, Augenbrauenausfall) 3 Wochen bis 3 Monate nach Beginn der Uveitis, Normalisierung nach 5 – 8 Monaten möglich.
Spaltlampe: Perilimbale Vitiligo (Sugiura-Zeichen), Uveitis anterior (S. 320).
Funduskopie: Unioder bilateral zellige Glaskörperinfiltration; exsudative Chorioiditis mit zu Beginn gelblichen Arealen im RPE unter umschriebenen Arealen seröser Netzhautablösung, Übergang in ausgedehnte bullöse exsudative Netzhautablösung; evtl. multifokale, grauweiße Flecken auf RPE-Höhe; Hyperämie und Ödem des N. opticus.
Serologie: HLA-BW22 J positiv (und B-Zell Alloantigen Hon 7).
Lumbalpunktion: Pleozytose.
Ultraschall: Posteriore Uvea verdickt.
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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Neurologische Betreuung erforderlich; HNO-Untersuchung zum Ausschluss von Hörstörungen.
Weitere okuläre Befunde: Dyschromatopsie, Gesichtsfeldausfälle; Koeppe-Knöt- chen, Irisdepigmentierung; Skleritis; Neuritis nervi optici (einschließlich Retrobulbärneuritis); interne Ophthalmoplegie, Nystagmus.
Assoziation: Enzephalopathie mit Konvulsionen, Hirnnervenlähmungen, meningeale Beteiligung, Hörstörungen (Tinnitus, Vertigo, Taubheit; Dauer 4 – 6 Wochen).
Manifestationsalter: 20 – 50 Jahre (Prädilektion für Menschen mit dunkler Haut; 10-jähriger Patient beschrieben).
Verlauf/Komplikationen: Ohne Therapie Wiederanlegung der Netzhaut mit schlechter Visusprognose innerhalb von 6 – 12 Monaten; unter lokaler und systemischer Steroidtherapie Prognose deutlich besser; als Folge der Netzhautablösung diffuse gelbliche Depigmentierung des Fundus („leuchtender Sonnenuntergang“), RPE-Hyperpigmentierungen; Rezidive 3 Wochen bis 9 Monate nach Beendigung der systemischen Steroidtherapie möglich; evtl. Hornhauttrübungen, Synechien, Katarakt, chorioidale, papilläre Neovaskularisationen, Optikusatrophie, Sekundärglaukom, Phthisis bulbi.
Differenzialdiagnose: Sympathische Ophthalmie (s. u.) und Tab. 17.1, S. 324.
Therapie: Systemische und lokale Steroide, siehe Allgemeines S. 323.
Sympathische Ophthalmie
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Leitbild: Beidseitige Uveitis nach perforierender Verletzung eines Auges; verminderte Akkommodationsbreite am unverletzten Auge.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines
S.320.
Anamnese: Perforierende Verletzung (sehr selten operativer Eingriff) eines Auges mit Beteiligung der Uvea in der Vorgeschichte; Beginn mit Schmerzen, Photophobie, Visusverlust; Befundverschlechterung des verletzten Auges.
Inspektion: Beide Augen gerötet, lichtempfindlich.
Spaltlampe: Koeppe-Knötchen (S. 218), speckige Hornhautrückflächenbeschläge (S. 195); evtl. dickes, visköses Vorderkammerexsudat.
Funduskopie: Zu Beginn nur retrolentale zellige Glaskörperinfiltration, später multiple gelbweiße, subretinale, leicht prominente Knötchen; exsudative Netzhautablösung (S. 261); Papillenödem; Perivaskulitis (S. 321).
Fluoreszenzangiographie: Multiple punktförmige fluoreszeinpositive Areale.
Beachte: Eine verminderte Akkommodationsbreite (S. 48) gilt als Warnzeichen der sympathischen Ophthalmie.
Serologie: Hohe Prävalenz von HLA-A11.
Histologie: Infiltration der Uvea mit Lymphozyten und Epitheloidzellen; Dalen- Fuchs-Knoten: Epitheloidzell-Ansammlung auf Höhe des RPE direkt intern der Bruch-Membran.
Ursache: Reaktion auf Verletzung des anderen Auges mit Beteiligung der Uvea (sehr selten nach Operation, bei intraokularem Tumor); Autoimmunantwort auf nicht identifiziertes Antigen wahrscheinlich retinalen oder pigmentepithelialen Ursprungs.
Assoziation: Evtl. Vitiligo (weiße, pigmentfreie Hautflecke), Poliosis (weiße Wimpern), Alopezie (Haarausfall).
Manifestationsalter: 5 Tage bis 42 Jahre, am häufigsten 2 Wochen bis 3 Monate nach dem Trauma des anderen Auges.
Verlauf/Komplikationen: Sehr selten selbst limitierend, meistens vordere und hintere Synechien, Rubeosis iridis (S. 221), Katarakt, Glaukom, Phthisis bulbi (S. 323) auch des ursprünglich nicht verletzten Auges; unter Therapie Beruhigung möglich, Abheilung der chorioidalen Herde mit atrophischen Zonen und Hyperpigmentie-
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17.2 Spezielle Krankheitsbilder
rung des RPE; Exazerbationen sind nicht voraussehbar und können noch nach Jahren auftreten.
Differenzialdiagnose: Uveitis phacoanaphylactica (Tab. 17.1, S. 325); V-K-H-Syn- drom, S. 331 und Tab. 17.1, S. 324.
Therapie:
Konservativ: Prednison p. o.: 200 mg als Einzeldosis morgens über 3 – 10 Tage, dann möglichst alternierend (abwechselnd einen Tag geben, einen Tag nicht) und allmähliche Reduktion nach klinischem Befund; Fortsetzung, nachdem keine Entzündungszeichen mehr vorliegen und bei fehlenden NW (S. 326) für 3 – 6 Monate; bei fehlendem Ansprechen auf diese Therapie individuell und empirisch z. B. Kombination von Kortikosteroiden und Immunsuppressiva, evtl. Ciclosporin; Therapie der Uveitis anterior Allgemeines S. 323;
Chirurgisch: Nach Ausbruch der Erkrankung ist der Erfolg einer Enukleation umstritten, evtl. innerhalb 2 Wochen nach Beginn noch Dauerheilung möglich.
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Intraokuläre Entzündungen
Birdshot-Retinochorioidopathie
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Leitbild: Gelb bis orangefarbene, unscharf begrenzte chorioidale Flecken.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Anamnese: Beiderseits Verschwommensehen, Photopsie, Schwebeteilchen vor den Augen.
Funduskopie: Beiderseits, zunächst in der Chorioidea, später auch im RPE, postäquatorial, depigmentierte, gelb bis orangefarbene, unscharf begrenzte Flecken unterschiedlicher Anzahl (Makula relativ ausgespart); Vitritis (entzündliche Glaskörperreaktion); evtl. Makulaödem (S. 287), Netzhautödem, Papillenödem, enge Gefäße, Papillenabblassung.
Fluoreszenzangiographie: Initial nicht verändert, evtl. Gefäßdarstellung pathologisch.
Dunkeladaptation (S. 56): Nachtblindheit.
Farbsinn (S. 53): Farbenblindheit.
ERG (S. 58): Pathologisch.
Serologie: 96% HLA-A29 positiv.
Assoziation: Evtl. kutane Vitiligo (weiße, pigmentfreie Hautflecke).
Manifestationsalter: Meist 5.– 7. LJZ; Frauen häufiger betroffen.
Verlauf/Komplikationen: Unterschiedliche Progression, meist Stabilisierung; ein Auge behält meist guten zentralen Visus; evtl. chorioidale Neovaskularisation (S. 282), retinale und papilläre Gefäßneubildungen, Glaskörperblutung.
Differenzialdiagnose: siehe Tab. 17.1; Differenzialdiagnose Papillenödem (S. 367, 368), wenn dieses vor den typischen Fundusläsionen auftritt.
Therapie: Keine effektive bekannt; evtl. Besserung des zystoiden Makulaödems im Frühstadium unter Steroiden.
Serpiginöse (geographische) Chorioiditis
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Leitbild: Chorioretinale grauweiße Läsionen dehnen sich zentrifugal von der Papille aus.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Anamnese: Parazentrale, zentrale Skotome vom Patienten wahrgenommen.
Funduskopie: Beiderseits, meist asymmetrisch, dehnen sich zentrifugal von der Papille serpiginös (d. h. fortschreitend) chorioretinale grauweiße Läsionen aus, die meist Verbindung zu Arealen mit Atrophie von Chorioidea und RPE aufweisen; bei 1/3 entzündliche Zellen im Glaskörper (Vitritis); selten: retinale, papilläre
Neovaskularisationen, retinale Phlebitis, Venenastverschluss.
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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Fluoreszenzangiographie: In der Frühphase im Bereich der aktiven Läsionen keine Hintergrundfluoreszenz; chorioretinale Narben hyperfluoreszent; in der Spätphase (1 Std.) auch aktive Läsionen hyperfluoreszent.
Gesichtsfeld: Parazentrale und zentrale Skotome.
Manifestationsalter: Meist junge Erwachsene oder Patienten mittleren Alters.
Verlauf/Komplikationen: Persistieren der chorioretinalen Läsionen über einige Wochen, dann Abheilung unter Zurücklassung wie ausgestanzt erscheinender, puzzleteilartiger, gelb-weißlicher, atrophischer Zonen von Chorioidea und RPE mit oft grauweiß bleibendem peripheren Randbereich, von dem neue Rezidive ausgehen; manchmal neue Herde extrapapillär und zentripetale Ausdehnung; Rezidive über Jahre; 25 – 30% chorioidale Neovaskularisationen (S. 282); bei Makulabeteiligung erhebliche Visuseinschränkung; meist bleibt guter zentraler und peripherer Visus in einem Auge erhalten.
Differenzialdiagnose: Tab. 17.1, S. 324.
Therapie: Derzeit keine effektive Therapie bekannt.
Multiple evanescent white dot syndrome
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Leitsymptom: Multiple, kleine, grauweiße Flecken auf Höhe des RPE und der äußeren Retina.
Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Anamnese: Verschwommensehen, parazentrale Skotome.
Funduskopie: Unioder bilateral multiple, kleine, grauweiße Flecken (aus kleineren weißen Punkten zusammengesetzt) auf Höhe des RPE und der äußeren Retina; kleine weiße oder leicht orangefarbene Punkte in der Makula; Zellen im Glaskörper.
Fluoreszenzangiographie: Frühe punktförmige Hyperfluoreszenz der grauweißen Flecken; in der Spätphase Flecken und evtl. Papille hyperfluoreszent.
Gesichtsfeld: Parazentrale Skotome.
ERG, EOG (S. 58/59): pathologisch.
Assoziation: Bei etwa 50% kurz vorher grippeähnliche Symptome.
Manifestationsalter: Meist junge Erwachsene.
Verlauf: Visus-, ERG-, Fundus-, Fluoreszenzangiographie-Normalisierung in 4 – 10 Wochen; evtl. Rezidive.
Differenzialdiagnose: siehe Tab. 17.1, S. 324.
Therapie: Derzeit nicht bekannt.
Akutes retinales Nekrosesyndrom
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Leitbild: Zuerst multifokal, dann konfluierend periphere Flecken gelbweißer bis grauweißer, getrübter Netzhaut.
Diagnostik/Symptome: Siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Anamnese: Schmerzen.
Spaltlampe: Uveitis anterior (S. 320) mit speckigen Hornhautrückflächenbeschlägen; evtl. Skleritis (S. 190).
Funduskopie: 2/3 ein-, 1/3 beiderseits (meist 2. Auge innerhalb von 2 Monaten betroffen, Intervall von bis zu 26 Jahren beschrieben) Flecken gelbweißer bis grauweißer getrübter Netzhaut; zunächst multifokal in der Peripherie, dann konfluierend mit Ausdehnung nach posterior, oft Aussparung der Makula; zunehmend entzündliche Glaskörperinfiltration; Gefäßverengung und -einscheidungen; perivaskuläre Hämorrhagien durch okklusive retinale Arteriitis; evtl. Neuritis nervi optici (S. 370), Skleritis (S. 190).
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17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Labor: Bestimmung virusinduzierter Serumoder intraokularer Antikörper; Demonstration virusspezifischer zellulärer Antigene; Polymerase-Kettenreaktion bei okulären Proben.
Ursache: Varicella-Zoster-Virus, Herpes simplex I, II.
Assoziation: Im Liquor mittels indirektem ELISA Herpesviren nachgewiesen; im MRT entzündliche Veränderungen in Tractus opticus, Corpus geniculatum laterale.
Manifestationsalter: Jedes Alter, meist 3.– 5. LJZ; in den letzten 10 Jahren zunehmende Inzidenz.
Verlauf/Komplikationen: Große Netzhautrisse, 75 – 85% ausgedehnte Netzhautablösung (typisch 6 – 12 Wochen nach Beginn); PVR (S. 263); Optikusatrophie; bei 64% Visus 0,1; Aciclovir reduziert das Ausmaß und beschleunigt die Abheilung der Erkrankung, verhindert nicht die Netzhautablösung.
Differenzialdiagnose: Tab. 17.1, S. 324.
Therapie:
Konservativ: Aciclovir p. o. Dosis/NW/K.I. S. 126 über 7 Tage, dann Erhaltungsdosis von 200 mg 5-mal tgl. für mindestens 1 Monat.
–Zur Behandlung der Arteriitis Acetylsalicylsäure p. o.: 650 mg tgl. über 1 – 2 Monate.
–24 – 48 Std. nach Beginn der Aciclovir-Therapie Prednison p. o.: 40 – 80 mg tgl. über mindestens 3 – 4 Wochen, dann ausschleichen (NW vgl. S. 326).
Chirurgisch: Sobald Transparenz ausreichend, prophylaktisch 3er-Reihe Argonoder Krypton-Laser-Herde posterior der Nekroseherde; bei Netzhautablösung Cerclage mit Vitrektomie und Photokoagulation (evtl. prophylaktisch), vgl. ab S. 481.
17
Intraokuläre Entzündungen
HIV-Infektion/AIDS (Acquired immunodeficiency syndrome)
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Definition: Durch das Human-immunodeficiency-Virus (HI-Virus) hervorgerufene Immunschwäche-Erkrankung.
Leitbild: Cotton-wool-Herde; opportunistische Infektionen (am häufigsten Zyto-
megalie-Retinochorioiditis); palpebrale und konjunktivale Kaposi-Sarkome.
Diagnostik/Symptome: Siehe auch intraokuläre Entzündungen Allgemeines,
S.320.
Anamnese: Gewichtsverlust; Fieber; bei Zytomegalieretinitis: Verschwommensehen, schwarze Punkte, Schwebeteilchen vor den Augen; vermehrtes Vorkommen bei Erkrankung von Sexualpartnern, häufigem Partnerwechsel, Homosexualität/ Bisexualität, Drogenkonsum, Bluttransfusionen in der Vorgeschichte.
Inspektion: Evtl. Kaposi-Sarkom: Gefäßtumor a) im Lidrandbereich: rötlicher, etwas erhabener Knoten, einzeln oder multipel; b) konjunktival (unterer Fornix, palpebral, sichtbar nach Ektropionieren), (Abb. 5.12, S. 183): subepitheliale, hellrote bis bläuliche, noduläre oder diffuse Prominenz.
Palpation: Vergrößerte Lymphknoten.
Spaltlampe: Bindehaut-Gefäßveränderungen (Kapillaren dilatiert, fragmentiert, irreguläres Kaliber, Mikroaneurysmen, Sludging); opportunistische Infektionen: Konjunktivitis, Uveitis anterior, Keratitis; Hornhautmikrosporie (chronische beidseitige, diffuse Epitheliopathie, schmerzhaft, visusgefährdend, keine Therapie bekannt).
Funduskopie:
–Am häufigsten Cotton-wool-Herde als Folge diffuser retinaler Mikrovaskulopathie, können innerhalb 6 – 10 Wochen vollständig zurückgehen.
–Außerdem: Temporäre retinale Blutungen und Mikroaneurysmen; opportunistische Infektionen, am häufigsten (20 – 25% aller AIDS-Patienten) Zytome- galie-Retinochorioiditis (S. 338), etwa 20% mit rhegmatogener Netzhautablö-
sung; Toxoplasmose-Retinochorioiditis (S. 344); Syphilis-Chorioretinitis |
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(S. 339); Varicella-zoster-Chorioretinitis (S. 125, 334); progressive nekrotisie- |
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