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Nervus opticus
19.4 Erworbene Erkrankungen
Ursachen (Auswahl): Einteilung nach der Ätiologie (Auswahl):
Heredodegenerative Optikusatrophien (Tab. 19.1).
Netzhaut-/Aderhauterkrankungen: z. B. Chorioretinitis, Retinitis pigmentosa, Neurolipidosen (Tab. 16.6, S. 314), Myopia magna.
Postinflammatorisch: z. B. nach Neuritis nervi optici (S. 370; Abb. 19.6).
Erkrankungen des Zentralnervensystems: z. B. multiple Sklerose (S. 574); neurodegenerative Syndrome.
Metabolisch/toxisch, z. B. Diabetes mellitus; Tabak-Alkohol-Abusus (S. 374); s. a. S. 368 .
Traumatisch.
Druck und Traktion: Glaukom; sehr lange bestehendes Papillenödem; arteriosklerotisches Gefäß mit Druck auf den N. opticus; Aneurysmen der Hirnarterien; Kraniosynostosis (z. B. Crouzon-Syndrom durch knöcherne Verengung des Canalis nervi optici); Tumoren (z. B. Gliom des N. opticus [S. 381 ], Meningeom [S. 382 ], Hypophysentumor [S. 386 ]); endokrine Ophthalmopathie (S. 393).
Störung der Gefäßzirkulation: z. B. Zentralarterienverschluss (S. 273), Verschluss der A. carotis interna; schwere viszerale Blutungen.
Syndrome mit Optikusatrophie vgl. S. 569 im Anhang.
19.4 Erworbene Erkrankungen
Stauungspapille (STP)
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Leitbild: Beidseitige Papillenschwellung ohne Funktionsverlust bei erhöhtem intrakraniellen Druck.
Diagnostik/Symptome: s. a. S. 76 neuroophthalmologische Untersuchung.
Anamnese: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, evtl. Doppelbilder.
Beachte: Visus nicht reduziert; nur bei chronischer STP; aber evtl. rezidivierend für Sekunden Visuseinschränkung (Obskurationen).
Funduskopie: Zunächst hyperämische Papille, Blutungen in der Nervenfaserschicht, Ödem der Nervenfaserschicht verdeckt die kleinen Gefäße am Papillenrand, peripapilläre retinale Kapillaren teleangiektatisch; im weiteren Verlauf (Abb. 19.5) zunehmende Prominenz (die zentrale Papillenexkavation bleibt lange erhalten), erweiterte, geschlängelte Venen, Cotton-wool-Herde, konzentrische peripapilläre retinale Mikrofalten (Paton-Linien), evtl. Exsudate im Makulabereich (inkompletter Stern, temporaler Anteil fehlt: Neuroretinitis).
Abb. 19.5 · Stauungspapille
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19.4 Erworbene Erkrankungen
–Chronische STP: Papille sieht aus wie ein Champagnerkorken, Blutungen und Exsudate resorbiert, Übergang in Atrophie, Ausbildung retinochorioidaler Shunts.
–Eine unilaterale STP ist extrem selten (z. B. [Foster-]Kennedy-Syndrom: eine vorbestehende einseitige Papillenatrophie verhindert eine Stauungspapille auf dieser Seite, besonders bei subfrontalem Tumor).
Pupillenreaktionen unauffällig, keine Anisokorie.
Labor: z. B. pathologisches Blutbild bei Leukämie.
Gesichtsfeld: Initial normal, dann Vergrößerung des Blinden Flecks.
Liquorpunktion nach Maßgabe des Neurologen.
Bildgebende Verfahren (Schädel-Röntgen, -MRT, -CT; Röntgen-Thorax): Zur Ursachenbestimmung (vgl. unten Tab. 19.3).
Neurologische, allgemeinmedizinisch/internistische Untersuchung erforderlich.
Ursache: Erhöhter intrakranieller Druck vgl. Tab. 19.3.
Assoziation: In Abhängigkeit von der Ursache z. B. Hirnnervenparesen (Abduzensparese), Hemiplegie, Krampfanfall.
Manifestationsalter: Jedes Alter.
Verlauf/Komplikationen: Bei Tumoren meist langsame Entwicklung der STP, bei Blutungen Ausbildung evtl. innerhalb von Stunden.
Nach Beseitigung der Ursache meist kein Funktionsverlust, vollständiger Rückgang des Ödems innerhalb von 6 – 10 Wochen.
Bei Fortbestehen des intrakraniellen Drucks Übergang in chronisches Papillenödem mit Gesichtsfelddefekten, Visusverlust, evtl. Erblindung.
Differenzialdiagnose: s. Tab. 19.2, 19.3.
Therapie: Kausal, Behandlung der Grunderkrankung.
Tabelle 19.2 · Ursachen einoder beidseitiger Papillenschwellung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ohne intrakranielle Drucksteigerung
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–Neuritis nervi optici (S. 370)
–Ischämische Optikusatrophie (ab S. 372; arteriitisch/nicht arteriitisch)
–Pseudopapillenödem (S. 365)
–Drusenpapille (S. 365)
–Leber-Optikusatrophie (initial; Tab. 19.1, S. 364)
–Uveitis (S. 319 ff)
–Diffuse unilaterale Neuroretinitis (S. 325)
–Akute multifokale Retinitis (S. 324)
–Leber-sternförmige Retinitis (S. 324)
–Zentralvenenverschluss (S. 271)
–Lymphom (infiltrativ)
–Hypertonus (S. 269; ohne hypertensive Enzephalopathie)
–Tumoren im Papillenbereich
–Leukämie (infiltrativ)
–Sarkoidose
–Juveniler Diabetes mellitus
–Optikusmeningeom, -gliom
–Optikusscheidenzysten
–Retrobulbäre Tumoren
–Endokrine Ophthalmopathie (S. 393)
–Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel (S. 396)
–Okuläre Hypotonie („Stauungspapille e vacuo“)
Fortsetzung
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Nervus opticus
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Nervus opticus
19.4 Erworbene Erkrankungen
Tabelle 19.2 · Fortsetzung
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Syndrome (vgl. Syndrome)
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– |
Akrodynie |
– |
Paget-Krankheit |
– |
Apert-Syndrom |
– |
Panenzephalitis, subakute, sklerosierende |
– Arnold-Chiari-Sequenz |
– |
Papulose, maligne atrophische |
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– Camurati-Engelmann-Syndrom |
– |
Parkinson-Krankheit |
|
– Chediak-Higashi-Syndrom |
– Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit |
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– |
Crohn-Krankheit |
– |
Periarteriitis nodosa |
– |
Crouzon-Syndrom |
– |
Pigmentdermatose, anhidrotische, |
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retikuläre |
– |
Dermatomyositis |
– |
Polyglanduläres Autoimmun-(PGA-) |
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Syndrom, Typ I |
– |
Fabry-Krankheit |
– |
Hyperviskositätssyndrom – Polyradikulo- |
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neuritis Typ Guillain-Barre |
– |
Fibröse Dysplasie |
– |
Porphyrien |
–Gefäßmissbildung, zerebrale arteriovenöse – Prieur-Griscelli-Syndrom mit Makulaexsudaten
– |
Hypothalamischer Symptomenkomplex |
– |
Quincke-Ödem |
– |
Kleinhirnbrückenwinkel-Symptomatik |
– |
Raynaud-Syndrom |
– |
Leukodystrophie, metachromatische |
– |
Sinus-cavernosus-Symptomatik, vordere |
– |
Leukodystrophie, orthochromatische |
– Tubuläre Stenose mit Hypokalzämie |
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– |
McCune-Albright-Syndrom |
– Vogt-Koyanagi-Harada-Sequenz |
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– |
Melkersson-Rosenthal-Komplex |
– |
Wegener-Granulomatose |
– |
Mukopolysaccharidose II, III, VI |
– |
Whipple-Krankheit |
– |
Neuromyelitis optica (Devic) |
– |
Wyburn-Mason-Syndrom |
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||
– |
Osteopetrosis familiaris |
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|
|
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Tabelle 19.3 · Ursachen für erhöhten intrakraniellen Druck mit Stauungspapille – Auswahl
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–Allgemein: erhöhte Liquorproduktion; herabgesetzte Liquorabsorption (z. B. Pseudotumor cerebri); hoher Proteingehalt des Liquors; obstruktiver Hydrozephalus; erhöhtes zerebrales Blutvolumen (z. B. arteriovenöse Shunts); Obstruktion des zerebralvenösen Abflusses
–Intrakranieller Tumor (muss immer ausgeschlossen werden)
–Urämie
–Toxisch/Medikamente (z. B. Blei, Arsen, Hypervitaminose A, Lithium, Nalidixinsäure, Tetracycline, Amiodaron, Danazol, Nitrofurantoin, orale Kontrazeptiva, systemische Steroidtherapie und deren Abbruch)
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19.4 Erworbene Erkrankungen
Tabelle 19.3 · Fortsetzung
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– |
Pseudotumor cerebri |
– |
Schwangerschaft |
– |
Rückenmarktumoren |
– |
Eklampsie |
–Subarachnoidalblutung, intrazerebrale Blu- – Thyreotoxikose tung
– |
Meningitis, Enzephalitis |
– |
Systemischer Lupus erythematodes |
– |
Karzinomatöse „Meningitis“ |
– |
Schlafapnoe |
– |
Hydrozephalus |
– |
Herzinsuffizienz |
– |
Vena-jugularis-Kompression |
– |
Kongenitale kardiale Zyanose |
– |
Sinusthrombose |
– |
Lungenemphysem |
– |
Chirurgie im Nackenbereich |
– |
Hypertensive Enzephalopathie |
– |
Leukämie |
– |
Syphilis (S. 339) |
– |
Polyzythämie |
– |
AIDS (S. 335) |
– |
Eisenmangelanämie |
|
|
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Nervus opticus
Pseudotumor cerebri
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Definition: Hirndruckerhöhung ohne Hirntumor bei normalem Liquorbefund.
Leitbild: Stauungspapillen, Adipositas.
Diagnostik/Symptome: siehe auch S. 76 neuroophthalmologische Untersuchung.
Anamnese: Kopfschmerzen, Obskurationen, (evtl. Diplopie).
Funduskopie: Stauungspapille vgl. S. 366 (Abb. 19.5).
Pupillenreaktionen (S. 26): Unauffällig, keine Anisokorie.
Gesichtsfeld: Initial normal, dann vergrößerter Blinder Fleck und bei Fortbestehen z. B. nasale Einschränkung, generelle Herabsetzung der Empfindlichkeit, Nerven- faserbündel-Defekte; häufige Kontrollen erforderlich.
Motilität: Evtl. Abduzensparese.
Liquorpunktion: Erhöhter Liquordruck ( 220 mm Wassersäule).
Bildgebende Verfahren: Zum Ausschluss einer Ursache; CT: kleine spaltartige Ventrikel; MRT: generalisierter erhöhter Wassergehalt, Prolongierung der T2-Re- laxationszeit.
Neurologische, allgemeinmedizinisch/internistische Untersuchung zum Ausschluss einer Ursache (vgl. Tab. 19.2, 19.3); insbesondere Sinusthrombose.
Ursache: Idiopatisch 50%; Begleiterkrankungen.
Assoziation: Adipositas, Gravidität, Postpartalzeit, endokrine Faktoren (z. B. Cush- ing-Syndrom, Steroide hoch dosiert oder Steroidentzug), Medikamente (z. B. Tetrazykline, nicht steroidale Antiphlogistika), Hypervitaminose A oder D; hämatologische Begleiterkrankungen, Lupus erythematodes, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Urämie, Borreliose.
Manifestationsalter: Meist Heranwachsende bis 5. LJZ; 65 – 83% Frauen (auch bei Kindern beschrieben, ohne Bevorzugung eines Geschlechts).
Verlauf/Komplikationen: Unklar, evtl. chronisch, evtl. selbstlimitierend; Gesichtsfelddefekte und Visusverlust bei Fortbestehen (20 – 50%).
Differenzialdiagnose: siehe Tab. 19.2, 19.3.
Therapie:
Konservativ:
–Diät.
–Beginn mit Acetazolamid p. o.: Dosis: 2- bis 4-mal tgl. 500 mg; NW: z. B. Hypo-
kaliämie mit Herzrhythmusstörungen, Leukopenie, Thrombopenie, Anämie, 369
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Nervus opticus
19.4 Erworbene Erkrankungen
aplastische Anämie, idiosynkratische (ohne vorherige Sensibilisierung) Agranulozytopenie, Übelkeit, Anorexie, Schläfrigkeit; KI z. B. Stillzeit, Niereninsuffizienz; relative KI bei Schwangerschaft (evtl. teratogen);
–Kaliumsubstitution bei Acetazolamidtherapie: z. B. Kalinor-Brausetabletten p. o. Dosis: 1- bis 2-mal tgl.;
–Evtl. Akutbehandlung mit 1 g/kg Glycerol (Glycerin) p. o. (Drucksenkung innerhalb 90 Min., Dauer 3 – 5 Std.) in eisgekühltem Orangensaft (sonst intolerabel süß);
–Bei fehlendem Ansprechen der vorher genannten Therapie: Prednison p. o. Dosis: 60 mg tgl.; Dauer: 2 Wochen (NW. vgl. S. 326);
Chirurgisch: Optikusscheidenspaltung über transkonjunktivalen medialen Zugang; in 50% bei unilateralem Eingriff auch kontralateral Besserung.
–Indikation: Konservative Therapie verhindert Fortschreiten des Funktionsverlustes nicht;
–Evtl. lumboperitonealer Shunt.
Neuritis nervi optici (Optikusneuritis)
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Definition: Entzündung des Sehnerven.
Leitbild: Relativer afferenter Pupillendefekt, plötzliche einseitige Sehminderung, Augenbewegungsschmerz.
Diagnostik/Symptome: s. a. S. 76 neuroophthalmologische Untersuchung.
Anamnese: Retrobulbäre Schmerzen verstärkt bei Augenbewegungen, Ausstrahlung in Brauenregion möglich.
Visus:
–Unilaterale (beiderseits meist nur bei Kindern) plötzliche Reduktion, innerhalb einer Woche Visusminimum erreicht, meist 0,1 – 0,5, selten 0,1 (Visus kann auch annähernd normal sein).
–Uhthoff-Phänomen: Visusherabsetzung bei Erhöhung der Körpertemperatur (Anstrengung, heißes Bad).
Funduskopie:
–Papillitis (meist bei Kindern): Papille prominent, Ödem der peripapillären Nervenfaserschicht mit wenigen streifigen Blutungen, keine Exkavation; evtl. Entzündungszellen im Glaskörper; evtl. Neuroretinitis: zusätzlich Makulastern aus tiefen retinalen Exsudaten (in diesem Fall sehr selten Übergang in multiple Sklerose).
–Retrobulbärneuritis: Keine Veränderung von Papille und Fundus („Patient sieht nichts, Arzt sieht nichts“).
Farbsinn: Erheblich gestört, auch bei geringer Visusherabsetzung.
VEP (S. 59): Latenzzeit verlängert.
Pulfrich-Stereophänomen: Verminderung der Tiefenwahrnehmung bei bewegten Objekten: ein vor beiden Augen horizontal schwingendes Pendel führt eine scheinbar ellipsoide Bewegung aus.
Gesichtsfeld: Typischerweise relatives Zentralskotom; variable Ausfälle möglich (zentrozökal, altitudinal, Nervenfaserbündel, generalisierte Konstriktion; vgl. S. 64 f).
Farbvergleich (S. 64): Farbentsättigung auf betroffener Seite pathologisch (Graufilter vor gesundes Auge setzen bis Wahrnehmung als seitengleich empfunden).
Untersuchung der Pupillomotorik, Swinging-flashlight-Test (S. 27): typischerweise keine Anisokorie, relativer afferenter Pupillendefekt auf betroffener Seite.11
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Motilitätsprüfung (S. 419): Ausschluss von Hirnnervenlähmungen und INO |
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(S. 420). |
|
Labor: HLA-DR2 oder DR3 (wenn positiv, Risiko, multiple Sklerose zu bekommen, |
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erhöht); FTA-ABS: Ausschluss Syphilis; antinukleäre Antikörper/Komplement: |
370 |
Ausschluss Autoimmunerkrankung; BSG: Differenzialdiagnose Arteriitis tempo- |
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19.4 Erworbene Erkrankungen
ralis, Lupus erythematodes; Blutbild: z. B. Differenzialdiagnose Leukämie, bakterielle Infektion; bei Verdacht auf Borreliose siehe S. 341, Tbc S. 340, Sarkoidose S. 329; Blutzuckerbestimmung vor Kortisontherapie zum Ausschluss eines Diabetes mellitus.
Lumbalpunktion nach Maßgabe des Neurologen.
Bildgebende Verfahren:
–Röntgen-Thorax vor Kortisontherapie z. B. Ausschluss Tbc.
–Evtl. MRT: Zeigt Entmarkungsherde bei multipler Sklerose (MS).
–Weitere bildgebende Verfahren in Absprache mit Neurologen/Internisten.
Neurologische Untersuchung: Ausschluss MS ( 2 Entmarkungsherde: 50%-Risiko innerhalb von 5 Jahren weiteren MS-Schub zu erleiden), Tumor; internistische Untersuchung vor Kortisontherapie.
Ursache: siehe Tab. 19.4. 419
Weitere okuläre Befunde: Bei MS: INO (S. 420), Nystagmus; Gefäßeinscheidungen der retinalen Venen (Periphlebitis retinae), evtl. Uveitis intermedia (ab S. 319).
Assoziation: Erkrankungen nach Tab. 19.4.
Tabelle 19.4 · Neuritis nervi optici: Papillitis/Retrobulbärneuritis – Auswahl der Ursachen
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–idiopathisch
–multiple Sklerose
–Autoimmunerkrankungen
–Sarkoidose
–infektiös: Tbc (S. 340), Syphilis (S. 339), Borreliose (S. 341)
–Virusinfektionen:
bei Kindern: z. B. Masern, Mumps, Röteln, infektiöse Mononukleose;
bei Erwachsenen: z. B. Varicella zoster (S. 125), Zytomegalie (S. 338), Kryptokokkose
–Entzündungen der Meningen, Sinus, Orbita mit Optikusbeteiligung (z. B. Wegener-Granu- lomatose [S. 555 ], opportunistische Pilzinfektionen, Pyomukozele)
–intraokular Entzündungen
–Neuromyelitis optica (Dévic; [S. 540 ])
Manifestationsalter: Typisch 18.– 45. LJ; bei Kindern meist nach Virusinfektion.
Verlauf/Komplikationen: Spontane Besserung des Visus beginnt nach etwa 2 Wo-
chen; bei 75 – 90% innerhalb 6 Monaten 0,63 erreicht; oft bleiben geringe Störungen z. B. des Farbensehens, der Kontrast-/Helligkeitswahrnehmung, Defekte der Nervenfaserschicht, partielle Optikusatrophie mit temporaler Abblassung (Abb. 19.6).
Abb. 19.6 · Temporale Papillenabblassung nach Neuritis nervi optici des rechten Auges
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Nervus opticus
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Nervus opticus
19.4 Erworbene Erkrankungen
Die Visusprognose ist mit und ohne Kortison-Megadosistherapie (s.u.) gleich günstig.
Bei Kortison-Megadosistherapie scheinen aber die Rezidivrate und das Manifestationsrisiko, eine MS zu bekommen, gesenkt zu werden (Optic Neuritis Study Group).
MS: Neuritis zu 25% Erstsymptom, bei 70% irgendwann im Verlauf; 50 – 60% der Patienten mit Neuritis nervi optici entwickeln durchschnittlich innerhalb 7 (Frauen) bis 10 (Männer) Jahren eine MS; ein Rezidiv (etwa 25 – 30%) erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine MS zu bekommen, um das vierfache.
Differenzialdiagnose: Bei fehlender Tendenz zur Visusbesserung nach 14 Tagen muss ein Tumor ausgeschlossen werden, z. B. Optikusscheidenmeningeom, Hypophysentumor; weitere Differenzialdiagnose: Aneurysma; Tab. 19.2/19.3.
Therapie konservativ (Beginn der Erkrankung sollte nicht mehr als 8 Tage zurückliegen):
Megadosis Methylprednisolon i. v.: 4-mal 250 mg tgl. über 3 Tage; evtl. Wiederholung der Behandlung, wenn nach 3 – 4 Wochen keine Befundbesserung eintritt.
Konventionelle Steroidtherapie (z. B. 14 Tage lang Prednison p. o. 1 mg/kg tgl.) ist obsolet, da sie die Rezidivrate signifikant erhöht.
Evtl. Beta-Interferon-Therapie (positive Studienergebnisse).
Spezifische Therapie, wenn möglich, z. B. bei Tbc, Syphilis, Borreliose (s. dort).
Anteriore ischämische Optikusneuropathie (nicht arteriitisch)
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Definition: Durchblutungsstörung der Papille ohne Arteriitis temporalis.
Leitbild: Unilateraler, plötzlicher, schmerzloser Sehverlust; meist auf einen Sektor beschränkte Papillenschwellung.
Diagnostik/Symptome: siehe auch S. 76 neuroophthalmologische Untersuchung.
Visus: Unilaterale plötzliche Herabsetzung der Sehschärfe, häufig ohne Besserungstendenz.
Funduskopie: Nach Intervall in etwa 30 – 40% auch anderes Auge betroffen; meist auf einen Sektor beschränkte (evtl. generalisierte) blasse oder hyperämische Papillenschwellung, umgebende streifige Blutungen (Abb. 19.7); Papille kleiner als normal, mit kleiner oder fehlender Exkavation.
Farbsinn: Im Verhältnis zur Visusherabsetzung gestört.
Gesichtsfeld: Nervenfaser-Verlaufsausfall; altitudinale Hemianopsie (S. 65), meist untere Hälfte.
Pupillenreaktionen: Afferenter Defekt (S. 27), keine Anisokorie.
Labor: BSG nicht erhöht.
|
Abb. 19.7 · Anteriore ischämische Opti- |
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kusneuropathie (nicht arteriitisch): hyper- |
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ämische Papillenschwellung |
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19.4 Erworbene Erkrankungen
Ursache: Insuffizienz der kurzen posterioren Ziliararterien führt zum Verschluss von Ästen der peripapillären chorioidalen Arterien und konsekutivem Infarkt der Nervenfaserbündel vor der Lamina cribrosa; Arteriosklerose als Ursache diskutiert (nicht gesichert); seltene Ursachen z. B.: (postoperative) Augeninnendrucksteigerung, juveniler Diabetes mellitus, Migräne, Cluster-Kopfschmerz, akuter Abfall des systolischen Blutdrucks, ausgeprägter Blutverlust, A.-carotis-Verschluss, Embolisation nach Herzchirurgie.
Assoziation: Häufiger Diabetes mellitus, Hypertonus als Normalbevölkerung.
Manifestationsalter: 45 – 65 Jahre (Männer: Frauen 2: 1).
Verlauf/Komplikationen: Innerhalb von 2 Monaten Rückgang des Ödems und Blässe des infarzierten Papillensektors (partielle oder vollständige Optikusatrophie; Abb. 17.5); Rezidiv desselben Auges selten. Rezidiv am Partnerauge 10 – 20%.
Differenzialdiagnose: Arteriitis temporalis (s. u.) und Tab. 19.2/19.3, S. 367 f.
Therapie konservativ: Acetylsalicylsäure 100 mg/Tag kann Risiko halbieren, innerhalb von 2 Jahren ein Rezidiv des Partnerauges zu erleiden. Optimale Hypertonus- Diabetes-Therapie.
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Nervus opticus
Arteriitis temporalis (arteriitische anteriore Optikusneuropathie)
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Definition: Segmentale Panarteriitis (Riesenzellarteriitis) der A. temporalis superficialis, A. ophthalmica sowie intrakranialer Arterien.
Leitbild: Schläfenkopfschmerz, plötzlicher Sehverlust, blasse Papillenschwellung; Gewichtsverlust, Schmerzen im Schultergürtelbereich/bei Kaubewegungen.
Diagnostik/Symptome: siehe auch S. 76 neuroophthalmologische Untersuchung.
Anamnese: Kopfschmerzen; Gewichtsverlust; wechselnde rheumaartige Beschwerden.
Visus: Plötzliche Visusreduktion (Handbewegungen, Fingerzählen), meist permanent vermindert; evtl. Amaurosis fugax (S. 275) vor Visusverlust.
Palpation: A. temporalis druckempfindlich, knotig verdickt, evtl. kein Puls mehr tastbar (Abb. 19.8).
Abb. 19.8 · Druckdolente, verhärtete |
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Schläfenarterie bei Arteriitis temporalis |
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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart
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Nervus opticus
19.4 Erworbene Erkrankungen
Funduskopie: Etwa 65% zunächst unilateral, 2. Auge innerhalb von Tagen bis Wochen betroffen; blasse Papillenschwellung, oft splitterförmige, streifige, peripapilläre Blutungen; evtl. Zentralarterienverschluss (sehr selten retrobulbäre Ischämie ohne Papillenschwellung); innerhalb von 2 Monaten Rückgang des Ödems mit Papillenabblassung, im späteren Verlauf oft deutliche Exkavation.
Gesichtsfeld: Erhebliche Ausfälle.
Pupillenreaktionen: Afferenter Defekt, evtl. tonische Pupille (S. 231).
Labor: BSG meist 50 – 120 mm/Std. (bei älteren Patienten bis etwa 35 mm/Std. normal); 30 mm/Std. selten, schließt Diagnose jedoch nicht aus. C-reaktives Protein immer erhöht.
Biopsie der A. temporalis (S. 501) und histologische Aufarbeitung: Baldmöglichst; möglichst längeres Gefäßstück ( 1 cm) exzidieren, da Entzündung nicht gleichmäßig über das Gefäß verteilt ist; negative Biopsie schließt Riesenzellarteriitis nicht aus. Arteriitis (chronisch granulomatöse Entzündung) der Media, die sich oft auf Adventitia und Intima ausdehnt; entzündliche Infiltrate aus CD4 T-Zellen und Makrophagen in allen Schichten der Arterienwand sowie Riesenzellen (oft in der Nähe fragmentierter Membrana elastica interna).
Allgemeinärztlich/internistische Betreuung erforderlich zur systemischen Diagnostik (s. Assoziation) und Therapieüberwachung.
Genetik: Familiäre Häufung; HLA-DRB1-Gen mit Erkrankung in Verbindung gebracht.
Ursache: Wahrscheinlich Autoimmunerkrankung gegen bisher nicht definierte Antigene in der Arterienwand vorwiegend extrakranieller Gefäße.
Weitere okuläre Befunde: Cotton-wool-Herde (S. 266); chorioretinale Pigmentverschiebungen; Lähmungen der extraokulären Muskeln (Diplopie). Evtl. Ischämiesyndrom des Vorderabschnitts: Hyperämie der konjunktivalen und episkleralen Gefäße, Hornhautödem, Hypotonie, Vorderkammerzellen und Tyndall positiv (S. 320) Rubeosis iridis (S. 221), progressive Katarakt.
Assoziation:
Polymyalgia rheumatica: Schmerzen und Steifheit proximaler Muskelgruppen, besonders des Schultergürtels; Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber, Krankheitsgefühl, Anämie; Claudicatio des Kiefers: Schmerzen beim Sprechen oder Kauen; evtl. Zungenschmerzen bei Beteiligung der Zungenarterie.
Evtl. Beteiligung der Aorta mit Nebenästen und der Vertebralarterie; evtl. Rindenblindheit.
Manifestationsalter: Meist 60 J.
Verlauf/Komplikationen: Wenn Sehverlust eingetreten, meist auch durch Kortison keine Besserung mehr zu erreichen; selten erblindet auch das 2. Auge trotz Kortison.
Differenzialdiagnose: Extraokuläres Neoplasma, rheumatische Erkrankung (bei Papillenatrophie mit großer Exkavation der Papille: Glaukom); Tab. 19.2/19.3.
Therapie konservativ: Notfallmäßig sofort bei begründetem Verdacht Prednison p. o. (ggf. i. v.); Dosis zur Vermeidung eines Rezidivs am Partnerauge 1000 mg/Tag (aufgeteilt in 2 – 3 Gaben pro Tag) für etwa 1 Woche, dann in Abhängigkeit von BSG, Beschwerden innerhalb von 6 Wochen Reduktion auf 10 mg einmal morgens. Erhaltungsdosis evtl. lebenslänglich (NW S. 326).
Ernährungsbedingte und toxische Optikusneuropathien
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Leitbild: Beidseitiges zentrozökales Skotom.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Tabak-, Alkoholabusus; Medikamenteneinnahme (s. Tab. 19.5); Kontakt mit Schwermetallen.
Visus: Beiderseits schleichende, langsam progressive Sehminderung.
Funduskopie: Evtl. Papillenschwellung, splitterartige streifenförmige Blutungen.
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Farbsinn: Dyschromatopsie. |
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19.4 Erworbene Erkrankungen
Gesichtsfeld: Zentrozökales Skotom (s. Tab. 1.11, S. 66); evtl. Zentralskotom, konzentrische Einschränkung.
Allgemeinmedizinisch/internistische, neurologische Diagnostik und Betreuung erforderlich für z. B. perniziöse Anämie, neurologische Assoziation.
Ursachen: Tab. 19.5.
Tabelle 19.5 · Ursachen ernährungsbedingter/toxischer Optikusneuropathien
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Mangelernährung, Resorption gestört
Vitamin-B1-(Thiamin-)Mangel (Tabak-, Alkoholabusus)
Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie, Tabak-, Alkoholabusus)
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Medikamente/Toxine (kleine Auswahl):
Ethambutol ( 15 mg/kg tgl.), Streptomycin, Isoniazid, Digitalis, Chloroquin, Choloramphenicol, D-Penicillin, 5-Fluorouracil, Amiodaron (Antiarrhythmikum), Hexachlorophen (Antiseptikum), Schwermetalle, Toluen (bei Klebstoffschnüfflern)
Verlauf/Komplikationen: Visusreduktion langsam progressiv; Endvisus meist Handbewegungen oder besser; nach dem Absetzen von Medikamenten/Toxinen kann die Erholung des Sehvermögens Monate dauern, selten irreversibel.
Differenzialdiagnose: Hereditäre Optikusatrophien (Tab. 19.1); demyelinisierende Erkrankungen, endokrine Ophthalmopathie (S. 393, Makuladystrophien (ab S. 305), Methylalkoholvergiftung (schwerer Visusverlust innerhalb von Stunden oder Tagen; rechtzeitige Gabe von Äthylalkohol kann evtl. Visusverlust verhindern); Tumor (Tab. 19.6, S. 380); Tab. 19.2/19.3 ab S. 367 .
Therapie konservativ:
Vitamin-B1-(Thiamin)/Vitamin-B12-Mangel: Regelmäßige Mahlzeiten; Vitaminsubstitution (Thiamin p. o.: Dosis: 50 mg tgl.; Dauer: 6 – 12 Wochen; Hydroxycobalamin i. m.: Dosis: 1 mg tgl.; Dauer: 10 Wochen (alternativ 20 mg tgl. für 4 Wochen).
Medikamente/Toxine: Absetzen sobald wie möglich; (evtl. Zinksulfat p. o., Dosis: 100 – 250 mg 3-mal tgl.; Dauer: 10 – 15 Wochen).
Primäres Offenwinkelglaukom (POWG)
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Definition: Neuropathie des N. opticus durch langsam progredienten Verlust retinaler Ganglienzellen, Axone und intrapapillärer Astrozyten mit nachfolgender Gesichtsfeldschädigung bei normal konfiguriertem Kammerwinkel.
Leitbild: Progressive Papillenexkavation, Nervenfaserbündeldefekte.
Diagnostik/Symptome:
1. Glaukompapille.
2. Glaukomatöse Gesichtsfelddefekte vor allem im 30 -Bereich (Bjerrum-Sko- tom, Ringskotom, nasaler Sprung).
3. Fakultativ Augeninnendrucksteigerung (bedeutendster Risikofaktor).
–Die Kombination von 1 und 2 wird als manifestes Glaukom bezeichnet. Ein manifestes Glaukom mit Augeninnendruckwerten beständig 21 mm Hg wird klinisch (historisch) als „Normaldruckglaukom “ klassifiziert.
–Bei einer Augeninnendrucksteigerung ohne die Kriterien 1 und 2 wird von okulärer Hypertension gesprochen.
Gonioskopie: Normalbefund (Abb. 1.40, S. 34, Abb. 11.1 a, S. 235).1.40, 11.134
Funduskopie zur Papillenbeurteilung:
–Spaltlampe mit 60/ 78 D Lupe.
–Augenspiegel; Beleuchtung mit weißem und grünem (rotfreiem) Licht zur Beurteilung der Nervenfaserschicht (s.u.).
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