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Intraokuläre Entzündungen
17.2 Spezielle Krankheitsbilder
1.Clindamycin p. o.: Dosis (Erw.): 4-mal tgl. 300 mg; Dauer: 3 Wochen; NW: z. B. pseudomembranöse Kolitis (Therapie: Vancomycin 500 mg 6-stdl. für 10 Tage); Risiko scheint geringer zu sein, wenn zusätzlich Sulfonamide gegeben werden.
2.Sulfonamide: Sulfadiazin p. o.: Dosis (Erw.): 4-mal tgl. 1 g; Dauer: 3 – 4 Wochen; NW: z. B. Nierensteine, Allergie, Stevens-Johnson-Syndrom (S. 162).
3.Pyrimethamin p. o.: Dosis (Erw.): 1. Tag 2-mal 25 mg, dann 1-mal tgl. 25 mg;
Dauer 3 – 4 Wochen; NW: z. B. Thrombozytopenie, Leukopenie; wöchentliche Blutbildkontrollen erforderlich – nur in Kombination mit Folinsäure (Calciumfolinat) einmal wöchentlich (Dosierung unterschiedlich gehandhabt; ab
3 mg);
4.Co-trimoxazol (Trimethoprim 160 mg und Sulfamethoxazol 800 mg): Dosis: 960 mg 2-mal tgl. für 4 – 6 Wochen; NW wie bei Sulfonamiden s. o.;
Kortikosteroide, falls zentrale Sehschärfe bedroht ist, in Kombination mit spezifischer Therapie: 1 – 2 mg/kg KG Prednison jeden 2. Tag nach dem Frühstück.
Therapie der Uveitis anterior Teil I, S. 323, in der Schwangerschaft Anhang S. 568, Tab. 9.1, S. 219).219, 568
Prophylaxe: Seronegative Schwangere sollen Infektionsquellen (s. o.) meiden.
Toxocariasis
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Definition: Invasion mit Toxocara-Larven aus oral aufgenommenen Eiern.
Leitbild: Solitäres, rundes, gelbweißes, etwas prominentes, retinochorioidales Granulom.
Diagnostik/Symptome: Siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.
Visus: Evtl. ausgeprägte Sehminderung.
Inspektion: Leukokorie (S. 294 /297); Strabismus.
Spaltlampe: evtl. geringe Uveitis anterior (sehr selten Hypopyon; S. 320); keine Rötung.
Funduskopie: Meist unilateral.
–Endophthalmitis: Grauweißes Exsudat bedeckt Netzhaut, ausgeprägte, zellige Glaskörperinfiltration; evtl. retrolentale fibrös-entzündliche Masse um Larve (Pseudogliom).
–Retinochorioidales Granulom am hinteren Pol (rund, solitär, gelbweiß, etwas prominent) oder peripheres retinochorioidales Granulom (weißer, umschriebener, leicht prominenter Herd im Äquatorbereich, davon ausgehend evtl. Traktionsbänder zur Makula; infolgedessen Makulaektopie mit Pseudoexotropie möglich).
–Exsudative Netzhautablösung (S. 261); PVR (S. 263) mit rhegmatogener oder traktionsbedingter Netzhautablösung; evtl. Makulaödem, evtl. retrolentale zyklitische Membran; evtl. Papillitis (S. 370).
Serologie: Leukozytose; Eosinophilie bis 30% (bei rein okulärer Toxocariasis meist keine Eosinophilie); ELISA (hohe Sensitivität und Spezifität; auch niedriger Titer in Verbindung mit klinischem Befund bestätigt die Diagnose; gelegentlich normale Serumtiter, Kammerwassertiter aber massiv erhöht).
Ursache: Toxocara-canis-Larven, seltener Toxocara cati; Infestation über die p. o. Einnahme von eierhaltigen Fäzes kontaminierter Hunde, Katzen (besonders Jungtiere, Infestation bis zu 80%).
Assoziation: Larva migrans visceralis: meist mit 2. LJ: Fieber, Hepatosplenomegalie, Pneumonie, zerebrale Beteiligung, evtl. letal; okuläre Veränderungen hierbei selten.
Manifestationsalter: Meist 2.– 3. LJ, selten 12 Jahre (Durchschnittsalter für okuläre Toxocariasis 7,5 Jahre).
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17.2 Spezielle Krankheitsbilder
Verlauf/Komplikationen:
–Granulom: Meist stationär; Visusreduktion abhängig von der Lokalisation und seltener begleitender Netzhautablösung; evtl. Katarakt.
Endophthalmitis: Meist erhebl. Visusreduktion, evtl. Hypotonie (S. 246), Phthisis bulbi (S. 323).
Differenzialdiagnose: Tab. 15.9, Leukokorie, S. 297 und Tab. 17.1, S. 324.
Beachte: Differenzialdiagnose Retinoblastom! (S. 294).
Therapie:
Konservativ: Schwierig, evtl. Ansprechen auf Kortikosteroide; antihelminthische Medikamente wenig hilfreich; Retinoblastom muss sicher ausgeschlossen werden.
–Evtl. Diethylcarbamazin p. o.: Dosis: 2 mg/kg KG; Dauer: 3 Wochen; NW: z. B.: Erbrechen, Kopfschmerzen, Tremor, Ataxie, Krämpfe, Sehund Gleichgewichtsstörungen, allergische Reaktionen; KI: z. B. Krampfneigung, -leiden; Nieren-, Leberstörung.
–Thiabendazol p. o. heute bevorzugt: Dosis: 25 – 50 mg/kg in 2 Tagesdosen; Dauer: 7 – 10 Tage; NW: z. B. Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, erhöhte SGOT, Hyperglykämie, Leukopenie, Hämaturie, Stevens-Johnson-Syndrom (S. 162); in Kombination mit Prednison p. o.: Dosis: 2 mg/kg KG; Dauer: 3 Wochen; NW siehe S. 326;
–Therapie bei Uveitis anterior, S. 323.
Chirurgisch:
–Evtl. Cerclage (S. 482) bei Netzhautablösung; evtl. Vitrektomie (S. 482) bei Endophthalmitis, zyklitischer Membran, PVR;
–Enukleation (S. 500); Indikation, wenn Retinoblastom nicht ausgeschlossen werden kann; Auge ist blind und schmerzt.
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Intraokuläre Entzündungen
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
18.1 Aderhautamotio
18Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
18.1Aderhautamotio
Definition: Exsudation unter die Aderhaut.
Leitbild: Konvexe, bräunliche, bullöse Fundusprominenzen.
Diagnostik/Symptome:
Spaltlampe: Bei ausgedehnter Aderhautabhebung Vorderkammerabflachung.
Funduskopie: Konvexe, bräunliche, bullöse Fundusprominenzen; nasal und temporal meist am ausgeprägtesten, evtl. ringförmig; posteriore Ausdehnung bis zu den vier Vortexvenen möglich (die bindegewebigen postäquatorialen Verbindungen zwischen Chorioidea und Sklera sind fester als die anterioren); anteriore Ausdehnung bis zum Skleralsporn.
Abb. 18.1 · Echographie bei Amotio chorioidae und Amotio retinae
aTotale Aderhautamotio: zwei konvexe Linien ragen in den Glaskörperraum (kissing chorioidals), keine Anheftung am N. opticus, keine Schallabschwächung; geringe bis mittlere (wenn hämor-
rhagisch) interne Reflektivität.
bTotale Netzhautablösung: bikonkave oder bikonvexe Linie (Membran) mit Anheftung an den N. opticus und die Ora serrata, leichte Nachbewegung.
Tabelle 18.1 · Pathologische Konditionen mit uvealer Effusion – Auswahl
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– Uveales Effusions-Syndrom1
– Nanopthalmus (S. 243)
– Expulsive Blutung2
– Nach Trabekulektomie
– Sturge-Weber-Syndrom (S. 331, 352; bei Glaukomchirurgie Risiko der expulsiven Blutung)
– Nach panretinaler Photokoagulation
– Stumpfes oder scharfes okuläres Trauma
– In Verbindung mit intraokulären Entzündungen (z. B. Skleritis [S. 190 ], exsudative Chorioiditis bei V-K-H-Syndrom [S. 331])
– Arteriovenöse Fisteln (z. B. atypische Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel, S. 396)
– Myxödem
– Okklusive Vaskulitis, z. B. Wegener-Granulomatose (S. 555)
– Plasmozytom
1 Einoder beiderseits; Abhebung von Aderhaut, Ziliarkörper, später auch der Netzhaut; leopardenfleckförmige RPE-Verschiebungen; Lumbalpunktat bei 50% der Patienten pathologisch.
2 Massive Blutung aus Ziliarund/oder Aderhautgefäßen während oder meist kurz nach chirurgischen Eingrif- 348 fen in etwa 0,1–0,25%; Zeitintervall bis zu 6 Jahren beschrieben.
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18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Tonometrie: Ausgeprägte Hypotonie.
Ultraschall: vgl. Abb. 18.1.
Diaphanoskopie (S. 36): Transillumination bis zum Limbus (Hagen-Zeichen).
Ursache: Ansammlung von Flüssigkeit oder Blut zwischen Sklera extern und Chorioidea und Ziliarkörper intern oder Flüssigkeit in der Expansionszone von Chorioidea und Ziliarkörper (uveale Effusion); vgl. Tab. 18.1.
Verlauf/Komplikationen: Meist spontane Wiederanlegung; wenn chronisch, evtl. Netzhautablösung, streifenartige RPE-Hypertrophien und -Hyperplasien (VerhoeffStreifen); bei flacher Vorderkammer und vorderen Synechien sekundärer Winkelblock.
Differenzialdiagnose: Malignes Melanom (S. 353) und andere chorioidale Tumoren (vgl. S. 350); idiopathische zentrale seröse Chorioidopathie mit bullöser Netzhautablösung; V-K-H-Syndrom (S. 331); Leukämie; Lymphom; reaktive lymphozytische Hyperplasie des Uveatraktes; Scleritis posterior (S. 191); rhegmatogene Netzhautablösung (S. 262) mit Aderhautamotio.
Therapie:
Konservativ: Kortikosteroide lokal und systemisch (vgl. S. 323); Mydriasis (vgl.
S. 37); evtl. Druckverband;
Chirurgisch:
–Evtl. Vortexvenen-Dekompression bei Nanopthalmus (S. 243), uvealem Effusionssyndrom.
–Eine Aderhautamotio mit aufgehobener Vorderkammer, über 3 – 5 Tage hinaus, kann eine chirurgische Intervention erforderlich machen.
Beachte: Expulsive Blutung intraoperativ: sofortiger Verschluss des chirurgischen Zuganges, supraziliare Punktion über posteriore T- oder V-förmige Sklerotomie 8 – 10 mm hinter dem Limbus über der vermuteten Blutungsstelle; wenn kein Blut mehr austritt, Verschluss der Sklerostomie; ggf. Vitrektomie, Wiederherstellung der Vorderkammer; endgültiger Wundverschluss.
18.2Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Abb. 18.2 · Aderhaut und Ziliarkörper
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Übersicht
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Tabelle 18.2 · Gutartige und bösartige Aderhautund Ziliarkörpertumoren
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Gutartig
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–Nävus (s. u.)
–Chorioidales Hämangiom (s. u.)
–Kongenitale Ziliarkörperzyste (vgl. S. 222)
–Osteom (s. u.)
Nichtpigmentiertes Ziliarepithel
–Kongenitales Glioneurom (keine Metastasierung bekannt)
–Reaktive Hyperplasie
–Fuchs-Adenom (altersbedingte weiße Hyperplasie im Bereich der anterioren Ziliarfortsätze)
–Adenom
Myogen
– Leiomyom
Neurogen
–Neurolemom (Schwannom; evtl. Neurofibromatose S. 133)
–Neurofibrom (meist Neurofibromatose, vgl. S. 133)
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Bösartig
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–Malignes Melanom der Chorioidea (s. u.)
–Malignes Melanom des Ziliarkörpers (s. u.)
–Chorioidale Metastasen (s. u.)
–Lymphome einschließlich Retikulumzellsarkom (s. u.)
Nicht pigmentiertes Ziliarepithel
–Medulloepitheliom (auch benigne Formen; s. u.)
–Adenokarzinom
Chorioidales Osteom
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Definition: Gutartige Neubildung des reifen Knochengewebes und Knochenmarks.Leitbild: Wenig prominenter, orangegelber Tumor mit 100% interner Reflektivität
im Ultraschall-A-Bild.
Diagnostik/Symptome:
– Anamnese: Metamorphopsie (Amsler-Netz S. 67), positives Skotom (S. 64).
Funduskopie: Bei 10 – 20% beidseitiger, umschriebener, nur leicht erhabener, orangegelber Tumor (im Verlauf mehr cremefarben) oft juxtapapillär, Makularegion; im Bereich von depigmentiertem RPE multiple kleine Gefäßnetze auf der Oberfläche; evtl. RPE-Verklumpung, evtl. exsudative Netzhautablösung (S. 261), evtl. chorioidale Neovaskularisation (S. 282).
Ultraschall: Im B-Bild dichte subretinale Struktur, Orbita dahinter ausgeprägt verschattet; im A-Bild regelmäßige akustische Struktur, hohe interne Reflektivität (100%).
Orbita-Röntgen, -CT: Knochenartige Veränderung.
Histologie: Gut ausdifferenziertes Knochengewebe.
Manifestationsalter: Überwiegend junge Frauen.
Verlauf: Benigne, langsame Vergrößerung über Monate bis Jahre.
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18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Differenzialdiagnose: Chorioidales Hämangiom (s. u.), RPE-Abhebung (S. 283), s. a. Tab. 18.1.
Therapie:
– Konservativ: Kontrollen.
Chirurgisch: Evtl. Laserkoagulation einer chorioidalen Neovaskularisation (S. 458).
Chorioidaler Nävus
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Definition: Gutartige Ansammlung melanozytischer Zellen in Aderhautstroma.
Leitbild: Flache, schiefergraue subretinale Veränderung mit 1,5 – 5 mm Durchmesser (Abb. 18.3).
Abb. 18.3 · Aderhautnävus mit Lipofuszinauflagerungen: flache, schiefergraue, subretinale Veränderung, Ränder nicht scharf abgegrenzt
Diagnostik/Symptome:
Häufigkeit: Etwa bei 7% der Bevölkerung.
Funduskopie:
–Flache oder wenig prominente, schiefergraue, subretinale Veränderung (Pigmentierung kann variieren); meist 1,5 – 5 mm (möglicher Durchmesser 0,5 – 10 mm); 90% posterior des Äquators; Ränder nicht scharf abgegrenzt; im Verlauf Veränderungen des retinalen Pigmentepithels (RPE) über dem Nävus, z. B. gelbliche Drusen.
–Seltene Veränderungen: Seröse retinale Pigmentepithelabhebung (S. 283), Netzhautabhebung (S. 261), chorioidale Neovaskularisation (S. 282).
Fluoreszenzangiographie: Sehr variabel; ohne RPE-Veränderungen Nävusgebiet meist hypofluoreszent.
Gesichtsfeld: Defekt möglich (bei bis zu 85% der Nävi), kein Zeichen für Malignität.
Manifestationsalter: Wahrscheinlich bei Geburt angelegt; präpubertär maximale Wachstumsphase, selten danach; sehr selten klinisch sichtbar bei kleinen Kindern.
Verlauf: Gelegentlich postpubertär Wachstum zu demonstrieren, obwohl weiterhin benigne.
Beachte: Verdacht auf maligne Entartung: Größen-, Dickenzunahme, besonders bei Durchmesser 3 – 5 mm, Dicke 1 – 2 mm (Dicke 2 mm, Durchmesser 5 mm evtl. bereits Klassifikation als malignes Melanom [MM]); orangefarbenes Pigment auf der Oberfläche (Lipofuszin; nicht pathognomonisch für MM, auch bei Nävi beschrieben; Abb. 18.3); große seröse Netzhautablösung;
Das Risiko der Entartung eines Aderhautnävus zu einem malignen Melanom der Aderhaut beträgt ca. 1: 5000.
Differenzialdiagnose: Tab. 18.3, S. 356; malignes Melanom (MM).
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Therapie konservativ: Bei unauffälligen Nävi Untersuchung mit Photodokumentation, anfangs alle 6 – 12 Monate, bei unsicherem Malignomverdacht zunächst 4-wö- chige Kontrolle; Versuch der Quantifizierung mittels Ultraschall (ab 1 – 2 mm Dicke Darstellung möglich) und Fluoreszenzangiographie (tumoreigenes Gefäßsystem?).
Sturge-Weber-Syndrom
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Definition: Phakomatose mit bei Geburt vorhandenem kutanen Hämangiom im Ausbreitungsgebiet N. V1, V2.
Leitbild: Naevus flammeus; „Tomatenketchup-Fundus“.
Diagnostik/Symptome:
Inspektion: bei Geburt vorhandenes kutanes Hämangiom (Naevus flammeus) im Ausbreitungsgebiet Trigeminus I. und II., gelegentlich über die Mittellinie reichend, evtl. Hypertrophie dieser Hautpartien.
Spaltlampe: Evtl. leichte Rötung der Konjunktiva; konjunktivale, episklerale Gefäßveränderungen (erhöhte Vaskularität, Tortuositas (gewundene Gefäße); Irisheterochromie (S. 218; ipsilateral zur Hautläsion dunkler), Iriskolobome; Ectopia lentis (S. 247).
Gonioskopie: Kammerwinkel weit, minimale Anomalien oder Kammerwinkelausdifferenzierungsstörung wie bei Buphthalmus (S. 240) möglich.
Funduskopie:
–Auf der Seite des N. flammeus diffuses, rötliches (Tomatenketchup-Fundus), flaches, chorioidales Hämangiom mit unscharfen Rändern und langsamem Wachstum; degenerative Netzhautveränderungen.
–Evtl. seröse Netzhautabhebung; evtl. oberflächliche Verkalkung des Tumors.
Tonometrie: Bei etwa 30 – 50% Tensionserhöhung auf der Seite des Angioms.
Gesichtsfeld: Ausschluss von Defekten glaukomatöser oder zerebraler Genese (vgl. S. 64 f).
Papillendiagnostik (S. 375): Ausschluss einer pathologischen Exkavation.
Ultraschall: A-Bild des chorioidalen Hämangioms (Abb. 18.4): gleichförmige akustische Struktur, hohe interne Reflektivität (95 – 100%).
Beachte: Verlängerte Bulbusachse bei Buphthalmus infolge kongenitaler Augeninnendruckerhöhung (vgl. S. 240).
Weitere bildgebende Verfahren: Ipsilaterales kalzifiziertes meningeales Angiom als typischer Befund; selten ein orbitales Angiom.
Pädiatrische, neurologische Untersuchung zur Abklärung der systemischen Beteiligung.
Assoziation: Leptomeningeale Angiomatose; evtl. gyriforme, kortikale Kalzifikationen, Epilepsie, Hemiparese und Hemianopie kontralateral zur zerebralen Läsion, mentales Defizit (durch Atrophie angrenzender Hirnareale); evtl. Angiomatose von Respirations-, Gastrointestinal-Trakt, Ovarien, Pankreas.
Manifestationsalter: Das Glaukom manifestiert sich meistens in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter, aber auch kongenital; das diffuse chorioidale Hämangiom um das 8. LJ.
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Abb. 18.4 · Chorioidales Hämangiom. Ultraschall- |
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A-Bild; gleichförmige akustische Struktur, hohe in- |
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terne Reflektivität (95 – 100%) |
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18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Differenzialdiagnose: Solitäres chorioidales Hämangiom (umschriebener rotorangefarbener ovaler Tumor ohne systemische Begleiterkrankung; hinter dem Äquator; mittleres Diagnosealter 39 Jahre) und Tab. 18.3, S. 356 Differenzialdiagnose malignes Melanom der Aderhaut.
Therapie:
–Konservativ:
–Therapie des Sekundärglaukoms: Wie chronisches Glaukom, S. 378
–Therapie des chorioidalen Hämangioms: Wenn asymptomatisch keine Therapie, regelmäßige Kontrollen.
Chirurgisch:
–Glaukom: Externe fistulierende Operationen; hierbei erhöhtes Risiko der chorioidalen Effusion oder expulsiven Blutung (S. 348); ggf. kombiniert mit Trabekulotomie (S. 478); evtl. Goniotomie (S. 479) oder zyklodestruktive Eingriffe (S. 480);
–Chorioidales Hämangiom: Bei exsudativer Netzhautablösung Argonlaser-The- rapie der Tumoroberfläche.
Malignes Melanom der Chorioidea
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Definition: Maligner Aderhauttumor; häufigster maligner Primärtumor des Auges.
Leitbild: Noduläre, braune, subretinale Prominenz.
Diagnostik/Symptome:
Visus: Sehminderung je nach Lokalisation und Begleiterscheinungen.
Spaltlampe (mögliche Befunde): Uveitis anterior (S. 320); Katarakt; Linsendislo-
kation; Rubeosis iridis; dunkle Pigmentierung der Sklera über der Tumorbasis; bräunliche Tumorinvasion z. B. Kammerwinkel, Sklera; evtl. Heterochromie (S. 218).
Funduskopie (typische Befunde): Noduläre, braune, subretinal gelegene Prominenz (Abb. 18.5); evtl. dunkelbraune bis schwarze Pigmentverschiebungen auf der Oberfläche; oft orangefarbenes Pigment (Lipofuszin und Melanin in Makrophagen) auf RPE-Höhe; tumoreigenes Gefäßsystem; Pigmentgehalt des Tumors variabel, evtl. amelanotisch (gelblich); nach dem Durchbruch durch die BruchMembran wird der Tumor pilzförmig, exsudative Amotio retinae.
–Selten diffuses Wachstum oder Ringmelanom der vorderen Uvea.
–Weitere mögliche Veränderungen: Tumorferne Amotio retinae, chorioidale Falten, suboder intraretinale Blutungen, Glaskörperblutungen, harte, gelbliche Exsudate, Drusen, zystoides Makulaödem, zystoide Degeneration über dem Tumor und Retinoschisis; evtl. Papilleninvasion durch juxtapapilläres
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
Abb. 18.5 · |
Juxtapapilläres Aderhautmela- |
nom |
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
Melanom; Fortsetzung des Wachstums meist in die Sklerakanäle der kurzen posterioren Ziliargefäße und -nerven; auch nach Tumorzellenaussaat in den Glaskörper Invasion der Papille und des retrolaminären N. opticus möglich.
Fluoreszenzangiographie: Doppelzirkulation, Beginn der tumoreigenen Gefäßfüllung vor der retinalen; in der venösen Phase nadelspitzengroße hyperfluoreszente subretinale Leckagen, dann zunehmende Farbstoffakkumulation im Tumorbereich; Hyperfluoreszenz in der Spätphase; bei Atrophiezonen des darüberliegenden RPE Fensterdefekt; orangefarbenes Pigment (Lipofuszin) blockiert Fluoreszenz; evtl. Darstellung großer Versorgungsgefäße.
Diaphanoskopie (vgl. S. 36): Keine Transillumination im Tumorbereich.
Tonometrie: Unilateral erhöhter Augeninnendruck bei Sekundärglaukom.
Gesichtsfeld: Defekt im Tumorbereich.
Ultraschall: s. Abb. 18.6 (evtl. farbkodierte Doppler-Ultraschalluntersuchung zur Darstellung des tumoreigenen Gefäßsystems).
Abb. 18.6 · Ultraschallbilder eines malignen Melanoms der Aderhaut
aUltraschall A-Bild: Regelmäßige akustische Struktur; hohe initiale Zacke, niedrige bis mittlere interne Reflektivität (evtl. Gewebstypisierung möglich);
bB-Bild: Chorioidale Exkavation und orbitale Verschattung.
Fundusfotografie: Zur Befundund (falls Abwarten gerechtfertigt erscheint) zur Wachstums-Dokumentation.
Röntgen: Schädel/Orbita-MRT, -CT; nach Maßgabe des Internisten; mindestens Lunge, Leber; evtl. Abdominal-CT; CT und MRT auch hilfreich zur Darstellung der intraokulären Ausdehnung; MRT für Metastasen, extraokuläre Ausdehnung.
Evtl. P32-Test: Isotop wird von malignem Melanom aufgenommen; nicht hilfreich z. B. bei kleinen malignen Melanomen oder Differenzialdiagnose Metastase; in Ausnahmefällen Feinnadelbiopsie.
Serologie: Leberfunktionstests (z. B. alkalische Phosphatase; Laktat-Dehydroge- nase).
Internistische Untersuchung: Ausschluss von Metastasen in Lunge und Leber (97% aller Metastasen); Ausschluss eines Primärtumors (Differenzialdiagnose Metastase).
Histologie: Unterteilung nach vorherrschendem Zelltyp; Prozentzahl hierbei nicht so entscheidend, sondern Pleomorphismus von Kern und Nucleolus sowie Zellgröße.
1. Spindel-A-Zellen überwiegen ( 75%, sonst Spindel-B): Schlanker Zellkern, Nucleo-
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li schlecht oder gar nicht sichtbar, oft längliche Falte in der Kernmembran |
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(Abb. 18.7a) – nach heutiger Auffassung eher spindelzellige Nävi. |
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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart
18.2 Tumoren der Aderhaut und des Ziliarkörpers
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Abb. 18.7 · |
Malignes Melanom: Zelltypen |
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a Spindel-A-Zellen |
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b Spindel-B-Zellen |
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cEpitheloidzellen
2.Spindel-B-Zellen 25%: Plumper, runder bis ovaler Zellkern, prominenter Nukleolus, oft Mitosen (Abb. 18.7b).
3.Epitheloidzellen überwiegen: Großer, plumper polymorpher Zellkern, prominenter Nucleolus, zahlreiche Mitosen (Abb. 18.7c).
4.Gemischtzellig: Spindelund Epitheloidzellen.
–Nekrotisch: Bei ausgeprägter Nekrose kann vorherschender Zelltyp nicht mehr bestimmt werden.
–Bei etwa 10% aller enukleierten Augen (meist optisch dichte Medien) wurde vor dem Einsatz der Ultraschalldiagnostik unerwartet ein malignes Melanom diagnostiziert.
Ursache: Nicht bekannt, evtl. Chromosomenanomalien; häufigeres Auftreten bei Melanosis oculi (S. 138 ), okulodermaler Melanose (Naevus Ota; S. 138 ), Nävusdys- plasie-Syndrom (s. S. 539), blauen Augen; sehr selten bei Schwarzen.
Manifestationsalter: Durchschnittsalter 50 Jahre, selten 80 Jahre; weniger als 4%
30 Jahre; jüngste Patienten 2 Jahre/5 Jahre.
Verlauf/Komplikationen:
Bei Erstdiagnose Metastasierungsrate ungefähr 1%; extrasklerale Ausdehnung bei bis zu 5%. Nach Enukleation 5-Jahres-Überlebensrate ungefähr 75%, 10-Jah- res-ÜL 65%, 15-Jahres-ÜL 60%; Metastasierung stellt die Todesursache dar. Bei Fernmetastasen mittlere Überlebensrate durchschnittlich 6 Monate (75% der Patienten haben zuerst Lebermetastasen).
Nach Brachytherapie in 80 – 90% Bulbuserhalt möglich, funktioneller Erfolg in der Regel gut; bei Nähe zu N. opticus und Makula 1/4 Erblindung, 1/2 0,1 (bisher kein Anhalt für Erhöhung der Metastasierungsrate durch bulbuserhaltende Therapie).
Prognostisch ungünstig: hohe Metastasierungsrate bei Monosomie 3 im Tumorgewebe; Epitheloidzellen überwiegen (5-Jahres-Mortalität etwa 70%); gemischtzelliger Tumor (5-Jahres-Mortalität annähernd 25 – 40%); großer Tumor; diffuser Tumor; Bruch-Membran durchbrochen; 65 Jahre; ausgeprägt pigmentierter Tumor; extrasklerale Ausdehnung.
Prognostisch günstig: Spindel-A-Zellen überwiegen (5-Jahres-Mortalitätsrate ungefähr 5%); Bruch-Membran intakt; kleiner Tumor (Dicke 3 mm, Ausdehnung10 mm).
Wachstum eher langsam, sehr unterschiedlich, innerhalb weniger Monate oder mit Latenzzeiten von 3 Jahren.
Differenzialdiagnose: s. Tab. 18.3.
Therapie: Kontrovers, individuell abgestimmt.
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Aderhaut (Chorioida)/Ziliarkörper
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