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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Checkliste Augenheilkund 3 auflage_Burk_2005

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Intraokuläre Entzündungen

17.2 Spezielle Krankheitsbilder

rende Retinitis (zu Beginn tiefe retinale/chorioidale weiße Herde, ödematöse Netzhautverdickung, kirschroter Makulafleck, geringe entzündliche Reaktion; ganze Netzhaut wird nekrotisch, atrophisch); Herpes-simplex-Retinitis (S. 209); Candida-Retinitis (S. 343); Tuberkulose-Chorioiditis (S. 340); Crypto- coccus-Chorioretinitis/-Neuritis nervi optici; Histoplasma-capsulatum-, Pneumocystis-carinii-Chorioidopathie (gelbe bis blassgelbe, rundliche chorioidale Herde mit unscharfen Rändern hinter dem Äquator, etwa 80% beiderseits); evtl. Stauungspapille; evtl. Tumor, z. B. intraokuläres Riesenzell-Lym- phom.

Evtl. Motilitätsstörungen, Pupillenstörungen, Gesichtsfelddefekte bei ZNS-Betei- ligung.

Serologie: z. B. quantitative Bestimmung der CD4-Lymphozyten; Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen Hüllprotein gezüchteter HIV-1-Viren (ELISA); Nachweis von Antikörpern gegen virale Proteine nach gelelektrophoretischer Auftrennung (Westernblot, Immunoblot); Nachweis von Virusmaterial in infizierten Kulturzellen mittels indirekter Immunfluoreszenz; Viruslast (Konzentration von Viren im Serum [Kopien/ml]; Bestimmung der viralen Nukleinsäuren mittels PCR [S. 9]); FTA-ABS-Test (zum Ausschluss einer gleichzeitig bestehenden Syphilis); Tbc-Ausschluss (S. 340).

Bindehaut-/Hornhautabstrich, -kultur: Hinweis auf opportunistische Infektion.

Facharztteambetreuung für Diagnostik/Therapie erforderlich.

Ursache:

Infektion mit Retrovirus: Human immunodeficiency virus (HIV); besonders die Infektion der CD4-plus-(„Helfer“-)T-Lymphozyten, die eine erhebliche Störung des Immunsystems zur Folge hat, begünstigt lebensbedrohliche opportunistische Infektionen und ungewöhnliche Neoplasmen (HIV-1, bei Afrikanern HIV-2); Übertragung durch Geschlechtsverkehr, kontaminierte Blutprodukte, kongenital (durch Mutter auf ungeborenes Kind); HIV u. a. in Tränenflüssigkeit und Hornhautgewebe Infizierter nachgewiesen.

Risikogruppen: Homosexuelle/Bisexuelle (etwa 50% der Patienten); Drogensüchtige (etwa 15%); Personen aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz (etwa 16%); Heterosexuelle mit häufigem Partnerwechsel; Kinder HIV-positiver Mütter; Z. n. Blut-, Blutprodukttransfusionen.

Assoziation:

HIV-Infektion: Virus nachweisbar (es ist unklar, wie viele dieser Patienten AIDS entwickeln).

AIDS-related-Komplex: Generalisierte Lymphadenopathie, chronisches Fieber, Gewichtsverlust, Diarrhö.

AIDS: Schwerste Form der HIV-Infektion (Helferzellen 200/µl) mit lebensbedrohlichen systemischen, opportunistischen Infektionen z. B. Pneumocystis-cari- nii-Pneumonie (bei 80% aller Patienten mit AIDS; initiale Manifestation bei 60%); Toxoplasmose; Candidiasis; Zytomegalie; Herpes simplex; Varicella zoster; Mycobacterium avium und intracellularis; Cryptococcus-Meningitis; Neoplasmen, z. B. Kaposi-Sarkom, Burkitt-Lymphom; HIV-Enzephalopathie.

Indikatorerkrankung für AIDS: Zytomegalie-Retinochorioiditis (s. u.).

Manifestationsalter: Jedes Alter, am häufigsten 25. bis 49. LJ, ungefähr 10% älter als 50 Jahre.

Verlauf/Komplikationen:

Weltweit etwa 47 Mill. HIV-infizierte Personen; BRD (2004) etwa 23000 als AIDSKranke gemeldete Personen; bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn mit antiretroviralen Substanzen (s.u.) Verlangsamung des Fortschreitens der derzeit nicht heilbaren Krankheit sowie Verbesserung der Lebensqualität und Prognose HIVInfizierter.

Verlauf der Zytomegalie-Retinochorioiditis siehe unten S. 338; Herpes zoster

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ophthalmicus (S. 125) kann früh im Verlauf auftreten, prognostisch ungünstig;

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17.2 Spezielle Krankheitsbilder

HIV-Mikrovaskulopathie der Retina in jeder Krankheitsphase möglich, am häufigsten (50 – 70%) bei AIDS-Vollbild, erzeugt meist keine Visusreduktion; Pneu- mocystis-carinii-Chorioidopathie zeigt systemische Disseminierung an.

Konservative Therapie:

Facharztteam-Betreuung erforderlich: Intraokuläre Erkrankungen sind fast immer mit disseminierten systemischen verbunden; Medikamente nur bedingt kombinierbar; Überwachung der NW erforderlich; z. T. optimale Dosis und Therapiedauer sowie Zeitpunkt der Therapie noch empirisch, müssen immer individuell angepasst werden.

Antiretrovirale Kombinationstherapie (HAART: highly active antiretroviral therapy; Stand 2004): 20 Substanzen z. Zt. zugelassen.

Ziel: Hemmung der Virusreplikation: verhindert Krankheitsprogression, führt zur Rückbildung HIV-bedingter Symptome, bewirkt eine klinisch relevante Immunrekonstitution; Viruslast 20 – 50 HIV-RNA-Kopien/ml verhindert Resistenzen (regelmäßige Einnahme entscheidend).

Therapiebeginn: z. Zt. keine evidenzbasierte Empfehlung möglich; Argumente für frühen und späten Therapiebeginn; Kriterien: CD4-Lymphozyten zwischen 200 – 350/µl; je höher Viruslast, umso höher Risiko der immunologischen und klinischen Progression.

Initiale Therapie:

Kombination eines (in der Regel geboosterten, s.u.) Proteaseinhibitors mit 2 nukleosidanalogen Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI):

Proteaseinhibitoren z. B. Amprenavir, Fosamprenavir, Atazanavir, Indinavir, Lopinavir Ritonavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir; NW: z. B. Glukoseintoleranz, Fettstoffwechselstörungen, Lipodystrophiesyndrom, gastrointestinale Beschwerden.

NRTI z. B. Abacavir, Didanosin, Emtricitabin, Lamivudin, Stavudin, Zalcitabin, Zidovudin, Lamivudin Zitdovudin Abacavir, Tenofovir; NW: z. B. hepatische Steatose, Laktatazidose, Lipodystrophiesyndrom.

Kombination eines nicht nukleosidanalogen Reverse Transkriptase Inhibitors (NNRTI) mit 2 NRTI. NNRTI z. B. Delavirdrin, Efavirenz, Nevirapin; NW: z. B. Arzneiexanthem, Hepatotoxizität.

Kombination von 3 NRTI.

Boosterung: Anhebung der Plasmaspiegel von Proteaseinhibitoren durch Zugabe von Ritonavir in subtherapeutischer Dosis.

Verlaufsbeurteilung: Therapieerfolg: Absinken der HIV-Replikation unter die Nachweisgrenze (frühestens nach 4 Wochen); alle 2 – 3 Monate Bestimmung von CD4-Lymphozyten und HIV-RNA; Resistenztestungen bei Therapieversagen; keine Therapieunterbrechung, da die Resistenzentwicklung sonst steigt (Therapie von Kindern, Schwangeren s. Spezialliteratur [separate Leitlinien]).

Pneumocystis carinii: Pentamidin oder Trimethoprim-Sulfamethoxazol.

Zytomegalie-Retinochoroiditis s.u.; Toxoplasmose S. 344; Syphilis S. 339, Varicella zoster: zusätzlich Aciclovir (S. 126); Kaposi-Sarkom: Chemotherapie.

Chirurgische Therapie: Kaposi-Sarkom (im Lid-, Bindehautbereich): Radiotherapie, Kryotherapie oder Exzision gleich effektiv; bei Netzhautablösung infolge Retinanekrose evtl. Cerclage mit Vitrektomie (Indikation, Zeitpunkt, Art und Ausmaß des Eingriffs nur individuell festzulegen, Visusergebnis unsicher).

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Intraokuläre Entzündungen

Zytomegalie-Retinochorioiditis

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Definition: Schwere progressive Entzündung von Netzhaut und Aderhaut durch das Zytomegalie-Virus.

Leitbild: Trocken erscheinende, granuläre, gelbweiße retinale Nekroseherde; geringe oder fehlende Vitritis.

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Intraokuläre Entzündungen

17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen Allgemeines,

S.320.

Anamnese: Verschwommensehen, schwarze Punkte, Schwebeteilchen vor den Augen.

Funduskopie: Multiple, trocken erscheinende, granuläre, gelbweiße retinale Nekroseherde; langsame Vergrößerung, konfluieren; geringe oder fehlende entzündliche Glaskörperreaktion (Vitritis); andere mögliche Veränderungen: Blutungen (Abb. 17.7), entzündl. Gefäßeinscheidungen, z. B. Frosted-branch-Angiitis (ausgeprägte weißliche Gefäßeinscheidungen, wie vereister Zweig aussehend); etwa 20% Netzhautablösung (S. 261); evtl. vollständige Netzhautnekrose mit Gefäßobliteration, Papillitis (S. 370), Optikusatrophie (auch bei kongenitaler Z.).

In unklaren Fällen evtl. Polymerase-Kettenreaktion (S. 9) zum Nachweis von Zy- tomegalie-DNA in intraokularen Flüssigkeiten.

Nachweis von Zytomegalieviren im Urin möglich.

Abb. 17.7 · Zytomegalie-Retinochorioidi- tis: Netzhautblutungen, Cotton-wool-Her- de

Ursache: Zytomegalievirus; begünstigende Faktoren: besonders häufig bei AIDS (20 – 25%); Immunsuppression anderer Genese; intrauterine Übertragung.

Assoziation:

AIDS (S. 335).

Kongenitale Zytomegalie: Unreife, Mikrozephalus, intrakranielle Verkalkungen, Hepatosplenomegalie, Anämie, Thrombozytopenie.

Manifestationsalter: Jedes Alter; meist 25 – 49 J. im Spätstadium von AIDS. Verlauf/Komplikationen: Zytomegalie-Retinochorioiditis tritt meist spät bei HIVErkrankung auf, meist nicht bevor CD4-Lymphozyten 50 Zellen/mm3.

Gilt als Indikatorerkrankung für AIDS.

Selten erste Manifestation der disseminierten, lebensbedrohlichen Erkrankungsphase.

Vor Gancicloviroder Foscarnettherapie Erblindung aller Patienten mit Zyto- megalie-R, unter der Therapie sehr selten; meist Stabilisierung mit Vernarbung (atrophische Retina, RPE-Verschiebungen).

Evtl. „Smouldering-Retinitis“ langsame Größenzunahme der Herde mit diskreter Weißfärbung (Ödem) der Ränder; evtl. Bild der akuten Netzhautnekrose (S. 334); Netzhautablösung (etwa 20%); Optikusatrophie; einseitige Erblindung (etwa 20%).

Differenzialdiagnose: Toxoplasmose-Retinochorioiditis (S. 344; ausgeprägte Glaskörperreaktion), Varicella-zoster-Retinitis (S. 125), Retinitis bei Syphilis; intraokuläres Riesenzell-Lymphom und Tab. 17.1, S. 324.

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17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Therapie: siehe auch HIV-Infektion S. 337 (HAART-Therapie kann evtl. Absetzen der Zytomegalie-Therapie ermöglichen).

Konservativ:

Ganciclovir (Infusion, p. o., intravitreales Pellet mit Wirkdauer 6 – 8 Mon.); NW: z. B. Knochenmarksuppression.

Foscarnet (Infusion); NW: z. B. Nierentoxizität, Elektrolytstörungen.

Bei Nichtansprechen von Ganciclovir und Foscarnet Kombinationstherapie in getrennten Infusionen; bei Versagen: Cidofovir (Infusion; zusätzlich physiologische Kochsalzlösung zur Vorhydratisierung und Probenicid p. o.); NW: Nierentoxizität, Wechselwirkung mit HAART (s.o.).

Valganciclovir (p. o.); NW: z. B. Knochenmarksuppression.

Chirurgisch: Bei Amotio ggf. Cerclage, Vitrektomie.

Erworbene Syphilis

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Definition: Durch Treponema pallidum übertragene Geschlechtskrankheit.

Leitbild: Weites Spektrum möglicher Fundusveränderungen (s. u.); Argyll-Robert-

son-Pupille (S. 230; bei tertiärer Syphilis).

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen Allgemeines,

S.320.

Anamnese siehe Teil I, S. 320.

Spaltlampe: Beiderseitige (etwa 50%) chronische Iridozyklitis (S. 320 f) bei 4% der Patienten mit sekundärer Syphilis; evtl. Roseolae (rote Flecken auf der Iris aus hyperämischen, dilatierten, oberflächlichen Iris-Gefäßschlingen), Übergang in gelbliche Knötchen möglich.

Funduskopie: Zu etwa 50% beiderseits Glaskörperzellen; multifokal oder diffus, grau-gelbe, exsudative, chorioretinale Herde; evtl. Perivaskulitis. Neuroretinitis: Netzhautödem führt zu grauer, wolkiger Trübung der Retina mit Betonung des hinteren Pols; prominente Papille mit unscharfen Rändern; evtl. gestaute retinale Venen, Cotton-wool-Herde, streifige Blutungen, perimakuläre wachsartige Exsudate.

Beachte: Bei kongenitaler Syphilis typischerweise salzund pfefferartige Deund Hyperpigmentierungen, evtl. Retinitis-pigmentosa-ähnliches Bild.

Serologie: FTA-ABS-Test positiv; AIDS-Diagnostik S. 335. Meldepflicht nach § 7(3) lfSG für Laborleiter, der akute Infektion mit Treponema pallidum oder noch aktive in späterem Stadium feststellt.

Fachübergreifende Untersuchungen: Allgemeinarzt, Hautarzt, Internist, Neurologe zwecks weiterer Diagnostik, Stadieneinteilung (s. u.) und Therapie.

Ursache: Treponema-pallidum-Spirochäten; kongenital oder erworben.

Assoziation:

1.Primäre Syphilis: Primäraffekt (schmerzloses induriertes Ulkus) meist genital; regionale Lymphadenopathie;

2.Sekundäre Syphilis: Beginn ab 3 Wochen bis Monate nach der Infektion; Ausschläge von Haut und Schleimhaut, generalisierte Lymphadenopathie; Condylomata lata; muköse Plaques, Meningitis;

3.Latente Syphilis: folgt der sekundären; keine klinische Manifestation, lediglich Serologie positiv;

4.Tertiäre (späte) Syphilis: 20 J. nach der Infektion; Erkrankung eines jeden Organs des Körpers möglich, symptomatisch oder asymptomatisch; Neurosyphilis.

Weitere okuläre Befunde:

Primäre Syphilis: Primäraffekt sehr selten konjunktival, im Lidbereich;

Sekundäre Syphilis: Konjunktivitis, interstitielle Keratitis, Lidexanthem, Dakryoadenitis (S. 145), -zystitis (S. 150), Neuritis, Perineuritis nervi optici (S. 370), Papillenödem, Episkleritis (S. 189), Skleritis (S. 190);

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Intraokuläre Entzündungen

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Intraokuläre Entzündungen

17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Tertiäre Syphilis: Gumma (Granulationsgeschwulst) möglich im Iriswurzelbereich, in extraokulären Muskeln, N. opticus, Retina, Sklera; Ptosis, Lähmungen der äußeren Augenmuskeln; Argyll-Robertson-Pupille (S. 230); Gesichtsfelddefekte; selten Retrobulbärneuritis (S. 370), evtl. Stauungspapille (S. 366), Optikusatrophie; selten Amotio, CNV, Zentralvenenverschluss.

Verlauf/Komplikationen: Ohne Therapie progressiv, mit spezifischer Therapie oft erstaunliche Restitution.

Chorioretinitis: Abheilung mit ausgeprägten RPE-Veränderungen, Pigmentverklumpungen, evtl. knochenbälkchenartig, evtl. mit Nachtblindheit, Ringskotom.

Neuroretinitis: Ohne Therapie Optikusatrophie, hyperpigmentierte Fundusareale, weiße, enge, obliterierte Gefäße.

Differenzialdiagnose: AIDS S. 335 (Syphilis kann gleichzeitig bestehen) und Tab. 17.1, S. 324.

Therapie konservativ:

Systemisch: Penicillin-G-(Benzylpenicillin-)Therapie durch den Hautarzt (Erkrankungsdauer 1 Jahr, 2,4 Mill. Einheiten einmalig i. m.; bei Allergie 500 mg Erythromycin 4mal tgl. für 15 Tage; Erkrankungsdauer 1 Jahr i. v. Therapie und Dosierung orientiert an Stadium und Ausprägung, evtl. zusätzlich Probenecid p. o. 500 mg 4-mal tgl.);

Okulär: S. 323, immer kombiniert mit systemischer Therapie.

Okuläre Tuberkulose

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Leitbild: Gelblichgraue knotige Tuberkulome in Iris und Chorioidea.

 

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines,

 

S. 320.

 

Anamnese: Evtl. system. Tbc in der näheren Umgebung des Patienten; AIDS

 

(S. 335).

 

Spaltlampe: Uveitis anterior: unspezifisch (S. 320) oder multiple, graugelbliche

 

bis rötliche Irisknötchen (Tuberkulome); Zyklitis: speckige Hornhautrückflä-

 

chenbeschläge (S. 195), Koeppe-Knötchen (S. 218) am Pupillenrand; vordere

 

Glaskörpertrübungen.

 

Funduskopie: Am häufigsten fokale oder multifokale Chorioiditis mit gelblich-

 

grauen, knotigen, chorioidalen Tuberkulomen (nach Abheilung atrophische, pig-

 

mentierte Areale); evtl. solitäres chorioidales Granulom (Pseudogliom: weißgrau

 

mit unscharfen Rändern mit zunehmender Prominenz, oft flauschige Herde im

 

Randbereich); evtl. Glaskörpertrübungen; evtl. retinale Periphlebitis (S. 321),

 

evtl. Panophthalmie.

 

Tonometrie: Augeninnendruck bei Sekundärglaukom erhöht (evtl. bei Zyklitis).

 

Intrakutane Tuberkulinreaktion bei Verdacht auf Tbc: Teststempel mit Alttuberku-

 

lin wird in die Haut eingedrückt, Reaktion nach 3 – 5 Tagen (je nach Art des Test-

 

stempels) beurteilt; wenn negativ, höchst wahrscheinlich keine Tbc.

 

Röntgen-Thorax: Spezifische Veränderungen vgl. internistische Literatur.

 

Erregernachweis z. B. aus Sputum, Bronchialsekret; außerdem Nachweis in der Kul-

 

tur, Nukleinsäureamplifikationstechniken (NAT).

 

Meldepflicht besteht für eine behandlungsbedürftige Tbc durch den feststellen-

 

den Arzt (§6 Abs. 1 lfSG).

 

Allgemeinärztlich/internistische Betreuung.

 

Ursache: Bakterielle Infektion mit Mycobacterium tuberculosis; begünstigend:

 

AIDS, schlechte Ernährung.

 

Weitere okuläre Befunde: Jede okuläre und periokuläre Struktur kann betroffen

 

sein, z. B. Keratitis, Konjunktivitis mit und ohne Phlyktänen (S. 160 / 207); Skleritis

 

(S. 190); chronische Dakryoadenitis (S. 146), -zystitis (S. 151); Neuritis nervi optici

 

(S. 370).

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Assoziation: siehe Lehrbücher der Inneren Medizin.

 

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17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Differenzialdiagnose: siehe Tab. 17.1, S. 324.

Therapie: Konservativ, nach Maßgabe des Internisten.

Standard-Kurzzeittherapie über 6 Mon. als eine tgl. Einzeldosis:

Initialphase mit Kombinationstherapie aus Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP), Pyrazinamid (PZA) und Ethambutol (EMB) oder Streptomycin (SM) für 2 Mon.

Stabilisierungsphase: 4 Monate INH und RMP.

Bei Kindern in der Initialphase nur drei Medikamente (RMP, INH und PZA), wenn kein erhöhtes Risiko für eine Resistenz gegen Antituberkulotika besteht; bei gleichzeitiger HAART-Therapie bei HIV-Erkrankung (vgl. S. 335) Wechselwirkungen mit RMP.

NW (Auswahl):

INH: Lebertoxisch, Blutbildveränderungen, Lupus-erythematodes-ähnliches Bild; RMP: Sehstörungen, weiche Kontaktlinsen können gelborange verfärbt werden, Leberfunktionsstörungen, hämolytische Anämie, Leuko-Thrombozy- topenie.

PZA: Lebertoxisch, Störungen der Hämatopoese; EMB: Optikusneuritis, -atro- phie, Störungen des Rot-Grün-Sehens, Hyperurikämie; SM: ototoxisch (VIII).

Uveitis anterior s. S. 323.

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Intraokuläre Entzündungen

Borreliose (Lyme disease)

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Definition: Infektionskrankheit durch Borrelien, die meistens durch Zeckenbiss übertragen werden.

Leitbild: sehr weites Spektrum okulärer Veränderungen.

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.

Anamnese: Photophobie, retrobulbäre Schmerzen, Bewegungsschmerz, Doppelbilder, Verschwommensehen; Sehverschlechterung.

Inspektion: Rotes Auge.

Spaltlampe: Follikuläre Konjunktivitis (S. 154), Episkleritis (S. 189), nummuläre,

interstitielle, selten periphere, ulzerative Keratitis (S. 207); Uveitis anterior (S. 320).

Funduskopie: Chorioiditis (S. 321), retinale Vaskulitis; Neuritis nervi optici (Papillitis, Retrobulbärneuritis, auch mit Demyelinisierung, S. 371).

Motilitätsprüfung (S. 11): pathologisch bei Hirnnervenparesen, Myositis.

Pupillenreaktionen: Pathologisch bei innerer Okulomotoriusparese (vgl. S. 412), Evtl. Argyll-Robertson-Pupille (S. 230), Horner-Syndrom (S. 231).

Akkommodationsbreite (S. 48): Akkommodationsparese möglich.

Gesichtsfeld: z. B. homonyme Gesichtsfelddefekte bei zerebraler Vaskulitis.

Labordiagnostik: Die Lyme-Borreliose ist primär eine klinische Verdachtsdiagnose, der Nachweis spezifischer Antikörper in Serum und Liquor unterstützt diese; 1. Stufe ELISA (oder Immunfluoreszenztest), wenn positiv Test der 2. Stufe (Immunblot). Bei V.a. Neuroborreliose ist der Nachweis über intrathekal gebildete Antikörper gegen Borrelien in Liquor/Serum-Paaren vom gleichen Tag erforderlich.

Kultur: Kultivierung von Borrelien aus Liquor und Biopsiematerial (vor allem Hautbiopsien ätiologisch beweisend (zeitund arbeitsaufwendig, nur in wenigen Speziallaboratorien) Polymerase-Kettenreaktion (PCR) Sensitivität entspricht etwa der Kultur (z. B. Synoviabiopsien).

Allgemeinärztliche/internistische, neurologische, dermatologische Betreuung erforderlich.

Ursache: Infektion mit Borrelia burgdorferi, B. garinii, B. afzelii, meist durch Zeckenbiss (auch bestimmte Stechfliegen und -mücken); selten transplazentare Übertragung.

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Intraokuläre Entzündungen

17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Assoziation:

Frühstadium (bis 8 Wochen nach Zeckenbiss): Erythema chronicum migrans (makulopapuläre Hautläsionen), Lymphadenoma cutis benigna, grippeähnliche Symptome.

Spätstadium (8 Wochen bis 1 Jahr): Multiple Organmanifestationen, z. B. Meningitis, Radikuloneuropathie, Hirnnervenparesen (z. B. Fazialis-, Abduzens-, innere u. äußere Okulomotoriusparese), Pseudotumor cerebri, Oligoarthritis, Endo-/Myo-/ Perikarditis.

Chronisches Stadium ( 1 J.): Acrodermatitis chronica atrophicans, chronische neurologische Syndrome, Oligoarthritis (Stadieneinteilung nicht unbestritten).

Manifestationsalter: Kinder und Erwachsene; selten bei Neugeborenen.

Verlauf/Komplikationen: Evtl. okklusive Vaskulitis, exsudative Amotio (S. 261), Glaskörperblutung, PVR (S. 263), Endophthalmitis (S. 435), Panophthalmie, ischämische Optikusatrophie (S. 372); transplazentare Infektion (u. a. Rindenblindheit) meist letal.

Differenzialdiagnose: Syphilis S. 339, V-K-H-Syndrom S. 331, Tbc S. 340, Demyeli- nisierungs-Syndrome und Tab. 17.1, S. 324.

Therapie: In der Frühphase in der Regel am erfolgreichsten.

Konservativ: Generelle prophylaktische Antibiotikagabe nach Zeckenstich wird nicht empfohlen; Mittel der Wahl für das frühe Stadium gegenwärtig Tetracycline, (z. B. Doxycyclin) oder Amoxycillin; bei Allergien bzw. Unverträglichkeit: Erythromycin; bei Neuroborreliose, Karditis und Arthritis: Ceftriaxon oder Cefotaxim i. v. Empfehlungen für die Therapiedauer variieren zwischen 2 Wochen (Erythema migrans) und 3 – 4 Wochen (Spätmanifestationen).

Uveitis anterior, Keratitis s. S. 323 / 209.

Histoplasmose (presumed ocular histoplasmosis syndrome, fokale hämorrhagische Chorioretinopathie)

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Leitbild: Meist parafoveal rundliche, graue hämorrhagische Netzhautabhebung.

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.

Anamnese: Metamorphopsie (Verzerrtsehen) bei Makulabeteiligung (AmslerNetz S. 67), sonst asymptomatisch.

Funduskopie:

Fokale hämorrhagische Chorioretinopathie: Meist parafoveal, seltener peripapillär, seröse oder hämorrhagische Netzhautabhebung, als runde bis ovale, leicht prominente, hellgraue, subretinale Läsion; oft darin dunkler pigmentierter Ring von proliferiertem RPE mit umgebender Blutung als Zeichen chorioidaler Neovaskularisation (Abb. 17.8); evtl. Entwicklung einer disziformen Narbe (S. 263, 283).

Glaskörper nie beteiligt; chorioatrophische Narben (Histospots; evtl. streifenförmig um den Äquator angeordnet); weißliche peripapilläre Atrophie.

Fluoreszenzangiographie/Indozyanin-Grün-Angiographie: Zur Bestimmung der Ausdehnung der chorioidalen Neovaskularisation (vgl. S. 282).

Serologie: HLA-B7, HLA-DR-w2-Antigen positiv.

Histoplasma-Hauttest: Positiv bei etwa 90%.

Röntgen: Evtl. kalzifizierte Granulome in Leber und Milz.

Ursache: Infektion mit Pilz Histoplasma capsulatum durch Inhalation (histol. Nachweis für okuläre Veränderungen fehlt).

Assoziation: systemische Histoplasmose, siehe internistische Literatur; nie parallel zu okulären Veränderungen.

Manifestationsalter: chorioidale Neovaskularisation: 20.– 45. LJ (etwa 10 – 20 Jahre nach systemischer Erkrankung).

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17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Abb. 17.8 · Fokale hämorrhagische Chorioretinopathie (presumed ocular histoplasmosis syndrome): Parafoveale, leicht prominente, subretinale Läsion mit Pigmentring und umgebender Blutung

Verlauf/Komplikationen:

Bei chorioidaler Neovaskularisation: Außerhalb der kapillarfreien Zone bei 60 – 70% der Patienten Endvisus 0,5, innerhalb der kapillarfreien Zone nur bei 15%.

Bei etwa 22% der Patienten innerhalb von 10 J. symptomatische Neovaskularisation im 2. Auge (besonders bei Makulanarben).

Therapie: chirurgisch: Argonlaser-Koagulation der chorioidalen Neovaskularisation außerhalb der Fovea (vgl. S. 458; bei 2/3 der Patienten bleibt der Visus gleich oder wird besser, Rezidive sind seltener; ohne Therapie ist dies nur bei 1/3 der Patienten der Fall); evtl. Kryptonrot-Laser bei fovealer Lage, Erfolgsaussichten für Visus aber gering.

Candidosen

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Definition: Sammelbezeichnung für Infektionen durch Sprosspilze der Gattung Candida.

Leitbild: Multifokale weißgelbliche Netzhautherde mit unscharfen Rändern, flau- schig-weißliche Veränderungen im darüberliegenden Glaskörper.

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.

Anamnese vgl. Ursache, Prädisposition.

Spaltlampe: Uveitis anterior (S. 320), evtl. Hypopyon (S. 320).

Funduskopie: Meist Retinitis und Vitritis: multifokale weiß-gelbliche Herde (Abszesse) mit unscharfen Rändern, oberflächlich retinal gelegen; flauschige, runde, weißliche Veränderungen im darüberliegenden Glaskörper, manchmal perlschnurartig aneinandergereiht; Roth-Flecken: Blutungen mit weißem Zentrum; diskrete uveale Läsionen möglich, aber meist Retinitis mit Vitritis oder Endophthalmitis (S. 435).

Labor: Bei Vitrektomie Kultur und Färbung eines Teils des Aspirats (z. B. Gram, Gomori-Methenamin) zur histologischen Beurteilung; evtl. Polymerasekettenreaktion; Blutkulturen.

Genetik: Familiäre chronische mukokutane Candidiasis: autosomal-rezessiv.

Ursache: Infektion mit Candida spezies, meist endogen durch Candidämie. Prädisposition: Drogensucht; i. v. Langzeitkatheter, besonders nach komplizierter Abdominalchirurgie; Immunschwäche z. B. AIDS oder nach Transplantation und immunsuppressiver Therapie; Langzeittherapie mit Antibiotika, Steroiden, Zytostatika; Diabetes mellitus; Verbrennungen.

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17

Intraokuläre Entzündungen

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Intraokuläre Entzündungen

17.2 Spezielle Krankheitsbilder

Weitere okuläre Befunde: Konjunktivitis; Blepharitis; Kanalikulitis; Dakryozystitis; Keratitis; Papillitis, Optikushyperämie, -infiltration.

Assoziation: Generalisierte Candidose:

a)Bedingungen, wie unter Ursache aufgeführt, liegen in der Regel vor;

b)Hereditäre mukoepitheliale Dysplasie (s. S. 538) und polyglanduläres Autoim- mun-Syndrom, Typ I (S. 544).

Verlauf/Komplikationen: bei Ansprechen auf die Therapie oder bei gelegentlicher spontaner Heilung, narbige Abheilung der Herde, umschriebene Defekte des RPE; andernfalls Übergang in Endophthalmitis mit vitreoretinalem Abszess, Netzhautnekrose, PVR (S. 263).

Therapie:

Konservativ:

Natamycin AS (am wenigsten irritierend und toxisch): Dosis: 2-stdl. oder öfter.

Atropin 1% AT 3-mal tgl.; Dauer nach Befund.

Augentropfen, nicht als Fertigpräparat im Handel; z. B. Clotrimazol 1%ige Suspension durch Mischung von 10 mg Puder mit 1 ml künstlicher Tränen, 4-stdl. (vorher schütteln); Miconazol 1%ige Lsg. der 10 mg/ml i. v. Aufbereitung stdl.; Amphotericin B Suspension 0,1 – 5 mg/ml in steriler 5%iger Dextrose in Wasser alle 30 min.; Nystatin 100000IE/ml 4-mal tgl.

Flucytosin p. o./i. v. 150 mg/kg in 4 Einzeldosen; über 3 Wochen, NW: z. B. Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Allergie, Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörung; in Kombination mit:

Ketoconazol p. o.: 200 – 400 mg tgl. über 3 Wochen; NW z. B. Allergie, hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, selten Hepatitis; (alternativ Amphotericin B i. v.: Dosis: initial 0,1 mg/kg, Steigerung möglich bis 1 mg/kg; gefährliche NW).

Fluconazol: Initialdosis 400 mg, danach 200 – 400 mg tgl.;

Kortikosteroide ggf. nach Erreger-Identifikation und Einleitung der spezifischen Therapie;

intravitreal 5 µg Amphotericin B oder 40 µg Miconazol (beides umstritten).

Chirurgisch: Vitrektomie (S. 482). Indikation: Candida-Endophthalmitis bzw. ausgeprägte Glaskörperbeteiligung.

Toxoplasmose

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Definition: Durch Infektion mit Toxoplasma gondii verursachte Zoonose.

Leitbild: Netzhautnarbe mit gelblichweißem, flauschigem Herd im Randbereich; ausgeprägte Glaskörperreaktion.

Diagnostik/Symptome: siehe auch intraokuläre Entzündungen, Allgemeines, S. 320.

Spaltlampe: Selten Uveitis anterior (S. 320).

Funduskopie:

Chorioretinitis: Meist beiderseits; häufige Makulabeteiligung und/oder hinterer Pol; meist Narbe (um weißliche Atrophiezone massive dunkle Pigmentierung; Abb. 17.9) mit frischem Herd im Randbereich (Satellitenläsion: gelblichweißer retinaler Herd mit flauschigen, unscharfen Rändern bis etwa 5 Papillendurchmesser Größe); am häufigsten solitär, manchmal multifokal und außerhalb alter Narben.

Beachte: Vitritis: ausgeprägte zellige Glaskörperinfiltration, Glaskörperverdichtung, evtl. Funduseinblick erheblich behindert.

Seltener: Tief in der Netzhaut liegende gelbliche Herde mit geringer Glaskörperbeteiligung, granulomartig ( 6 Papillendurchmesser).

Sonderform: Chorioiditis juxtapapillaris Jensen: Papillitis mit weißer, entzündlicher Läsion im Optikusrandbereich (im Gesichtsfeld kometenschweifförmi-

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17.2 Spezielle Krankheitsbilder

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Intraokuläre Entzündungen

Abb. 17.9 · Makulanarbe bei Toxoplasmose

ger Nervenfaserbündeldefekt), evtl. Beteiligung von papillomakulärem Bündel und Makula (dann Visusreduktion).

Serologie siehe Teil I, S. 321; Diagnose wahrscheinlich bei Kombination von typischer Fundusveränderung und positiver Serologie, wobei jeder Antikörpertiter als signifikant bewertet wird, da bei rezidivierender Toxoplasmose keine Korrelation zwischen Höhe des Titers und entzündlicher Aktivität besteht; (Prozentzahl der seropositiven Bevölkerung gebietsabhängig, teilweise 80% und höher).

Röntgen: intrakranielle Verkalkungen möglich.

Intrauterine Diagnostik möglich: Serologie, Ultraschall.

Ursache: a) am häufigsten: Intrauterine Übertragung bei Erstinfektion der Mutter mit dem Protozoon Toxoplasma gondii (etwa 10 – 40% der Kinder der infizierten Mütter erkranken); b) erworbene Infektion durch Toxoplasma gondii, meist durch Katzen-Fäzes, unzureichend gekochtes Fleisch, mit Oozyten kontaminiertes Obst; c) Rezidive im Bereich alter, vernarbter Herde durch Zystenruptur.

Weitere okuläre Befunde: Evtl. Mikrophthalmus (S. 243), Katarakt, Strabismus, Nystagmus, Papillitis.

Assoziation: z. B. intrakranielle Verkalkungen, Krampfanfälle, Hydrozephalus, Mikrozephalie, Hepatosplenomegalie, Gelbsucht, Anämie, Fieber, Lymphadenitis, Meningoenzephalitis, Enzephalomyelitis, grippeähnliche Erkrankung: seltene, manchmal tödliche Form mit Exanthem.

Manifestationsalter: Bei der Geburt bestehende Veränderungen oder Manifestation erst nach Jahren; Rezidive am häufigsten zwischen dem 10. und 35. LJ.

Verlauf/Komplikationen: Bei sonst Gesunden narbige Abheilung innerhalb von 1 – 4 Monaten, selten erst innerhalb von 2 Jahren; bei Patienten mit defekter Immunabwehr (Transplantate, AIDS) schwerster Verlauf möglich, therapeutisch kaum beeinflussbar.

Evtl. zystoides Makulaödem (S. 287), Macular pucker (S. 290), chorioidale Neovaskularisation (S. 282), rhegmatogene Netzhautablösung (S. 262; Netzhautlöcher entstehen während aktiver Retinitis), retinale Neovaskularisationen und PVR (S. 263), Panuveitis (S. 319), Optikusatrophie; evtl. Gefäßverschlüsse.

Kongenitale Toxoplasmose: Evtl. Fehlgeburt durch schwerste systemische Veränderungen.

Differenzialdiagnose: Tbc (S. 340); Syphilis (S. 339); Zytomegalie (S. 338; fehlende oder geringe Glaskörperreaktion); Tab. 17.1, S. 324.

Therapie: konservativ:

Indikation: Läsion im Bereich der Makula, des papillomakulären Bündels, ausgeprägte Vitritis.

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