17
Glaukom
17.1 Grundlagen – 296
17.1.1 Definition – 296
17.1.2 Pathogenese: Regulation des Augeninnendrucks und ihre Störungen – 296 17.1.3 Einteilung – 298
17.1.4 Epidemiologie und sozioökonomische Bedeutung – 298
17.2 Untersuchungsmethoden bei Glaukom |
– 298 |
17.2.1 Augeninnendruckmessung (Tonometrie) |
– 298 |
17.2.2 Ophthalmoskopie der Papille |
– 299 |
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17.2.3 Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie) |
– 301 |
17.2.4 Spaltlampenuntersuchung |
– 302 |
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17.2.5 Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie) |
– 302 |
17.2.6 Sonstige diagnostische Methoden – 303 |
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17.3 |
Primäre Glaukome |
– 304 |
17.3.1 |
Offenwinkelglaukom |
– 304 |
17.3.2 |
Winkelblockglaukom |
– 309 |
17.3.3 |
Kongenitales Glaukom (Hydrophthalmie, Buphthalmus) – 313 |
17.4 |
Sekundäre Glaukome – 315 |
17.1 · Grundlagen |
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297 |
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17 |
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. Tabelle 17.1. Glaukomformen und ihre Ursachen |
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Glaukomform |
Ursachen |
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Primäre Glaukome |
(Genetik 7 Kap. 23) |
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5 primäres Offenwinkelglaukom |
Ablagerungen hyalinen Materials im Trabekelwerk |
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(früher: Glaucoma chronicum simplex) |
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5 primäres Winkelblockglaukom |
Verlegung des Kammerwinkels durch die Irisbasis |
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akut: »Glaukomanfall« |
(»Winkelblock«) bei anlagemäßig engem Kammerwinkel |
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chronisch |
Verklebungen des Kammerwinkels (Goniosynechien) |
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5 primäres kongenitales Glaukom des Säuglings |
Fehldifferenzierung des Trabekelwerks |
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und Kleinkindes (Hydrophthalmie, Buphthalmus) |
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Sekundäre Glaukome (Auswahl) |
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5 |
Neovaskularisationsglaukom |
allmählich fortschreitender Verschluss des Kammerwinkels |
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durch neu gebildete Gefäße und eine fibrovaskuläre |
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Membran (häufig bei Diabetes mellitus und nach Zentral- |
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venenverschluss) |
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5 |
Pigmentdispersionsglaukom |
Ablagerung von Pigment im Kammerwinkel |
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(stammt aus der Rückfläche der Iris) |
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5 |
Pseudoexfoliationsglaukom |
Ablagerung von feinfibrillärem (sog. Pseudoexfoliations-) |
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Material im Kammerwinkel, das vor allem vom Ziliarepithel |
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gebildet wird |
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5 |
Kortisonglaukom |
Kortikosteroid-induzierte Ansammlung von Mukopoly- |
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sacchariden im Kammerwinkel |
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5 |
Glaukom durch Entzündung |
Ödem der Trabekelzellen bei Entzündung des Trabekelwerks |
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(Trabekulitis, z.B. durch Herpes-simplex- oder |
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Varizella-Zoster-Viren) oder Ablagerung von Entzündungs- |
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proteinen im Kammerwinkel |
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5 |
Glaukom durch Verletzungen |
Zerreißung und Narbenbildung des Trabekelwerks |
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5 |
Glaukom bei allgemeinen Entwicklungsstörungen |
Differenzierungsstörung des Trabekelwerks, |
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und Fehlbildungen |
z.B. Axenfeld-Rieger-Anomalie |
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. Tabelle 17.2. Pathogenese der Papillenschädigung bei Glaukom
Pathomechanismus |
Auswirkungen |
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5 mechanisch durch erhöhten Augeninnendruck |
Abknickung der Axone oUnterbrechung des retrograden |
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Axoplasmatransports und damit Entzug von Neurotrophinen |
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für das Zellsoma oZelltod (Apoptose) |
5 Durchblutungsstörung durch erhöhten |
Minderversorgung der Papille oDegeneration von |
Augeninnendruck und Arteriosklerose |
Nervenfaserund Gliagewebe |
5 fehlerhafte Zusammensetzung der Kollagene |
Ausbuchtung der Bindegewebstrabekel der Lamina cribrosa |
der Lamina cribrosa |
nach hinten oQuetschung von Nervenfasern, Kapillaren |
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und Glia |
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17.2 · Untersuchungsmethoden bei Glaukom
. Abb. 17.1. Applanationstonometrie. Der Patient sitzt an der Spaltlampe. Das Messkörperchen wird nach Tropfanästhesie auf die Hornhaut aufgesetzt und die Federkraft des Instruments so eingestellt, dass diese dem Augeninnendruck entspricht. Die Abplattung der Hornhautoberfläche wird mit dem Spaltlampenmikroskop durch das transparente Messkörperchen kontrolliert
Methode ist von der Hornhautdicke unabhängig. Gleichzeitig kann auch die pulssynchrone Schwankung des Augeninnendrucks aufgezeichnet werden.
Impressionstonometrie nach Schiötz
Hierbei wird der Augeninnendruck durch einen Stift gemessen, der durch sein Gewicht je nach Augeninnendruck mehr oder weniger in die anästhesierte Hornhaut einsinkt. Dieses ältere Verfahren wird nur noch bei narbigen Hornhautveränderungen eingesetzt, bei denen eine Applanationstonometrie nicht möglich ist. Die Fehlermöglichkeit, insbesondere bei hoher Myopie, ist größer als bei der Applanationstonometrie.
Palpation des Bulbus zur Abschätzung des Augeninnendrucks
Wenn eine Messung des Augeninnendrucks auf der Hornhaut mit Geräten nicht möglich ist (z.B. bei infektiösem Hornhautulkus, Glaukomanfall oder Sekundärglaukom bei schwerkranken Patienten), kann der erfahrene Augenarzt den Augeninnendruck abschät-
. Abb. 17.2. Palpation des Bulbus. Der Arzt palpiert den Bulbus durch das Oberlid, und zwar abwechselnd mit dem rechten und linken Zeigefinger, während der Patient abwärts blickt. Dabei stützt er die Hände am Kopf des Patienten ab. Zum Vergleich kann er den anderen Bulbus palpieren
zen, indem er den Bulbus durch das Oberlid mit beiden Zeigefingern palpiert, während der Patient nach unten blickt (. Abb. 17.2). Bei normalem Augeninnendruck »fluktuiert« die Bulbuswand, wenn man sie abwechselnd mit dem rechten und linken Zeigefinger eindrückt, bei stark erhöhtem Augeninnendruck ist der Bulbus »steinhart«.
!Der Tastbefund »steinhart« findet sich bei akutem Winkelblockglaukom oder Neovaskularisationsglaukom, eine mäßige Drucksteigerung wie bei Offenwinkelglaukom ist palpatorisch nicht sicher erkennbar!
17.2.2 Ophthalmoskopie der Papille
Folgende ophthalmoskopische Befunde sprechen für eine glaukomatöse Papillenexkavation (. Abb. 17.3):
4große Exkavation: Die Exkavation ist an der Einsenkung der Papille zu erkennen, an der keine Nervenfasern durch die Lamina cribrosa eintreten. Exkavationen bis an den Rand der Papille sind beweisend für ein Glaukom. Exkavationen, die bis zu 60% der Papillenfläche einnehmen, können ohne Glaukom vorkommen, wenn bei großem Papillendurchmesser nicht die gesamte Papillenfläche von Nervenfasern ausgefüllt wird.
4Eine Asymmetrie der Papillenexkavationen beider Augen spricht für ein Glaukom auf der stärker exkavierten Seite.
4hochovale Exkavation und Kerbenbildung des Nervenfasersaums der Papille. Die physiologische Papillenexkavation ist queroval, weil am oberen
17.2 · Untersuchungsmethoden bei Glaukom
registrieren können (Laser-Tomographie). Diese Methode ist vor allem für eine quantitative Verlaufskontrolle bei beginnendem Glaukom wichtig (. Abb. 17.3b und c).
Die Polarisationsänderung des von der Nervenfaserschicht zurückfallenden Lichts macht sich die Polarimetrie zunutze. Hierdurch sind Rückschlüsse auf Nervenfaserdicke bzw Nervenfaserausfall möglich. Es gibt Geräte, mit denen man auf diese Weise die Nervenfaserschicht dokumentieren kann (. Abb. 17.3d).
!4 Die Exkavation (Aushöhlung) der Papille (. Abb. 17.3) ist für das Glaukom patho-
gnomonisch.
4Die Exkavation beginnt, bevor es zu einer Einschränkung des Gesichtsfeldes kommt. Daher ist durch Ophthalmoskopie der Papille eine Frühdiagnose möglich.
4Eine Untersuchung der Papille ist bei jeder augenärztlichen Untersuchung notwendig, auch bei Brillenverordnung, um ein beginnendes Glaukom rechtzeitig zu erkennen.
17.2.3Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
Zu den Grundlagen der Gesichtsfelduntersuchung
7 Kap. 3.5.
Nervenfaserausfälle bei Glaukom führen zu Gesichtsfeldausfällen. Deshalb sind Papillenbefund und Gesichtsfeldausfall miteinander verknüpft.
Korrelation von Gesichtsfeldausfall und Papillenexkavation. Gesichtsfeldausfälle treten erst auf, wenn ein erheblicher Teil der Nervenfasern (>30%) zugrunde gegangen ist. Deshalb ist der Beginn der Einschränkung des Gesichtsfeldes nicht der Beginn der Glaukomerkrankung, sondern immer bereits ein fortgeschrittenes Stadium (»Anfang vom Ende«).
Charakteristika der glaukomatösen Gesichtsfeldeinschränkung. Typischerweise wird bei Glaukom das parazentrale Gesichtsfeld zuerst geschädigt (bogenförmige Skotome) und das Zentrum lange ausgespart. Infolgedessen bleibt auch die Sehschärfe lange gut. Der Patient bemerkt die Gesichtsfeldeinschränkung zunächst nicht (so wie wir den »blinden Fleck« des Auges nicht wahrnehmen). Auch bei fortgeschrittenen Glau-
. Abb. 17.4. Progredienter Gesichtsfeldverfall des linken |
7 |
Auges im Verlauf von 10 Jahren bei unzureichender Glaukomtherapie. Gesichtsfelduntersuchung mit dem manuellen Perimeter nach Goldmann
302 Kapitel 17 · Glaukom
6. Ausfall der zentralen Sehschärfe (.Abb. 17.4, ganz unten): Dies bedeutet die Erblindung des Auges.
Das Durchlaufen aller Stadien bei unbehandeltem primärem Offenwinkelglaukom dauert etwa 10–15 Jahre (. Abb. 17.4).
! Wenn bei der Gesichtsfelduntersuchung ein deutlicher Glaukomschaden besteht, ist meist schon mehr als die Hälfte der Nervenfasern zugrunde gegangen.
. Abb. 17.5. Gesichtsfeldausfälle bei Glaukom, spätes Stadium. Computerperimetrie: Bogenförmiger Ausfall nach unten, der in ein Sektorskotom übergeht. Das Zentrum des Gesichtsfeldes ist erhalten und die Sehschärfe beträgt 1,0
komstadien wird der Gesichtsfeldausfall zunächst durch das bessere andere Auge kompensiert. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass der Patient bereits an einem Auge durch Glaukom erblindet ist, wenn er erstmals den Arzt aufsucht.
Stadien der glaukomatösen Gesichtsfeldeinschränkung. Die Gesichtsfeldeinschränkung durchläuft sechs Stadien:
1.relatives parazentrales Skotom (. Abb. 17.4 oben; relativ, da die Lichtempfindlichkeitsschwelle steigt, jedoch kein vollständiger Gesichtsfeldausfall vorliegt): wird vom Patienten nicht bemerkt.
2.isoliertes absolutes parazentrales Skotom: wird vom Patienten nicht bemerkt.
3.absolutes Skotom mit Verbindung zum blinden Fleck (. Abb. 17.4, 1970, und . Abb. 17.5).
4.Sektorskotom (. Abb. 17.4, Befund von 1975): kann zu Störungen der Wahrnehmung von Ge-
17 genständen führen, die neben dem Zentrum des Gesichtsfeldes liegen, z.B. sieht der Patient den Löffel neben dem Teller nicht, wenn er auf den Teller schaut.
5.Ausfall bis auf eine zentrale Gesichtsfeldinsel und einen peripheren Rest (. Abb. 17.4, Befund von 1977): Hierbei kann der Patient zwar noch lesen, ist aber in der Orientierung (z.B. beim Laufen) erheblich behindert, da er neben dem Fixierpunkt liegende Gegenstände (z.B. Stufen) nicht wahrnehmen kann.
17.2.4 Spaltlampenuntersuchung
Bei der Spaltlampenuntersuchung achtet man besonders auf:
4 Kammerwinkeleingang: eng bei Verdacht auf Winkelblockglaukom. Man untersucht mit schmalem Spalt am Hornhautrand und achtet darauf, ob der Kammerwinkeleingang weniger tief ist als 1 Hornhautdicke. Ab einer Tiefe von 1/4 der Hornhautdicke oder weniger besteht die Gefahr eines Winkelverschlusses.
4PigmentierungderHornhautrückfläche:Kruken- berg-Spindel bei Pigmentglaukom.
4Zentrale Vorderkammertiefe: herabgesetzt bei Winkelblockglaukom.
4IrisveränderungenbeiSekundärglaukomen(Neovaskularisationsglaukom: Rubeosis iridis; iridocorneoendotheliales Syndrom: Iris Veränderungen; Axenfeld-Rieger-Syndrom: Iris Anheftungen).
Durch Schrägbeleuchtung der Iris kann man bei Winkelblockglaukom durch Pupillarblock oder hinteren Synechien (zwischen Iris und Linse) die Vorwölbung der Iris besser erkennen (. Abb. 2.10).
17.2.5Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie)
Der Kammerwinkel ist ohne Hilfsmittel nicht sichtbar. Durch das schräge Auftreffen der vom Kammerwinkel reflektierten Lichtstrahlen kommt es an der Grenzfläche zwischen Hornhaut und Luft zu Totalreflexion. Durch sog. Gonioskopielinsen (. Abb. 17.6a), die man auf die anästhesierte Hornhaut aufsetzt, wird die Totalreflexion aufgehoben und man kann den Kammerwinkel einsehen (. Abb. 17.6b).
Die Strukturen des Kammerwinkels sind in
. Abb. 17.7a dargestellt. Von der Hornhaut beginnend in Richtung Kammerwinkelgrund erkennt man
304 Kapitel 17 · Glaukom
. Abb. 17.8. Tagesdruckprofil eines Glaukompatienten: Die Augendruckanstiege sind besonders nachts ausgeprägt. Würde man nur untertags den Augendruck messen, würde die Druckerhöhung nicht erkannt werden (aus Grehn und Mackensen 1993)
wickelt, die noch keinen Eingang in die tägliche Routine des Augenarztes gefunden haben:
4Die Untersuchung der Kontrast-, Bewegungsund Flickerwahrnehmung, denn diese Funktionen sind bereits vor der Entstehung von Gesichtsfeldausfällen gestört, Frequency-Doubling-Test.
4Die Blau-Gelb-Perimetrie nutzt aus, dass kurzwellige Lichtreize den beginnenden Gesichtsfeldausfall früher erkennen lassen als weiße Prüfpunkte.
4Bei der Rauschfeldkampimetrie blickt der Patient auf ein schnell wechselndes Flimmermuster und kann seine glaukomatösen Ausfälle selbst wahrnehmen.
4ImMusterelektroretinogramm(7Kap. 3.10.1) sind Störungen der elektrischen Antwort der retinalen Ganglienzellen auf spezielle Lichtreize bereits im Frühstadium des Glaukoms erkennbar.
4Die Tonographie (Messung des Abflusswiderstandes im Trabekelwerk) war früher gebräuchlich, wird aber wegen der großen Variabilität der Ergebnisse nur noch für spezielle wissenschaftliche Fragestellungen experimentell eingesetzt.
17.3Primäre Glaukome
17.3.1 Offenwinkelglaukom
Definition, Ursache
Das primäre Offenwinkelglaukom ist eine langsam
17 progrediente, meist beidseitige Augenerkrankung des älteren Menschen, die durch Papillenexkavation mit typischer Gesichtsfeldeinschränkung und einen offenen Kammerwinkel gekennzeichnet ist. Es entsteht, weil sich im trabekulären Maschenwerk hyalines Material (»Plaque-Material«) bevorzugt im »kribriformen« Anteil des Trabekelmaschenwerks, das an den SchlemmKanal angrenzt, ablagert. Hierdurch steigt der Augeninnendruck an. Der erhöhte Augeninnendruck schädigt die Optikusfasern und möglicherweise auch die Kapillaren der Papille (. Tabelle 17.2).
Sonderformen sind die »okuläre Hypertension«, bei der noch kein Sehnervenschaden, also definitionsgemäß auch noch kein Glaukom besteht, sowie das Normaldruckglaukom, bei dem der Schaden bei statistisch »normalem« Augendruck (≤ 21 mmHg) entsteht.
Man spricht von okulärer Hypertension, wenn der Augeninnendruck oberhalb der statistischen Norm, also über 21 mmHg liegt und weder eine Papillenschädigung noch eine Gesichtsfeldeinschränkung vorliegt. Aus einer okulären Hypertension kann sich ein Glaukom entwickeln.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer okulären Hypertension ein Glaukom entwickelt, ist bei Vorliegen folgender Risikofaktoren erhöht:
4hoher (>25) Augeninnendruck,
4Glaukomschaden am anderen Auge,
4große Papillenexkavation (mehr als 60% der Papillenfläche einnehmend),
4Seitendifferenz der Papillenexkavation von mehr als 20% der Papillenfläche,
4dünne zentrale Hornhautdicke (<500 P)
4höheres Lebensalter (>70 Jahre),
4Myopie > –5 dpt,
4Glaukom bei Blutsverwandten 1. Grades,
4Streifenblutung am Papillenrand,
4Nachweis von Pseudoexfoliationsmaterial auf der Linse oder Nachweis einer Pigmentdispersion (7 17.4),
4schwarze Hautfarbe,
4schwere kardiovaskuläre Vorerkrankungen,
4niedriger Blutdruck
Nicht jeder dieser Risikofaktoren hat das gleiche Gewicht. Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren erhöht das Risiko einer Glaukomschädigung.
Das Vorhandensein von Risikofaktoren veranlasst im Zweifelsfall zum Therapiebeginn in einem Druckbereich von 21–25 mmHg auch ohne Gesichtsfeldschaden.
Bei Normaldruckglaukom (»Glaukom ohne Hochdruck«) finden sich glaukomtypische Schäden