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255

13

 

13.9 · Verletzungen der Netzhaut

gen, haben ein besonders hohes Infektionsrisiko, während Metallsplitter bei Hammer-Meißel-Verletzungen aufglühen und deshalb oft steril sind. Viele tiefe Augenverletzungen bei Verkehrsunfällen lassen sich durch das Anschnallen und den Airbag verhindern.

Folgen von Fremdkörperverletzungen

Schwere Augenverletzungen durch Fremdkörper sind besonders bei Kindern und Jugendlichen eine häufige Ursache der Erblindung eines Auges.

Siderosis (Verrostung). Durch Verbleiben von Eisensplittern im Auge über Jahre hinweg entsteht eine Netzhautdegeneration, die durch die toxische Wirkung der Eisenionen hervorgerufen wird. Zunächst entwickelt sich eine konzentrische Gesichtsfeldeinschränkung und eine Nachtblindheit. Das herabgesetzte ERG zeigt den beginnenden Schaden an und hat prognostische Bedeutung. Bleiben das ERG und die anderen Befunde normal, kann ein alter intraokularer Eisensplitter ausnahmsweise belassen werden, wenn seine Entfernung ein hohes operatives Risiko für das Auge bedeuten würde. Rostablagerung auf der Hornhautrückfläche, auf der Linse und auf Iris und Netzhaut zeigen an, dass sich der Eisensplitter auflöst und entfernt werden muss.

Chalkosis. So nennt man die Ablagerung von Kupferionen um die Fovea beim Verbleiben eines kupferhaltigen Fremdkörpers im Auge (früher häufig unbemerkt bei Spulenwicklern). Kupfersplitter sind besonders gefährlich, kommen aber heute nur noch selten vor.

13.9.4 Makulaverbrennung

Beim Betrachten einer Sonnenfinsternis mit ungenügend geschütztem Auge entsteht eine irreversible Narbe der Fovea. Die Sonnenstrahlen werden beim Fixieren der wiederauftauchenden Sonne direkt im Zentrum der Netzhaut scharf abgebildet und führen zu einem phototoxischen Effekt im Netzhautzentrum. Sonnenbrille und berußtes Glas sind unzureichend. Eine spezielle Brille ist erforderlich. Laserunfälle können ebenfalls zur Schädigung der Makula führen. Deshalb sind entsprechende Schutzbrillen vorgeschrieben.

13.9.5Retinopathia traumatica (Morbus Purtscher)

Definition, Ursachen

Die Retinopathia traumatica ist eine nach Körpertraumen entstehende beidseitige akute Netzhautischämie.

Sie kommt nach multiplen Frakturen, insbesondere nach Thoraxkompression vor. Als Ursachen werden eine Fettembolie und arterielle Spasmen vermutet.

Symptome, Befunde

Das Fundusbild weist »Cotton-Wool«-Flecke und intraretinale Blutungen als Zeichen fokaler Netzhautischämie auf (. Abb. 24.4).

Therapie

Die Therapie besteht in der Verabreichung von hochdosierten systemischen Steroiden sowie Prostaglandinhemmern.

!Verletzungen mit Netzhautbeteiligung sind besonders schwerwiegend. Für die spätere gutachterliche Beurteilung ist eine genaue Dokumentation des Hergangs und des Befundes, ggf. mit Fotografie, ratsam.

Fallbeispiel

Ein 43-jähriger Mann (Vorstandsvorsitzender eines mittelgroßen Unternehmens) klagt über eine innerhalb weniger Tage aufgetretene Sehstörung des rechten Auges. Beim Zuhalten des linken Auges sei das Bild verzerrt, insgesamt verkleinert und unscharf. Durch Vorsetzen seiner Lesebrille (+ 1,0 dpt) könne er wieder ganz scharf sehen. Farben seien aber verwaschen. Er habe vor einigen Jahren bereits ähnliche, aber weniger ausgeprägte Symptome gehabt, die nach ca. 2Wochen wieder vollständig verschwunden seien. Die Sehschärfe für die Ferne beträgt ohne Korrektur rechts 0,4, mit Zusatz von + 1,25 dpt sphärisch 1,0. Die Sehschärfe des linken Auges beträgt ohne Korrektur 1,25. Am rechten Fundus sieht man eine zentrale seröse Netzhautabhebung und geringe Pigmentverschiebungen der Fovea. Knapp unterhalb der Fovea erkennt man mit der 90- dpt-Lupe oder dem Kontaktglas eine punktförmige Aufhellung im Pigmentepithel. Die Fluoreszenzangiographie bestätigt den Verdacht auf eine Retinopathia centralis serosa. Zunächst wird der Patient ophthalmologisch nicht behandelt, sondern ihm angeraten, den beruflichen Stress abzubauen. Im weiteren Verlauf bildet sich die Störung innerhalb von 6 Wochen zurück und die Sehschärfe des rechten Auges steigt ohne Korrektur wieder auf 1,25.

256

Kapitel 13 · Netzhaut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Kürze

 

 

 

 

Funktion der Netzhaut. Die Nervenzellen der Netz-

einsprossung in den Glaskörper, Glaskörperblutung,

 

 

 

haut (Retina) nehmen die Lichtsignale auf, verarbeiten

Traktionsablatio und »retrolentale Fibroplasie«.

 

 

 

sie und leiten sie durch den Sehnerv an das Gehirn.

Retinoblastom. Das Retinoblastom ist ein bösartiger

 

 

 

 

 

 

 

Ablatio retinae und Netzhautrisse. Eine der wichtigs-

Netzhauttumor des Säuglingsund Kleinkindalters

 

 

 

ten Erkrankungen der Netzhaut ist die Netzhautablö-

und führt unbehandelt zum Tode. Es tritt entweder

 

 

 

sung (Ablatio oder Amotio retinae). Sie entsteht durch

sporadisch auf oder wird dominant vererbt. Die Basis-

 

 

 

einen Netzhautriss, durch den Glaskörperflüssigkeit

therapie erfolgt mit Zytostatika. Bei beidseitigem Befall

 

 

 

zwischen Netzhaut und Pigmentepithel gelangt.

muss ggf. ein Auge entfernt und das andere zusätzlich

 

 

 

Die Netzhautrisse entstehen am häufigsten in der

bestrahlt werden.

 

 

 

 

 

 

 

oberen Hälfte. Der Patient nimmt bei der Rissbildung

Netzhautentzündungen. Die foudroyant verlaufende

 

 

 

Lichtblitze und schwarze Punkte wahr und sieht bei

Netzhautentzündung bei akuter Retinanekrose ist

 

 

 

fortschreitender Ablösung der oberen Netzhaut eine

wahrscheinlich durch Herpesviren verursacht. Sie muss

 

 

 

»von unten aufsteigende Wand«. Die Ablatio muss

mit Aciclovir und Kortison behandelt werden. Eine

 

 

 

operativ behandelt werden. Mit Laserkoagulation

Zytomegalie-Retinitis kommt häufig bei Aids vor und

 

 

 

können nur Risse in anliegender Netzhaut abgeriegelt

kann mit Ganciclovir gebessert werden. Die Toxoplas-

 

 

 

werden.

mose-Retinochorioiditis verursacht Entzündungsherde,

 

 

 

Diabetische Retinopathie. Die diabetische Retino-

die bei zentraler Lage das Sehvermögen gefährden.

 

 

 

 

 

 

 

pathie ist im erwerbsfähigen Alter die häufigste Er-

Makuladegenerationen. Die altersbezogene Makula-

 

 

 

blindungsursache in den Industrienationen. Beson-

degeneration ist die häufigste Erblindungsursache

 

 

 

ders gefährlich ist die proliferative diabetische Retino-

des alten Menschen. Sie entsteht durch altersbedingte

 

 

 

pathie, die häufig bei jugendlichen Typ-1-Diabetikern

Degeneration des retinalen Pigmentepithels. Durch

 

 

 

vorkommt. Glaskörperblutung und Traktionsablatio

Blutung aus chorioidalen Neovaskularisationen wird

 

 

 

führen dabei oft zur Erblindung. Stadiengerechte

hierbei die zentrale Sehschärfe stark beeinträchtigt. Bei

 

 

 

Kontrollen und rechtzeitige Laserkoagulation können

hoher Myopie entstehen Risse der Bruch-Membran und

 

 

 

ein Fortschreiten der diabetischen Retinopathie ver-

ebenfalls chorioidale Neovaskularisationen. Die juvenile

 

 

 

hindern. Bei Glaskörperblutung und Traktionsablatio

Makuladegeneration (Stargardt) und die vitelliforme

 

 

 

ist oft eine Vitrektomie erforderlich.

Makuladegeneration (Best) sind hereditäre Erkrankun-

13

 

 

Gefäßverschlüsse. Der Zentralvenenverschluss ent-

gen der Netzhautmitte.

 

 

Retinopathia pigmentosa. Sie ist eine relativ häufige,

 

 

 

steht durch lokale Gefäßwandveränderungen beim

 

 

 

 

 

 

älteren Menschen. Sekundäre Komplikationen können

meist hereditäre Netzhautdystrophie unklarer Ätio-

 

 

 

durch eine rechtzeitige Laserkoagulation aufgehalten

logie, bei der eine frühzeitige Stäbchendegeneration

 

 

 

werden. Der Zentralarterienverschluss ist dagegen

zur Nachtblindheit und zum Röhrengesichtsfeld führt.

 

 

 

häufig durch Emboli aus Wandthromben der Karotis-

Trotz erhaltener zentraler Sehschärfe können sich

 

 

 

gabel bedingt. Nur selten gelingt es, die Erblindung

diese Patienten wegen der Gesichtsfeldeinengung oft

 

 

 

durch Fibrinolyse zu verhindern.

nicht mehr selbstständig orientieren. Die Krankheit

 

 

 

Hypertoniezeichen der Netzhaut. Bei akuter arteri-

wird durch die typischen Funduspigmentierungen, die

 

 

 

Gesichtsfeldeinengung, die Nachtblindheit und das

 

 

 

eller Hypertension (renale Hypertension, Eklampsie)

erloschene Elektroretinogramm diagnostiziert.

 

 

 

entstehen in der Netzhaut Blutungen, »Cotton-wool«-

Netzhautverletzungen. Eine Bulbuskontusion kann zu

 

 

 

Flecke, Lipidexsudate und Papillenschwellung als Zei-

 

 

 

einem zentralen Makulaschichtloch, peripheren Netz-

 

 

 

chen von retinaler Ischämie und Gefäßwandstörung.

 

 

 

hautrissen mit Ablatio oder zu einer Bulbusberstung

 

 

 

 

 

 

 

Retinopathia praematurorum. Die Frühgeborenenre-

führen. Perforierende Verletzungen mit Beteiligung der

 

 

 

tinopathie entsteht durch Proliferation pathologischer

Netzhaut gefährden den Bestand des Auges und müs-

 

 

 

Gefäße infolge Ischämie der unreifen Netzhaut. Bei der

sen immer sofort mikrochirurgisch versorgt werden.

 

 

 

Iebensnotwendigen Beatmung dieser Kinder führt eine

Auch kleine Metallsplitter, die durch Verletzungen ins

 

 

 

wechselnd hohe Sauerstoffspannung zur Proliferation

Augeninnere gelangen, sind durch Abgabe von Metall-

 

 

 

von unreifen Netzhautgefäßen. Die Folgen sind: Gefäß-

ionen toxisch und müssen operativ entfernt werden.

 

 

 

 

 

F1

Fallquiz Augenheilkunde

F. Grehn unter Mitarbeit von R. Guthoff, T. Guthoff, T. Klink und J. Patzelt

Liebe Leserin, lieber Leser,

passend zur neuen Approbationsordnung ist im Lehrbuch »Grehn – Augenheilkunde« ein Fallquiz mit 20 authentischen Fällen enthalten, wie Sie Ihnen im PJ oder während der ärztlichen Tätigkeit täglich begegnen können. Jeder Fall gliedert sich in 4 Schritte. Auf der ersten Seite finden Sie die Anamnese des Falles. Auf der zweiten und dritten Seite werden die primären und weiterführenden diagnostischen Schritte erklärt. Die Fallbeschreibung schließt auf der vierten Seite mit den Möglichkeiten zur Therapie. So können Sie den Ablauf, den Sie später in jeder Klinik oder Praxis im Schlaf beherrschen müssen, üben und Ihr Wissen anwenden und vertiefen. Nachfolgend 4 typische Seiten zur Orientierung:

o

 

o

 

o

 

 

 

 

 

Schritt I:

Schritt II:

Schritt III:

Schritt IV:

ä Erstkontakt mit dem

! Antworten zu

! Antworten zur

! Antworten zur

Patienten, Anamnese.

Differenzialdiag-

weiterführenden

Therapie.

? Welche Differenzial-

nosen und Maß-

Diagnostik und

ä Darstellung des wei-

diagnosen kommen

nahmen.

Diagnosestellung.

teren Vorgehens und

in Frage, welche wei-

ä Darstellung erster

ä Darstellung der

Abschluss des Falls.

teren diagnostischen

diagnostischer Be-

Diagnose.

 

Schritte werden ein-

funde und von Ver-

? Welche Therapie ist

 

geleitet?

dachtsdiagnosen.

jetzt angebracht?

 

 

? Welche weiterfüh-

 

 

 

rende Diagnostik

 

 

 

ist sinnvoll, wie lau-

 

 

 

tet die endgültige

 

 

 

Diagnose?

 

 

Erklärung der Symbole:

? Frage ! Antwort

ä Befunde und weitere Informationen zum Fall

Wir wünschen viel Spaß und Erfolg!

Ihr

Springer Lehrbuch-Team

F2 Fallquiz Augenheilkunde

1 Bräunliche Bindehautläsion Schritt I

ä Eine 42-jährige Patientin (Hausfrau) stellt sich mit ei-

? Frage 1: Welche Untersuchungen führen Sie

nem Bindehautprozess am rechten Auge vor. Die Pa-

durch?

tientin berichtete, dass seit drei Monaten am rechten

? Frage 2: An welche Differenzialdiagnosen denken

Auge in der lateralen Lidspalte eine bräunliche Promi-

Sie schon nach der Anamnese?

nenz entstanden ist. Die Allgemeinanamnese ergibt

 

keine Vorerkrankungen, in der augenspezifischen

 

Anamnese wird eine Erosio corneae durch einen

 

Daumennagel am rechten Auge vor einem Jahr ange-

 

geben.

 

2 Beidseitiger Bindehautprozess Schritt I

ä Ein 54-jähriger Patient (Landwirt) stellt sich mit einem

? Frage 1: Welche Untersuchungen führen Sie

Bindehautprozess an beiden Augen im nasalen Lid-

durch?

spaltenbereich vor. Er gibt an, dass die Veränderungen

? Frage 2: An welche Differenzialdiagnosen denken

langsam über mehrere Jahre entstanden seien. Am

Sie schon nach der Anamnese?

rechten Auge wurde bereits einmal eine Läsion opera-

 

tiv entfernt, die sich aber nach etwa einem Jahr wieder

 

erneut ausgebildet hat. In der Allgemeinanamnese

 

wird eine Tumorentfernung im Hodenbereich 20 Jahre

 

zuvor angegeben.

 

F3

Fallquiz Augenheilkunde

1 Bräunliche Bindehautläsion Schritt II

!Antwort 1: Erhebung des ophthalmologischen Status. Der ophthalmologische Status zeigt beidseits eine unkorrigierte Sehschärfe von 1,0. Die Augeninnendruckwertesindreguliert.ImvorderenAugenabschnitt zeigt sich am rechten Auge in der temporalen Lidspalte ein im Durchmesser ca. 5 mm großer runder, verschieblicher Bindehauttumor mit einer kleinen Hyperpigmentierung und Rötung. Zu dieser Veränderung zieht ein auffällig kräftiges Gefäß. Die übrigen vorderen Augenabschnitte sind reizfrei und altersentsprechend; ebenso ergibt die funduskopische Untersuchung keinen pathologischen Befund.

!Antwort 2: Bindehautnävus, primär erworbene Melanose der Bindehaut (Melanosis conjunctivae), Bindehautmelanom, Fremdkörpergranulom, nach außen durchgebrochenes Aderhautmelanom.

?Frage 3: Welches diagnostische Verfahren könnte noch zur weiteren Abklärung beitragen?

?Frage 4: Wie kann eine endgültige Diagnosesicherung erfolgen?

. Abb. F.1. Spaltlampenmikroskopischer Befund der Bindehaut mit pigmentierter Läsion in der temporalen Lidspalte

2 Beidseitiger Bindehautprozess Schritt II

!Antwort 1: Erhebung des ophthalmologischen Status. Die ophthalmologische Untersuchung ergibt eine Sehschärfe von 1,25 rechts und 1,0 links. Der Augeninnendruck ist reguliert. Die vorderen Augenabschnitte zeigen ein nasales Flügelfell (Pterygium) beidseits. Das Pterygium reicht rechts ca. 2 mm, links ca. 3,5 mm über den Limbus auf die Hornhaut hervor. Die übrigen vorderen Augenabschnitte sind altersentsprechend regelrecht, ebenso die Funduskopie.

!Antwort 2: Lidspaltenfleck (Pinguecula), Flügelfell (Pterygium), Narbenpterygium, Bindehautpapillom, Bindehautkarzinom.

?Frage 3: Welches diagnostische Verfahren könnte noch zur weiteren Abklärung beitragen?

?Frage 4: Wann würden Sie das Pterygium entfernen?

. Abb. F2.1. Spaltlampenmikroskopischer Befund der Bindehaut mit auf die Hornhaut wachsendem Pterygium

F4 Fallquiz Augenheilkunde

1 Bräunliche Bindehautläsion Schritt III

! Antwort 3: Sonographische Verfahren: Die Unter-

? Frage 5: Welche weitere Therapie führen Sie

suchung mit der Ultraschallbiomikroskopie kann

durch?

Aufschluss über eine sklerale Infiltration geben und

? Frage 6: Welche Staginguntersuchungen führen

mit Hilfe der Farb-Duplex-Sonographie kann eine

Sie durch?

Vaskularisation des Tumors dargestellt werden.

 

!Antwort 4: Chirurgische Exzision des Bindehauttumors mit Sicherheitsabstand, da differenzialdiagnostisch neben einem Bindehautnävus auch an das Vorliegen eines malignen Bindehautmelanoms gedacht werden muss.

Die histopathologische Aufarbeitung des Tumorexzisats unserer Patientin ergibt ein konjunktivales malignes Melanom mit angrenzenden Anteilen eines Bindehautnävus.

2 Beidseitiger Bindehautprozess Schritt III

!Antwort 3: Die Hornhauttopographie ergibt am rechten Auge einen Astigmatismus von –1,0 und links von –4,0.

!Antwort 4: Eine Entfernung des Pterygiums ist indiziert bei einer dokumentierten Größenzunahme mit Fortschreiten des Tumors in Richtung Pupille oder aber bei Ausbildung oder Zunahme eines Astigmatismus.

?Frage 5: Wie gehen Sie therapeutisch vor?

?Frage 6: Muss der Patient postoperativ nachkontrolliert werden? Wenn ja, welche Abstände würden Sie vorschlagen?

F5

Fallquiz Augenheilkunde

1 Bräunliche Bindehautläsion Schritt IV

!Antwort 5: Es erfolgt eine Bindehautnachresektion, um den Sicherheitsabstand noch weiter zu vergrößern mit zusätzlicher Kryokoagulation (Vereisungsbehandlung) der Bindehaut und der Sklera im Exzisionsgebiet.

!Antwort 6: Es erfolgte ein Tumorstaging mit Ultraschallsonographie des Abdomens, Kontrolle der Leberenzyme, Röntgenthorax und Ultraschallsonographie der Halslymphknoten. Die Staginguntersuchungen waren allesamt negativ, so dass hier von einem isolierten Prozess der Bindehaut ohne Metastasierung ausgegangen werden kann.

Im weiteren Verlauf wurde die Patientin dreimonatig klinisch kontrolliert. Wichtig ist hier die präund postoperative Photodokumentation des Befundes, um in den Nachsorgeuntersuchungen vergleichen zu können. Auf das Auftreten von Lokalrezidiven muss besonders geachtet werden, da diese oft gering pigmentiert sind und daher leicht zu übersehen sind. Die Ultraschallsonographie des Abdomens und der Halslymphknoten sowie die Laborkontrollen werden halbjährlich durchgeführt, die Röntgenthoraxaufnahme jährlich im Rah-

men der Nachsorge. Die Patientin ist nach zwei Jahren rezidivfrei und ohne Beschwerden.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild

7 Kap. 6.6.2

. Abb. F1.2. Spaltlampenmikroskopischer Befund zwei Jahre postoperativ, kein Anzeichen für ein Rezidiv

2 Beidseitiger Bindehautprozess Schritt IV

!Antwort 5: Die Therapie des Pterygiumrezidivs am linken Auge erfolgt mittels Pterygiumexzision und Deckung des Defektes mit einem freien autologen Bindehauttransplantat aus dem temporal oberen Bindehautquadranten des gleichen Auges. Im postoperativen Verlauf verschwindet der vorliegende Astigmatismus vollständig. Am rechten Auge hat sich kein weiteres Wachstum gezeigt, so dass hier bei fehlender Progredienz und fehlendem induzierten Astigmatismus kein chirurgisches Vorgehen notwendig ist.

!Antwort 6: Im ersten Jahr postoperativ sind dreimonatige Nachkontrollen sinnvoll. Wenn sich dann kein Rezidiv oder keine Progression zeigt, können diese Intervalle auf 6 Monate ausgedehnt werden. Gerade bei Patienten aus dem Mittelmeerraum oder asiatischer Herkunft ist die Rezidivrate besonders hoch.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild

. Abb. F2.2. Spaltlampenmikroskopischer Befund 1 Jahr postoperativ, kein Anzeichen für ein Rezidiv, der Astigmatismus ist vollständig zurückgegangen

7 Kap. 6.5.2

F6 Fallquiz Augenheilkunde

3 Beidseitige Hautknötchen der Lidkanten Schritt I

ä Ein 5-jähriges Mädchen stellt sich in Begleitung ihrer

? Frage 1: Welche Untersuchungen führen Sie

Eltern vor. Die Eltern berichten, dass seit etwa 3 Mona-

durch?

ten immer wieder eine Rötung des rechten Auges auf-

? Frage 2: An welche Differenzialdiagnosen denken

tritt. Des Weiteren seien ihnen kleine Knötchen im Be-

Sie schon nach der Anamnese?

reich des Ober-/Unterlides und an der Lidkante aufge-

 

fallen. Die sonstige Augenund Allgemeinanamnese

 

ist unauffällig.

 

4 Schmerzlose Läsion im medialen Lidwinkel Schritt I

ä Ein 74-jähriger Patient (Ingenieur mit häufiger Aus-

? Frage 1: Welche Untersuchungen führen Sie

landstätigkeit im Ruhestand) klagt über eine schmerz-

durch?

lose, gut verschiebliche, nicht abheilende Läsion im

? Frage 2: An welche Differenzialdiagnosen denken

medialen Lidwinkel links. Der Patient gibt an, dass ihm

Sie schon nach der Anamnese?

diese Läsion bereits seit ca. 1½ Jahren auffalle. Es bildet

 

sich immer wieder eine Kruste auf der Läsion. Es kommt

 

jedoch nie zu einer kompletten Abheilung. In der All-

 

gemeinanamnese gibt er eine koronare Herzkrankheit

 

und eine Stent-Implantation an.

 

F7

Fallquiz Augenheilkunde

3 Beidseitige Hautknötchen der Lidkanten Schritt II

!Antwort 1: Erhebung des ophthalmologischen Status, insbesondere Spaltlampenuntersuchung. Die augenärztliche Untersuchung ergibt beidseits eine Sehschärfe von 1,0. Im vorderen Augenabschnitt zeigen sich mehrere kleine Knötchen im Bereich des rechten Oberund Unterlides dicht an der Lidkante. Am linken Auge finden sich nur zwei kleine Knötchen im Bereich der Unterlidhaut. Die Knötchen zeigen bei der spaltlampenmikroskopischen Untersuchung einen zentralen Krater mit kleinen hornartigen Perlen. Des Weiteren findet sich am rechten Auge eine verstärkte konjunktivale Injektion, ohne eitriges Sekret. Der übrige vordere und hintere Augenabschnitt ist regelrecht.

!Antwort 2: Hyperkeratosen, virale Konjunktivitis, Gorlin-Goltz-Syndrom, Zoster ophthalmicus, Hordeolum, Mollusca contagiosa (Dellwarzen).

?Frage 3: Welche Zusatzuntersuchung kann differenzialdiagnostisch weiterhelfen?

?Frage 4: Welche Diagnose stellen Sie?

. Abb. F3.1. Periorbitalregion rechts mit deutlicher Bindehautinjektion

4 Schmerzlose Läsion im medialen Lidwinkel Schritt II

! Antwort 1: Erhebung des ophthalmologischen

? Frage 4: Bedürfen die funduskopisch festgestellten

Status. Die ophthalmologische Anamnese ergibt

verengten arteriellen Gefäße einer weiteren Abklä-

keine Auffälligkeiten. Die Sehschärfe beträgt beid-

rung?

seits 0,8. Im medialen Lidwinkel findet sich eine

 

ca. 2 u2 cm große Läsion mit wallartigem Rand-

 

saum, vielen Teleangiektasien und zentraler Ulze-

 

ration. Am Fundus zeigen sich an beiden Augen

 

verengte arterielle Gefäße. Der übrige vordere

 

Augenabschnitt und der funduskopische Status

 

sind unauffällig.

 

! Antwort 2: Basaliom, Plattenepithelkarzinom (Spi-

 

naliom), Keratoakanthom.

 

? Frage 3: Wie kann eine endgültige Diagnosesiche-

 

rung erfolgen?

 

. Abb. F4.1. Darstellung des medialen Lidwinkels links mit prominentem, ulzerierendem Tumor

F8 Fallquiz Augenheilkunde

3 Beidseitige Hautknötchen der Lidkanten Schritt III

! Antwort 3: Ein Bindehautabstrich für eine PCR ? Frage 5: Wie gehen Sie therapeutisch vor? (Polymerasekettenreaktion) ermöglicht eine diffe-

renzialdiagnostische Abgrenzung zu isolierten entzündlichen Prozessen der Bindehaut.

!Antwort 4: Die kleinen Tumoren der Lidkante werden als Mollusca contagiosa eingestuft. Am rechten Auge entsteht durch die Lage der Mollusken nahe der Lidkante eine Begleitkonjunktivitis, die durch das Virusmaterial, das sich aus dem zentralen Krater auch auf die Bindehautoberfläche entleert, ausgelöst wird.

4 Schmerzlose Läsion im medialen Lidwinkel Schritt III

!Antwort 3: Bei Verdacht auf Vorliegen eines nodulären Basalioms erfolgt die Tumorexzision zur histologischen Diagnosesicherung und gleichzeitigen Überprüfung auf vollständige Entfernung.

!Antwort 4: Bei bekannter koronarer Herzkrankheit sollten regelmäßige Kontrollen des arteriellen Blutdrucks und der Nüchternblutfette erfolgen.

?Frage 5: Wie gehen Sie therapeutisch vor?

?Frage 6: Welche Nachuntersuchungsintervalle schlagen Sie vor?