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2.5 Erkrankungen von Lidhaut und Lidkante 33
Abb. 2.12 Blepharitis squamosa. Die Lidränder sind leicht gerötet und etwas
verdickt, die Wim- 2 pern verklebt; es bil-
den sich schuppenförmige Auflagerungen.
2.5.4Herpes simplex der Lider
Definition:
Akute, mit Hautund Schleimhautbläschen einhergehende, meist einseitige Erkrankung der
Lider.
engl.: herpes simplex of the lids
Ätiopathogenese: Infolge der Aktivierung (UV-Strahlung) latent im Gewebe vorhandener Herpes-simplex-Viren kommt es zur Infektion der Lidhaut. Die Ausbreitung der Viren geschieht entlang der sensiblen Nervenfasern vom Ganglion trigeminale zur Hautoberfläche.
Symptomatik: Die typisch gruppiert angeordneten, schmerzhaften und mit seröser Flüssigkeit gefüllten Bläschen entstehen besonders an Übergängen von Schleim-
Abb. 2.13 Herpes simplex der Lider.
Die schmerzhaften, mit seröser Flüssigkeit gefüllten Bläschen sind gruppiert im Lidwinkel angeordnet.
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34 2 Lider (Palpebrae)
haut zu Haut (Abb. 2.13). Später bilden sich durch Eintrocknung Krusten. Es kommt zur Abheilung ohne Narbenbildung. Die Lokalisation ist meist unilateral.
Therapie: Virostatika lokal und Meidung intensiver UV-Strahlung als Prophylaxe
2gegen wiederholtes Auftreten.
Prognose: gut, allerdings häufige Rezidive.
2.5.5Zoster ophthalmicus
Definition:
Gesichtsrose, die durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen wird.
engl.: ophthalmic zoster, herpes zoster ophthalmicus
Epidemiologie: Meist sind resistenzschwache Personen zwischen 40 und 60 Jahren mit konsumierenden Grunderkrankungen betroffen.
Ätiopathogenese: Ursache ist das Varizella-Zoster-Virus, Erstmanifestation sind Windpocken. Bei einer Aktivierung oder Reinfektion können die latent im Organismus vorhandenen neurotropen Erreger dann zum Krankheitsbild des Zoster ophthalmicus führen (Abb. 2.14).
Abb. 2.14 Zoster ophthalmicus.
Die Gesichtsrose wird (als Zweitmanifestation) durch das neurotrope Vari- zella-Zoster-Virus hervorgerufen.
Nachdem die wasserklaren Bläschen geplatzt sind, bilden sich bräunliche Borken, die später abfallen. Von besonderer prognostischer Bedeutung sind die Effloreszenzen bis zur Nasenspitze, die eine Beteiligung des N. nasociliaris darstellen (Hutchinson-Zei- chen, mit der erhöhten Gefahr der okulären Beteiligung).
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2.5 Erkrankungen von Lidhaut und Lidkante 35
Symptomatik und Diagnostik: Die Inkubationszeit beträgt 7 – 18 Tage. Dann treten im Ausbreitungsgebiet des 1. Trigeminusastes (N. ophthalmicus mit den Zweigen N. frontalis, lacrimalis und nasociliaris) starke Schmerzen auf. Bevor die wasserklaren Hautbläschen zu sehen sind, können Hautrötung, Schwellung, Lichtscheu
und Augentränen als Prodromalerscheinungen vorhanden sein. Die Bläschen plat- 2 zen, und es bilden sich bräunliche Borken, die später abfallen. Depigmentierungen
und Narben können zurückbleiben. In 50 – 70% der Fälle ist zusätzlich eine Blepharitis (s. S. 33) vorhanden. Da meist abwehrgeschwächte Personen betroffen sind, sollte beim Zoster ophthalmicus immer auch nach einer möglichen Grunderkrankung geforscht werden.
Im Anfangsstadium der Erkrankung immer die Hautsensibilität im Bereich der Nasenspitze im Seitenvergleich prüfen! Wenn die Berührungsempfindlichkeit herabgesetzt ist, spricht dies für eine Beteiligung des N. nasociliaris, bei der es zu schweren intraokularen Entzündungen kommen kann.
Therapie: Virostatika lokal und systemisch (Aciclovir).
Komplikationen: Wenn der N. nasociliaris beteiligt ist, kann es zu schweren intraokularen Entzündungen kommen.
Prognose: Die Hauterscheinungen heilen nach 3 – 4 Wochen – u. U. mit Narbenbildung – ab. Oft bestehen später noch neuralgiforme Schmerzen und Hypästhesien.
2.5.6Lidabszess
Definition:
Abgrenzbare Eiteransammlung mit hochgradig entzündlicher Schwellung und späterer
Fluktuation.
engl.: lid abscess
Ätiopathogenese: Infolge einer Infektion nach Bagatelltraumen, Insektenstichen oder einer fortgeleiteten Entzündung der Nasennebenhöhlen kann es zur Ausbildung eines Oberoder Unterlidabszesses kommen.
Symptomatik: Aufgrund der extrem entzündlichen Schwellung ist ein aktives Öffnen der Lider oft unmöglich (Abb. 2.15). Im Verlauf fluktuiert der Abszessinhalt. Es kann zur spontanen Perforation mit Eiterentleerung kommen.
Therapie: Im Anfangsstadium sind Antibiotika per os oder i. v. und trockene Wärme indiziert. Bei beginnender Fluktuation kann eine Stichinzision rasch für eine Entlastung sorgen.
Prognose: meist gut.
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36 2 Lider (Palpebrae)
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Abb. 2.15 Oberlidabszess. Die extreme entzündliche Schwellung macht eine aktive Lidhebung unmöglich.
Manchmal kann als Folge des Lidabszesses eine Orbitaphlegmone oder eine Sinus-caverno- sus-Thrombose entstehen (besonders bei Lokalisation des Abszesses im inneren Lidwinkel!). Dies ist dann eine lebensbedrohliche Komplikation.
2.5.7Zeckenbefall (Ixodinae) der Lider
engl.: tick-infested lids
Zecken beißen sich mitunter an den Lidern fest. Sie gelten als Überträger der Borreliose und können Enzephalitiden hervorrufen. Die Therapie besteht in der mechanischen Entfernung der Parasiten.
2.5.8Phthiriasis palpebrarum
engl.: crab louse-infested lids
Hierunter versteht man den Befall des Wimpernbodens mit Filzläusen infolge schlechter hygienischer Verhältnisse. Die kleinen ovalen Nissen hängen vornehmlich an den Zilien (Abb. 2.16) und verursachen eine Lidrandentzündung, die mit ausgeprägtem Juckreiz verbunden ist. Die mechanische Entfernung mit der Zilienpinzette ist zwar zeitraubend, aber effektiv. Das Bestreichen der Lidränder mit 2%iger Quecksilberpräzipitatsalbe über einen längeren Zeitraum führt ebenfalls zum Erfolg.
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2.6 Erkrankungen der Liddrüsen 37
2
a |
b |
Abb. 2.16 Phthiriasis palpebrarum. a Unter schlechten hygienischen Bedingungen können sich Filzläuse am Wimpernboden festklammern. b SEM-Bild (= Scanning-Elektronen-Mikro- skopie-Bild) mit einer Laus sowie an der Wimper abgelegter Nisse.
2.6Erkrankungen der Liddrüsen
2.6.1Hordeolum (Gerstenkorn)
Definition:
Das Hordeolum ist Ausdruck einer akuten bakteriellen Entzündung einer Liddrüse. Sind mehrere Drüsen gleichzeitig betroffen, so spricht man von einer Hordeolosis. 
engl.: hordeolum, sty
Epidemiologie und Ätiopathogenese: Erreger des relativ häufigen Hordeolums ist meist Staphylococcus aureus. Beim Hordeolum externum sind entweder die Zeisoder die Moll-Drüsen betroffen. Das Hordeolum internum geht von der Mei- bom-Drüse aus. Gerstenkörner treten öfter im Zusammenhang mit Diabetes, Ma- gen-Darm-Störungen oder Acne vulgaris auf.
Symptomatik und Diagnostik: Klinisch imponiert ein schmerzhaftes Knötchen mit zentralem Eiterpunkt. Das Hordeolum externum liegt entsprechend der Lokalisation der Schweißdrüsen am Lidrand (Abb. 2.17). Das Hordeolum internum der Talgdrüse ist meist nur nach Ektropionieren sichtbar und zeigt gewöhnlich eine heftigere Begleitreaktion in Form einer Konjunktivitis oder Chemosis der Conjunctiva bulbi. Ebenso können Pseudoptosis und Schwellung der präaurikulären Lymphdrüsen vorkommen.
Differenzialdiagnose: Chalazion (druckindolent!), Tränendrüsenentzündung
(schmerzhafter, seltener).
Therapie: Antibiotische Salben und die Anwendung trockener Wärme (Rotlichtbestrahlungen) führen sehr bald zur Abheilung.
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Abb. 2.17 Hordeolum externum. Das schmerzhafte, entzündliche Gersten-
2 korn wird meist durch den Befall einer Liddrüse mit Staphylococcus aureus hervorgerufen.
Verlauf und Prognose: Nach Durchbruch und Entleerung des Eiters verschwinden die Beschwerden recht rasch. Die Prognose ist gut. Bei häufigen Rezidiven sollte ein internistisches Grundleiden ausgeschlossen werden (s. Ätiopathogenese).
2.6.2Chalazion (Hagelkorn)
Definition:
Derbe knotige Auftreibung innerhalb des Tarsus.
engl.: chalazion
Epidemiologie und Ätiopathogenese: Ursache des relativ häufigen Chalazions ist eine chronisch granulomatöse Entzündung, die infolge eines Sekretstaues der Meibom-Drüse entsteht.
Symptomatik: Der derbe schmerzlose Knoten entwickelt sich nur sehr langsam. Außer einer kosmetischen Beeinträchtigung bestehen meist keine Beschwerden (Abb. 2.18).
Differenzialdiagnose: Hordeolum (druckdolent!), Talgdrüsenkarzinom (S. 46).
Therapie: Meist ist eine operative Inzision nicht zu umgehen.
Nach Einsetzen der Chalazionklemme schneidet man entweder von innen senkrecht zur Lidkante oder von außen lidkantenparallel (Vermeidung eines Narbenektropiums!). Die Sekretmassen werden mit einem scharfen Löffel ausgeräumt.
Prognose: gut bis auf die lokale Rezidivmöglichkeit.
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2.7 Tumoren 39
Abb. 2.18 Chalazi- |
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on. Das druckindo- |
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lente Hagelkorn wird |
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durch einen chroni- |
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schen Sekretstau der |
2 |
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Meibom-Drüse er- |
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zeugt; vgl. hierzu |
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Abb. 2.27, das |
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Talgdrüsenkarzinom, |
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das im Anfangsstadi- |
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um zum Verwechseln |
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ähnlich aussehen |
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kann. |
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2.7Tumoren
2.7.1Benigne Tumoren
2.7.1.1Schweißdrüsenretentionszysten (Hidrozystome)
engl.: ductal cyst
Die kugeligen Zysten der Moll-Schweißdrüsen liegen vorwiegend im Lidwinkel. Ihr Inhalt ist wasserklar und durchleuchtbar. Aufgrund der Schwerkraft kann sich ein Ektropium bilden (Abb. 2.19). Die Therapie besteht in einer Marsupialisation (S. 95). Die Prognose ist gut.
Abb. 2.19 Hidrozystom. Die kugeligen Zysten der MollSchweißdrüsen liegen vorwiegend im Lidwinkel. Wegen ihrer Schwere besteht temporal ein Ektropium.
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40 2 Lider (Palpebrae)
2.7.1.2Xanthelasma
Definition:
Lokale Fettstoffwechselstörung mit Lipoproteinablagerungen, die meist bilateral im nasalen
2Lidwinkel auftreten.
engl.: xanthelasma
Epidemiologie: Am häufigsten sind Frauen nach dem Klimakterium betroffen. Auch bei Patienten mit Diabetes und erhöhtem Plasmalipoprotein sowie bei Gallengangsaffektionen ist ein gehäuftes Auftreten zu beobachten.
Symptomatik: Die gelblichen weichen Plaques sind scharf begrenzt und meist bilateral symmetrisch angeordnet (Abb. 2.20). Von der kosmetischen Störung abgesehen sind die Patienten beschwerdefrei.
Therapie und Prognose: Die Beseitigung ist nur operativ möglich, die Rezidivhäufigkeit hoch.
2.7.1.3Molluscum contagiosum (Dellwarze)
engl.: molluscum contagiosum
Die nicht entzündliche, ansteckende Infektion wird durch DNA-Viren hervorgerufen. Sie betrifft meist Kinder und Jugendliche und wird von Mensch zu Mensch übertragen. Die stecknadelkopfgroßen Papeln mit typischer zentraler Delle liegen verstreut im Bereich von Oberund Unterlid (Abb. 2.21) und können zwischen den Wimpern leicht übersehen werden. Die Absonderungen von Viruspartikeln aus der Dellwarze führen zu einer rezidivierenden Viruskonjunktivitis. Sie werden mit dem scharfen Löffel entfernt (bei Kindern in Kurznarkose!).
Abb. 2.20 Xanthelasma. Die Fettablagerungen sind häufig symmetrisch im inneren Lidwinkel angeordnet.
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2.7 Tumoren 41
Abb. 2.21 Mollus- |
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cum contagiosum. |
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a Die stecknadelkopf- |
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großen Dellwarzen |
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zeigen eine typische |
2 |
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zentrale Einziehung. |
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a
b Durch die Absonderung von Viruspartikeln aus dem Molluscum- contagiosum-Krater und deren Verschleppung in den Bindehautsack entsteht eine Viruskonjunktivitis.
b
2.7.1.4Cornu cutaneum (Hauthorn)
engl.: cutaneous horn
Die gelblich-braunen Auswüchse der Haut bestehen aus Keratin (Abb. 2.22). Besonders ältere Patienten sind betroffen. Das Hauthorn sollte operativ entfernt werden, da 25% der Keratosen noch nach Jahren in ein malignes Spinaliom übergehen können.
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42 2 Lider (Palpebrae)
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Abb. 2.22 Cornu cutaneum (Hauthorn). Die gelblichbraunen Auswüchse aus Keratin entarten häufig (25 %) noch nach Jahren zu einem malignen Spinaliom, wenn sie nicht chirurgisch entfernt werden.
2.7.1.5Keratoakanthom
engl.: keratoacanthoma
Schnell wachsender Tumor, der im Zentrum einen Hornpfropf besitzt, der manchmal exprimierbar ist (Abb. 2.23). Die spontane Remission unter Bildung einer kleinen eingesunkenen Narbe ist möglich.
Differenzialdiagnostisch ist ein Basaliom (s. u.) abzugrenzen (beim Keratoakanthom fehlen Gefäße im Tumorrand!). Ebenso ist ein Plattenepithelkarzinom nur durch eine Probebiopsie auszuschließen.
Abb. 2.23 Keratoakanthom. Der rasch wachsende, gutartige Tumor weist einen zentralen Hornpfropf auf (histologisch gesichertes Keratoakanthom). Eine Verwechslung mit einem Basaliom (Abb. 2.26, S. 45) ist möglich.
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