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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Taschenatlas Augenheilkunde_Torsten Schlote_2004

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A. Konjunktivitis

 

Die Konjunktivitis ist durch eine auf die Binde-

 

haut beschränkte, infektiöse oder nicht-infek-

 

tiöse Entzündung definiert. Da die Konjunktiva

 

an den Lidkanten in die Epidermis und am Lim-

 

bus in das Hornhautepithel übergeht, sind

 

diese Strukturen nicht selten zusammen mit

 

der Bindehaut betroffen (Blepharokonjunktivi-

 

tis bzw. Keratokonjunktivitis).

 

Auch für die Konjunktivitis gelten im Prinzip

 

die klassischen Phänomene der Entzündungs-

 

lehre, nämlich Calor, Rubor, Tumor, Dolor und

 

Functio laesa, wobei aber dem Rubor („rotes

 

Auge“, Aa) die weitaus größte Bedeutung zu-

 

kommt. Die Abgrenzung der „echten“ Entzün-

 

dung von der konjunktivalen Hyperämie (Ab)

 

ist allerdings oft schwierig und z. T. etwas will-

 

kürlich. Formal kann man zwischen der primä-

Bindehaut

ren Konjunktivitis und der sekundären Binde-

hautreizung, z. B. durch intraokulare Prozesse

 

 

differenzieren. Die verschiedenen Formen der

 

Konjunktivitis unterscheiden sich bezüglich

 

der Ätiologie, des klinischen Bildes, des Ver-

7

laufs und der Therapie z. T. erheblich vonein-

ander.

 

 

Ätiologie/Pathogenese. Die Bindehaut ist wie

 

die Hornhaut in starkem Maße Umweltein-

 

flüssen ausgesetzt. Durch den Lidschlag, den

 

Tränenfluss, die gute Durchblutung, reichlich

 

vorhandene, ortsständige Immunzellen und

 

antibakterielle Substanzen (z. B. Immunglobu-

 

line, Interferone und Lysozym des Tränenfilms)

 

besteht eine natürliche Abwehr gegen Infek-

 

tionen.

 

Die vielfältigen Ursachen der Konjunktivitis

 

sind in Tab. 1 (S. 72f) zusammengefasst.

 

Die konjunktivale Oberfläche ist nicht steril.

 

Vielmehr finden sich hier auch normalerweise

 

zahlreiche Keime (Standortflora), die üblicher-

 

weise nicht pathogen sind. Unter bestimmten

 

Bedingungen kann aber fast jedes Bakterium

 

eine Konjunktivitis hervorrufen. Förderliche

 

Faktoren sind v. a. eine Insuffizienz des Trä-

 

nenfilms (Sicca-Syndrom) und des Lidschlages

 

sowie Kontaktlinsen, also Faktoren, welche die

 

natürliche mechanische oder immunologische

 

Abwehr beeinträchtigen. Die viralen (wie auch

 

die bakteriellen) Bindehautentzündungen sind

 

vorwiegend Schmierinfektionen, d. h. dass die

70Keime z. B. durch kontaminierte Finger, Handtücher, ophthalmologische Geräte oder engen

Körperkontakt an das Auge gelangen.

Bei den allergischen Konjunktivitiden vom Typ I (Soforttyp) handelt es sich insbesondere um Allergien auf Pollen, Gräser und Tierhaare während jene vom verzögertem Typ zumeist Reaktionen auf chronische Allergene wie Augentropfen, Kosmetika, Hausstaubmilben oder auch Kontaktlinsen darstellen. Die den Allergien nahe stehenden atopischen Erkrankungen (Ac) beruhen wahrscheinlich auf einer Hyperreagibilität des Immunsystems. Häufig besteht eine Assoziation mit einer Neurodermitis oder einem Asthma bronchiale.

Die Ursachen des sehr weit verbreiteten, chronisch verlaufenden „trockenen Auges“ (SiccaSyndrom bzw. Keratoconjunctivitis sicca) sind nur unzulänglich bekannt. Vieles spricht für hormonelle Störungen (Androgenmangel oder Überschuss weiblicher Geschlechtshormone). Die Involution der Tränendrüsen, aber auch entzündliche Phänomene spielen wahrscheinlich bei älteren Patienten die größte Rolle. Bei Kindern und jüngeren Erwachsenen entwickelt sich das „trockene Auge“ nicht selten als postentzündliches Geschehen, z. B. nach einer Virusinfektion. Typisch sind Tränenmangelzustände im Rahmen von Kollagenosen. Praktisch obligat kommen sie beim Sjögren-Syndrom vor.

Eine Conjunctivitis sicca kann aber auch bei ausreichender Tränenproduktion entstehen, wenn die Qualität des Tränenfilms durch einen Muzin-(Becherzellverlust) oder Lipidmangel (Abflussstörung der Meibom-Drüsen, z. B. bei Lidrandentzündung im Rahmen einer Rosacea) vermindert ist.

Nicht wenige Patienten mit „trockenem Auge“ geben eine intensive Arbeit am PC an. Das gebannte Schauen auf den Monitor unterdrückt den normalen Blinkreflex und damit die normale Verteilung des Tränenfilms, was dann zu einem Sicca-Syndrom führen kann. Eine Beeinträchtigung des Tränenfilms ist auch durch bestimmte, örtlich oder systemisch angewendete Medikamente möglich.

Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden! Aus T. Schlote u.a.: Taschenatlas Augenheilkunde (ISBN 3-13-131481-8) © 2004 Georg Thieme Verlag, Stuttgart

A. Konjunktivitis

a „Rotes Auge“ als typisches Zeichen der Konjunktivitis; diffuse Erweiterung der Bindehautgefäße (konjunktivale Injektion)

b Nichtentzündliche Erweiterung der Bindehautgefäße (Hyperämie) bei orbitaler Abflussstörung (Ca- rotis-Sinus-cavernosus-Fistel); im Gegensatz zur entzündlichen Rötung ist die Gefäßerweiterung stärker ausgeprägt, dafür aber auf weniger Gefäße beschränkt

c Atopische Konjunktivitis mit Verdickung der Lidkante und Rötung der Lidhaut

Konjunktivitis

71

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Tab. 1 Ursachen und Therapie der Konjunktivitis

Ursache

Therapie

 

 

7 Bindehaut

Bakterien

Staphylococcus aureus

adstringierende, antiseptische oder anti-

 

Staphylococcus epidermidis

biotische AT (Aminoglykoside oder

 

Streptococcus pneumoniae

Gyrasehemmer); Sanierung von Lidkanten

 

Haemophilus influenzae

und Tränenwegen

 

Neisseria gonorrhoeae

lokale und systemische Antibiose

 

(Gonoblennorrhoe)

(Penicillin), Schutz des noch nicht betroffe-

 

 

nen Partnerauges

 

Chlamydia trachomatis

 

 

Serotyp A-C (Trachom)

Tetrazyklin- (nicht bei Kindern) oder

 

Chlamydia trachomatis

Eythromycin-AT, evtl. systemische und

 

Serotyp D-K („Schwimm-

Partnertherapie

 

badkonjunktivitis“)

 

 

andere

 

Viren

Herpes-simplex-Virus (HSV)

nur ausnahmsweise Virustatika, meist

 

Varicella-zoster-Virus (VZV)

spontane Heilung

 

Adenovirus Typ 8 und 19

symptomatische Maßnahmen

 

(Keratoconjunktivitis

(Tränenersatzmittel), Verhinderung der

 

epidemica)

Ausbreitung (Hygiene)

 

lidkantennahes Molluscum

Exzision des Molluscum contagiosum

 

contagiosum

 

 

 

keine erforderlich

 

Masern-, Rötelnund Mumps-Virus

 

 

andere

 

Pilze

vor allem Candida albicans

antimykotische AT

 

(bei Immunsuppression)

 

Parasiten

z. B. Onchozerkose oder

antiparasitäre Medikamente, operative

 

Loa loa

Entfernung subkonjunktivaler Würmer

Allergien und

 

Allergenkarenz; lokale Mastzellstabilisato-

atopische

 

ren, Antihistaminika, Antiphlogistika

Erkrankungen

 

(Kortikosteroide), in bestimmten Fällen

 

 

Cyclosporin-AT, Tränenersatzmittel, aus-

 

 

nahmsweise systemische Immun-

 

 

suppression

 

kontaktlinsen-

Kontaktlinsenkarenz

 

induzierte

 

 

Riesenpapillen-

 

72

Konjunktivitis

 

AT = Augentropfen

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Ursache

 

Therapie

 

 

 

Tränenfilm-

 

Tränenersatzmittel, Cyclosporin-AT,

insuffizienz

 

Sanierung der Lidkanten; in schweren

(Sicca-Syndrom)

 

Fällen Verschluss der Tränenpünktchen,

 

 

zukünftig evtl. lokale Hormontherapie

 

 

(Androgene)

immunologische

okuläres Pemphigoid

systemische Immunsuppression, Tränen-

Erkrankungen

paraneoplastisches

ersatzmittel (ohne Konservierungsstoffe),

 

Pemphigoid

ausnahmsweise operative Maßnahmen,

 

endokrine Orbitopathie

Absetzen auslösender Medikamente

 

Graft-versus-Host-Reaktion

 

 

nach Knochenmarktrans-

 

 

plantation

 

 

Stevens-Johnson-Syndrom

 

Vaskulitiden

Wegener-Granulomatose

Behandlung der Grundkrankheit, am

 

primär chronische Polyarthritis

Auge symptomatische Maßnahmen

 

Kawasaki-Syndrom

 

Stoffwechsel-

Gicht

Behandlung der Grundkrankheit, am

störungen

Plasminogenmangel

Auge symptomatische Maßnahmen

 

(Conjunctivitis lignosa)

 

mechanische

Fremdkörper

(operative) Beseitigung der Ursache,

Wirkungen

Differenzierungsstörung des

Bindehautresektion bei superiorer

 

Limbusepithels (superiore

Limbuskeratokonjunktivitis

 

Limbuskeratokonjunktivitis)

 

 

Trichiasis (Entropium)

 

chemisch-toxi-

Verätzungen

akut Verdünnung des auslösenden

sche und ther-

Verbrennungen

Agens bzw. Kühlung;

mische Einwir-

 

Behandlung und Prophylaxe von

kungen

 

Sekundärkomplikationen

Reaktion auf

Stevens-Johnson-Syndrom

Vermeidung des auslösenden

Medikamente

Lyell-Syndrom

Medikamentes; Therapie und Prophylaxe

 

toxische Konjunktivitis z. B.

von Sekundärkomplikationen

 

auf Aspirin oder Antibiotika

(z. B. Verhinderung von Verwachsungen

 

 

(Symblephara)

Exposition

fehlender Lidschluss

Tränenersatzmittel; operative Verkleine-

 

(Lagophthalmus)

rung der Lidspalte, operative Korrektur

 

Lidfehlstellung (Ektropium)

der Lidfehlstellung

Asthenopie

latente Hyperopie

optischer Ausgleich

 

Heterophorie

Prismengläser, Schieloperation

Konjunktivitis (Fortsetzung)

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A. Konjunktivitis (Fortsetzung)

 

Epidemiologie. Die Konjunktivitis ist die häu-

 

figste Erkrankung der Augen überhaupt. Den-

 

noch liegen kaum schlüssige Daten zur Epide-

 

miologie vor. Als gesichert kann gelten, dass die

 

Häufigkeit der Bindehautentzündung in den

 

Praxen niedergelassener Augenärztinnen und

 

Augenärzte sehr viel größer ist als an Augen-

 

kliniken. Etwa 10 % aller Neugeborenen ent-

 

wickeln aus verschiedenen Gründen eine Kon-

 

junktivitis (Tab. 1). Für die gigantopapilläre

 

Konjunktivitis wurde geschätzt, dass etwa

 

1–3 % aller Kontaktlinsenträger hiervon betrof-

 

fen sind.

 

Bindehautentzündungen kommen in allen Le-

 

bensaltersstufen vor. Bestimmte Formen fin-

 

den sich allerdings häufiger in bestimmten Al-

 

tersgruppen. So ist die Keratoconjunctivitis

Bindehaut

vernalis vor allem eine Erkrankung von Kindern

während atopische Keratokonjunktivitis und

 

 

die allergischen Bindehautentzündungen typi-

 

scherweise Erkrankungen der Jugendlichen und

 

des frühen Erwachsenenalters sind. Die ver-

7

narbenden Bindehautentzündungen stellen Er-

krankungen des höheren Lebensalters dar.

 

 

Die Konjunktivitis betrifft beide Geschlechter

 

mit ungefähr gleicher Häufigkeit. Die chemisch

 

oder mechanisch bedingten Bindehautentzün-

 

dungen sowie die Keratoconjunctivitis vernalis

 

sind beim männlichen Geschlecht deutlich

 

häufiger, während die Conjunctivitis sicca weit

 

überwiegend beim weiblichen Geschlecht auf-

 

tritt.

 

Klinik. Die Konjunktivitis entwickelt sich mit

 

Ausnahme der verletzungsbedingten Formen

 

meist bilateral, wobei der Ausprägungsgrad

 

jedoch oft asymmetrisch ist. Typisch für die

 

Keratoconjunctivitis epidemica ist, dass das

 

zweite Auge - durch zwischenzeitliche Anti-

 

körperbildung - üblicherweise deutlich weni-

 

ger betroffen ist als das erste.

 

Symptome und Befunde bei Konjunktivitis:

 

Fremdkörpergefühl („Gefühl wie Sand in den

 

Augen“).

 

„Rotes Auge“ (s. S. 71, Aa). Normalerweise ist

 

das Auge weiß, weil die konjunktivalen und

 

episkleralen Gefäße vor dem weißen Hinter-

 

grund der Sklera nicht oder kaum sichtbar

 

sind. Erst durch die Erweiterung der epibul-

74bären Gefäße wird aus dem weißen ein „rotes Auge“. Die (historische) Unterscheidung zwi-

schen der (oberflächlicheren) konjunktivalen

Injektion und der (tieferen und mehr limbusbetonten) ziliaren Injektion ist im klinischen Alltag oft nicht hilfreich, da meist Mischbilder bestehen.

Bei einer Konjunktivitis ist meist die gesamte Bindehaut gerötet. Toxische Bindehautreizungen bevorzugen die unteren Bindehautanteile. Die obere limbale Keratokonjunktivitis (Aa) ist, wie der Name sagt, auf den oberen Hornhautrand beschränkt. Bei der Conjunctivitis sicca und der durch Chlamydien bedingten Bindehautentzündung ist die Rötung häufig nur gering oder gar nicht ausgeprägt.

Tränenträufeln (Epiphora). Das Tränenträufeln ist Ausdruck einer reflektorisch gesteigerten Tränenproduktion, seltener einer (schwellungsbedingten) Abflussstörung. Es findet sich typischerweise bei Affektionen der Hornhaut, kann aber auch bei der Konjunktivitis, insbesondere der Keratoconjunctivitis epidemica auftreten.

Absonderung (Sekretion) aus dem Bindehautsack. Dieser Ausfluss ist bei bakterieller Konjunktivitis meist gelblich und rahmigeitrig (Ab), während er bei viraler Bindehautentzündung in der Regel wässrig und klar ist. Bei der allergischen und atopischen Konjunktivitis sowie der durch Chlamydien bedingten Bindehautentzündung sind die Absonderungen meist zähflüssig und schleimig (Ac).

Verklebung der Lider. Diese findet sich zumeist morgens, da der bei Konjunktivitis verstärkt gebildete Schleim und/oder der Ausfluss in der Nacht eintrocknen. Die Verklebung der Lider ist recht typisch für bakterielle Bindehautentzündungen.

Juckreiz. Die meisten Formen der Konjunktivitis jucken nicht. Juckreiz ist aber typisch für die allergischen und atopischen Bindehautentzündungen, zu denen auch die kontaktlinseninduzierte Riesenpapillen-Konjunktivitis zu rechnen ist. Auch die parasitären Bindehautentzündungen gehen meist mit einem kräftigen Juckreiz einher.

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A. Konjunktivitis

aObere Limbuskeratokonjunktivitis; Rötung der oberen Bindehaut mit weißlicher Epithelveränderung am Limbus

cAllergische Konjunktivitis mit Sekretion von zähem Schleim

bEitrige Sekretion als Hinweis auf eine bakterielle Konjunktivitis

Tab. 1 Ursachen, Manifestationszeitpunkt und Häufigkeit der Neugeborenenkonjunktivitis

Erkrankung/Ursache

Zeitpunkt der Manifestation

Häufigkeit

 

 

 

toxische Reizung durch Credé-

wenige Stunden nach

selten geworden, da heute meist

Prophylaxe (1 % Silbernitrat)

Tropfenapplikation

antibiotische Prophylaxe

Gonoblennorrhö/intrapartale

1

– 4 Tage post partum

durch Prophylaxe sehr selten ge-

Infektion mit Neisseria gonorrhoeae

 

 

worden

sonstige intrapartale Infektion mit

4

– 6 Tage post partum

nicht selten

Bakterien (z.B. Streptococcus

 

 

 

pneumoniae, Haemophilus

 

 

 

influenzae, Staphylokokken,

 

 

 

Pseudomonas aeruginosa u.a.)

 

 

 

intrapartale Infektion mit

5

– 7 Tage post partum

nicht selten

Herpes-simplex-Virus (HSV)

 

 

 

intrapartale Infektion mit

4

– 15 (meist 7 – 10) Tage

häufigste Ursache der Konjunktivi-

Chlamydia trachomatis

post partum

tis des Neugeborenen

 

 

 

 

Konjunktivitis (Fortsetzung)

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7 Bindehaut

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A. Konjunktivitis (Fortsetzung)

Klinik (Fortsetzung). Weitere Symptome und Befunde:

Schmerzen. Bindehautentzündungen sind meist nur wenig oder gar nicht schmerzhaft. Schmerzen werden v. a. angegeben, wenn die Hornhaut mitbeteiligt ist, wie bei der Keratoconjunctivitis epidemica und, trotz oft eher diskretem klinischem Befund, der Conjunctivitis sicca.

Lichtscheu (Photophobie). Die Photophobie ist kein typisches Symptom für die meisten Konjunktivitiden, kommt aber oft bei der Keratoconjunctivitis epidemica vor.

Schwellung der Bindehaut (Chemosis). Diese ist vor allem bei der adenoviralen Keratoconjunctivitis epidemica zu beobachten, aber auch recht typisch für die allergische und parasitäre Konjunktivitis. Auch im Rahmen einer floriden endokrinen Orbitopathie ist sehr häufig eine Chemose der Bindehaut zu finden.

Unterblutung der Bindehaut (Hyposphagma). Diese entwickelt sich bevorzugt bei viralen Konjunktivitiden, v. a. der Keratoconjunctivitis epidemica, seltener bei bakteriellen Bindehautentzündungen.

Follikelbildung (Aa). Vor allem virale und durch Chlamydien bedingte, aber auch medikamenteninduzierte Bindehautentzündungen führen zur Ausbildung von an der Spaltlampe sichtbaren Knötchen (Follikeln). Sie entsprechen Ansammlungen von Lymphozyten und treten bevorzugt im Bereich der Fornices auf (follikuläre Konjunktivitis). Sehr große, kornartige Follikel und die Einschleppung nach Westeuropa als Folge der nordafrikanischen Expedition Napoleons I. Ende des 18. Jahrhunderts haben dem Trachom auch den Namen „ägyptische Körnerkrankheit“ eingebracht. Aufgrund ihres funktionell noch eingeschränkten Immunsystems entwickeln Säuglinge keine follikuläre Konjunktivitis.

Papillenbildung (Ab). Im Bereich der Lider ist die Bindehaut durch Bindegewebsstränge mit dem Tarsus relativ fest fixiert. Die tarsale Bindehaut kann deshalb im Vergleich zur bulbären Konjunktiva nur sehr wenig anschwellen. Im Falle einer Schwellung kommt es durch die fixierenden Bindegewebsstränge zu Einziehungen, sodass sich u. U. „Warzen“ (Papillen) entwickeln, die in ihrem Zentrum ein Gefäß aufweisen (papilläre Konjunktivitis). Diese Pa-

pillen sind meist klein, können aber v. a. bei der Keratoconjunctivitis vernalis und der allergischen Reaktion auf hauptsächlich, aber nicht ausschließlich weiche Kontaktlinsen (gigantopapilläre Konjunktivitis Spring-Allan- smith) sehr groß werden und ein pflastersteinartiges Muster erzeugen.

Membranbildung (Ac). Es können echte Membranen von Pseudomembranen abgegrenzt werden. Erstere führen bei Entfernung zur Blutung, Letztere nicht. Klassischerweise führte die heute praktisch nicht mehr vorkommende Diphtherie zu echten konjunktivalen Membranen. Membranen können aber genauso wie Pseudomembranen auch bei anderen bakteriellen und viralen Bindehautentzündungen vorkommen ([pseudo-] membranöse Konjunktivitis). Pseudomembranen finden sich des Weiteren bei allergischen oder toxischen (medikamenteninduzierten) Bindehautentzündungen. Eine besondere Form der Membranbildung findet sich bei der Conjunctivitis lignosa („holzartige Konjunktivitis“), bei der die konjunktivalen Auflagerungen meist eine derbe Konsistenz haben (Ad).

Betonte Rötung und Schwellung von Karunkel und Plica semilunaris (Ae). Diese ist besonders charakteristisch für die Keratoconjunctivitis epidemica, wird aber auch oft bei florider endokriner Orbitopathie beobachtet.

Verwachsungen (Symblephara, Af). Verwachsungen von tarsaler und bulbärer Bindehaut sind im Bereich des unteren Bindehautsackes häufiger als im oberen. Sie finden sich praktisch obligat bei chronisch vernarbender Bindehautentzündung (okuläres und medikamenteninduziertes Pemphigoid) und fortgeschrittenem Trachom, häufiger bei atopischer Konjunktivitis, gelegentlich auch nach (pseudo-) membranöser Konjunktivitis unterschiedlicher Ursache sowie trockenem Auge. Sklerodermie und Ichthyosis gehen häufig mit Bindehautverwachsungen einher. Bei stärkerer Ausprägung der Symblephara kommt es zur Herabsetzung der Augapfelbeweglichkeit.

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A. Konjunktivitis (Fortsetzung)

a Follikuläre Konjunktivitis

b Papilläre Konjunktivitis; typische „Pflastersteine“

 

im Bereich der tarsalen Bindehaut bei Keratocon-

 

junctivitis vernalis

Konjunktivitis (Fortsetzung)

cMembranbildung bei Keratoconjunctivitis epidemica

eBetonte Rötung der Karunkel bei Keratoconjunctivitis epidemica

dDicke, „holzartige“ Membranen bei Keratoconjunctivitis lignosa (Plasminogenmangel)

f Symblepharon (Verwachsung von bulbärer und

 

tarsaler Bindehaut) bei atopischer Keratokonjunk-

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tivitis

 

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7 Bindehaut

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A. Konjunktivitis (Fortsetzung)

Klinik (Fortsetzung). Weitere Symptome und Befunde:

Lidkantenparallele konjunktivale Falten

(LIPCOF). Sie sind als deutlicher Hinweis auf eine Conjunctivitis sicca zu werten.

Lidveränderungen. Nicht wenige Bindehautentzündungen führen zu einer begleitenden Rötung und Schwellung der Lider. Letztere ist typisch für die Keratoconjunctivitis epidemica und insbesondere die Gonokokkeninfektion des Bindehautsackes (Gonoblennorhoe). Durch die Schwellung kann der Eindruck eines herabhängenden Oberlides bestehen (Pseudoptosis). Chronische allergische Bindehautentzündungen sind nicht selten mit einer Rötung und Schuppung der periorbitalen Lidhaut (allergisches Kontaktekzem bzw. atopische Dermatitis) vergesellschaftet.

Assoziierte Hornhautveränderungen. Im Rahmen der Keratoconjunctivitis epidemica kommt es meist 5–15 Tage nach der akuten Manifestation zu oberflächlichen, rundlichen Trübungen der Hornhaut (Aa). Diese sog. Nummuli sind Ausdruck einer Antigen-Anti- körper-Reaktion und deuten darauf hin, dass keine oder nur noch eine geringe Ansteckungsgefahr besteht. Periphere subepitheliale Hornhautinfiltrate und ein oberflächliches Gefäßwachstum in die periphere Hornhaut hinein (Pannus) finden sich mitunter im Rahmen einer Chlamydien-Konjunktivitis. Die Keratoconjunctivitis vernalis und die atopische Keratokonjunktivitis gehen in ihrer tarsal-papil- lären Form gelegentlich mit schildartigen Hornhauttrübungen und in ihrer limbalen Form mit weißlichen Trübungen am Hornhautrand einher. Diese sog. Trantas-Flecken (Ab) können selten auch bei der (kontaktlinsenassoziierten) Riesenpapillen-Konjunktivi- tis beobachtet werden. Bei manchen ausgeprägten Formen des „trockenen Auges“ finden sich Schleimfäden auf der Hornhaut (Keratitis filiformis). Die chronische Rosaceakonjunktivitis ist oft mit einer peripheren Hornhautvaskularisation vergesellschaftet. Chronischvernarbende Bindehautentzündungen wie das okuläre Pemphigoid oder die lineare IgA-Der- matose (Ac) führen häufig zu einer erheblichen Gefäßeinsprossung und einer diffusen kornealen Trübung. Neisseria gonorrhoeae ist außerordentlich gefährlich, weil er die intak-

te Hornhaut leicht penetrieren, in das Augeninnere eindringen und zur Hornhautperforation führen kann. Erblindungen waren deshalb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr häufig.

Schwellung der regionären Lymphknoten.

Die Lymphgefäße der Bindehaut werden in die präaurikulären und die submandibulären Lymphknoten drainiert. Eine Schwellung der Lymphknoten ist typisch für die Keratoconjunctivitis epidemica, kommt aber z. T. auch bei chlamydienbedingter und manchen anderen bakteriellen Bindehautentzündungen vor. Als okuloglanduläres Syndrom nach Parinaud wird eine ätiologisch inhomogene, meist aber bakterielle und granulomatöse, einseitige Konjunktivitis mit assoziierter Schwellung der regionären Lymphknoten bezeichnet.

Allgemeine Symptome. Die Keratoconjunctivitis epidemica geht gelegentlich mit allgemeinen (grippalen) Beschwerden einher, während die Bindehautentzündungen anderer Ätiologie nur ausnahmsweise mit einer über das Auge hinausgehenden Symptomatik vergesellschaftet sind.

Intraokulare Veränderungen. Eine reine Konjunktivitis ist praktisch nie mit einer intraokularen Entzündung, einer Entrundung der Pupille oder einer Veränderung des Augendrucks assoziiert. Eine Ausnahme bilden die chronisch-vernarbenden Bindehautentzündungen, bei denen es durch Verlegung der episkleralen Venen zum Glaukom kommen kann. Ausnahmsweise finden sich bei der Keratoconjunctivitis epidemica entzündliche Beschläge des Hornhautendothels. Die Sehschärfe wird durch eine Konjunktivitis gewöhnlich nicht oder wenn überhaupt nur geringgradig (durch die Epiphora) herabgesetzt, es sei denn, dass sich sekundäre Hornhautkomplikationen entwickelt haben. Visusminderung, Entrundung der Pupille oder Erhöhung des Augendrucks in Kombination mit einem „roten Auge“ sprechen insgesamt eher gegen die Diagnose einer primären Konjunktivitis.

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A. Konjunktivitis (Fortsetzung)

a Rundliche, oberflächliche Hornhauttrübungen (Nummuli) bei Keratoconjunctivitis epidemica

b Weißliche Infiltrate (Trantas-Fle- cken) bei Keratoconjunctivitis vernalis

c Hornhauttrübungen im Rahmen einer chronisch-vernarbenden Bindehautentzündung (lineare IgADermatose)

Konjunktivitis (Fortsetzung)

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