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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Taschenatlas Augenheilkunde_Torsten Schlote_2004

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A. Zentralarterienverschluss (ZAV)

Der Zentralarterienverschluss wird durch die Okklusion der Arteria centralis retinae hervorgerufen. Leitsymptom ist die schmerzlose, plötzliche Sehminderung.

Ätiologie/Pathogenese. Meist handelt es sich

 

um einen Embolus oder Thrombus. Ein gelber

 

Cholesterin-Embolus (Hollenhorst-Plaque) auf

 

dem Sehnervkopf oder in einer Astarterie der

 

Netzhaut sichert die Diagnose. Wichtigste

 

Ursachen für die Embolien sind atherosklero-

Glaskörper

tische Plaques

der Karotisarterien, arterielle

Hypertonie und Herzklappenfehler.

 

 

Epidemiologie. Die Prävalenz des ZAV beträgt

 

0,85/100 000 der Bevölkerung in einem Jahr. Es ist

 

eine Erkrankung des Erwachsenenalters (im

und

Durchschnitt 6. Lebensdekade). Bilateraler Be-

fall in 1–2 %, mit Ausnahme der Arteriitis tem-

 

Netzhaut

poralis und anderer systemischer Vaskulitiden.

hautödem am hinteren Pol, Aa, b) ist patho-

 

Klinik. Sichtbare Embolien in den Netzhaut-

 

Arterien und kirschroter Reflex (dunkelroter

 

Foveareflex umgeben von weißlichem Netz-

13

gnomonisch für einen Zentralarterienverschluss

der Netzhaut. Die Arterien sind dünn und der

 

 

segmentierte Blutfluss in den Netzhautarterien

 

kann in den akuten Stadien der Erkrankung be-

 

obachtet werden (Ac).

 

Diagnose. Die Klinik (s. unten) und durch die

 

Fluoreszenzangiographie kann die Diagnose

 

gesichert werden.

 

Diffenzialdiagnose. Die Differenzierung zwi-

 

schen arteriitischen (Morbus Horton) und nicht-

 

arteriitischen ZAV ist sehr wichtig, weil beim

 

Morbus Horton ohne entsprechende Therapie

 

ein Befall des Partnerauges innerhalb weniger

 

Tage eintreten kann.

 

Therapie. Zurzeit besteht kein Konsens über die

 

Effektivität verschiedener Behandlungsformen.

 

Konservative

Behandlung: Bulbusmassage,

 

Vorderkammerparazentese, Infusionsbehand-

 

lung mit Pentoxifyllin, hyperbarer Sauerstoff,

 

rheologische Maßnahmen, intravenöse rTPA-

 

oder Kortikosteroidinjektion.

Invasive Behandlung: Selektive Katheterisation der Arteria ophthalmica mit Applikation fibrinolytischer Medikamente.

Prognose. Die Sehschärfe bei der Erstpräsen-

180tation entscheidet im Allgemeinen über die Prognose. Spontane Besserungen sind in bis zu

15 % zu beobachten.

B. Arterienastverschluss (AAV)

Entsprechend der okkludierten Astarterie zeigt sich betont am hinteren Pol ein Netzhautödem (Ba). Die Patienten berichten über einen sektorförmigen Gesichtsfeldausfall. Der Abfall der zentralen Sehschärfe ist von der Perfusion der Fovea abhängig (Bb). Neben dem weißlichen Netzhautödem sind gelbliche intraarterielle Embolien und die Verengung der Arterien wichtige klinische Befunde. Eine internistische Abklärung kardiovaskulärer Risikofaktoren und eine konservative Therapie (s. ZAV) wird empfohlen. Die Prognose für das zentrale Sehvermögen ist gut. Gesichtsfeldausfälle können aber persistieren.

C. Okuläres Ischämiesyndrom

Hierbei handelt es sich um eine chronische Insuffizienz der Arteria ophthalmica, die zur Minderdurchblutung des gesamten Auges führt. Die häufigste Ursache ist dabei eine Karotisstenose. Die zentrale Sehschärfe ist in fortgeschrittenen Stadien reduziert. Klinisch zeigen sich verengte Netzhautarterien, punktund fleckförmige Blutungen in der Peripherie der Netzhaut. Dilatationen und Tortuositas der Netzhautvenen fehlen (Differenzialdiagnose venöse Stase-Retinopathie). Rubeosis iridis und Tyndalleffekt der Vorderkammer sind häufig. Die retinalen Neovaskularisationen entwickeln sich häufig nach der Rubeosis iridis. Die pathologisch verlängerte Arm-Netzhaut- Füllungszeit bei der Fluoreszenzangiographie ist pathognomonisch. Die Karotis-Doppler- Untersuchung kann das Ausmaß der Stenose darstellen. Die betroffenen Patienten zeigen meistens ein hohes Risikoprofil bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen. Die Mortalität beträgt ca. 50 % innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung. Eine internistische Abklärung ist daher dringend zu empfehlen. Die panretinale Laserfotokoagulation wird bei ausgedehnten Netzhautischämien sowie bei Vorhandensein einer Rubeosis iridis und retinaler Neovaskularisationen durchgeführt.

Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden! Aus T. Schlote u.a.: Taschenatlas Augenheilkunde (ISBN 3-13-131481-8) © 2004 Georg Thieme Verlag, Stuttgart

A. Zentralarterienverschluss (ZAV)

B. Arterienastverschluss (AAV)

aZAV mit Netzhautödem durch die Ischämie; umschriebene Netzhautperfusion temporal der Papille ist bedingt durch die patente A. zilioretinalis

b ZAV mit kirschrotem Fleck in der Fovea

cDie Fluoreszenzangiographie mit nichtperfundiertem Areal der Netzhaut und segmentiertem Blutfluss

aAAV mit Netzhautödem entsprechend dem Versorgungsgebiet der A. temporalis superior; Netzhautblutung am Rand der Papille, Dilatation und Anschlängelung der Venen deutet auf kombinierten arteriovenösen Verschluss der Netzhaut hin

bDie Fluoreszenzangiographie zeigt die Nichtperfusion der Netzhaut

Vaskuläre Erkrankungen der Netzhaut

181

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A. Arterielles Makroaneurysma

 

Runde Dilatationen der retinalen Arteriolen

 

innerhalb der ersten arteriolaren Bifurkation

 

werden als erworbene arterielle Makroaneu-

 

rysmen bezeichnet. Arterielle Hypertonie und

 

Atherosklerose sind die wichtigsten Ursachen.

 

In der Regel ist der Befall einseitig und bei Frau-

 

en häufiger. Eine Visusminderung oder ein Ge-

 

sichtsfeldausfall tritt auf, wenn eine Leckage

 

oder Hämorrhagie im Bereich der Makula auf-

 

tritt. Hämorrhagien können in unterschied-

Glaskörper

lichen Schichten der Netzhaut und im Glas-

körperraum auftreten. Subpigmentepitheliale

 

 

Hämorrhagien zeigen sich als dunkelrote

 

Läsionen und erfordern die differenzialdiag-

 

nostische Abgrenzung zu pigmentierten Ader-

und

hauttumoren. Finden sich multiple Makroan-

eurysmen, Entzündungszellen im Glaskörper

 

Netzhaut

oder Kollateralgefäße, ist die präzise Diagnose-

stellung von Bedeutung, weil die Prognose und

die Behandlung der arteriellen Makroaneurys-

ma unterschiedlich sein kann (s. Morbus Coats,

Venenastverschluss). Mittels Indocyaningrün-

13

Angiographie können arterielle Makroaneurys-

mata oft trotz epiretinaler Hämorrhagien dar-

 

 

gestellt werden. Die Hämorrhagien sind fast

 

immer reversibel. Besteht eine Visusminde-

 

rung nach der Resorption der Hämorrhagien

 

empfiehlt sich eine Fluoreszenzangiographie

 

zur Darstellung einer Leckage des Makroaneu-

 

rysmas. Eine Laserfotokoagulation des Makro-

 

aneurysmas kann dann zur Zurückbildung der

 

Leckage führen.

 

B. Morbus Coats

 

Der Morbus Coats ist eine kongenitale retinale

 

Gefäßerkrankung, die durch retinale Telean-

 

giektasien, Mikroaneurysmen und kapilläre

 

Minderperfusionsareale in der Peripherie der

 

Netzhaut charakterisiert ist. Leber-Miliaran-

 

eurysmen und gewisse Formen der idiopathi-

 

schen juxtafovealen Teleangiektasien werden

 

als Varianten des Morbus Coats angesehen. His-

 

topathologisch zeigt sich ein Verlust an Endo-

 

thelzellen und Perizyten der retinalen Ge-

 

fäßwände. Das männliche Geschlecht wird

 

bevorzugt befallen. 80 % der Manifestationen

 

sind unilateral. Die Erkrankung tritt gehäuft in

 

der ersten und fünften Lebensdekade auf. Peri-

182phere retinale Gefäßanomalien verursachen eine Leckage, die sich in fortgeschrittenem Sta-

dium am hinteren Pol als Makulaödem und

subretinale Lipidablagerungen präsentiert (Ba, b). Der Morbus Coats ist eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung. I. d. R. wird die Diagnose durch die Exsudation am hinteren Pol gestellt. Komplikationen sind Netzhautablösung, vasoproliferativer Tumor der Netzhaut, Katarakt, Glaukom und Phthisis bulbi.

Die Diagnose wird durch die Klinik, demographische Auffälligkeiten (Geschlecht, Alter) und die fluoreszenzangiographischen Befunde in der Netzhautperipherie gestellt (Bc). Diffenzialdiagnostisch kommen im Kindesalter andere Ursachen der Leukokorie und im Erwachsenenalter periphere retinale Vaskulopathien in Betracht. Die Therapie des Morbus Coats basiert auf der Destruktion der avaskulären Netzhautareale und leckenden Mikroaneurysmen. Therapie der Wahl ist die Laserfotokoagulation. Bei Versagen der Lasertherapie, Lage der Läsionen in der extremen Peripherie der Netzhaut oder bei Zunahme der subretinaler Exsudationen wird die Kryotherapie angewendet. Im fortgeschrittenen Stadium des Morbus Coats (exsudative Netzhautablösung, vasoproliferative Tumorbildung) kommen auch vitreoretinale Verfahren in Frage.

C. Fundus hypertonicus

Die chronische arterielle Hypertonie führt zu einer Verengung retinaler Arteriolen und zu einer Störung der inneren Blut-Retina-Schran- ke. Als Folge entwickeln sich Exsudationen, Blutungen, Cotton-Wool-Herde, Lipidablagerungen mit Bevorzugung des hinteren Pols der Netzhaut. Stadien des Fundus hypertonicus (nach Scheie) sind:

Stadium 0: Normaler Netzhautbefund. Stadium I: Diffuse arteriolare Verengung. Keine Kaliberschwankungen der Arteriolen.

Stadium II: Ausgeprägte arterioläre Verengung mit zusätzlichen fokalen Konstriktionen (Ca). Stadium III: Ausgeprägte diffuse und fokale arteriolare Verengungen mit retinalen Hämorrhagien.

Stadium IV: Zusätzlich zu den genannten Befunden zeigen sich ein retinales Ödem, harte Exsudate und eine Papillenschwellung (Cb).

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A. Arterielles Makroaneurysma

B. Morbus Coats

Arterielles Makroaneurysma im Verlauf der A. tem-

a Makulaödem mit Lipidablagerungen verursacht

poralis superior; es zeigen sich retinale, subretinale

durch arterielles Mikroaneurysma

und subpigmentepitheliale Hämorrhagien

 

Vaskuläre Erkrankungen der Netzhaut

b Submakulärer Cholesterinplaque bei Morbus Coats c Fluoreszenzangiographie bei Morbus Coats: retinale Teleangiektasien, Mikroaneurysmen, Kapillarabbrüche mit Leckage in der Peripherie

C. Fundus hypertonicus

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a Fundus hypertonicus Stadium II

b Fundus hypertonicus Stadium IV mit Papillenödem

 

und Makulastar

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13 Netzhaut und Glaskörper

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A. Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie (DR) ist eine durch einen Insulinmangel hervorgerufene Mikroangiopathie der Netzhaut.

Ätiologie/Pathogenese. Folgende Stoffwechselstörungen werden beim Diabetes mellitus durch eine Hyperglykämie ausgelöst: Sorbitolzyklus, nichtenzymatische Glykierung und Bildung von AGE (Advanced Glycation End Products), Aktivierung der DAG/PKC (Diacylglyceral/Proteinkinase C).

Die diabetische Retinopathie ist durch die Mikrovaskulopathie charakterisiert. Histologisch zeigen sich folgende mikrovaskuläre Veränderungen: Verdickung der Basalmembran, Perizytenverlust, Abnahme der Extrazellulärmatrix. Als Folge dieser Veränderungen können sich Mikroaneurysmen, Netzhautödeme, Netzhautischämie und retinale Neovaskularisationen entwickeln.

Das Zytokin VEGF (Vascular endothelial Growth Factor) ist ein wichtiger Faktor in der Pathogenese der diabetischer Retinopathie. Der Verschluss retinaler Kapillargefäße und die daraus resultierende Hypoxie führen zu einer vermehrten Freisetzung von VEGF. VEGF induziert dann retinale Neovaskularisationen und eine Leckage retinaler Gefäße.

Epidemiologie. In westlichen Industrieländern beträgt die Erblindungsrate bei diabetischer Retinopathie ca. 8 % bei den unter 65-Jährigen. Sie liegt bei den 65bis 74-Jährigen doppelt so hoch (14,5 %).

Diagnostik. Entscheidend ist die fundoskopische Untersuchung in Mydriasis.

Stadieneinteilung der DR.

Nichtproliferative DR (NPDR, Aa u. b):

milde Form: einzelne Mikroaneurysmen;

mäßige Form: Netzhautblutungen und/oder Mikroaneurysmen am hinteren Pol und/oder weiche Exsudate, perlschnurartige Venen, oder intraretinale mikrovaskuläre Anomalien (IRMA) in einem Quadranten;

schwere Form: weiche Exsudate, perlschnurartige Venen und IRMA in mindestens 2 Quadranten der mittleren Peripherie, zwei von oben erwähnten Läsionen und Netzhautblutungen und Mikroaneurysmen in 4 Quadranten oder IRMA in allen 4 Quadranten.

Proliferative DR (PDR):

Papillenneovaskularisation (NVD = neue Gefäße an der Papille): Gefäßneubildungen auf oder in 1 Papillendurchmesser entfernt zur Papille;

papillenferne Neovaskularisationen (NVE = neue Gefäße außerhalb der Papille, Ac – e): Gefäßneubildungen, deren Entfernung zur Papille mehr als 1 Papillendurchmesser beträgt.

Klinisch signifikantes Makulaödem. Netzhautverdickung im Zentrum innerhalb von 500 µm Entfernung zur Makula, oder Lipidablagerungen im Zentrum innerhalb von 500 µm Entfernung zur Makula assoziiert mit einer Verdickung der benachbarten Netzhaut; Verdickung der Netzhaut über mindestens eine Papillenfläche, Größe lokalisiert innerhalb 1 Papillendurchmesser vom Zentrum der Makula.

4 : 2 : 1-Regel. Zahlreiche Mikroaneurysmen in allen 4 Quadranten oder perlschnurartige Venen in mindestens 2 Quadranten oder IRMA in mindestens 1 Quadranten. Die Veränderungen deuten auf einen schweren Verlauf der diabetischen Retinopathie hin.

Therapie.

Lasertherapie: Das Konzept der Laserfotokoagulation (LK) bei PDRP basiert auf einer Downregulation der VEGF-Produktion durch ablative Therapie ischämischer Netzhautareale. Durch überführen der Hypoxie in eine Anoxie kann der Rückgang retinaler Neovaskularisationen erreicht werden. Die fokale Laserfotokoagulation wird bei nichtischämischen Formen eines diabetischen Makulaödems eingesetzt. Indikationen sind:

NPDR (schwere Form): panretinale LK,

PDR: panretinale LK,

klinisch signifikantes Makulaödem: fokale LK.

Durch rechtzeitige und effiziente Lasertherapie kann das Risiko eines schweren Sehverlusts in bis zu 60 % verhindert werden. In der klinischen Routine wird die fokale Laserfotokoagulation des klinisch signifikanten Makulaödems vor einer flächendeckenden panretinalen Laserfotokoagulation durchgeführt (s. S. 187, Tab. 1 u.

2, Aa – c).

Komplikationen der Laserkoagulation sind Gesichstfeldausfall, Nyktalopie, Störungen der Kontrastund Lichtempfindlichkeit und Zunahme des Makulaödems.

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A. Diabetische Retinopathie

a Am hinteren Pol zeigt sich ein klinisch signifikantes

b Die Fluoreszenzangiographie zeigt zahlreiche Mi-

Makulaödem bei NPDR

kroaneurysmen in der Makula

Diabetische Retinopathie

c Venöser Looping und NVE mit präretinaler Blutung d NVE mit glialer Proliferation

e Die Fluoreszenzangiographie zeigt eine Leckage

 

am aktiv proliferierenden Rand der NVE und eine

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retinale Ischämie unterhalb der NVE

 

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13 Netzhaut und Glaskörper

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A. Diabetische Retinopathie (Fortsetzung)

Pars-plana-Vitrektomie: Indikationen für eine Vitrektomie (Glaskörperentfernung) mit Instrumentenzugang über die Pars plana des Ziliarkörpers sind:

Makula bedrohende oder progrediente traktive Ablatio retinae,

Glaskörperblutung ohne Resorption,

rezidivierende Glaskörperblutung,

therapierefraktäres Neovaskularisationsglaukom,

chronisches Makulaödem ohne positiven Therapieeffekt nach fokaler Laserkoagulation.

Prognose. Folgende Risikofaktoren korrelieren positiv mit dem Beginn und der Progression der diabetischen Retinopathie:

Dauer des Diabetes: Das Risiko der Entstehung und die Progression der diabetischen Retinopathie steigen mit zunehmender Dauer des Diabetes. Bei Typ-1-Diabetikern beträgt die Häufigkeit der diabetischen Retinopathie (NPDR und PDR) bei einer Erkrankungsdauer von bis zu 5 Jahren nach Diagnose 13 %. Der Anteil von Patienten mit einer diabetischen Retinopathie steigt auf 90 % bei einer Dauer der Erkrankung von 10 bis 15 Jahren. Während bei Typ-2-Dia- betikern mit einer Erkrankungsdauer von 5 Jahren das Risiko einer PDR bei 2 % liegt, steigt dieser Anteil bei einer Diabetesdauer von 25 Jahren und mehr auf 25 %.

Blutzucker: Zahlreiche Studien haben den negativen Effekt eines ungenügend eingestellten Blutzuckers auf das Fortschreiten der diabetischen Retinopathie belegt. Bei Typ-1-Diabeti- kern ohne sichtbare Netzhautveränderungen verringert die strenge Blutzuckerkontrolle durch Insulintherapie das Entstehungsrisiko der Retinopathie um bis zu 75 % im Vergleich zu konventionell behandelten Patienten. Bei 50 % der behandelten Typ-1-Diabetiker mit bestehender Retinopathie konnte diese Therapie eine Progression der Retinopathie im Vergleich zur Kontrollgruppe verhindern. Dabei soll berücksichtigt werden, dass die strenge Einstellung des Blutzuckers in den ersten 6 bis 12 Monaten als Nebenwirkung zu einer Progression der bestehenden Retinopathie führen kann. Bei Typ-2-Diabetikern wird durch die strenge Blutzuckereinstellung das Entstehen und die Progression der diabetischen Retinopathie im Vergleich zu Kontrollpatienten (kon-

servative Behandlungsgruppe) reduziert. Als Folge wird der Bedarf der Lasertherapie deutlich verringert.

Andere Risikofaktoren: Arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Nephropathie.

Differenzialdiagnose.

Okuläres Ischämiesyndrom: Kann einseitig auftreten. Die Netzhautarterien sind verengt, es zeigen sich ischämische Netzhautblutungen typischerweise in der mittleren Netzhautperipherie. Rubeosis iridis und Vorderkammerreiz als Erstbefund nicht selten. Verlängerte Arm- Netzhaut-Füllungszeit in der Fluoreszenzangiographie. Die Carotis-Doppler-Sonographie ist eine entscheidende Untersuchung.

Venolenastverschluss: Sektorielle Verteilung der Blutungen und Netzhautverdickung. Im betroffenen Netzhautbereich zeigt sich eine dilatierte Netzhautvene.

Fundus hypertonicus: Oberflächliche und streifenförmige Netzhautblutungen betont am hinteren Pol. Abhängig von der Ausprägung der Hypertonie können sich weiche Exsudate und Papillenschwellung zeigen.

Strahlenretinopathie: Ischämische Netzhautblutungen in der mittleren Peripherie. Die Anamnese einer vorangegangenen Strahlenbehandlung (meist uveales Melanom) ist für die Diagnose entscheidend.

Schwangerschaft und diabetische Retinopathie. Eine Schwangerschaft gilt als Risikofaktor für das Auftreten oder Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie. Sollte eine NPDR (mild bis mäßig) zu Beginn der Schwangerschaft vorhanden sein, wird pro Trimester eine opthalmoskopische Kontrolle empfohlen. Wird eine Progression oder eine schwere Form der NPDR/ PDR festgestellt, sind eine panretinale Laserkoagulation und monatliche Kontrollen zu empfehlen.

Katarakt und diabetische Retinopathie. Nach Kataraktextraktion kann eine diabetische Retinopathie zunehmen. Vor Kataraktextraktion sollte deshalb eine ausreichende Behandlung der Retinopathie entsprechend oben genannter Kriterien erfolgt sein.

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A. Diabetische Retinopathie

Tab.1 Augenärztliche Kontrollen bei Diabetikern

Typ der DR

Untersuchungs-

 

intervall

 

 

keine DR

12 Monate

milde oder mäßige

6 Monate

NPDR ohne Makulaödem

 

milde oder mäßige NPDR

3 Monate

mit Makulaödem

 

schwere NPDR

3 Monate

PDR

1 – 3 Monate

 

 

DR:

diabetische Retinopathie

NPDR:

nichtproliferative diabetische Retinopathie

PDR:

proliferative diabetische Retinopathie

bAtrophische und teilweise pigmentierte Laserherde bei Zustand nach panretinaler Laserfotokoagulation

aFrische, exsudative Herde in der nasalen Fundushälfte bei panretinaler Laserfotokoagulation

c PDR mit ausgeprägter Traktion am hinteren Pol

Tab. 2 Laserfotokoagulation der diabetischen Retinopathie

Stadium der DR

Technik

Herde

 

 

 

NPDR (schwer)

panretinal

2000 – 3000

PDR

 

panretinal

2000 – 3000

KSMÖ

 

fokal

variabel

 

 

 

 

DR:

diabetische Retinopathie,

 

 

NPDR:

nichtproliferative diabetische Retinopathie,

 

PDR:

proliferative diabetische Retinopathie,

 

KSMÖ:

klinisch signifikantes Makulaödem

 

 

Diabetische Retinopathie (Fortsetzung)

187

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A. Fluoreszenzangiographie (FA)

 

Bei der FA wird ein fluoreszierender Farbstoff

 

intravenös injiziert und seine Passage durch die

 

Gefäße am Augenhintergrund fotografisch do-

 

kumentiert. Nach Bestrahlung des Farbstoffs in

 

den Gefäßen am Augenhintergrund mit kurz-

 

welligem Licht wird langwelligeres Licht emit-

 

tiert. Mittels Erregerund Sperrfilter, die in den

 

Strahlengang einer Funduskamera eingebaut

 

sind, kann das emittierte Licht selektiv darge-

 

stellt werden und es entsteht ein reines Fluo-

 

reszenzbild der vaskulären Strukturen des Au-

 

genhintergrunds.

 

Die verwendeten Farbstoffe können bei einem

 

normalen Augenhintergrund die retinalen Ge-

 

fäße (innere Blut-Retina-Schranke) und das

 

Pigmentepithel (äußere Blut-Retina-Schranke)

 

nicht passieren, der Austritt von Farbstoff (Le-

 

ckage) ist pathologisch. Bei der Interpretation

Makula

der Angiogramme werden Areale mit vermehr-

ter Fluoreszenz (Hyperfluoreszenz) und solche

mit verminderter Fluoreszenz (Hypofluoresenz)

unterschieden. Eine Hypofluoreszenz wird

14

durch Blockade (Blut, Pigment etc.) oder Min-

derperfusion verursacht, eine Hyperfluores-

 

 

zenz durch anomale Gefäße, Pigmentepithela-

 

trophie (Fensterdefekt) oder Leckage.

 

Angiographie mit Fluorescein (FA, Aa, b). Be-

 

sonders bei Makulaerkrankungen dient die FA

 

zur Darstellung choroidaler Neovaskularisatio-

 

nen und deren Klassifikation, des Weiteren zur

 

Erfassung von Durchblutungsstörungen, der

 

Permeabilität von retinalen Gefäßen und des

 

Pigmentepithels sowie von Pigmentepithel-

 

atrophien. Nebenwirkungen in Form allergi-

 

scher Reaktionen sind selten.

 

Angiographie mit Indocyaningrün (ICGA, Ac).

 

Bei der ICGA liegen Absorptionsund Emmis-

 

sionsmaxima im Vergleich zur FA im langwel-

 

ligen infraroten Spektrum. In diesem Bereich

 

ist eine Blockade der Aderhautfluoreszenz

 

durch das Pigmentepithel gering. Des Weiteren

 

bindet ICG stärker an Plasmaproteine und führt

 

dadurch im Vergleich zu Fluorescein zu einer

 

geringeren Leckage-Aktivität. Damit ergeben

 

sich Vorteile für die Darstellung von Aderhaut-

 

gefäßen und deren Pathologien, v. a. okkulte

 

choroidale Neovaskularisationen, retinochoro-

 

idale Anastomosen und Tumorgefäße. ICG ist

188

im Vergleich zu Fluorescein jodhaltig.

B. Optische Kohärenztomographie (OCT, B)

Die OCT bietet die Möglichkeit, morphologische Strukturen am Augenhintergrund mit einer hohen räumlichen Auflösung im Mikrometerbereich nichtinvasiv darzustellen. Mittels Reflexion von kohärentem Licht entstehen Schnittbilder von Gewebestrukturen, basierend auf deren unterschiedlich optisch streuenden Eigenschaften. Das OCT-Bild der gesunden menschlichen Netzhaut zeigt 2 hyperreflektive Schichten: die Nervenfaserschicht und als dickstes Band den Pigmentepithel-Choriocapillaris- Komplex.

Eingesetzt wird die OCT v. a. bei der Klassifikation von Makulaforamina, Darstellung vitreoretinaler Traktionen, Pigmentepithelabhebungen, Makulaödem und zum Therapiemonitoring.

C. Multifokales Elektroretinogramm (mfERG, C)

Das mfERG erlaubt eine objektive Funktionsbestimmung der Photorezeptoren und Bipolarzellen am hinteren Pol und ermöglicht damit eine Funktionskartierung der Makula. Der diagnotische Wert des mfERG liegt in der Früherkennung des Morbus Stargardt und toxischer Makulopathien. Darüber hinaus ist das mfERG eine wichtige Ergänzung bei der Lokalisation unklarer Sehstörungen.

D. Funduskontrollierte Perimetrie (D)

Mit der Scanning-Laser-Ophthalmoskopie sind Funktionsuntersuchungen unter simultaner Sicht auf den Augenhintergrund möglich. Neben der automatischen Schwellenperimetrie können eine kinetische Perimetrie und eine Fixationsprüfung durchgeführt werden. Die direkte Korrelation von Morphologie und Funktion ermöglicht besonders die Darstellung kleiner Skotome bei makulären Erkrankungen. Auch Untersuchungen zum Leseverhalten mit exakter Beobachtung des Fixationsverhaltens sind möglich.

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A. Fluoreszenzangiographie

B. Optische Kohärenztomographie

Zystoides Makulaödem

aFluorescein-Angiogramm: klassische choroidale Neovaskularisation; Frühphase

C. Multifokales Elektroretinogramm

Diagnostik

bFluorescein-Angiogramm: klassische choroidale Neovaskularisation; Spätphase

D. Funduskontrollierte Perimetrie

c Indocyaningrün-Angiogramm: choroidale Neo-

 

vaskularisation mit zuführendem Gefäß aus dem

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choroidalen Gefäßsystem

 

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