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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Taschenatlas Augenheilkunde_Torsten Schlote_2004

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10 Aderhaut und Regenbogenhaut

120

A. Malignes Melanom von Iris und Ziliarkörper

Bei den malignen Tumoren der Uvea handelt es sich v. a. um das maligne Melanom und Metastasen primär extraokularer Tumoren.

Ätiologie/Pathogenese. Unbekannt.

Epidemiologie. Maligne Melanome der Iris machen etwa 3–10 %, Ziliarkörpermelanome rund 9 % aller uvealen Melanome aus. Beide Formen sind insgesamt selten.

Klinik. Klinisch werden umschriebene von diffusen Irismelanomen (Aa) unterschieden. In beiden Fällen finden sich häufig zuführende Gefäße aus dem Circulus arteriosus iridis major. Der Pigmentierungsgrad des Tumors kann sehr unterschiedlich sein. Bei den häufigeren umschriebenen Tumoren gelingt die Unterscheidung zum Irisnävus i. d. R. nur über eine nachweisbare Wachstumstendenz. Klinisch können Prominenz des Tumors, Hornhautödem und beginnende bandförmige Hornhautdegeneration auf einen aktiven Wachstumsprozess hindeuten. Diffuse Irismelanome sind seltener und fallen häufig durch die Kombination von Heterochromie (betroffene Seite dunkler) und erhöhtem Intraokulardruck auf. Klinisch imponiert die verdickte, verwaschene, oft dunklere Irisoberfläche sowie ein im Seitenvergleich stärker pigmentierter Kammerwinkel.

Das Ziliarkörpermelanom (Ab – e) wird aufgrund seiner Lokalisation häufig erst spät entdeckt. Meist führen eher unspezifische Symptome wie lokalisierte Katarakt, Pigmentdispersion mit/ohne Sekundärglaukom, Glaskörperblutung, Netzhautablösung, umschriebene Episkleritis oder Uveitis zur Diagnose. Neben lokalisierten Tumoren kann sehr selten ein ringförmig diffuses Wachstum (Ringmelanom) mit früher Invasion des Kammerwinkels („einseitiges Pigmentglaukom“!) auftreten, wobei der Tumor nur schwer nachzuweisen ist und deshalb oft spät diagnostiziert wird.

Diagnostik. Bei Irismelanomen muss eine Ausdehnung des Tumors nach posterior ausgeschlossen werden. Bei Ziliarkörpermelanom evtl. Feinnadelbiopsie zum Tumornachweis. Zum Ausschluss eines primär extraokularen Primärtumors/Metastasen sind Röntgen-Thorax, Abdomensonographie und dermatologische, urologische bzw. gynäkologische Untersuchungen durchzuführen.

Differenzialdiagnose. Irisnävus.

Therapie. Liegt eine eindeutige Wachstumstendenz vor, besteht die Therapie umschriebener Irismelanome meist in primär Bulbus-er- haltenden, operativen Maßnahmen (Iridektomie, Iridozyklektomie). Gelingt die Exzision, ist häufig eine gute Visusprognose gegeben. Wesentlich schwieriger sind die diffusen Irismelanome zu behandeln, die wegen des Sekundärglaukoms mit einer deutlich schlechteren Visusprognose verbunden sind und im fortgeschrittenen Stadium häufig zur Enukleation führen. Dies gilt ebenso für die diffus wachsenden Ziliarkörpermelanome.

Prognose. Die Prognose quoad vitam ist für Irismelanome gut, eine Metastasierung sehr selten. Die Melanome des Ziliarkörpers haben wie alle uvealen Melanome eine schlechte Prognose, da sie spät diagnostiziert werden.

B. Metastasen von Iris und Ziliarkörper

Irismetastasen sind selten und machen etwa 5–10 % aller okulären Metastasen aus. Häufig besteht gleichzeitig eine Beteiligung des Ziliarkörpers. Sie entstehen in Folge einer hämatogenen Metastasierung extraokularer Tumoren. Betroffen sind vorwiegend Patienten mit höherem Lebensalter. Primärtumoren sind v. a. Mamma- (B) und Bronchialkarzinome, seltener kutane Melanome, gastrointestinale Karzinome und bronchiale Karzinoide.

Klinisch ist ein weißlich-fleischfarbener Tumor (Pigmentierung bei Melanommetastase) mit unregelmäßiger Oberfläche zu beobachten. Meist unilokulär, gelegentlich multilokulär, selten bilateral. In etwa 1/3 gleichzeitig ipsioder kontralaterale Metastase der Aderhaut. Die Verdachtsdiagnose wird klinisch gestellt, meist ist der Primärtumor bereits bekannt. Differenzialdiagnostisch kommen amelanotisches Melanom, Granulome, Xanthogranulome oder Leiomyome infrage. Die Therapie des Primärtumors steht im Vordergrund (interdisziplinäre Zusammenarbeit), zusätzlich sind externe Bestrahlung oder Brachytherapie möglich, seltener chirurgische Exzision der Metastase.

Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden! Aus T. Schlote u.a.: Taschenatlas Augenheilkunde (ISBN 3-13-131481-8) © 2004 Georg Thieme Verlag, Stuttgart

A. Malignes Melanom von Iris und Ziliarkörper

a Irismelanom

b Ziliarkörpermelanom

Maligne Tumoren

cNach anterior durchgebrochenes Ziliarkörpermelanom

eDurchbruch eines Ziliarkörpermelanoms durch die Lederhaut entlang einer Emissarie

dMakroskopischer Befund eines Ziliarkörpermelanoms

B.Metastasen von Iris und Ziliarkörper

121

Metastase eines Mammakarzinoms

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A. Malignes Melanom der Aderhaut

Das maligne Melanom der Aderhaut ist der häufigste primäre maligne intraokulare Tumor.

Ätiologie/Pathogenese. Ungeklärt.

 

Epidemiologie. Inzidenz uvealer Melanome

 

etwa 6 von 1 Million Einwohner pro Jahr. Davon

 

80–90 % Melanome der Aderhaut. Häufigkeits-

 

gipfel in der 6./7. Lebensdekade.

 

Klinik. Symptome sind Visusabfall und Ge-

Regenbogenhaut

sichtsfeldeinschränkung, seltener Veränderun-

gen der Iris/Pupille nach Tumordurchbruch in

 

 

die Vorderkammer. Die klinische Untersuchung

 

zeigt einen meist unilokulären Tumor, über-

 

wiegend im Bereich der posterioren Uvea. Ge-

 

legentlich vermehrte episklerale Gefäßfüllung

 

über dem Tumor („Wächtergefäße“). Der Tumor

und

besitzt eine glatte Oberfläche mit bräunlich-

grau-schwarzer Farbe (weiße Farbe bei amela-

 

Aderhaut

notischem Melanom). Stark melanomverdäch-

mors sowie eine Pilzform (Ab u. c) des Tumors.

 

tig sind oberflächliche Lipofuszinablagerungen

 

(„Orangepigment“, Aa), eine tumorinduzierte,

 

exsudative Ablatio am unteren Rand des Tu-

10

Bei nekrotischen Melanomen häufig intraoku-

lare Entzündung (etwa 5 % aller Aderhautmela-

 

 

nome imponieren primär als Entzündung). Ge-

 

legentlich Sekundärglaukom mit Rubeosis iridis

 

oder direkter Kammerwinkelinvasion. Ader-

 

hautmelanome wachsen langsam mit einer Tu-

 

morverdopplungszeit von etwa 30 Tagen (epi-

 

theloidzelliges Melanom, Ad) bis 350 Tagen

 

(spindelzelliges Melanom).

 

Diagnostik. Diagnose anhand des klinischen

 

Bildes, Echographie und Diaphanoskopie. Evtl.

 

Feinnadelbiopsie. Ausschluss eines primär

 

extraokularen Tumors/Metastasen durch Rönt-

 

gen-Thorax (oder Thorax-CT), Oberbauchsono-

 

graphie, konsiliarische Untersuchung in Der-

 

matologie, Gynäkologie, Urologie (evtl. Ganz-

 

körper-NMR).

 

Differenzialdiagnose. Aderhautnävus und -me-

 

tastasen, disziforme Makuladegeneration, Ader-

 

hautblutung und -abhebung, Hypertrophie des

 

retinalen Pigmentepithels, Hamartome.

 

Therapie. Erfolgt in Abhängigkeit vom Allge-

 

meinzustand und Alter des Patienten, Tumor-

 

größe und -lokalisation sowie begleitenden

 

okulären Veränderungen. Es stehen eine Reihe

 

von Therapieoptionen zur Verfügung: Beob-

122achtung ohne Intervention, lokale Strahlentherapie über Applikatoren (Brachytherapie), di-

rekte Zerstörung des Tumorgewebes durch

Laserenergie (transpupillare Thermotherapie = TTT), Endoresektion des Tumors, transsklerale Tumorresektion und Enukleation. Insgesamt besteht ein Trend hin zu primär bulbuserhaltenden Maßnahmen.

Prognose. Trotz unterschiedlicher Therapieformen gleichbleibende Mortalitätsrate. Etwa 40 % der Patienten entwickeln Lebermetastasen innerhalb von 10 Jahren nach Diagnosestellung. Die mittlere Überlebenszeit nach Auftreten einer Lebermetastase liegt zwischen 2 und 7 Monaten. Prognostische Parameter für die Entwicklung von Metastasen sind Tumorlokalisation (v. a. Ziliarkörperbeteiligung), Tumorgröße (größter Tumordurchmesser), histologischer Zelltyp (epitheloide Zellen), Tumorinvasion (tiefe Sklera, extraokulares Wachstum) sowie bestimmte Gefäßmuster und die Monosomie 3 im Tumor.

B. Metastasen der Aderhaut

Metastasen sind die häufigsten intraokularen Malignome überhaupt, von denen etwa 80– 90 % in der Aderhaut lokalisiert sind. Sie entstehen überwiegend im höheren Lebensalter als Folge einer hämatogenen Metastasierung extraokularer Tumoren. Hauptsächlich sind es Karzinome, v. a. das Mammakarzinom (Ba, insgesamt 40–50 %) und Bronchialkarzinom (Bb, 20–30 %), seltener Tumoren des Gastrointestinaltraktes, der Niere oder Karzinoide. Von den nicht epithelialen Tumoren ist das maligne kutane Melanom der häufigste in die Aderhaut streuende Tumor.

Die meisten Aderhautmetastasen sind am hinteren Pol lokalisiert. Leitsymptom ist eine schmerzlose Sehverschlechterung. Das klinische Bild ist durch unioder multilokuläre gelbliche, gräuliche oder graurote Infiltrationen gekennzeichnet, die wenig prominent sind. Häufig besteht eine begleitende exsudative Netzhautablösung.

Die Therapie des Grundleidens ist auch die Therapie der Aderhautmetastasen (Chemooder Hormontherapie). Darunter oft Rückgang der okulären Metastasen. Ergänzend auch lokale Bestrahlung. Die Prognose quoad vitam ist aufgrund der Tumorgeneralisation schlecht.

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A. Malignes Melanom der Aderhaut

a Aderhautmelanom mit Orangepigment

b Ultraschallbild eines Aderhautmelanoms mit typi-

 

scher Pilzform

c Aderhautmelanom mit Kragenknopfphänomen

d Histologie eines epitheloidzelligen Aderhautmela-

bei Durchbruch der Bruch-Membran

noms

B. Metastasen der Aderhaut

a Multilokuläre Metastase eines Mammakarzinoms

b Metastase eines Bronchialkarzinoms

Malignes Melanom der Aderhaut

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A. Operative Veränderungen

Die gut durchblutete Uvea unterliegt bei Eingriffen stets einem besonderen Blutungsrisiko und neigt zu entzündlichen Veränderungen. Eine Alteration der Iris, z. B. bei Kataraktoperation, kann schnell zur Ausbildung einer Fibrinreaktion der Vorderkammer, eine ausgiebige Panlaserkoagulation der Retina zu einer konsekutiven Aderhautschwellung führen. Eine

Regenbogenhaut

sehr seltene Komplikation ist das choroidale

Effusionssyndrom, wobei die massive Ader-

 

 

hauteinblutung durch eine relativ plötzliche

 

Absenkung des Augeninnendrucks während

 

eines operativen Eingriffs ausgelöst werden

 

kann. Postoperativ findet sich v. a. nach druck-

 

senkenden Eingriffen gelegentlich eine Ader-

und

hautabhebung (A), die durch den niedrigen Au-

geninnendruck bedingt wird und sich bei

 

Aderhaut

Anstieg des Augeninnendrucks wieder spontan

zurückbildet.

 

 

B. Veränderungen der Uvea bei penetrie-

 

renden Traumata

10

Penetrierende Verletzungen des Auges sind of-

fene Augenverletzungen, die durch das Ein-

 

 

dringen spitzer oder scharfer Objekte in das

 

Auge entstehen. Jüngere Männer und Kinder

 

sind überwiegend betroffen. Eine Beteiligung

 

der Uvea liegt praktisch immer vor. Dabei

 

kommt es zum direkten Zerreißen uvealen Ge-

 

webes oder dessen Schädigung durch Prolaps

 

in den Wundspalt (B). Die Diagnose ist meist

 

unproblematisch. Bei ensprechender Anamne-

 

se sind bildgebende Verfahren durchzuführen,

 

um intraokulare Fremdkörper zu erfassen. Pri-

 

märe Versorgung durch wasserdichten Ver-

 

schluss der Wunde. Im Rahmen der weiteren

 

Versorgung kann die Korrektur von Gewebe-

 

defekten (z. B. Pupillendefekt durch Iriseinriss)

 

erfolgen. Spätkomplikation ist u. a. die sympa-

 

thische Ophthalmie (s. u.).

 

C. Contusio bulbi

 

Die Contusio bulbi bezeichnet eine Prellungs-

 

verletzung des Auges durch stumpfe Gewaltein-

 

wirkung.

 

Ätiologie/Pathogenese. Die Verletzungen ent-

 

stehen durch:

Kompression des vorderen Augenabschnittes 124 mit Expansion des Bulbusäquators,

die der Kompressionsphase nachfolgende Ex-

pansionsphase mit Längsausdehnung des Bul-

bus (Verletzungen des hinteren Augenabschnittes),

die Fortleitung der Kontusionswelle (Coup- Contrecoup-Effekt).

Bei extemen, die Widerstandskraft der Bulbuswand übersteigenden Kompressionskräften kommt es zur Bulbusruptur, häufig mit Prolaps uvealen Gewebes.

Epidemiologie. 1–7 % aller okulären Verletzungen. Überwiegend jüngere Männer (> 80 %). Klinik. Eine Vielzahl okulärer Strukturen kann unterschiedlich stark betroffen sein. Häufige nichtuveale Veränderungen sind Lidödem/ -hämatom, Bindehautrötung, Katarakt und das Berlin-Ödem der Retina. Zu den uvealen Veränderungen gehören Iritis (100 %), Kammerwinkelrezessus (50–80 %), Abriss der Iriswurzel (Iridodialyse, 4–30 %, Ca), Vorderkammerblutung (50–60 %, Cb), Mydriasis (bis 50 %) sowie seltener Irissphinkterrisse (Cc), Zyklodialyse, Aderhautblutung, Aderhautruptur (Cd), Retinopathia sclopetaria (Ruptur von Netzhaut und Aderhaut) und spätere Aderhautatrophie. Diagnostik. Die Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes. Bei Verdacht auf Bulbusberstung oder Orbitafrakturen: CT. Differenzialdiagnose. Gedeckte Bulbusberstung, penetrierende Verletzung mit/ohne intraokularen Fremdkörper.

Therapie. Die Contusio bulbi wird konservativ behandelt: körperliche Schonung, Leseverbot, lokal Kortikosteroide je nach Reizzustand, drucksenkende Medikamente bei Bedarf. Bei fehlender Resorption einer Vorderkammerblutung, Entwicklung einer Hämatokornea und medikamentös nicht kontrollierbarer Augeninnendruckerhöhung erfolgt die chirurgische Entfernung des Hyphämas. Bei Bulbusberstung prinzipiell operative Versorgung.

Prognose. Zumeist sehr gute Visusprognose. Prävalenz des traumatischen Sekundärglaukoms etwa 0,5–9 %. Die Visusprognose ist deutlich schlechter, wenn eine Aderhautruptur am hinteren Pol, Bulbusruptur, Hämophthalmus, Netzhautablösung oder traumatische Optikusneuropathie vorliegen.

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A. Operative Veränderungen

B. Penetrierende Verletzungen

Aderhautabhebung

Hornhautwunde mit Irisprolaps

C. Contusio bulbi

a Irisdialyse

b Hyphäma

c Irissphinkterriss und traumatische Kontusionsro- d Aderhautruptur sette der Linse

Operationen/Verletzungen

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10 Aderhaut und Regenbogenhaut

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A. Definition und Klassifikation uvealer

Die chronische Uveitis anterior (Bc) zeigt einen

langsam schleichenden Verlauf bei äußerlich

Entzündungen

reizfreiem Auge. Es bestehen keine Schmerzen,

Als Uveitis werden primäre Entzündungen der

sodass die Sehverschlechterung als Hauptbe-

Uvea unterschiedlicher Ätiologie bezeichnet.

schwerde wahrgenommen wird. Wegen der an-

Unter anatomischen Gesichtspunkten wird un-

fangs geringen Symptomatik wird die Diagno-

terschieden in:

se gerade bei Kindern mit juveniler

Uveitis anterior: Iritis, Iridozyklitis;

idiopathischer Arthritis oft spät gestellt. Bei

Uveitis intermedia;

langem Verlauf treten dann sekundäre Verän-

Uveitis posterior: Choroiditis, Chorioretinitis,

derungen wie bandförmige Hornhautdegenera-

Retinochoroiditis;

tion (Bd), Sekundärkatarakt (Cataracta subcap-

Panuveitis: Uveitis anterior et posterior.

sularis posterior) und Sekundärglaukom hinzu.

 

Diagnostik. Sorgfältige Allgemeinanamnese, da

Der Verlauf kann akut, akut-rezidivierend oder

die Uveitis anterior oft Begleitphänomen sys-

chronisch (Entzündung > 3 Monate persistie-

temischer Erkrankungen ist. Teilweise führt ein

rend) sein. Hinsichtlich der Ätiologie sind in-

typisches klinisches Bild (Heterochromiezy-

fektiöse, traumatische, iatrogene (postoperativ,

klitis, Herpes-simplex-Keratouveitis) direkt

medikamentös), immunologisch mediierte (mit/

zur Diagnose. Bei der Untersuchung ist auf

ohne Systemerkrankung) und idiopathische

Komplikationen der Uveitis anterior zu achten

Formen zu unterscheiden.

(Makulaödem, Katarakt, Glaukom). Röntgen-

B. Uveitis anterior

Thorax zum Ausschluss aktiver Tuberkulose

und Sarkoidose. Serologisch Ausschluss von

Die Uveitis anterior ist eine Entzündung, die

Lues und Borreliose. Zusätzlich Angiotensin-

sich auf die Regenbogenhaut (Iritis) oder auf

Converting-Enzym (ACE) als Marker für Sarkoi-

Regenbogenhaut und Ziliarkörper (Iridozykli-

dose und evtl. HLA-B27 bei akut-rezidivierender

tis) beschränkt.

Uveitis anterior. Bei Allgemeinbeschwerden

Ätiologie/Pathogenese. Häufigste Ursache einer

immer Abklärung einzufordern. Bei Kindern

infektiösen Uveitis anterior in Westeuropa sind

Nachweis antinukleärer Antikörper (ANA) und

Borreliose, Tuberkulose, Lues, Herpesviren. Ein

rheumatologisch-pädiatrische Untersuchung

großer Teil ist nichtinfektiös und als primär auto-

hinsichtlich juveniler idiopathischer Arthritis.

immunologisches Geschehen zu interpretieren

Differenzialdiagnose. Alte Ablatio retinae, Pig-

(Tab. 1). Bei 40–60 % der akuten Formen Assozi-

mentdispersionssyndrom, intraokulare Blu-

ation zu HLA-B27. Traumatisch nach Kontusion,

tungen, Endophthalmitis.

intraokularen Verletzungen und Eingriffen, sel-

Therapie. Bei infektiöser Genese entsprechen-

ten durch Medikamente oder Kontaktlinsen.

de Therapie mit Virustatika oder Antibiotika

Epidemiologie. Häufigste Form der Uveitis (ca.

(z. B. bei Borreliose). Nichtinfektiöse Uveitiden

60 %). Für alle Uveitiden wird von einer Inzi-

werden symptomatisch behandelt. Die lokale

denz von ca. 17/100 000 und Prävalenz von ca.

Therapie besteht aus Kortikosteroid-Augen-

34/100 000 ausgegangen.

tropfen und Mydriatika/Zykloplegika zur Ver-

Klinik. Die akute Uveitis anterior ist durch ihren

meidung hinterer Verklebungen zwischen Iris

plötzlichen Beginn mit Schmerzen, Rötung des

und Linse und zur Schmerzdämpfung durch

Auges, Tränenlaufen, Blendungsempfindlich-

Ruhigstellung des Ziliarkörpers. Evtl. ergän-

keit und Sehverschlechterung gekennzeichnet.

zend auch subkonjunktivale, parabulbäre oder

Es finden sich häufig eine gemischte Injektion

orale Gabe von Kortikosteroiden. Bei chroni-

(konjunktival und ziliar, Ba), Hornhautrück-

scher oder häufig rezidivierender Uveitis selten

flächenbeschläge (Bb), ein kräftiger Vorder-

auch Immunsuppression.

kammerreizzustand (Zellen, Tyndall) bis hin zu

 

einer Fibrinreaktion, eine Reizmiosis und be-

 

reits beginnende oder vorbestehende Verkle-

 

bungen zwischen Iris und Linse. Besonders

 

schwere Verläufe gehen mit einem Hypopyon

 

(Leukozytenablagerung am Boden der Vorder-

 

kammer) einher.

 

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B. Uveitis anterior

Tab. 1 Systemerkrankungen bei Uveitis anterior

Gelenke

seronegative Spondylarthropathien

 

juvenile idiopathische Arthritis

Bindegewebe

systemischer Lupus erythematodes

 

rezidivierende Polychondritis

 

Dermatomyositis

Vaskulitiden

Morbus Behçet

 

Polyarteriitis nodosa

 

Wegener-Granulomatose

 

Cogan-Syndrom II

infektiös/granulomatös

Syphilis

 

Tuberkulose

 

Borreliose

 

Lepra

 

Herpes simplex

 

Sarkoidose

Darm

Colitis ulcerosa

 

Morbus Crohn

Niere

TINU-Syndrom

Haut

Zoster ophthalmicus

 

 

a Ziliare Injektion

b Speckige Hornhautrückflächenbeschläge in der

 

unteren Hornhauthälfte

Uveitis

c Chronische Uveitis anterior mit hinterer Synechie- d Bandförmige Hornhautdegeneration

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rung und Sekundärkatarakt

 

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A. Herpes-simplex-Keratouveitis

 

Die durch eine Reaktivierung von HSV-1 aus-

 

gelöste akut-rezidivierende Keratouveitis im-

 

poniert durch eine aufgehobene Hornhautsen-

 

sibilität, Keratitis (oft vorbestehende Horn-

 

hautstromanarben mit Neovaskularisation, A),

 

Vorderkammerreizzustand, Verklebungen zwi-

 

schen Iris und Linse und diffusen Irispigmen-

 

tepitheldefekten. Sekundärkatarakt und -glau-

Regenbogenhaut

kom (Trabekulitis) sind häufig. Lokal antient-

zündliche und virustatische Therapie sowie sys-

 

 

temische virustatische Therapie über längere

 

Zeit, auch zur Rezidivprophylaxe.

 

B. Heterochromiezyklitis (Fuchs)

 

Die Fuchs-Heterochromiezyklitis ist eine selte-

und

ne, in 90 % einseitige, chronische Iridozyklitis

unklarer Genese ohne ethnische, Altersoder

 

Aderhaut

Geschlechtsprädilektion. Meist wenig Sympto-

Heterochromie (betroffenes Auge heller! Ba), dif-

 

me, gelegentlich rezidivierende Vorderkam-

 

merblutung. In klassischer Form charakteri-

 

siert durch ein äußerlich reizfreies Auge, eine

10

fus über die gesamte Hornhautrückfläche ver-

teilte, feine, teils sternförmige Rückflächenbe-

 

 

schläge, mäßiger Vorderkammerreizzustand,

 

Irisstromaatrophie (Bb), Fehlen von Verklebun-

 

gen zwischen Iris und Linse, Sekundärkatarakt

 

(hintere Schalentrübung) und zelluläre Infil-

 

tration des stark degenerativ veränderten Glas-

 

körpers. Häufig Gefäßanomalien im Kammer-

 

winkel. Keine retinale Beteiligung. Meist milder

 

Ausprägungsgrad, sodass eine Therapie nicht

 

notwendig ist. Die Entzündung ist zudem kaum

 

durch Kortikosteroide beeinflussbar. Haupt-

 

problem ist die Entwicklung eines schwer be-

 

handelbaren Sekundärglaukoms bei 5–60 %

 

aller Patienten.

 

C. Uveitis intermedia

 

Als Uveitis intermedia werden intraokulare

 

Entzündungen bezeichnet, die durch entzünd-

 

liche Glaskörperveränderungen, retinale Ge-

 

fäßeinscheidungen und/oder eine vorwiegende

 

Infiltration der Pars plana des Ziliarkörpers

 

(Pars planitis) charakterisiert sind. Infiltratio-

 

nen der Aderhaut gehören nicht zum Krank-

 

heitsgeschehen (vgl. Uveitis posterior).

 

Ätiologie/Pathogenese. Die Ätiologie bleibt

128meist unklar. Bekannte Ursachen sind Borreliose, Syphilis, Sarkoidose. Assoziation mit Ence-

phalomyelitis disseminata.

Epidemiologie. 5–20 % aller Uveitiden, 1/3 der kindlichen Uveitiden. 70–90 % beidseitig. Klinik. Leitsymptom ist die schmerzlose Sehverschlechterung (Verschwommensehen, bewegliche Trübungspunkte). Oft Zufallsbefund, da das Auge oft äußerlich reizfrei ist. Sehschärfe je nach Ausprägung der Entzündung variabel. Vorderkammerreiz kann vorliegen. Im Glaskörper finden sich meist zahlreiche Zellen, zusätzlich oft schlieriger Umbau des Glaskörpergerüstes (Ca, b). Peripher bevorzugt in der unteren Zirkumferenz weißliche, flauschig bis scharf begrenzte Akkumulation von Entzündungszellen („Snow Balls“, Cc). Bei der Pars planitis können sich die Veränderungen als auf der Pars plana aufliegende dichte weißliche Membranen („Snow Banks“) beschränken. Oft v. a. periphere entzündliche Einscheidungen bevorzugt venöser Gefäße. Bei chronisch persistierender Entzündung häufig Komplikationen wie Makulaödem, Sekundärkatarakt und Sekundärglaukom. Über Glaskörpertraktionen Gefahr von Blutungen und Lochbildung mit Netzhautablösung.

Diagnose. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Borreliose, Syphilis und Sarkoidose sind auszuschließen (Serologie, Röntgen-Thorax). Bei Symptomen einer Encephalomyelitis disseminata neurologische Abklärung.

Differenzialdiagnose. Endophthalmitis, Mas- querade-Syndrom (intraokulares Lymphom, alte Netzhautablösung).

Therapie. Bei infektiöser Genese antibiotisch. Bei idiopathischen Fällen mit guter Sehschärfe, geringer Entzündungsaktivität und Fehlen von Komplikationen Befundkontrolle ohne Therapie. Bei leichter Entzündungsaktivität evtl. parabulbäre Kortikosteroidgabe. Stärkere Entzündungen mit Makulaödem bedürfen einer systemischen Therapie mittels oraler Gabe von Kortikosteroiden (initial 1–2 mg Prednisolonäquivalent/kg KG/Tag), bei Makulaödem evtl. kombiniert mit Carboanhydrasehemmern (Acetazolamid). Bei schwerem Verlauf auch Immunsuppression (z. B. Cyclosporin A).

Prognose. Überwiegend gute Visusprognose.

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A. Herpes-simplex-Keratouveitis

C. Uveitis intermedia

a Zellige Infiltration des vorderen Glaskörpers

B. Heterochromiezyklitis

Uveitis

a Heterochromie und Katarakt am rechten Auge

b Retinale Gefäßeinscheidungen und Glaskörper-

 

membranen

b Retroillumination der Iris, Defekte des Irispig-

c Snow Balls im Glaskörper

129

mentepithels

 

 

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