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Text 2. Interview mit dem Alpinisten-Paar Kaltenbrunner/Dujmovits

Sie gehören zu den erfolgreichsten Höhenbergsteigern der Welt: Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits aus Bühl im Schwarzwald haben alle 14 Achttausender bestiegen. Dem Paar gehen die Ziele nicht aus.

Frau Kaltenbrunner, Sie haben als erste Frau alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen. Und Ihr Mann ist der einzige Deutsche, der ebenfalls auf den Gipfeln sämtlicher Achttausender gestanden hat. Was bedeuten Ihnen Beiden diese Rekorde?

GERLINDE KALTENBRUNNER: Dass ich das als Erste geschafft habe, bedeutet mir nicht viel. Mein Wunsch und mein Ziel war immer, ohne Flaschensauerstoff auf Achttausender zu steigen. Mein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen.

RALF DUJMOVITS: Ich bin genauso wenig rekordorientiert. Irgendwann sind immer mehr Achttausender zusammengekommen, dann will man die fehlenden auch noch machen. Das war ein langer Weg ohne Verluste: Wir haben beide nichts an Zehen und Händen erfroren, das ist selten.

Herr Dujmovits, Sie waren zwar schon auf dem Mount Everest, aber das ist der einzige Achttausender, bei dem Sie künstlichen Sauerstoff zu Hilfe genommen haben. In der Zwischenzeit haben Sie fünf gescheiterte Versuche ohne Flaschensauerstoff unternommen. Ist das Kapitel Everest damit für Sie beendet?

DUJMOVITS: Die Idee ist nicht abgeschrieben, aber ich möchte keinen Normalweg gehen, sondern eine andere Route versuchen. Wann und welche das sein wird, ist noch unklar. Aber ich werde noch einen Versuch unternehmen.

2010 mussten Sie wegen einer Erkältung am Everest absteigen, Ihre Frau war oben. 2011 am K2 haben Sie abgebrochen wegen zu großer Lawinengefahr. Da hat Gerlinde Kaltenbrunner ihren letzten fehlenden Achttausender gemacht. Wie entscheiden Sie, wenn einer umkehren möchte?

DUJMOVITS: Das war ein langjähriger Prozess. 2004 am Annapurna war es sehr gefährlich, da haben wir gemerkt, dass es da Klärungsbedarf gibt. Danach haben wir Regeln aufgestellt, weil es unter Stress eben keine guten Ergebnisse gibt. Wenn es dem, der absteigen will, gut geht, kann der andere weiter aufsteigen. Am K2 hatte ich wegen der Schneemenge ein ungutes Gefühl, es war aber klar, dass Gerlinde weitersteigt. Jeder hat die Entscheidung des anderen akzeptiert.

Sind Sie risikofreudiger, Frau Kaltenbrunner?

KALTENBRUNNER: Es ist nie ganz einfach zu entscheiden, das gilt auch als Paar. Ralf war ja schon auf dem K2 gewesen, da ist die Risiko-Wahrnehmung und –Bereitschaft dann doch anders. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Ich habe Vertrauen, wenn ich das Gefühl habe, das kann klappen, auch wenn ein Risiko vorhanden ist.

Der Augenblick der Trennung kann ja sehr dramatisch sein.

DUJMOVITS: Wenn das unterschiedliche Bauchgefühl so groß ist, kann das natürlich unabsehbare Folgen haben. Aber man muss den andern mit Vertrauen ziehen lassen – wie auch sonst im Leben.

KALTENBRUNNER: Wenn wir uns verabschieden, haben wir beim letzten Blickkontakt das sichere Vertrauen: Wir sehen uns wieder.

DUJMOVITS. Sonst wäre das ja auch gar nicht auszuhalten.

Frau Kaltenbrunner, 2010 ist beim Versuch, den K2 zu besteigen, Ihr schwedischer Begleiter Fredrik Ericsson an Ihnen vorbei in den Tod gestürzt. Wie gehen Sie mit solchen Tragödien um?

KALTENBRUNNER: Man kann sich noch so vorbereiten, aber das hat mich total runtergezogen. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, am K2 gescheitert zu sein, weil wir nicht gemeinsam wieder runter gekommen sind. Es war tragisch, aber es ist nicht in Frage gekommen, mit dem Bergsteigen aufzuhören. Das hilft niemandem. Es ist unser Lebenselixier. Mit dem Abstand haben wir dann einen Zugang gefunden: Wir haben es nicht wieder auf der pakistanischen Seite versucht, sondern über den Nordpfeiler. Der Gedanke an Fredrik war da nicht negativ, sondern eine positive Begleitung.

Lawinen, Steinschlag und Wetterstürze haben im Himalaya eine ganz andere Dimension. Ist die Absturzgefahr bei Ihnen immer ein Thema?

DUJMOVITS: Wenn das immer präsent wäre, würde es einen blockieren. Aber man geht oft seilfrei, und in der Höhe wird man etwas risikofreudiger.

Sie haben als Profi-Bergsteiger eigentlich fast alles erreicht. Nimmt da der Druck zu, etwas ganz Besonderes versuchen zu müssen?

KALTENBRUNNER: Das Interesse an uns ist da, aber ich spüre keinen Druck, was Neues und Besonderes zu machen. Man muss auf sich selbst hören und das mit Begeisterung vorantreiben.

DUJMOVITS: Wir haben beide ein sehr partnerschaftliches Verhältnis zu unseren Sponsoren, da ist nie vorgegeben worden, was wir machen. Wir waren immer frei. Wir entwickeln eigene Pläne, in die wir unsere ganze Erfahrung einbringen.