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Arbeitsbuch für Mediziner-2.docx
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10. Lektion Die Leber

In der klassischen chinesischen Medizin wird die Leber als eines der führenden Körperorgane angesehen. Die traditionelle chinesische Heilslehre legt noch immer großen Wert auf dieses Organ und die Möglichkeit, wie seine Überfülle oder Leere zu einer Vielzahl von Krankheitszeichen führen kann. Man kann sie mit einer Zoll-Station vergleichen, da jede Einfuhr über sie verläuft und ohne Leberpassage keine körperfremde Substanz aus dem Verdauungskanal in den Organismus gelangen kann.

Die Leber (Hepar) ist ein Organ mit sehr großen inneren Reserven und einer erstaunlichen Regenerationsfähigkeit. Es wird geschätzt, dass ein Siebentel der Lebermasse ausreiche, um die vitalen Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Beim Ausfall von sechs Siebentel des Lebergewebes sei dieses Organ noch in der Lage, sich wieder zu erholen, neue Leberzellen zu bilden und sich zu regenerieren. Sie ist ein weiches, sich der Körperform weitgehend anpassendes Organ und liegt größtenteils im rechten oberen Teil der Bauchhöhle unmittelbar unter dem Zwerchfell. Die Leber ist am Zwerchfell bindegewebig angeheftet, macht also die Atembewegungen des Zwerchfells teilweise mit. Sie ist mit ihrem Gesamtgewicht von etwa 2 kg die größte Drüse des Körpers. Die Leber besteht aus einem größeren rechten Lappen, Lobus dexter, und einem kleineren linken Lappen, Lobus sinister. Die zwei Lappen lassen sich in Segmente und diese wiederum in viele Leberläpchen unterteilen. Die Trennung der beiden Lappen ist deutlich durch eine etwa senkrecht verlaufende Furche zu erkennen. Die Elastizität der Leber ist gering, sie bricht oder zerreißt verhältnismäßig leicht.

Die Leber spielt im Organismus die Rolle einer filtrierenden Station. Die Leberzellen entnehmen dem Blut die schädlichen Stoffe, sie regulieren auch den Zuckerstoffwechsel im Körper und versorgen die Muskeln mit Energie.

Die Leber stellt ein großes chemisches Laboratorium dar, dessen Funktionen in einer Millionenzahl von winzigen Kämmerchen, den Leberläppchen ablaufen. Das Leberläppchen ist ein vielseitiger kleiner Körper von 1-2 mm Durchmesser. Jedes dieser Leberläppchen setzt sich aus etwa 350 000 Zellen verschiedener Konstruktion zusammen. Jede dieser Zellen enthält etwa 2000 feinste Kügelchen - die "Mitochondrien" und schließlich noch nur mit Elektronenmikroskop nachweisbare winzigste Körperchen, die "Mikrosomen". Diese feinsten Körperchen sind die Hauptträger der eigentlichen Leberarbeit.

Die Leber ist der zentrale Ort zur Nahrungsaufbereitung, sie ist chemisch an mehr als 500 verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Sie besitzt drei Hauptfunktionen:

- spielt eine Schlüsselrolle im Kohlenhydratstoffwechsel; die Glukose aus der Verdauung wird chemisch in Glykogen umgewandelt, das in der Leber und anderen Organen speicherbar ist. Die überschüssige Glukose wird als Fett in den Fettzellen des Körpers gestapelt;

- spielt eine Schlüsselrolle im Fettstoffwechsel; bestimmte Lipide werden dazu benutzt, verschiedene lebenswichtige Fettsubstanzen zu synthetisieren, besonders Cholesterin. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil von Hormonen und bedeutsam für die Funktion der Nervenzellen;

- spielt eine Schlüsselrolle im Eiweißstoffwechsel. Unbrauchbare Proteine werden in Aminosäuren und kleineren Einheiten gespaltet, die dann wieder dem Aufbau nützlicher Eiweiße dienen. Die Proteine unterscheiden sich von den übrigen Grundnahrstoffe durch ihren Gehalt an Stickstoff. Der in der Leber anfallende „freie“ Stickstoff, der den Bedarf des Eiweißaufbaues übersteigt, wird in Harnstoff umgewandelt – ein Sekretionsprodukt der Leber, das an den Blutstrom abgegeben, von den Nieren herausfiltriert und mit dem Urin ausgeschieden wird.

In der Leber wird die Galle gebildet und über die Gallenkanälchen aus den Leberläppchen abtransportiert. Eine der Aufgaben der Galle ist es, die Fette im Darm in feinste Tröpfchen zu spalten (Emulgierung). Die Galle besteht aus Gallensalzen, Lipiden, Cholesterin und Farbstoffen, Eiweiße und Mineralsalzen, wie Natron. Ihre gelbe Farbe rührt vom Bilirubin her, das aus dem Abbau des Hämoglobins der roten Blutkörperchen stammt (ein erhöhter Bilirubingehalt im Blut ist die Ursache der „Gelbsucht“).

Zusammen mit der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse, die sich mit der Leber im Oberbauch befinden, zählt die Leber außerdem zum wichtigsten Verdauungsapparat. Durch das Produzieren von Galle in der Leber sowie von wichtigen Proteinen in der Bauchspeicheldrüse ist es ein" Zusammenspiel" dieser Drüsen, die für ein funktionierendes Verdauungssystem des Körpers verantwortlich sind. Die Leber entwickelt ca. einen halben Liter Gallenflüssigkeit pro Tag, die in der sackförmigen Gallenblase gesammelt wird und von wo sie dann an den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Der regelmäßige Verzehr von zu fettem Essen kann sich auf den Cholesterinspiegel negativ auswirken. Das Ansteigen des Spiegels führt dazu, dass die Gallenflüssigkeit anfängt zu klumpen, schmerzhafte Gallensteine entstehen.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Leber in der Schwangerschaft, wo sie für die Blutbildung des Fetus verantwortlich ist. Deshalb sollte man während der Schwangerschaft auf den Genuss von Alkohol vollkommen verzichten. Die Leber dient als zentrales Organ um Gerinnungsfaktoren zu bilden, ohne diesen Vorgang würde man verbluten. Hierbei werden, die in der Leber gebildeten Aminosäuren, zur Bildung der wichtigen Eiweißstoffe zur Heilung von Verletzungen benötigt.

Durch Alkohol, Medikamente oder anderen körperfremden Stoffen wird die Leber belastet. Sobald die Leber zu großen Belastungen auf längere Zeit ausgesetzt ist, z. B. beim Alkoholmissbrauch, wird die Leber geschädigt. Giftstoffe jeglicher Art spielen eine Rolle bei der Entstehung und Entwicklung fast aller Leberkrankheiten. Bei allen Formen der Lebererkrankungen ist eine disziplinierte Diät unerlässlich.

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