- •Die grammatische Kategorie der Genera verbi
- •2. Die Oppositionsverhältnisse zwischen Aktiv und Passiv
- •3. Die Aussparung des Agens in der Passiv-Diathese transitiver Verben (das sog. Zweigliedrige Passiv)
- •4. Der Passivsatz mit einem Agensobjekt (das sog. Dreigliedrige Passiv)
- •5. Der subjektlose Passivsatz
- •Ich brauche den Leuten nur noch zu sagen, dass sie mich holten, wenn angerufen wurde. (Remarque)
- •6. Das Zustandspassiv (Stativ)
- •7. Das Passivfeld
7. Das Passivfeld
Das Passiv gruppiert um sich mehrere Typen von Wortfügungen sowie einige Wortbildungsmodelle, die eine passivähnliche Bedeutung haben. Die beiden bilden zusammen mit den passivischen Wortformen ein Passivfeld und liegen an seiner Peripherie.
Für das Passivfeld ist typisch, dass es außer den Wortfügungen mit einer rein passivischen Bedeutung mehrere Passivumschreibungen gibt. Die letzteren vereinigen in ihrer Semantik die passivische Bedeutung entweder mit einer modalen Bedeutung (Möglichkeit, Notwendigkeit) oder einer aktionalen Bedeutung (Beginn, Dauer, Resultat).
Rein passivische Bedeutung haben
1) die Wortfügungen bekommen +2. Partizip und seine Synonyme erhalten + 2. Partizip, umgangssprachlich auch kriegen + 2. Partizip.
Er bekommt ein Buch von mir geschenkt / seinen Lohn ausgezahlt / die Strümpfe gestopft / etw. gesagt.
Diese Struktur ist für dreiwertige Verben charakteristisch, die einen Dativ der Person und einen Akkusativ der Sache fordern, z. B. schenken, mitteilen, zeigen, anbieten, auszahlen u. a.
2) Wortfügungen, die aus einem Funktionsverb und einem Verbalsubstantiv bestehen, das eine Tätigkeit bezeichnet:
Die Neuauflage des Buches befindet sich in Vorbereitung (wird vorbereitet).
Das Haus kommt zur Versteigerung (wird versteigert).
Diese Frage steht nicht zur Diskussion (wird nicht diskutiert).
Ähnlich: in der Fertigung sein (gefertigt werden), zur Verlesung kommen (verlesen werden), zum Verkauf / zur Ausgabe gelangen (verkauft / ausgegeben werden), zur Aufführung kommen (aufgeführt werden) u. a.
Die Verbindung der passivischen Bedeutung mit modalen Bedeutungen weisen folgende Strukturen auf:
a) sein + zu +Infinitiv (Möglichkeit, Notwendigkeit)
Das Buch ist in allen Buchhandlungen zu kaufen (kann gekauft werden). Er war nicht vom Fleck zu bringen (konnte: nicht vom Fleck gebracht werden).
Das Gerät ist sofort zu reparieren (muss repariert werden).
b) bleiben + zu + Infinitiv
Es bleibt noch hinzuzufügen, dass... (muss hinzugefügt werden). Es bleibt nichts zu machen (kann nichts gemacht werden).
c) lassen + sich + Infinitiv (Möglichkeit)
Das läßt sich kaum beschreiben (kann kaum beschrieben werden). Das läßt sich machen (kann gemacht werden).
. d) Reflexivkonstruktion + Adjektiv / Adverb (Möglichkeit)
Das Hemd pflegt sich leicht (kann leicht gepflegt werden). Das erklärt sich leicht (kann erklärt werden).
e) es gibt + Infinitiv (Möglichkeit)
Es gibt viel Neues zu berichten (kann berichtet werden).
Es gibt nichts daran auszusetzen (kann nichts ausgesetzt werden).
i) sein + Adjektiv auf -bar, -fähig
Das Flugzeug ist bereits sichtbar (kann gesehen werden).
Die Wohnung ist ausbaufähig (kann ausgebaut werden).
h) etw. gehört + 2. Partizip (Notwendigkeit, umgangssprachlich) Er gehört aufgehängt (soll aufgehängt werden).
Die passivische Bedeutung verbindet sich mit aktionalen Bedeutungen (Beginn, Dauer, Resultat) in Funktionsverbfügungen mit liegen, stehen, ausgesetzt (unterworfen) sein, fallen, geraten, finden u. a.
Das Dorf lag unter schwerem Beschuss (wurde beschossen). Er war dem Spott seiner Kameraden ausgesetzt (wurde verspottet). Er fiel in einen falschen Verdacht (wurde verdächtigt). Unser Vorschlag war in Vergessenheit geraten (wurde vergessen). Der Vortrag fand allgemeine Anerkennung (wurde anerkannt).
