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3. Sprachliche und außersprachliche Faktoren des Sprachwandels.

Die mannigfaltigen Ursachen, die die Sprachveränderung hervorrufen, sind von zweifacher Natur. Die einen haben sprachexternen (außersprachli­chen) Charakter - es sind verschiedene Aspekte des gesellschaftlichen Le­bens, für die die Sprache empfindlich ist, das sog. außersprachliche Milieu und dessen Anforderungen an die Sprache. Die anderen sind sprachinterner (innersprachlicher) Natur; diese sind im Sprachkörper selbst, im inneren Mechanismus der Sprache verankert.Sprache ist ein dynamisches System. Der Sprachwandel ist die Gesamheit von Veränderungen auf verschiedenen Ebenen der Sprache.

Man unterscheidet sprachinterne und sprachexterne Ursachen des Sprachwandels:

1.sprachinterne Ursachen: die Anpassung des sprachlichen Mechanismus an die psychologischen und physiologischen Besonderheiten des menschlichen Organismus, der Sprechorgane; daraus resultieren die Veränderungen zur Erleichterung der Aussprache; der ökonomische Sprachgebrauch, z.B. Bildung der Komposita und der Kurzwörter; Rationalisierung des Sprachsystems, d.h. sprachliche Bewegungen, die das System durchsichtiger machen, z.B. das Vordringen der schwachen Konjugation der Verben; die Festlegung des Akzents auf die Stammsilbe in der germanischen Sprachen. Das hatte zur Folge, dass die Endungen reduziert wurden, im Englischen fielen sie sogar weg.

2. sprachexterne Ursachen: vielfältige gesellschaftliche Erscheinungen, die die Kommunikationsbedürfnisse der Menschen bedingen. Das sind soziale, politische, ökonomische Veränderungen, der Einfluss fremder Sprachen, Migrationen, Bildungswesen und Kultur, Sprachpflege und Sprachplannung. Neue Sachverhalte, neue Erkenntnisse der Wissenschaft und Technik erfordern neue Bennenungen, z.B. Kernkraftwerk, Computer.

Es sei noch betont werden, dass die historische Entwicklung der Sprache von zwei Gründe bestimmt wird: das Tendenz zur Sprachveränderung und das Tendenz zur Sprachkontinuität(die Sprache bleibt ständig\

4. Die Rolle von Martin Luther in der Entwicklung der deutschen Sprache.

Besondere Bedeutung für die weitere(1521)Entwicklung der deutschen Literatursprache hatten dieSchriften des Be­gründers des deutschen Protestantismus Martin Luther.

Der Mittelpunkt der lutherischen Reformation war Sachsen und das ihm angeschlossene Thüringen. Von Sachsen aus verbreitete sich die Lehre Luthers nach Nord- und Westmitteldeutschland sowie in viele suddeutsche Städte. Luthers Bibelübersetzung, sein Katechismus, seine Kirchenlieder, seine theo­logischen Traktate und Streitschriften verbreiteten sich über das ganze pro­testantische Deutschland. Seine Bibelübersetzung wurde zum meistgelese­nen Buch seinerzeit, sein Katechismus und seine Kirchenlieder wurden auswendig gelernt.

Luther folgte der ostmitteldeutschen literarischen Tradition in der Laut­form, Formenbildung und Schreibung. Sein Prestige und die Verbreitung seiner Schriften im ganzen protestantischen Deutschland trugen zur Ver­breitung und Festigung dieser Sprachform bei.

Kennzeichnend für die Sprache Luthers ist ihre Volkstümlichkeit. Sie ist der Alltagssprache nahe, bildlich, reich an Sprichwörtern und geflügelten Worten und frei vom lateinischen Einfluss. Sie hat einen klaren und durch­sichtigen Satzbau. Bei Luther finden wir auch Beispiele der ersten Verwendung von Wörtern in neuen Bedeutungen, die später in die Standardsprache übergingen. Dazu gehören zum Beispiel anfahren (in der Bedeutung „in heftigem Ton zurechtweisen“), verfassen („schriftlich niederlegen“) oder fromm (das früher „tüchtig, rechtschaffen“ bedeutete und erst bei Luther in der Bedeutung „gläubig, religiös“ benutzt wurde). Luthers Beitrag für die Entwicklung der deutschen Sprache ist also unbestreitbar, obwohl die Betrachtungsweise seiner Bibelübersetzung – als eine neue Epoche eröffnend – dem Stand der modernen Forschung nicht mehr standhalten kann.

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