- •Inhaltsverzeichnis
- •Einleitung
- •Grundzüge der ethnischen und politischen Geschichte von Belarus vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er.
- •Ethnien von Belarus in den 1930er und während des Großen Terrors.
- •2.Repressalien im Bezug auf…
- •2.2.1. Kultur- und Verwaltungsebene.
- •2.2.2. Religionsebene.
- •Zusammenfassung.
- •Quellen- und Literaturverzeichnis
- •Quellen
- •Literatur
Zusammenfassung.
Die im Laufe der 1930er Jahre im Bezug auf die Nationalitäten von Belarus unternommene Gesamtheit der Maßnahmen darf nicht als eindeutig klares und nichtwidersprüchliches Konstrukt bezeichnet werden, obwohl sie als einzelne eigenartige Dimension im Rahmen des mehrdimensionalen Großen Terrors etabliert werden konnte, da die den historischen Hintergrund der ethnischen Geschichte der Belarussen und der nationalen Minderheiten in Belarus berücksichtigte und daraus die spezifische nationale Politik im Bezug auf sie herausarbeitete.
Das Land, dessen nationale Mehrheit am Anfang des 20. Jahrhunderts keinen nationalen Adel (der von Polen und Russen ausgeprägt worden war), keine nationale Bourgeoisie (die von den Juden ausgeprägt wurde) aber eine sehr dünne Schicht von nationalen Intellektuellen hatte, die selbst nicht wussten, wie ihre Land und Volk genannt werden sollten (Lic`viny, Krywitschy oder ganz einfach Einheimische), das sich nach der Religionszugehörigkeit entweder zu den Polen oder zu den Russen bestimmte und als einzige Nation des ehemaligen Russischen Kaiserreichs während des Bürgerkrieges sogar vorübergehend keinen eigenen Staat schaffen konnte, war in Bedingungen des Sowjetsystems außerstande weder unter dem Deckmantel des Großen Terrors eigene nationalistische Ansprüche durch die Unterdrückung nationaler Minderheiten realisieren zu können, noch sein eigenes nationales Wesen zu verteidigen, noch die einheimischen Kader den Zentralgremien in Minsk zur Verfügung zu stellen (nur 1956 wurde ein Belarusse erstmals als dauerhafter Anführer der BSSR ausgewählt).
Die Blüte der Kulturwesen der nationalen Minderheiten fand während der Förderung der eigenen belarussischen Kultur in den 1920er Jahren statt und der Schlag auf die Belarussen wurde noch vor den Repressalien bezüglich der Polen und Juden am Anfang der 1930er durchgesetzt, als viele belarussische kulturelle und politische Täter als Nationalisten deprimiert worden waren. Seitdem wurde die Politik der Gleichsetzung des Belarussischen und Russischen ausgelöst, was man als milde Russifizierung betrachten kann und dafür musste man die Belarussen vom Einfluss des Polnischen durch die Abschaffung der Autonomie der Polen abgrenzen. Nach den Quellen darf dieser Prozess nicht als die Minsker Initiative betrachtet werden, da alle Indizien zu Wenden ausschließlich von Moskau ausgingen und Minsker Anführer diese danach anerkennen sollten, was die angebliche Polonisierung und die Vernachlässigung des Belarussischen befördert hatte (was faktisch wahr gewesen war, da sie in den 1920er die noch legitime Politik der Korenizacija verwirklicht hatten). Es ist auch fragwürdig zu behaupten, wem in Minsk diese Politik vorteilhaft war, da es keine Stabilität in der belarussischen Parteiführung in den 1930er gab, als im Laufe eines Jahres 5 erste Sekretäre sich wechselten und nur einer von ihnen, der ein Russe war, die Säuberungen überleben konnte.
Darüber hinaus dürfte die Stalinsche nationale Politik in Belarus als Politik der ethnischen Homogenisierung von Belarus verstanden werden, die aber im Interesse Moskaus durchlief, das nach der Stalinschen Definition der Nation die Belarussen als ethnische Gesamtheit zu fördern bereit war um:
durch die Reform der Sprache und die Unterdrückung der belarussischen Intellektuellen und Kultur sie auf die Betonung des Gemeinsamen mit der russischen Kultur auszurichten und die Förderung der kulturellen Unterschiedlichkeiten, die sich von Natur aus ergaben und früher im Rahmen der Politik der 1920er betont werden durften, zu verhindern;
durch die harte repressive Politik im Bezug auf die nationalen Minderheiten, besonders auf die Polen als Konkurrenten im Kampf um die Identität der im Nationalbewusstsein unterlegenen Belarussen auszurotten.
Die letzte Frage, ob dies alles die Nationsbildung der Belarussen begünstigte, ist ambivalent zu beantworten. Einerseits förderte die Ausrottung des größten Teils der belarussischen Künstler und Wissenschaftler, der Ersatz der im Volk im Laufe mehrerer Jahrhunderte herausgebildete Sprachlexik, die drastische Abnahme der belarussischsprachigen Literatur diesen Prozess nicht, sowie die Notwendigkeit in erster Linie sowjetischer Bürger mit guten Russischkenntnissen als selbst Belarusse zu sein. Andrerseits konnten die Repressalien im Bezug auf die Polen und die damit zusammenhängende propagandistische und antireligiöse Kampagne das Nationalbewusstsein besonders der Belarussen-Katholiken stärken und deren veraltete Gleichung nach dem Religionsprinzip mit den Polen zumindest im sowjetischen Teil des geteilten Belarus abschaffen. Außerdem wurde Kanon der nationalen Sprache durch die Reform des Belarussischen erstmals etabliert und bestimmt, den die Beamter, Schriftsteller und Schulwesen einhalten mussten.
