- •Inhaltsverzeichnis
- •Einleitung
- •Grundzüge der ethnischen und politischen Geschichte von Belarus vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er.
- •Ethnien von Belarus in den 1930er und während des Großen Terrors.
- •2.Repressalien im Bezug auf…
- •2.2.1. Kultur- und Verwaltungsebene.
- •2.2.2. Religionsebene.
- •Zusammenfassung.
- •Quellen- und Literaturverzeichnis
- •Quellen
- •Literatur
2.2.2. Religionsebene.
Der Kampf der Kommunisten gegen die Katholische Kirche war ein Höhepunkt der gewalttätigen Unifizierung von Belarus, der die Polen, Belarussen-Katholiken und deren Geistlichen schwer traf. Ähnlich wie im Fall mit der Orthodoxen Kirche wurden die Maßnahmen zuerst auf die Schließung der Kirchen und danach auf die großangelegten Repressalien gegen Geistliche ausgerichtet.
Die Schließung der katholischen Kirchen wurde damit begründet, dass sie „Spionageneste“ für polnische Diversanten geworden waren88. Im Laufe des Jahres 1937 wurden zwei wichtige Sachen im Bezug auf dieses Thema betrachtet und Entscheidungen getroffen. Am 18.August 1937 hatte das Politbüro des CK KP(b)B die Sache „Um die Maßnahmen bezüglich der Schließung der polnische Kirchen“ betrachtet und beauftragte den Volkskommissar für Inneres B. Berman, den Leiter der Abteilung für Propaganda und Agitation L. Gottfried und den Vorsitzenden des CIK BSSR genauere Zahlen der tätigen katholischen Kirche festzulegen und diejenigen zu schließen, die über keine Priester verfügen, um die gegenrevolutionäre Arbeit um diese Kirchen zu verhindern.89 Im Laufe eines Monats danach wurden 8 katholische Kirchen geschlossen, aber damit war die Parteiführung nicht befriedigt. Am 7.Oktober 1937 wurde die Sache „Um polnische Kirchen“ im Minsker Politbüro betrachtet, als sich für die endgültige Schließung aller katholischen Kirchen ausgesprochen wurde. Die Aufgabe sei alle polnische Kirchen in der BSSR zu schließen.90 Bis zum Ende 1937 wurde die Tätigkeit aller polnischen Kirchen in der BSSR unterbrochen. Wenn man die Definition „polnische Kirchen“ und die reale Zahl der Polen berücksichtigt, stellt sich heraus, dass die Repressalien gegen die katholische Kirche in erster Linie ein Kampf gegen die Träger des polnischen Einflusses im belarussischen katholischen Umfeld und in zweiter Linie gegen die nationale Kirche der extrem knappen polnischen Minderheit in den Ostgebieten von Belarus (Sowjetbelarus) war.
Parallel zum obengenannten Prozess fanden die Repressalien im Bezug auf katholische Geistliche statt, die angeblich den Sturz der Sowjetmacht durch die Schaffung der mit dem „faschistischen“ Polen verbundenen aufständischen Organisationen angestrebt haben wollen. Die durch die NKVD-Organe hergestellte Zugehörigkeit der katholischen Priester zu der Tätigkeit dieser angeblichen Organisationen sollte im Laufe des Großen Terrors den katholischen Klerus in der BSSR ausrotten.
Im August 1933 wurde die angebliche Tätigkeit der sogenannten „Polnischen Militärorganisation“ (POW) aufgedeckt, die ein sehr großes Zellenetz auf der Basis der katholischen Pfarreien in mehreren Bezirken und Städten geschaffen haben soll und nach den Ergebnissen dieser Untersuchung wurden 55 katholische Priester verurteilt.91 Aber damit wurde das Bestehen der POW nicht aufgegeben und 1937 begann die neue Phase der Repressalien, als nach dem Befehl № 00485 von N. Ežov nicht nur katholische Priester festgenommen und verurteilt werden sollten, sondern auch die polnischen politischen Emigranten, ehemaligen Kriegsgefangenen, ehemaligen Mitglieder der antisowjetischen Bewegungen und Mitglieder der polnischen sozialistischen Parteien; die Verhafteten sollten entweder erschossen oder zu 5 bis 10 Jahren Gefängnis verurteilt werden.92 Darüber hinaus erfassten die Repressalien die breiten Schichten der polnischen Minderheit in der BSSR.
Stark betroffen war auch die Religion der Juden. Im Laufe des Großen Terrors wurde die sogenannte jüdische religiöse nationalistische Organisation „Allunionsreligionszentrum“ unter der Führung des „Agenten des englischen Nachrichtendienstes“ Wanschelbaum aufgedeckt, die die Kontakte mit den ausländischen Nachrichtdiensten unterstützt haben sollte.93 Die jüdischen Geistlichen wurden in Moskau verurteilt.
