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2.2.1. Kultur- und Verwaltungsebene.

Seit den 1920er Jahren war die Belarussische SSR derjenige innensowjetische Staat gewesen, der nicht nur die Sprachen der nationalen Mehrheit und „internationalen Kommunikation“ (das Russische) als Staatssprachen anerkannte, sondern auch die Sprachen der nationalen Minderheiten (Polnisches und Jüdisches). Dies verkörperte sich darin, dass die polnische Minderheit auch eine Kultur- und Verwaltungsautonomie haben durfte (was die Verwaltungsautonomie jüdischer Minderheit in Belarus angeht, dürfte hier nichts behauptet werden, da die Untersuchung dieser Frage in dieser Arbeit leider vernachlässigt wurde. Damit konzentriert man sich vielmehr auf die „polnische Frage“, die damals eine viel wichtigere Rolle gespielt hatte).

Im Laufe der 1930er sollte dies alles abgebaut werden, was seinen Höhepunkt in der Abschaffung des Staatsstatus des Polnischen und Jüdischen fand:

„Es wurde beschlossen:

den Vorschlag des CK KP(b)B zu akzeptieren, sowie das Belarussische und Russische als staatliche Sprachen der Belarussischen SSR zu verankern. Hiermit wird dem Obersten Rat der Belarussischen SSR genehmigt, die davon ausgehenden Korrekturen der Artikel 25 und 119 der Verfassung der BSSR während der ersten Session zu vollziehen.“79

Damit schuf das Moskauer Politbüro am 27. Juli 1938 endgültig die Grundlagen der Kultur- und Verwaltungsautonomie für die Polen und die Juden in Belarus ab. Aber diesem Akt ist ein langer allmählicher von Moskau und Minsk angekurbelter Prozess der Erosion der nationalen Rechten der Polen und der Juden im Laufe der 1930er vorausgegangen.

Wegen des Mangels an Quellen und wissenschaftlichen Aufsätzen wird die Offensive gegen die Polen in zwei konkreten Beispielen erklärt, die beleuchten werden, über welchen Grad der nationalen und kulturellen Autonomie in Belarus die Polen verfügt hatten und was sie danach verloren.

In den 1920er und frühen 1930er gab es die Möglichkeit für die polnische Minderheit in Belarus ganze administrative Einheiten als polnisch zu etablieren. Hier geht es um das Existieren der mindestens zwei polnischen nationalen administrativen Einheiten bzw. um Dzeržinskij Bezirk und Jurkovičskij Dorfsowjet. Diese waren in der Mitte der 1930er für das Politbüro in Moskau ein Dorn im Auge und es wies Minsk auf die Notwendigkeit hin die liberale nationale Politik abzubauen:

Es wurde beschlossen:

[…], dass es in der Tätigkeit des CK KP(b)B, seines Sekretariats und in erster Linie von dem Genossen Gikalo ernsthafte Fehler gibt:

[…]

b) Verkennung der Bedeutung der nationalen Momente an Partei- und Sowjetarbeit, was seinen Niederschlag unter anderem in den Übergriffen auf die Arbeit der Organe des NKVDs fand.

Insbesondere betont CK VKP(b) die falsche Politik und Praxis, wenn man das polnischsprachige Schulwesen und das obligatorische Erlernen des Polnischen in den Dorfraten und Bezirken mit der Mehrheit der belarussischen Bevölkerung einführt.

CK VKP(b) verpflichtet CK KP(b)B diese Praxis unverzüglich zu beseitigen, das Netz und den nationalen Charakter der Schulen zu revidieren, um das Interesse des Belarussischen im höchsten Maße zu begünstigen“80

Obwohl es in diesem Dokument um keine offizielle Aufhebung der Autonomie der Polen gegangen war, zogen die Parteianführer in Minsk jeweilige Konsequenzen daraus und fingen an die Kultur-und Verwaltungsautonomie der Polen scharf zu kritisieren und anzugreifen.

Es wurde anerkannt, dass die belarussische Parteiführung sehr große Fehler in der nationalen Frage gemacht hatte, als sie die polnische Sprache, Schulen und administrativen Einheiten befördert hatte.81 Diese Fehler wurden damit verursacht, dass Minsk nicht von der Definierung einer Nation nach Stalin ausgegangen war, sondern von der Bindung der Nation an die Religion, was Stalin eindeutig ausgeschlossen hatte; nach ihm wird das Wesen der Nation in erster Linie von kulturellen und wirtschaftlichen Einflüssen definiert.82 So war Jurkovičskij Dorfsowjet zweimal als polnisch umgestaltet und etabliert worden, obwohl sich niemand aus diesem Dorf im Laufe der nächsten 3 Jahre an die Dorfleitung auf Polnisch wandte, der Leiter dieses Dorfrates ein Jude war und die Kinder in den Schulen Polnisch sehr schlecht konnten; die Etablierung und Bewahrung des polnischen Status war ausschließlich damit verbunden, dass Eltern wollten, dass ihre Kinder die Gebete auf Polnisch lesen können.83 Der Status des Dzeržinskij Bezirks war auch falsch definiert. Als er diesen Status bekam, hatten die Polen schon 49% der gesamten Bevölkerung ausgemacht und später nahm ihr Anteil drastisch ab, was damals mit der falschen Prozedur der Passpartiesierung verbunden war84. Weiter wurde eine sehr interessante Statistik bezüglich der polnischen Schulen vorgestellt. In einer Schule eines Dorfes dieses Bezirks gab es nur vier polnische Kinder unter 35 Schülern, in der Schule des Dorfs Stan`kovo des Kojdanovskij Bezirks 14 Polen von 125 Schülern und der Unterricht wurde ausschließlich auf Polnisch durchgeführt; zu dieser Zeit hatten 2% der polnischen Bevölkerung 337 Schulen, 8.2% des jüdischen Anteils 327 Schulen und 7.3% der Russen nur 194 Schulen.85 Daraus sind zwei wichtige Schlussfolgerungen der Minsker Parteiführung zu ziehen:

  1. die sogenannte Kolonisierung der Belorussen-Katholiken durch eine Polonisierung zu verhindern und die belarussische Sprache mit der Abschaffung der gemischten polnischbelarussischen Schulen zu verteidigen;

  2. die Anwesenheit der Polen selbst in Belarus als nationale Minderheit anzuerkennen, aber ihr Wesen in allen Sphären nach bolschewistischen Prinzipien umzugestalten und die Übergriffe hier vermeiden zu müssen.86

Wegen des Quellenmangels ist es sehr schwer zu verfolgen, ob die zweite Schlussfolgerung durchgesetzt wurde, aber damit wurde die bisherige Politik der Korenisacija faktisch für falsch erklärt und mit dem Beschluss vom 27.07.1938 endgültig abgeschaffen. Der Angriff der Boschewiki auf die Juden, die die zweite größte nationale Minderheit bildeten, sowie auf andere kleinere Minderheiten ging diesem Beschluss voraus. So sollen die jüdischen Lehrbuchverfasser angeblich in ihren Lehrbüchern die Trockisten gepreist haben.

L. Lyč bilanziert, dass die aus den betroffenen nationalen Minderheiten stämmigen intellektuellen Vertreter und Künstler in ihrer Tätigkeit sehr vorsichtig wurden, da sie sich fürchteten als Nationalisten bezeichnet zu werden; damit wurden die Kulturen, das Bewusstsein und die Traditionen der nationalen Minderheiten sehr stark verletzt.87

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