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2.Repressalien im Bezug auf…

2.1…die Belarussen.

Nach den Angaben der Volkszählung 1926 gab es zu dieser Zeit 4,017 Mio. Belarussen, die 80,6% der gesamten Bevölkerung der BSSR ausmachten.37 Wie schon oben erwähnt wurde, gab jeder siebte Belarusse während der Volkszählung 1926 Russisch als seine Muttersprache oder zweite Sprache an, gleichzeitig aber spielte sich der Prozess von Korenisacija ab, was die Entwicklung belrussischer Kultur und die Verbreitung der einheimischen Kader im Verwaltungssystem begünstigte. Dies alles, außer die Förderung der russischen Kultur, sollte in den 1930er zu Ende gehen.

2.1.1. …in Kulturebene. Die Notwendigkeit der Unifizierung des Lebens mehr als 100 sowjetischer Nationen und Völker im Namen der Zentralisierung des sowjetischen Verwaltungssystems unionsweit war der wichtigste Ursprung der faktischen Abschaffung der Politik von Korenisacija und Belorussifizierung, obwohl sie nie offiziell gekündigt wurden.38 Der „Sozialismus in einem Lande“ duldete keine Eigenmächtigkeiten.39

Zunächst wurde die belarussische Sprache durch die Russifizierung vorgestoßen, indem die Minsker Regierung am 26. August 1933 den zweiten Entwurf der Modifizierung der belarussischen Sprache verabschiedet hatte. Den ersten Entwurf 1930, der von einer Kommission aus sachkundigen Intellektuellen herausgearbeitet worden war, hatte man als die Verkörperung der Ideologie von Nacdemy abgelehnt.40 Die Zusammensetzung dieser Kommission wurde stark verändert und deren wichtigste Aufgabe war in erster Linie die sogenannten „Polonismen“ aus belarussischer Sprache zu vertreiben. Es ging nicht nur um die Ausstreichung der aus dem Polnischen übernommenen Wörter, sondern auch um die authentischen belarussischen Wörter, die wegen der Verwandtschaft des Belarussischen und Polnischen zu ähnlich schienen, und die die Moskauer und Minsker Machthaber angeblich an das „faschistische Polen“41 erinnerten.42 Allerdings ist die Tatsache zu nennen, dass diese Maßnahme der Russifizierung der belarussischen Sprache sehr vorsichtig von bolschewistischer Führung durchgeführt wurde, da das Belarussische unter der belarussischen Landbevölkerung herrschte, die damals die absolute Mehrheit der gesamten Bevölkerung darstellte.43 Ausgehend davon fürchtete sich einer der belarussischen Schriftsteller M. Lyn`kou noch nicht öffentliche Kritik bezüglich dieser Politik zu äußern:

„Es erweisen sich diejenigen, die das Polnische auf Kosten von belarussischer Sprache bereichern wollen, indem sie jedes für sie unverständliche Wort den Polen abgeben. Sie sind die Anhänger der Verarmung und Veredelung des Belarussischen, die weder sich selbst noch das Volk respektieren. Natürlich gibt es noch Polonismen im Belarussischen […]“,

aber nicht jedes unverständliche Wort müsse unbedingt ein Polonismus sein, so Lyn`kou.44 Aber die Gefahr als Anhänger von Nacdemy bezeichnet und danach verhaftet zu werden, zwang die Intellektuellen über die Realität zu schweigen. Die Schriftsteller und Dichter fingen an die Verarbeitung der aktuellen Probleme aus der Geschichte von Belarus zu vermeiden und diejenigen Motive zu beschreiben, die der „ideologischen Linie der Partei“ entsprachen. Selbst Lyn`kou hatte im Laufe des ersten Allunionskongresses der sowjetischen Schriftsteller 1934 in Moskau behauptet, dass alle mit belarussischer Literatur verbundenen Probleme in erster Linie mit der feindlichen Tätigkeit von Nacdemy zu tun hätten; danach erklärte der Geschäftsführer des Vorstands der belarussischen Schriftsteller M. Klimkovič, dass der belarussische Nationalismus die größte Gefahr für die belarussische Literatur, KP(b)B und BSSR blieb und bleibe.45 Allerdings konnte weder die Anpassung der belarussischen Intellektuellen an die neuen Bedingungen noch ihre Selbstgeißelung sie von Repressalien retten. Die Zielsetzung Stalins war totale Ausrottung der Korenisacija durch die Liquidierung ihrer Träger46, die in der zweiten Hälfte in der Auslöschung des größten Teils belarussischer Intellektueller ihren Niederschlag fand47.

„Die bedeutendsten Republiken hatten […] so hohe Verluste unter den Repräsentanten von Kultur und Wissenschaft zu beklagen, daß sie gleichsam geistig enthauptet worden“48

Es wurden auch diejenigen Einrichtungen und deren Mitglieder berührt, deren Aufgabe darin bestand das historische Gedächtnis der Nation zu bewahren und die Wissenschaften zu befördern. Im Laufe dieser Politik wurden viele historische Museen geschlossen oder ihre Ausstellungen, z.B. des Inbelkults (der Akademie für Wissenschaften) liquidiert um das historische Gedächtnis aus dem Volksbewusstsein auszulöschen.49 Durch die Verhaftungen und Vernichtung der wissenschaftlichen Mitarbeiter waren die ganzen Abteilungen der Akademie für Wissenschaften zerschlagen worden, z.B. der Archäologische Sektor des Historischen Instituts50, was die belarussische Wissenschaft in diesem Bereich bzw. einen Teil des Kerns nationalen Bewusstseins im Laufe langer Zeit verfallen ließ. Dazu wurden auch die wissenschaftlichen oder literarischen Werke der geschädigten Intellektuellen massenhaft vernichtet, deren einzelne Exemplare in den sogenannten speziellen Aufbewahrungsorten bis zum Ende der 1980er für breites Publikum unerreichbar geblieben sind51: im April 1937 befahl Glavlit (Gremium, der für den Zugang literarischer und wissenschaftlicher Werke zur Veröffentlichung zuständig war) die Werke der 20 berühmtesten belarussischen Schriftsteller (Cjotka, M. Bagdanovič u.a.) aus den öffentlichen Bibliotheken und Büchereien zu vertreiben.52

Dies setzte als Rückgang der gedruckten belarussischsprachigen Literatur fort, als sich 1940 weniger als der Hälfte der in BSSR gedruckten Bücher auf Belarussisch erwies; aber sogar dieser kleine Teil wurde meistens durch die Werke kommunistischer Klassiker, sowjetischer Anführer und Schulbücher überschwemmt.53

In den 1930er fand auch eine Zäsur im Schulwesen statt, die als ein Ursprung der starken und erfolgreichen weiteren Russifizierung dieses Bereichs betrachtet werden darf. 1933 wurde der Beschluss der CK VKP(b) „Um die Verzerrungen der Nationalpolitik in BSSR“ verabschiedet, der die Minsker Parteiführung für die Verkennung des Kampfes für Internationalismus und Einigkeit aller Völker kritisierte.54 Ausgehend vom Kampf für die Stärkung des Internationalismus waren gemischte belarussischrussiche Schulen im Laufe der 1930er als russischsprachige Schulen umgestaltet worden, was z.B. in der Abnahme der belarussischsprachigen Schulen von 93,4% auf 88% im Jahr 1938/39 erkennbar ist.55 Dieser Prozess wurde durch die Hysterie verstärkt, dass sich angeblich zu viele nationalistische Schädlinge im belarussischen Ausbildungssystem verschanzt hatten, die 1937 die allgemeine Ausbildung obstruierten, 1934-1936 das Erziehungsprogramm zerstörten, die Lehre nach den alten antisowjetischen antiproletarischen Ausbildungsprogrammen von Nacdemy fortsetzten, und die russische Sprache als Unterrichtsfach vernachlässigten.56

Wenn die Begründung der Vernachlässigung und Repressalien des Polnischen von Minsker Bolschewiki als eine Verteidigung gegen eine angebliche bedrohliche Kolonisierung als Heuchelei betrachtet werden kann, dann ist es schwierig in diesem Fall ihre Wörter zu begreifen, die gegen die reale Vernachlässigung des Belarussischen seitens des Russischen gerichtet waren, was sich nach ihren Wörtern besonders während der Parteisitzungen erwies.57

Es scheint wahrscheinlich zu sein, dass die damalige belarussische Parteiführung, die sich 1932-1937 unter der Leitung des ersten Sekretär N. Gikalo (nicht-Belarusse) gefestigt hatte, den neuen Zeitgeist und die neuen von Stalin fürs Überleben erfundenen Regeln nicht rechtzeitig begreifen konnte. Als Reaktion darauf wurden von Moskau die großangelegten Säuberungen auch des Zentralparteiapparats in Minsk durchgeführt. Davon zeugt die Tatsache, dass 1937 in Minsk „buchstäblich kein ZK-Mitglied mehr übrig“ war58 und sich binnen nur eines Jahres 1937-1938 fünf erste Sekretäre der KP(b)B wechselten, und der einzige der von ihnen überleben konnte ein Russe war.59 Die in den vielen anderen Fällen unionsweit sich ausgeprägte Ironie des Großen Terrors stellte sich auch in Belarus heraus: diejenigen, die das Nationalwesen der Belarussen beschädigt und dessen Hüter und Förderer neutralisiert oder vernichtetet hatten, sind selbst durch die richterlichen Beschlüsse Anhänger von Nacdemy und des belarussischen Nationalismus geworden. Seinen Niederschlag fand dies in Verbindung mit dem ehemaligen belarussischen Parteianführer V. Šarangovič, der sowohl für die Beteiligung am „Block der Tročkisten und Rechten“ als auch für die Zusammenarbeit mit dem polnischen Nachrichtdienstes als belarussischer Nationalist um die Unabhängigkeit von Belarus unter der polnischen Protektion zu erreichen, angeklagt wurde:

„The accused Sharangovich, agent of the Polish intelligence service and one of the leaders of the antiSoviet organization of Belorussian national-fascists, has admitted that this organization pursued its undermining activities […] on the instructions of the Polish intelligence service. […]. The ultimate object […] was to sever Belorussia from the Soviet Union and to create an `indepent` buffer state, which undoubtedly would have been entirely in the hands of Poland […]“60

Obwohl die nationale Kultur, die Sprache, sowie das Ausbildungssystem stark beschädigt worden waren und Reihen der Schriftsteller und Künstler große Verluste erlitten hatten, konnte nationales Selbstbewusstsein im Laufe des Großen Terrors standhalten. Es wurden die hochwertigen Schöpfungen der Schriftsteller, Dichter und Künstler weiter geschaffen61, was damit verbunden war, dass die absolute Mehrheit der belarussischen Bevölkerung in Dörfern lebte, die Hüterinnen der nationalen Traditionen und Sprache geblieben waren.62 Dies alles begünstigte die Regeneration der nationalen Elite und verlangte von Moskau die Erfordernisse und Besonderheiten der Belarussen und deren Kultur in Kauf zu nehmen.

2.1.2. …in Religionsebene.

Das Hauptziel der religiösen Verfolgungen begründet sich in dem Wunsch und dem Bedürfnis der Bolschewiki, gefährliche Konkurrenten in der ideologielogischen Ebene zu beseitigen. Was den belarussischen Sonderfall betrifft, nennt der belarussische Forscher U. Navicki auch den Wunsch der Moskauer Regierung durch den Schlag auf das Religionswesen der Belarussen deren religiöse und nationale Geschichte, als auch ihre Volkstraditionen auszurotten und neue Generationen der Atheisten großzuziehen.63 Da die Belarussen Orthodoxe und Katholiken gewesen waren, sollten diese im Laufe der Geschichte miteinander für die Herzen der Belarussen gekämpften Konfessionen, die die Traditionen und das Bewusstsein des Volkes gehütet hatten, einen Schlag von dem atheistischen und internationalistischen Staat erleiden. Ausgehend davon, dass Repressalien gegen die katholische Kirche sehr eng mit der polnischen Frage verbunden waren, wird hier kurz die Verfolgung im Bezug auf die belarussische Orthodoxe Kirche betrachtet, die obwohl sie dem Moskauer Patriarchat untergeordnet war, über eine nationale Eigenständigkeit verfügte.64

Am 8. April 1929 wurde der Beschluss „Um die religiösen Verbände“ unionsweit verabschiedet, der die religiösen Verfolgungen legitimierte. Diese Verfolgungen verkörperten sich als Plünderungen des Eigentums der Kirchen, deren Schließungen, Vernichtungen, Verhaftungen, Verbannungen und Hinrichtungen der Priester. Am Ende des Jahres 1930 hatte Ministerpräsident A. Rykov vor Minsk die Aufgabe gestellt 1.000 Tonnen der kirchlichen Bronze den Zentralbehörden zu übergeben65. Dafür wurden viele Glocken demontiert. Danach wurden fast alle Kirchen in der Republik geschlossen, insgesamt 1371 bis zum Ende 1936. Es waren noch 74 Kirchen geblieben, die den Großen Terror nicht überleben konnten; 1938 funktionierten nur 2 Kirchen in der ganzen Republik.66 67 Es wurden auch viele im Laufe der Jahrhunderte gebaute Kirchen, die somit verschiedene Merkmale der nationalen Architektur der Belarussen wiederspiegelten, vernichtet um auf ihren Plätzen neue Regierungsgebäude zu errichten.

Am Anfang der 1930er begann die harte Unterdrückung der Geistlichen. Zunächst wurde sie, durch deren angeblichen Wiederstand gegen die Kollektivisierung und wegen ihrer Unfähigkeit den überforderten Betrag der Steuern auszuzahlen, deprimiert. 1930 wurden 93 Priester in Belarus verurteilt (25 erschossen, 68 in KZs ausgewiesen).68 1933, 1937 und 1938 wurden die „kirchlichen gegenrevolutionären Organisationen“ von den belarussischen Sicherheitsdiensten erfunden, die angeblich den Aufstand gegen die Sowjetmacht vorbereitet und einen Bund mit Polen durch den Wiederaufbau von Unija mit der katholischen Kirche angestrebt hatten, deren Mitglieder angeblich fast 300 Geistliche (Priester, Bischöfe und Metropoliten) gewesen waren; die absolute Mehrheit von ihnen wurde verurteilt.69 Wenn man davon ausgeht, dass gleichzeitig Polen in Zusammenarbeit mit dem Vatikan eine Politik der Unterdrückung der belarussischen Orthodoxen und deren Priester in ihren Ostgebieten durchführte70, was den Orthodoxen in BSSR bekannt war, scheinen diese angeblichen Beschuldigungen fragwürdig gewesen zu sein.

2.2. …Polen und andere nationale Minderheiten.

Nach den Angaben der Volkszählung 1926 war der Anteil der Polen in der Bevölkerungszusammensetzung 1,9% gewesen und im Laufe von 10 Jahren verringerte er sich bis auf 1%.71 I. Ramanava nennt in ihrem Artikel zwei Gründe für diese rasche Abnahme der Polen: 1) großangelegte Repressalien der bolschewistischen Macht gegen diese Minderheit; 2) falsche Zählung ihres Anteils vorher auf den Kosten der Einbeziehung der katholischen Belarussen.72 Obwohl es rational wäre die nationale Politik im Bezug auf die Polen und auf Belarussen-Katholiken getrennt zu betrachten, ist es ausgehend vom Mangel der Quellen umständlich zu verwirklichen. Berücksichtigt man noch obenerwähntes schwaches nationales Bewusstsein der Belarussen, was auch unten in dem konkreten Beispiel verdeutlicht wird, waren die Bolschewiki zunächst selbst außerstande gegeneinander die Polen und die Belarussen abzugrenzen, was seinen Niederschlag in endlosen Umgestaltungen eines Dorfes im polnischen und belarussischen Dorfsowjet fand.73 Dennoch kann die Rede von allgemeinen und einzelnen Maßnahmen der Bolschewiki im Rahmen des Großen Terrors in Belarus im Bezug auf die Polen in der Kultur- und Verwaltungsebene und besonders in der Religionsebene sein.

Dies alles ging von der außerordentlichen Rolle des Polnischen Staates gegenüber UdSSR und BSSR aus. Die Niederlage der Roten Armee während des polnischen Feldzugs im Sommer 1920, als Stalin selbst einer der Befehlshaber gewesen war, und die daraus hervorgegangene polnische Besatzung und Annektierung der belarussischen Westgebiete bestimmten die Rolle dieses Staates für die Sowjetunion und besonders für die BSSR selbst als unmittelbarer Feind № 1. Folgte daraus, die vom NKVD hergestellte unbedingte Bindung am polnischen Sicherheitsdienst nicht nur der angeblichen belarussischen Nationalisten, sondern auch der im Zentrum verurteilten ehemaligen bolschewistischen Machhaber:

„Speaking further oft the plans to sever Belorussia from the USSR, the accused Rykov testified as follows:

`The general formula on which we then agreed was that in the negotiations with the Poles…we would agree to the severance of the Belorussian Soviet Republic from the USSR and the formation `independent` Belorussia as a Polish protectorate…. `“74,

sollte man keine Nachsicht für die in der unmittelbar mit „faschistischer Polen“75 angewohnten BSSR ansässigen Polen erwarten und gleichzeitig hatte Stalin seine These formuliert, dass nationale Zugehörigkeit ein Ursprung des Verrats werden könne.76

Wenn man in groben Umrissen das Ergebnis der nationalen Politik im Rahmen des Großen Terrors im Bezug auf die nationalen Minderheiten in Belarus zusammenzufassen versucht, stellt sich heraus, dass ihre soziale Struktur, ihre traditionellen Beschäftigungen sowie die nationale Identität entweder tief verletzt oder total zerstört wurden.77 78

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